Klaus Fürst

Es ist die unüberwindliche Irrationalität, die dem Menschen den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit versperrt.
Klaus Fürst
RE: Freiheit? Eine Frage der Solidarität! | 26.05.2020 | 16:53

"Während der Großteil der Bevölkerung mit diesen Einschränkungen einverstanden ist und aufs Shopping, den Restaurantbesuch, aber auch die Kinderbetreuung in Kita und Schule verzichtet, erhält der in den Medien präsente Virologe und Coronavirus-Experte Christian Drosten tatsächlich Morddrohungen."

Genau diese Debattenkultur, die in den ö-r Medien betrieben wird und die auch Sie hier vorführen, legt unsere Gesellschaft lahm. Was soll diese Aussage? So wie Sie es darstellen, gibt es auf der einen Seite die Vernünftigen und auf der anderen Seite die Unvernünftigen und Kriminellen. Wieso vergleichen Sie den einen Teil der "Normalbürger", der mit den Einschränkungen einverstanden ist, mit einem extremen Teil der Gesellschaft und nicht mit dem anderen Teil der "Normalbürger", die diese Maßnahmen kritisch sehen?

"Und jene Verschwörungstheorien stellen eine größere Gefahr für unsere Demokratie dar als jede Schutzmaßnahme gegen das Virus."

Woher nehmen Sie die Belege für eine solche Aussage? Haben Sie die Gefahr quantifiziert, die von einem Wirtschaftskollaps ausgeht? Wissen Sie mehr als wir?- wie hoch zum Beispiel die Arbeitslosigkeit ausfallen wird oder die Insolvenzrate? Wenn wir etwas wissen über Gefahren für die Demokratie, dann dies: sie gehen von wirtschaftlicher Not aus.

"Menschen, die Widerstand ankündigen gegen aus ihrer Sicht staatliche Willkür, ist nicht nur jegliches Vertrauen in unsere Solidargemeinschaft abhanden gekommen, sondern auch die Vernunft."

Damit stellen Sie jegliches Recht der Bürger auf Widerstand und zivilen Ungehorsam in Frage und beleidigen alle verantwortungsvoll sich verhaltenden Menschen.

RE: Das Gesellschaftsexperiment | 13.05.2020 | 13:08

"Man könnte jetzt behaupten, es sei unverantwortlich die Gesellschaft planlos ins Ungewisse zu stürzen nur, um irgendwelche neuen Gesellschaftsmodelle auszuprobieren."

Ja, es ist unverantwortlich! Aber, wie Sie richtig feststellen, das (planlose) Gesellschaftsexperiment hat bereits begonnen. Das ist für jemand, der sich immer für überlegte Umgestaltung ausgesprochen hat, eine bittere Erfahrung.

RE: Diskussionen, die (ver-)fassungslos machen | 04.05.2020 | 18:51

Ich weiß es nicht, aber da alle namhaften Experten, die gegnerischer Meinung sind, einhellig erklären, dass sie nicht konsultiert werden und auch nicht in die öffentlich-rechtlichen Diskussionsrunden eingeladen werden, darf ich diese Schlussfolgerung ziehen.

RE: Diskussionen, die (ver-)fassungslos machen | 04.05.2020 | 17:45

Das Problem bekommen wir aber erst, wenn sich herausstellen sollte, dass die Politik die falschen Entscheidungen getroffen hat. Dann wird sie sich schon die Frage gefallen lassen müssen, warum sie gegenteilige Meinungen (keine verschrabelten Theorien von Wichtigtuern, sondern die von anerkannte Experten, wie etwa John Ioannidis) bewusst ignoriert hat. Dann werden die rechten Demagogen sagen können: wir haben es gewusst!

RE: Diskussionen, die (ver-)fassungslos machen | 04.05.2020 | 17:24

Sie sind bemüht zu differenzieren, und das ist gut so. All denjenigen, die vorgeben, die Wahrheit und den richtigen Weg zu kennen, höre ich schon gar nicht mehr zu. Dennoch kann ich nicht so recht Ihre Angriffspunkte erkennen. Zwar sagen Sie:

"Man sollte daher den wissenschaftlichen Rat ernstnehmen und sich nicht leichtfertig über Expertisen hinwegsetzen. Gleichwohl wird es auch weiterhin unterschiedliche akademische Meinungen geben, sodass es vorrangig auf die sachliche Auseinandersetzung mit den Argumenten und Daten, die für die eine oder andere Auffassung sprechen, ankommen wird."

Dann vermisse ich aber die Adressierung dieser Aufforderung an die Politik, die dem ja in keinster Weise Rechnung trägt, sondern ihre Entscheidungen ausschließlich auf eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern stützt. Gegenteilig argumentierende Experten, seien sie noch so renommiert, werden im Beraterstab nicht geduldet, nicht einmal angehört. Ähnliches gilt für die öff.-rechtl. Medien, abgesehen von wenigen Ausnahmen. Schlimmstes Beispiel ist der "Faktencheck" des SWR zu den Äußerungen des Prof. Sucharit Bhakdi, der einer völlig inkompetenten Redakteurin mit offensichtlich klarem Auftrag übertragen wurde.

Auch teile ich nicht ihre Sorglosigkeit, was "abstrakte Machtausweitungsgefahren im Verhältnis Staat zu Bürger" betrifft. Die stete Betonung, dass die Beschränkung der verfassungsmäßig garantierten Rechte und Freiheiten auf unbestimmte Zeit an den Verlauf der Epidemie angepasst werden soll, ist beängstigend. Sucharit Bhakdi erklärt sehr anschaulich seine Zweifel an der Verhältnismäßigkeit und Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens. Die Politik greift schon sehr dankbar nach dieser Chance, den Staat auch für die Zukunft paternalistischer zu machen. Kleines Beispiel ist das geplante Homeoffice-Gesetz, das einen eklatanten Einschnitt in das Selbstbestimmungsrecht von Unternehmen darstellen würde.

Ihr Schlusssatz ist mir zu pathetisch: "Im Angesicht des Todes könnte diese Gesellschaft paradoxerweise nun lebendiger denn je werden".

Ich fühle mich nicht im Angesicht des Todes befindlich und auch niemand, den ich kenne. Und wenn es so wäre, dann würde es zu nichts Gutem führen.

RE: Der Markt wird es nicht regeln | 01.05.2020 | 19:03

So habe ich es gemeint. Den Berufs-Philosophen traue ich die Herrschaft weiß Gott nicht zu.

RE: Der Markt wird es nicht regeln | 01.05.2020 | 18:04

Wir beide sind uns einig und würden auch mitmachen. Aber:

"Die unverzichtbare soziale Revolution muss dieses Mal aus der Mitte der Gesellschaft heraus erwachsen und besonnen und druckvoll zugleich sein. Ich nenne sie gerne auch die Revolution der Einsichtigen. "

Wer soll sie in Gang setzen? Es gibt doch 2 Möglichkeiten: Entweder die Krise verläuft halbwegs glimpflich und alles kehrt zum Normalbetrieb zurück - dann gibt es keine revolutionäre Situation. Oder es kommt zur wirtschaftlichen Katastrophe, dann ist sich jeder selbst der Nächste und versucht einfach nur zu überleben - dann hat keiner einen Sinn für visionäre Modelle. Es bliebe also nur die Sophokratie (eines meiner Lieblingsthemen), von der ich aber auch nicht weiß, wie sie installiert werden könnte.

RE: Der Markt wird es nicht regeln | 01.05.2020 | 14:49

Natürlich haben Sie Recht. Aber: ein neues System zu installieren, das ist keine Maßnahme, die einfach so gemacht wird. Ein neues System installiert sich nur in Folge einer Revolution oder über sehr lange Reformationsprozesse. Was Monbiot hier einfordert ist ein wesentlicher Schritt in dieser Richtung, und er ist etwas, was in der aktuellen Situation realisierbar scheint. Und zwar deshalb, weil es nicht gegen Wirtschaftsinteressen an sich geht, sondern nur gegen bestimmte, überkommene Interessen. Mittlerweise haben wir innerhalb der Wirtschaft einen mächtigen Block, der an zukunftsfähigen Entwicklungen stark interessiert ist. Nur darin sehe ich die Chance: nicht David gegen Goliath, sondern sich einen Goliath ins Boot zu holen.

Insofern sehe ich George Monbiots Beitrag als eine angenehme Abwechslung in der Corona-Kakophonie dieser Tage.

RE: Klugscheißer, verdammter! | 25.04.2020 | 08:48

Ich kann nicht erkennen, wo Herr Scharfenorth ad hominem argumentiert. Er befasst sich nicht mit den Vermögensverhältnissen, dem Liebesleben, den Trinkgewohnheiten oder der Religionszugehörigkeit des Herrn Michal, sondern ausschließlich mit dessen journalistischer Qualität. Das gehört doch wohl zu Sinn und Zweck eines Kommentars.

RE: Klugscheißer, verdammter! | 25.04.2020 | 08:38

"Der "alternative" Journalismus wird unbedingt gebraucht. Aber nicht um jeden Preis - einfach, weil er da sein muss. Sondern zweckbezogen !!!"

Und - so möchte ich ergänzen - nicht, um festgezurrte Weltbilder zu pflegen. Es darf nicht sein, dass stets der Politik der Vorwurf gemacht wird, immer nur parteipolitisch zu taktieren, statt auch mal anzuerkennen, wenn der Gegner etwas richtig macht. Und nun, wo ein einziges Mal parteipolitisches Kalkül der gemeinsamen Sache untergeordnet wird, beklagt man mangelnden Oppositionsgeist.