Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42
RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 21.09.2018 | 14:59

Tja, manchmal gelingt es mir zu ueberraschen...

Gott bewahrt uns vor gar nichts. Gottseidank. Gott konnte sich nicht mal selbst retten.

Menschen moechte gern glauben, dass sie im Lotto gewinnen koennen. Wahrscheinlichkeiten machen uns das madig. Darum sind W. so unbeliebt.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 21.09.2018 | 14:55

Den Grins Hab ich schon gesehen.

Mir war nur bei der zunehmend abhebenden Kontingenz Debatte zunehmend unwohl, zumal es da wohl auch "kannit-verstaan" Beitraege gab. Darum hab ich ein bisschen Bodenhaftung beitragen wollen.

Ueber Kontingenz wird. m.W. bereits seit einiger Zeit in einschlaegigen Kreisen debattiert.

Auch hier. Gut so. Grins.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 21.09.2018 | 14:09

Sorry, der Editor hat die Formatierung geschluckt.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 21.09.2018 | 14:08

"..dass kontingente Ereignisse sehr wohl kausal bedingt sind, sie sind nur nicht notwendig, also nicht gesetzmäßig durch eine einzige, mit dem Urknall beginnende Kausalkette erzwungen, vulgo nicht determiniert." "Religionsentstehung und -entwicklung ist eine hochkontingente Geschichte^^" Das klingt erstmal sehr ueberzeugend. Nun bin ich vor allem Sozialwissenshaftler. Und die reden weniger ueber Kausalitaet und Determiniertheit, sondern ueber die Wahrscheinlichkeit von Ergebnissen. Darum ist m.E. die Entwicklung des Buddhismus sehr viel wahrscheinlich als dessen "Verschwinden" in 4.-2. Jahhundert BCE, so wie die anderen neuen "Lehren" die im 6. Jahrhundert BCE am Ganges entstanden. Einige Grunde" Alexander d.G. hat lieber mit buddhistischen Warlords verhandelt, weil die rationalen Argumenten eher zugaenglich wahren. Asoka hat die Buddhisten gefoerdet, und sie zum Missionieren nach Osten und Westen geschickt. (Es gab ne buddhistische "Gemeinde" in Alexandria bis ins 1.Jahrh. CE.) Auch die Uebernahme des Buddhismus in China hat durch die "Verschriftlichung" der Texte entscheidend zur weiteren Entwicklung beigetragen. Die Addition dieser Ereignisse hat die Wahrscheinlichkeit fuer Entwicklung des Buddhismus so weit erhoeht, dass es m.E. wenig sinnvoll erscheint, diesen historischen Vorgang als "kontingent" zu kennzeichnen. Systematisch mag das zwar zutreffen, weil die Entwichlung des Buddhismus nicht "kausal erzwungen", nicht determiniert wurde . Doch in der geschichtlichen Realitaet, erklaeren die genannten Ereignisse (und einige weitere) die Entwicklung des Buddhismus besser als die Annahme von Kontingenz. Zwischen Logik und Determinismus draengeln sich eben oft Wahrscheinlichkeiten als Erklaerungsmuster, die manchmal voellig "unlogisch" erscheinen koennen.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 20.09.2018 | 15:00

"Es ist ein ausgemachter Unfug, "Hinduismus" als eine eigenständige, homogene Religion zu bezeichnen."

Macht ja auch niemand. @Lethe wie auch ich beziehen uns auf religioese Texte, die Richtungen des "Hinduismus" zu beschreiben. (Sie haben schon Recht mit Ihrer Kritik an den britischen Missionaren.)

Auf dem "Weltparlament der Religionen" 1893 hatten diverse asiatische "Religionen" ihr coming out. Beispielsweise auch T.D. Suzuki mit Zen .

Hab' doch etwas Erbarmen mit Vivekananda. Wenn man dem Buch " Kali's child" glaubt, war sein Lehrer Ramakrishna paedophil (trotz aller Versuche seiner Glaeubigen ihn zu "normalisieren) und Vivekananda war als Kind eines seiner Opfer. Dass der Gute Vivekan spaeter aus seiner "Naehe" zu Ramakrishna Geld gemacht hat, kann ich ihm nicht verdenken.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 20.09.2018 | 14:15

Heute haben "Die Inder" natuerlich viele Goetter zum dran glauben usw. Religion fuers Volk. Die "heilige" Baghavatgita ist ja auch ein Epos wie das die Illias, das Nibelungelied oder Auszug aus Aegypten. Schoene Geschichten braucht das Volk.

Richtig, an Advaita hatte ich gedacht, als ich vom Nirvana im "Hinduismus" schrieb.

Ueber das Verhaeltnis zu den Buddhisten wird viel gekalauert. Vorallem von Indern. Export-Version des Hinduismus ist so Schnack.

Interessant fuer mich war immer, dass die Buddhisten diese kleine Drehung mit dem "Warten bis zur allgemeinen Erleuchtung" eingefuehrt haben. Natuerlich "Alltagsglauben" war das alles nie. Nicht mal Volksglaube. Normale Leute hielten sich lieber an ihre Geister etc. Die heutigen Debatten ueber Multiversen etc. interessieren ausser ein paar Verrueckten ja auch niemand.

Interessant finde ich an der vergleichenden Religionswissenschaft, dass man dabei auf durchaus unterschiedliche "Loesungen" fuer "zeitlose" Probleme stossen kann.

"...in analoger Weise wie mittelalterliche Mystik für den christlichen Glauben, also praktisch gar nicht^^ eine Sache für Philosophen, nicht für Religiöse"

Die "deutschen" Predigten von Eckhardt gibts ja nur, weil die Nonnen fleissig mitgeschrieben haben. Der Nikolaus von Cues hat ja vieler dieser Texte gesammelt. Diese Mystik hatte einigen Einfluss, vor allem auf die "Begijnen" und andere religioese Frauen. (Und die waren damals ein Art "Massen-Bewegung", die den Autoritaeten nicht passte.)

Was von Eckhardts Erfahrungen wirklich verstanden wurde, kann man nicht wissen. Der Inqusition hat die weite Verbreitung dieser Texte jedenfalls unterdrueckt.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 20.09.2018 | 13:40

Buddhisten wurden von den englischen Missionaren gern als Atheisten beschimpft, weil eine echte Religion ohne einen Gott nicht auskommen kann.

Diese Burschen haben viel Verwirung angerichtet.

In China, 10./11. wurde das buddhistische "Nichts" noch verschaerft. Da wurden religioes/philosophische Fragen gar nicht mehr beantwortet. Buddhismus war eine leere Huelle. Das haben die damaligen Kloester aber nicht lange durchgehalten. Im 13. Jahrhundert war die Religion mit allen Schikanen wieder vorhanden. Die Gesellschaft braucht einen Glauben. Aber immerhin, Religion ohne Inhalt gab's mal. Yang Yi, so ne Art Staatssekretaer, hat das damals, Ende des 10. Jahrhunderts gefoerdert. Leider ist der zu frueh gestorben, sonst hatte sich die seculare Entwicklung waehrend der Sung- Dynastie noch fortgesetzt.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 20.09.2018 | 08:44

Sorry, der Text ist ohne Korrektur rausgerutscht. Bisschen viele "Fehler". Aber zumindest einigermassen verstaendlich, hoffe ich.

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 20.09.2018 | 08:29

Nun will ich mich doch noch in die Gott-Debatte einmischen.

Dieser monotheistische Gott der Abrahamiten war ja von Anfang an "schief". Es gibt "ihn" er macht "alles". Nur ansprechen darf und kann man ihn nicht weil er namenlos ist.

Im Kindergottesdienst dachte ich immer, den muss man in Ruhe lassen, weil er einfach zu viel zu tun hat. Alle Sperlinge immer im Auge haben, damit nur keiner vom Dach faellt usw.

Die alten Inder haben etwa zu der Zeit, als die Juden ihre Pentateuch stories erfanden, eine ganz anderes Welt-Mensch-Konzept (Kosmologie) entwickelt, das ohne Gott auskommt

Menschen leben in der normalen, bekannten Welt, Samsara. Da geht's zu wie's in der Welt eben so zugeht.

Unter bestimmten Bedingungen kommt man danach ins Nirvana. Wie's dort zugeht weiss niemand. Ob's das ueberhaupt gibt kann man nicht sagen. Nirwana ist eine prae-humane und post-humane Welt. Es wurde als unbestimmter Ort definiert.

Das ersetzt nun widerspruchslos den monotheistischen "Gott". Der muss aber nun auch zeitlich irgendwie eingeordnet. Die Juden hatten 1000 menschliche Jahr sind fuer Gott der gestrige Tag. Dann brauchts 3 Gottes jahre um 1 Mio Jahre vergehen zu lassen. Das ist Gott ca 13mio Jahre alt. :) Die indischen Philosophen haben fuer das Messen der Zeit das "Aeon" erfunden. Die Welt dauert danach etwa 1 Millionen Aeonen. Das Aeon ist definiert als Verschwinden eines grossen Blocks. Der wird naemlich alle 1000 Jahre von einem Engel besucht, der mit seinem Fluegel einmal ueber den streicht. Das kann dauern. Da gibt's nichts zu rechnen.

Die Buddhisten haben die Zeitbestimmung der Hindus uebernommen. Das Nirvana fanden sie aber etwas schwer verstaendlich. Darum haben sie festgelegt, dass jeder "Erleuchtete" vor dem Nirvana warten muss, bis alle anderen Menschen sich fuers Nirvana qualifiziert haben.

Nirvana ist damit der universelle Hintergrund der Welt, ohne dass irgendwer was darueber sagen kann.

Das ist ja so etwa auch die Situation der heutigen Kosmologie. Der Anfang ist noch einigermassen klar. Das Ende unbestimmbar. Was dazwischen passiert ist stinknormal.

Die Inder haben eben nicht nur die "0" erfunden sondern auch eine ziemlich schlaue, gottlose Kosmologie. Die Juden und Griechen haben sowas damals nicht gekonnt. (Aetsch!)

RE: Gegenbewegungen zur Entropie | 19.09.2018 | 10:02

Neuronale oder neuromorphische Netze sind eine Loesung fuer Probleme, die man weder analytisch noch durch Iterationen loesen kann. Go ist ein gutes Beispiel dafuer. Auch Poker. Eingesetzt werden diese Rechner u.a. in der Materialforschung, wo es so viele Einfluss-Variablen gibt, dass man mit herkoemmlichen Verfahren keinen Loesungspfad findet. Neuronale/neuromorphe Rechner finden Loesungs-Muster, die man noch nicht kannte.

Der Einsatz dieser Rechner, nicht nur in der Forschung, wird zunehmend breiter.

Ob man das begruessen sollte, ist eine andere Frage.

Dass diese Rechner un-menschliche intellektuelle Leistungen erbringen, ist unbestreitbar. Ob daraus sowas wie "Selbstreflektion" werden kann ist m.E. offen, weil niemand so genau weiss, was "Selbstreflektion" ist.