Klaus Fürst

Es ist die unüberwindliche Irrationalität, die dem Menschen den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit versperrt.
Klaus Fürst
RE: Zum Zustand der Deutschen Sprache | 11.06.2019 | 17:55

"Dass der Großteil der (gebildeten, sich für den Klimawandel interessierenden) Deutschen aufgrund von World-War-Vergangenheit und Erinnerungskultur mehr Schwierigkeiten hat, sich mit seinem Land zu identifizieren, als ungefähr alle anderen Bürger der Welt ist Konsens."

Nein, ist es nicht. Ich jedenfalls kann das nicht bestätigen und halte es für ein Klischee. Es sei denn, Sie hängen das Attribut "gebildet" so hoch , dass es nur auf eine marginale Minderheit zutrifft.

Sie haben recht: es ist nicht beunruhigend, "dass sich die Deutsche Sprache jetzt vielleicht ein bisschen schneller verändert als normalerweise". Beunruhigend ist jedoch, warum sie sich verändert. Und das hat in erster Linie weder mit Migranten zu tun, noch äußerst es sich in der Grammatik. Die Ursache ist das unter dem Zwang politisch korrekten Sprechens betriebene Glattbürsten der Sprache. Robert Pfaller ("Erwachsenensprache") hat das gut zusammengefasst: "Teile der Eliten und die gehobenen Mittelschichten, die von der neoliberalen Politik entweder profitieren oder dies erhoffen, betreiben ein zunehmend verkrampfteres und elitäres Saubersprechen; und alle anderen ergehen sich - vielleicht auch trotzig - in immer dumpferem und unflätigerem Gerülpse."

RE: Greta Thunberg und ein Kommentar-Rekord | 23.05.2019 | 15:33

Ja, das ist es. So könnte Aufklärung gelingen, wenn die Botschaft fruchtet: Faktenwissen ist geil.

RE: Radikalisiert euch! | 14.04.2019 | 09:45

Wenn die fridaysforfuture-Bewegung etwas nicht braucht, dann diesen Aufruf zur Ideologisierung und Radikalisierung. Nur weil sie diese Fehler der Altrevoluzzer nicht wiederholt, hat sie überhaupt die Chance, zu einer Massenbewegung zu werden und die Sympathie der Gesellschaft zu gewinnen. Mit dem, was Frau Nowak vorschlägt, lässt sich kein gesellschaftlicher Konsens herstellen, nur Zerrissenheit. Und genau das spielt den Mächtigen in die Hände: Teile und Herrsche. Und Teilung haben wir in diesen Zeiten schon mehr als genug.

RE: Die Grundeinkommens - Woche (14/2019) | 11.04.2019 | 18:03

Ich kann nachvollziehen, dass Nil die Debatte aufgibt. Sie möchten alle allgemein anerkannten Begriffe umdefinieren. Das können Sie gern tun, aber dann werden Sie in keinen sachlichen Dialog treten können, denn kein potentieller Gesprächspartner wird Ihre Begrifflichkeiten annehmen. Kapitalismus ist klar definiert, wenn Sie darunter etwas ganz anderes verstehen, ist eine Diskussion unmöglich.

RE: Die Grundeinkommens - Woche (14/2019) | 08.04.2019 | 17:01

Natürlich habe ich mich mit dem Beitrag beschäftigt, sonst hätte ich diese Wertung nicht abgeben können.

Die "Grundeinkommens-Woche" ist ein kurzer Abriss des Geschehenen einer Woche. Er soll Interessierten Lesern Anregung zur Weiterbeschäftigung mit dem Thema geben. Eine ausführliche Behandlung der Einzelereignisse ist hier nicht möglich. Ich kann Ihnen aber gern meine Einschätzung begründen:

"fundamentalen Unwahrheit der Bedingungslosigkeit und der ökonomischen und moralischen Giftmischung, deren Rezept da lautet, die einen auf Kosten der anderen zu füttern"

Hätte sich die Autorin mit der Thematik wirklich beschäftigt, wüsste sie, dass es nicht das Rezept des BGE ist, die einen auf Kosten der anderen zu füttern. Das BGE ist kein Almosen, sondern ein Menschenrecht, was von vielen Autoren ausführlich begründet wurde (zum Beispiel hier).

"Wenn sich aber niemand findet, dem die entstehenden Güter ausser ein paar netten Worten so viel wert sind, dass er dafür bezahlt, dann verkehren sich Motivation und Kreativität sehr schnell in Frustration und Bitterkeit."

Damit stellt die Autorin Sinn und Antrieb jeglicher Kunst in Frage, die eben nicht deshalb geschaffen wird, dass jemand dafür bezahlt. Kreativität geschieht zu allererst für sich selbst. Ob andere dann daraus einen Genuss oder sonstigen Nutzen ziehen werden, ist erst einmal zweitrangig. Genau dafür schafft das Grundeinkommen die existentiellen Voraussetzungen.

"Ohne Aussicht auf Gewinn tut der Mensch nichts. ... Nimmt man dem Menschen den Schublieferanten „Gewinn“, nimmt man ihm nicht nur ein Gutteil seines Menschseins, sondern das Leben schlechthin."

Es tut mir Leid für die Autorin, dass sie zu diesem Menschenbild gefunden hat. Aber genau den Menschen, die dieses Bild nicht verkörpern, wird mit dem Grundeinkommen die Möglichkeit gegeben, Gutes und Sinnvolles jenseits von Gewinnerwartung zu tun.

RE: Wut ist ein Geschenk | 05.04.2019 | 14:24

Sie sprechen mir aus der Seele, auch ich bin hin- und hergerissen infolge der täglichen Erlebnisse. Aber am Ende behält immer wieder die Sichtweise die Oberhand, zu der Sie auch kommen.

Kurze Anmerkung: "Kluge und gute Diktatoren hat es in der Menschheitsgeschichte nicht allzu oft gegeben. "

Doch die hat es oft gegeben, aber sie sind nicht lange gut geblieben. Spätestens ihre Nachfolger haben es dann vermasselt. Deshalb wäre diese Lösung keinesfalls nachhaltig.

RE: Die Grundeinkommens - Woche (11+12/2019) | 24.03.2019 | 18:09

Danke für die Info. Sie kommentieren ja regelmäßig diese Kolumne und ich wollte schon lange mal Kontakt aufnehmen, leider finde ich keine Email-Adresse. Wenn Sie an Ideenaustausch interessiert sind, schreiben Sie mir bitte über diese Adresse. Ich würde mich freuen.

RE: Ist das die Gleichberechtigung die wir wollen | 12.03.2019 | 12:33

Wer ist denn die dubiose Macht, die Frauen in die Erwerbsarbeit drängt? Sind sie es nicht selbst, die es dorthin drängt, entweder aus Spaß an der Arbeit oder aus beruflichem Ehrgeiz oder einfach nur um mehr Geld zu haben. Das muss man nicht gut finden, aber die Entscheidung liegt bei den Frauen selbst bzw. bei den Familien. Der Staat kann nur Rahmenbedingungen schaffen, unter denen sich souveräne Entscheidungen treffen lassen. Hier wäre Nachholebedarf, beispielsweise in Form eines Grundeinkommens, damit auch Alleinerziehende und Geringverdiener sich frei entscheiden können.

RE: Das Phänomen Greta Thunberg | 11.03.2019 | 18:17

Großartige Debatte hier! Leider ist das ursprüngliche Thema am Ende etwas kurz gekommen. Ich habe in einem neuen Beitrag noch mal ein paar Gedanken aufgegriffen.

RE: Das Phänomen Greta Thunberg | 07.03.2019 | 18:24

Sie sagen: "Es geht nicht so sehr darum, wer warum Wirtschaftswachstum anstrebt. Es geht darum, dass es Wirtschaftswachstum geben muss, solange es Bevölkerungswachstum gibt (zumindest wenn die zukünftigen Generationen nicht schlechter leben sollen als wir, also wenn es Greta Thunberg und ihren potentiellen Kindern mal gut gehen soll)."

Es geht sehr wohl darum, aus welchen Motiven Wirtschaftswachstum angestrebt wird. Das bestimmt nämlich darüber, welche Bereiche der Wirtschaft wachsen - diejenigen, die vorrangig profitorientiert sind oder diejenigen, die Teil einer nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft sind. Wachstum entsteht auch, wenn wir den Wald pflastern, das erhöht das BIP, schafft Arbeitsplätze und bringt Geld in Umlauf.

Weiter fragen Sie: "Was sind "Wirtschaftsinteressen"? Wovon leben Sie, wenn nicht von den Ergebnissen der Wirtschaft? Sie können auch jagen oder sammeln gehen, wenn sie mögen. Ich mag nicht. Ich kann das auch gar nicht. Ich würde verhungern."

Wirtschaftsinteressen = Interessen derer, die an Wirtschaft verdienen

Ergo lautet meine Aussage übersetzt:

Die an der Wirtschaft verdienenden dürfen nicht über unsere Zukunft entscheiden.

Zur Begründung mag das eingangs Gesagte dienen. Der Gesellschaft als Ganzes, und folglich auch den Jugendlichen, steht die Entscheidung zu, in welche Richtung die Wirtschaft wächst. Und es steht ihnen auch zu, die Frage, was "gutes Leben" oder "besser gehen" bedeutet, anders zu beantworten, als Sie es offenbar tun.

Ich kann nur hoffen, dass sich die junge Generation nicht abspeisen lässt mit der Ausrede der Politik, sie müssten den erforderlichen Wandel "wachstumsverträglich" gestalten. Jedenfalls so lange nicht, als konkretisiert wird, welches Wachstum genau wir brauchen.