Die Elite vermisst die FDP

Umfrage Was halten Deutschlands Unternehmensmanager von der großen Koalition? Die Meinungsforschung hat das untersucht. Die Ergebnisse sind durchaus aufschlussreich
Die Elite vermisst die FDP
Die FDP ist aus dem Bundestag geflogen. Prost!

Bild: Jens Schlueter / Getty Images

Der Begriff der „Elite“ ist in Deutschland immer noch negativ besetzt. Deutlich besser hört es sich an, wenn über „Spitzenmanager“ oder „Top-Entscheider“ gesprochen wird. Umso erstaunlicher ist es, dass die Umfrage der Wirtschaftszeitung Capital den Titel „Elite-Panel“ trägt. Zweimal pro Jahr beauftragt das Monatsblatt das Allensbach-Institut für Demoskopie, um herauszufinden, wie Deutschlands Elite aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung wirklich tickt. So auch jetzt wieder.

Die Ergebnisse sind aufschlussreich. Für manche Linke mag das einfach unter „Feindbeobachtung“ laufen, hilfreich sind die Erkenntnisse aber vor allem, wenn man auch die Strukturen versteht, die begünstigen, dass die Politik an den Bürgern vorbei regiert. Die Wirtschaftselite vertritt nahezu ausschließlich (wirtschafts-)liberale Positionen. Ein linker Manager würde es wohl auch nicht schaffen, mit seinen Idealen auf der Karriereleiter nach ganz oben zu steigen.

Die so gefärbte Wirtschaftselite wiederum bestimmt die Politik der großen Unternehmen und Verbände. Und die flüstern den Parlamentariern und Regierungsmitgliedern ein, welche Politik ihnen sinnvoll scheint und welche nicht. Die Wirtschafts-Elite verfügt schließlich über deutlich mehr Lobbyisten als die Gewerkschaften oder Umweltverbände.

Miss you, FDP!

Wie stark die Meinungen von Managern und Normalbürgern voneinander abweichen, zeigt die aktuelle Befragung. Die Elite aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung trauert der FDP hinterher. 73 Prozent bedauern das Ausscheiden aus dem Bundestag, 69 Prozent ist der Wiedereinzug wichtig. Mehr als zwei Drittel der Befragten fühlen sich der CDU oder CSU verbunden, etwa 13 Prozent der FDP – das ist fast drei Mal so viel wie die Liberalen bei der Bundestagswahl geholt haben.

Befragt wurden 353 Vertreter aus der Wirtschaft, 92 aus der Politik und 51 aus der Verwaltung. Betrachtet man nur die Wirtschaftsmanager, dann ist das Bild noch eindeutiger: Drei Viertel sympathisieren mit den Unionsparteien, ungefähr 14 Prozent mit der FDP, der kleine Rest mit der SPD. Grüne und Linke sind vernachlässigbar.

Schwarz-Grün? Ja bitte!

Was hält die Elite aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung von der neuen Bundesregierung? Die Erwartungen sind gering: 29 Prozent meinen, die Koalition aus Union und SPD werde „das Land voranbringen“. Bei der großen Koalition im Jahr 2005 wurde die Frage schon mal gestellt, damals stimmten 52 Prozent zu. Ob das wohl daran liegt, dass damals eine rot-grüne Bundesregierung abgelöst wurde?

Von den Grünen allerdings lässt sich die Elite inzwischen offenbar nicht mehr abschrecken. Schwarz-grüne Regierungsbündnisse werden mit einer deutlichen Mehrheit begrüßt. 91 Prozent der Befragten halten es „prinzipiell für gut, wenn sich CDU/CSU und Grüne annähern und Koalitionen eingehen“, bei den Unternehmensführern sind es sogar 95 Prozent.

Stramm wirtschaftsliberal

Die Manager sind jedoch nicht besonders konservativ, sondern vor allem (wirtschafts-)liberal. So sprechen sich 69 Prozent von ihnen für die Ermöglichung der doppelten Staatsbürgerschaft aus. Gleichzeitig vertreten sie in der Sozialpolitik klassisch nicht-linke Positionen. Eine Mietpreisbremse – also ein Eingriff in den freien Markt – wird deutlich abgelehnt, nur 16 Prozent halten diese Maßnahme für richtig. Erstaunlich ist, dass immerhin 27 Prozent der Unternehmenschefs den geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro befürworten. Warum ist hier die Zustimmung höher? Vielleicht wissen die global vernetzten Manager, dass in den meisten EU-Staaten ein Mindestlohn schon lange Standard ist.

Die hochrangigen Politiker haben in diesen Fragen eine etwas andere Meinung. Sowohl für die Mietpreisbremse als auch für den Mindestlohn gibt es eine knappe Mehrheit. Einig ist sich die Elite aus Wirtschaft und Politik jedoch in der Ablehnung von mehr direkter Demokratie. Nur jeweils ein Drittel der befragten Unternehmenschefs und Politiker finden Volksabstimmungen auf Bundesebene richtig. Die Elite bleibt bei ihren Entscheidungen anscheinend gerne unter sich.

06:00 23.12.2013

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