Kafka: Seine Texte rächen sich bis heute

Literatur Auch 100 Jahre nach seinem Tod verweigern Franz Kafkas Romane jedwede Deutung. Dass wir sie nicht verstehen, sollte uns aber nicht verzweifeln lassen
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 19/2024
Singende Mäuse, krabbelnde Käfer – man hat in Kafkas Parabeln nie den Eindruck, dass er tatsächlich über Tiere spricht
Singende Mäuse, krabbelnde Käfer – man hat in Kafkas Parabeln nie den Eindruck, dass er tatsächlich über Tiere spricht

Foto: Luca Celine Müller

Das hundertjährige Verwesen eines Schriftstellers mit Konferenzen, Feuilletonartikeln, einer hochkarätigen TV-Serie oder der erneuten Lektüre von Romanen zu feiern, könnte selbst Bestandteil einer kafkaesken Erzählung sein. „Alles restlos und ausnahmslos verbrennen“, das war die letzte Bitte Franz Kafkas an seinen Freund und Verleger Max Brod. Einhundert Jahre später feiert man Brods Weigerung, Kafkas Bücher zu verbrennen, damit, dass man sich erneut gegen den letzten Willen des Schriftstellers versündigt.

Jeder Lektüre von Kafkas Texten haftet deswegen ein Hauch des Sich-schuldig-Machens an. Als hätte der Prager Schriftsteller das vorhergesehen, rächen sich seine Texte bis heute an uns durch ihren Rätselcharakter. R