Lt. Commander Geordi LaForge

If it works the way I think it will, once the invasive program starts spreading, it'll only be months before the Borg suffer total systems failure.
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RE: Linke Malaise | 17.10.2021 | 13:06

Liebe Magda,

danke für das nette Feedback - das gibt es hier nicht oft.Wie Sie selbst sagen, sind Linke heute oft überhaupt nicht solidarisch, das merkt man schon an den Reaktionen hier, die meistens arrogant und zynisch sind und letztlich nur zeigen sollen, wie sehr ihre Autoren sich anderen geistig überlegen fühlen.

Der Punkt Ihrer Antwort, den ich gern aufgreifen möchte ist ...

++ Aber, aus dieser Besitzlosigkeit wollen viele Leute heraus, ohne dass sie sich einer Partei anschließen, die darüber sinniert, warum sie arm sind oder arm bleiben. ++

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Linke aus Sicht der Besitzlosen so "anfühlt"? Ich kann es mir gut vorstellen ... in etwa so, wie sich vielleicht ein Käfer fühlt, der von einem - wenn auch wohlmeinenden - Insektenforscher untersucht wird.

Das passt aber durchaus gut zu dem zweiten Punkt meines obigen Beitrags:Eine Linkspartei, die erfolgreich sein will, darf m.E. nichts anderes als ein "Verstärker" der echten sozialen Kämpfe sein - ein "Dienstleister", wenn Sie so wollen.

Das aktuell schlagende Beispiel, dass sie das nicht ist, stellt das Berliner Mietenplebiszit dar: Warum mussten dessen Organisatoren eigentlich alles alleine machen? Sicher - sie wollten wohl auch nicht ins Fahrwasser einer Partei geraten. Aber warum wollten sie das nicht einmal bzgl. der Linkspartei? Warum wollten die Organisatoren der größten sozialistischen Massenmobilisierung seit Jahrzehnten einen "Sicherheitsabstand" zu einer sozialistischen Partei bewahren, die immerhin groß genug ist, um in Parlamenten und Regierungen vertreten zu sein?Da wird doch "der Hund in der Pfanne verrückt".

Und am verrücktesten ist, dass so etwas dem Management der Linkspartei noch nicht einmal peinlich zu sein scheint, dabei ist es doch das vernichtendste Zeugnis ihres Scheiterns, das man sich nur vorstellen kann.Allein die konstruktive und selbstkritische Aufarbeitung dieses konkreten Falles könnte schon so viel geraderücken.

RE: Es fehlen die, die mitten im Leben stehen | 17.10.2021 | 12:41

Hallo Biene,

leider verstehe ich den Großteil Ihres Kommentars nicht - wahrscheinlich bin ich zu dumm.

Was Ihren einfachen anthropologischen Nachweis betrifft, dass Menschen keine Sozialisten sein können, wäre ich gespannt, worin er besteht.

Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es in der modernen Erkenntnistheorie keine "Nachweise" mehr gibt, sondern nur mehr oder weniger gute Belege für Theorien.

Selbst wenn Sie aber einen guten Beleg liefern könnten, wäre immer noch einzuwenden, dass der Sozialismus schlichtweg äußerst nützlich und daher klar anzustreben wäre. Rein anthropologisch betrachtet können Menschen schließlich auch nicht fliegen, aber sie tun es mittlerweile ja doch seit 100 und mehr Jahren und würden ungern wieder darauf verzichten, nur weil das irgendeiner ominösen "menschlichen Natur" widerspricht.

RE: Es fehlen die, die mitten im Leben stehen | 15.10.2021 | 21:57

Ich bitte Euch (fast) alle:Etwas mehr Disziplin und Konstruktivität.Habe ich selbst auch manchmal vermissen lassen.Aber es nie zu spät.

RE: Deutsche Arbeiter = globale Mittelschicht | 19.03.2021 | 21:00

Statt "fatale klugscheißerei" würde ich es eher "Manöverkritik" nennen. Man sollte schließlich wenigstens etwas lernen aus den Fehlern derjenigen, die einem vorangegangen sind.

Statt das Grundsätzliche in Frage zu stellen, was uns nur wieder in uferlose Diskussionen verstricken würde (als hätten wir davon noch nicht genug gehabt), halte ich es für besser, im Detail zu kritisieren.

Statt einen "objektiven auftrag der geschichte" fühle ich übrigens ein subjektives Verlangen. Kannst du das von Dir auch behaupten? So ein Kribbeln im Bauch? Oder wird das hier eine Seminararbeit von Dir?

RE: Islamismus ist rechts | 19.03.2021 | 20:37

Sorry, dass ich mich so spät melde, aber ich habe keine Benachrichtigung erhalten.

Okay, als Eso hätte ich Dich jetzt nicht erkannt, geschweige denn als "rechts" (was auch immer das heißt, das diskutieren wir hier ja gerade). Und dass "die Nazi-Keule zu oft benutzt [wurde]" - da sind wir uns einig: Die Linke kann sich nicht länger auf Auschwitz ausruhen - jetzt muss mal wieder was Eigenes aufgebaut werden. Was ich Dir eher ankreide, ist diese naive mittige "Friede-Freude-Eierkuchen"-Mentalität - in Zeiten der Krise sollte man Position beziehen, finde ich jedenfalls. In meiner Sicht entstehen Krisen dadurch, dass Probleme zu lange ausgesessen werden zugunsten von "Frieden".

Noch was zur Kritik der Linken: Ich finde im Gegenteil, dass sie weniger präzise werden muss, denn nur wenn in der Breite scharfe Emotionen wie Wut und Hass entstehen auf die kleine Gruppe der (wirklich, d.h., materiell) Privilegierten, die von all dem profitieren, ohne sich irgendwas dabei zu denken (außer dass sie das ja verdient haben), dann entsteht das Potenzial, dass irgendwann massenhaft Menschen bereit sind, einen Umsturz der Verhältnisse zu unterstützen. Ein Umsturz kann nicht allein durch Technik, durch wirtschaftliche Dynamiken, durch kulturellen Wandel entstehen (auch wenn das mehr oder weniger notwendige Voraussetzungen sind, je nachdem) - sondern nur durch Menschen und ihre individuellen, aber massenhaften Entscheidungen. Und dazu braucht es (auch) Emotionen, u.a. auch darum, weil ein großer Teil der Bevölkerung es vorzieht, Entscheidungen auf Basis von Emotionen zu treffen.

RE: Deutsche Arbeiter = globale Mittelschicht | 19.03.2021 | 20:11

Welcher Autor wäre hier denn nicht mehr zitierfähig? Ruhig heraus damit.

Wo übrigens beginnt das Zitat (in diesem Wald von Anführungszeichen)?

Ich wüsste gern, ob ich mit einem Toten oder einem Lebenden rede ...

RE: Deutsche Arbeiter = globale Mittelschicht | 10.02.2021 | 18:58

Wie schön, es gibt eine Debattenkultur hier - das habe ich auch schon anders erlebt. Vielen Dank für die Antwort, die ich hier wiederum beantworten möchte:

Die Kritik, dass ich schematisch argumentiere, nehme ich an, würde es aber lieber als ein Zuspitzen bezeichnen - das dann so gute Antworten wie diese hier provoziert.

Trotzdem möchte ich nochmal auf das Kernproblem zu sprechen kommen:

Wenn die Linke nicht nur von den ärmsten 10% der lokalen Bevölkerung (und einigen zu vernachlässigenden Idealisten) gewählt werden soll, muss sie die materiellen Interessen von mindestens der Hälfte schlagkräftig vertreten.

Das Problem ist aber doch, dass der größte Teil dieser Zielgruppe de facto eine Mittelschicht darstellt - denn der nationale Rahmen, in dem Wahlen stattfinden, ist ja nur eine Illusion, und die faktische Situation kann nur in einem globalen Rahmen erfasst werden.

Die "Metropolenarbeiterschaft" hat etwas zu verlieren, was sie vom "Hungerleider-Proletariat" abhebt. Ich habe das "Staatsbürgerschaft + SGB" genannt ... und das ist eine Art Kapital. Insofern muss ich konstatieren, dass es sich bei dieser Gruppe nicht um ein Proletariat handelt, sondern um Mittelschicht/Kleinbürgertum. Einspruch?

Wir müssen das übrigens auch gar nicht nur theoretisch fassen: Man unterhalte sich mal mit Personen, die zur (traditionell so bezeichneten) "Arbeiterschaft" in Deutschland gehören: Die orientieren sich nach oben. Etwas anderes habe zumindest ich noch nie erlebt. Sie streben v.a. nach (nicht unbedingt selbst genutztem) Wohneigentum - das gute alte "Beton-Gold". Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich werfe das niemandem in irgendeiner Weise vor - ich bin Materialist. (Ende des empirischen Exkurses)

Was ich da skizziere, ist klassisches Mittelschichtsverhalten. Mittelschichten haben immer die Wahl, welche Front sie ernster nehmen - meistens entscheiden sie sich für das Bündnis mit der Oberschicht gegen die Unterschicht (übersetzt in heutige Verhältnisse: Metropolenarbeiterschaft und Metropolenkapital gegen den Rest). Das hat auch diverse historische Vorgänger, bspw. die Gewerkschaften der US-Westküste, die ein Einwanderungsverbot für Chinesen durchgesetzt haben. Und es ist - materialistisch, also wertfrei betrachtet - auch in vielen Fällen die "richtige" (also zielführende) Entscheidung.

Von einer marxistischen Partei erwarte ich einfach die Klarheit, die materielle Existenz ihrer Basis widerzuspiegeln - andernfalls ist sie nutzlos. Was also ist die (mehrheitsfähige) Basis der Partei "Die Linke"?

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Noch ein Wort zu den Mittelschichten des globalen Südens: Ich stimme selbstverständlich zu, dass es die gibt ... sie sind aber im Grunde die Klassengenossen der Metropolenarbeiterschaft, auch wenn die Art von Kapital, die beide nutzen, unterschiedlicher Art ist. Das geht so weit, dass Mittelschichten des globalen Südens gar kein Interesse an einer Abwanderung Ärmerer nach Norden haben, weil ihnen dadurch billige, sich gegenseitig kaputt-konkurrierende Arbeitskräfte verloren gehen. Die Verhinderung der proletarischen Migration ist also eine gemeinsames materielles Interesse dieser global verteilten Mittelschichtsklasse.

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Wer, schließlich, steht unangefochten außerhalb dieses ganzen Tohuwabohu? Die globale Oberschicht ... und ihr großer Vorteil ist, auch wenn das paradox klingen mag: Sie sind wenige. Das heißt nämlich v.a. auch: Sie, die wenigen 10.000 stinkreichen Personen jedweder Abstammung oder Weltanschauung können sich viel leichter einigen als die Milliarden ihrer Antagonisten. Dieser Vorteil wird immer bestehen bleiben.

Und ihr bestgehütetes Geheimnis ist: Die Konflikte, von denen wir täglich in den Medien lesen (USA, EU vs. Russland, China usw.) sind kaum mehr als Charade, denn die Front verläuft an einer Stelle, auf die niemand den Blick richtet.

RE: Islamismus ist rechts | 28.11.2020 | 16:49

Okay, wenn man allgemein gegen Extremismus ist, kann man das so sehen. Ich bin das jedenfalls nicht: Exteme Situationen erfordern extreme Reaktionen. Ehrlich sagt, ich muss sagen: Der ganze Zentrismus, der sich in der Linken (zumindest in Deutschland) breitmacht, kotzt mich an.

Das habe ich auch schon gedacht bei Deiner Einlassung, soviel Differenzierung müsse sein: Nein! Man kann sich auch tot differenzieren, mit dem Ergebnis, dass man keine unterscheidbare und schlagkräftige Position mehr hat.

Ich sag es mal so: Die Welt ist ein großer Basar. Wer leise und bescheiden spricht, wird überhört; wer lauter spricht, wird zumindest vielleicht wahrgenommen. Aber nur wer schreit, hat eine Chance, jemanden mitzureißen, der unentschlossen ist (und das sind viele). Dass das so ist, mag dem Intellektuellen nicht gefallen - aber man kann sich die Welt, in der man lebt, nicht aussuchen.

In Anlehnung an Kunzelmann behaupte ich mal: Die deutsche Linke hat einen RAF- und SED-Knacks, und den gilt es zu überwinden. Die Beißhemmung muss weg, sonst haben wir gegen den zu allem entschlossenen und vor allem äußerst fleißigen Feind keine Chance.

Dafür aber brauchen wir gemeinsame Grundlagen, um uns nicht gegenseitig in die Parade zu fahren, wie es üble linke Tradition ist. Der Materialismus erscheint mir da als das einzig denkbare, grundlegend einigende Band - oder wo würdest Du das sonst sehen?

Indem ich sage, dass der Islamismus rechtsextremistisch ist (mit Schwerpunkt auf "rechts", nicht auf "extremistisch"), versuche ich genau die Klarheit herzustellen, die bislang fehlt, um getrennt zu marschieren, aber vereint zu schlagen.

Und um (auch der internationalen Kooperation willen) nochmal auf eines meiner hier bislang nicht beachteten Argumente zurückzukommen: Frag mal bspw. linke Türken oder Araber (solltest Du welche kennen), was sie als politisch "rechts" betrachten: Das wird in erster Linie der Islamismus sein, jede Wette.

RE: Islamismus ist rechts | 18.11.2020 | 13:55

Eine Lehre ziehe ich aus der ganzen Diskussion: Wenn man generell über die Rechte und ihr Wesen sprechen möchte, darf niemals das Wort "Faschismus" oder "Nazi" fallen (und sei es nur, wie hier, in einem Nebensatz und abseits der eigentlichen Argumentation), weil sich sonst alle wie die pawlow'schen Hunde darauf stürzen und alles andere überlesen.

Was die ganzen antiimperialistischen Antworten angeht:Verstehe ich Eure Sichtweise richtig, dass die religiöse (also idealistische) Legitimation dieser Verbrechen sogar AUS SICHT DER TÄTER (bzw. Drahtzieher) nur Scharade ist? Wenn nämlich nicht, dann kann ich Euch zwar zustimmen, dass man die URSACHEN der Gewalt in materiellen Verhältnissen suchen muss; aber die ideelle MOTIVATION des planenden und ausführenden Personals kann dadurch nicht erklärt werden; genauso wie andersherum der Drohnen-Pilot, der Afghanen vaporisiert, zwar vielleicht einen materiellen Zweck erfüllt, das aber subjektiv aus ideellen Gründen tut (sei es die Überlegenheit seiner Rasse, Nation oder Kultur, sei es seine Ehre als pflichtgetreuer Soldat).

Damit nochmal zurück zu @Moorleiche: Ja, dass der Faschismus das IDEAL des Kampfes (um seiner selbst willen) ins Zentrum stellt, finde ich sogar eine sehr treffende Feststellung. Aber es geht eben um das Ideal: Nicht darum, den Krieg zu gewinnen (um dadurch Zugriff auf irgendwas zu bekommen), sondern um den Kampf an sich - als überpersönliche Idee, als Transzendenz des Materiellen. Und der Sumpf, aus dem diese ganze idealistische Philosophie gekrochen ist - das ist die Religion.

Und um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Macht es nun Sinn, einen islamistisch begründeten Anschlag als rechtsextremen Anschlag zu werten? Oder sollte man dabei bleiben, das als eine völlig eigene Kategorie zu betrachten?