Romy Straßenburg

Freie Journalistin für deutsche und deutsch-französische Medien in Paris.
Schreiber 0 Leser 10
Romy Straßenburg
RE: Vergatterung zum „Wir“ | 07.12.2015 | 09:53

Liebe Maxi. Danke für die Zeilen ! Auch ich war einigermaßen überfordert mit der Deutung und eigenen Verwendung von Symbolen... spannende Frage nach den langfristigen Auswirkungen auf das kollektive Gedächtnis und Mentalitäten im Land... und jetzt nach den Wahlen wirkt blau-weiß-rot weit weniger sinnstiftend als noch kurz nach dem 13. November ...

RE: Suchen und Erinnern | 18.11.2015 | 16:30

Lieber Christoph,

ich kann Ihre Bermerkung durchaus nachvollziehen - natürlich ist bei Konzernen wie Facebook nicht allein Menschlichkeit Motiv für derlei Funktionen - allerdings seien Sie versichert, dass die Pariser sehr froh waren über die Funktion und sich in diesen dramatischen Stunden sicher keine Gedanken um die Nutzung ihrer Daten gesorgt haben sondern um Freunde und Bekannte, die möglicherweise von den Anschlägen betroffen sein konnten. Ob man nun Facebook als Fluch oder Segen begreift, bleibt jedem selbst überlassen - die technischen Möglichkeiten, die schnelle Reaktion sind natürlich der weltweiten Stellung von Facebook geschuldet - aber dennoch war vielen wohler auf diesem Weg als gar nicht von Freunden Neuigkeiten zu bekommen und eben an viele gleichzeitig. Lieber Gruss, Romy

RE: Wer hat Angst vorm Front Normal? | 03.12.2014 | 17:41

In der Tat ist die Artikelfrage bei Front National eine "Gretchenfrage" unter Journalisten, die sich mit Frankreich beschäftigen. Einige Medien (AFP) benutzen "die", andere (DPA, ARD), die "der Front" sagen. Ich verstehe, was sie meinen, in Anlehung an die Tatsache, dass im Namen einer Partei das Wort "Partei" oder "Union" (also feminin) vorkommt und man dann entsprechend den Artikel feminin benutzt. Dann wäre in ihren Augen das deutsche Wort "Die Front" entscheidend. Allerdings hat sich für in Frankreich lebende Journalisten häufig doch "Le Front National" eingebrannt, und entsprechend klingt in unseren Ohren wiederum "die FN" merkürdig... Zugegeben behelfen sich viele Kollegen dann mit "die Partei Front National". Glauben Sie mir, gerade in unserm Metier weiß ich ihre Sensibilität der grammatischen Fragen gegenüber zu schätzen - ich hoffe aber, Sie sehen mir die Verwendung von "der" nach und können trotzdem damit leben.

RE: Drei Farben: Marine-blau | 24.03.2014 | 12:04

Lieber Columbus , lieber Wwalkie. Es freut mich zu lesen, dass Ihr Interesse an Frankreich so groß ist und danke vor allem auch für die vielen wichtigen Ergänzungen und Erklärungen.

Tjaja, irgendwie hat man den Eindruck, man hätte solcherart Artikel schon x Mal geschrieben, immer mit dem gleichen Tenor: Erfolg für den FN, die politische Klasse alarmiert. Es ist also prinzipiell nichts Neues und bei den Europawahlen wird ja bereits voraus gesagt, der FN könnte stärkste Partei werden -

das Besondere aber ist, dass es sich hier um die Politik vor Ort handelt. Eine Protestwahl, bei der man einer Partei die Stimme gibt, weil man frustriert ist, ist eben doch etwas Anderes, wenn sie weit weg und sehr abstrakt bleibt. Bei Kommunalwahlen aber kennt man die Kandidaten ja zum Teil persönlich, vom Marktplatz, von Veranstaltungen. Wenn ich auf FN-Alt- und Neulinge treffe, hatte ich selten einen besonders sympathischen Eindruck - klar, es gibt mittlerweile durchaus auch welche aus bürgerlichen Milieus, mit guter Ausbildung und einem "cleveren" Habitus. Doch in der Regel galten die FN-Kandidaten vor Ort eben als zwielichtig - Typos Unsympath, den / die man sich nicht als Bürgermeister wünscht, selbst wenn man für den FN bei den Präsidtentschaftswahlen gestimmt hat... Natürlich heißt es immer, die "Extremen" sollen erst einmal in der Praxis ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und sie würden sich dann selbst entlarven und erledigen.

Nur fürchte ich, dass die Banalisierung der Marineblauen weiter weitergeht. Wenn man sich an den Gedanken gewöhnt, dass es eben "FN-Städte" gibt.... Natürlich darf man die Lage auch nicht dramatisieren - noch ist deren Anzahl überaus gering. Doch es ebnet der Partei den Weg ein Stück weiter in die Mitte der Gesellschaft. Nur eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und vor allem eine neue politisch-moralische Kultur bei den französischen Eliten können meines Erachtens das Blatt noch wenden...

wie sagen wir: "on verra bien!" - wir werden sehen.

RE: Monsieur L’Hypnotiseur | 19.11.2013 | 18:44

Cher Petry, ich gebe Ihnen völlig recht ! Untertitel stammen aber im seltesten Fall (und in diesem auch nicht) von den Autoren selbst - ich schau, was ich machen kann. Inhaltlich haben Sie völlig recht ! Monsieur Hollande kann in diesen Tagen machen was er will und wie er's macht, macht er's verkehrt. Leider überzeugt aber die Erklärung, alle Probleme seien geerbt, die Franzosen nur noch zum Teil. Wenn ich mich an die Tage und Wochen nach seiner Wahl erinnere und an die Stimmung im Land, dann gab es große Hoffnungen, er könne im Gegensatz zu seinem Vorgänger einen Richtungswechsel schaffen. "Der Wandel ist jetzt!". Die "Zerfallserscheinungen", von denen ich spreche, konnte er aber leider nichts entgegensetzen... (weder bei der Debatte um die Homo-Ehe, noch bei Cahuzac, noch in der Leonarda-Affäre).... Persönlich war ich von Hollande während des Wahlkampfs überrascht: Er hatte an Selbstvertrauen gewonnen, war "präsidal" geworden. Heute ist er der 15% - Präsident (so viele Franzosen vertrauen ihm noch). In der Tat - tauschen möchte man mit ihm nicht. Allerdings tut er sich wirklich schwer, die verlorengegangene Autorität zurückzugewinnen. Zu befürchten ist, dass er in absehbarer Zeit ein Bauernopfer bringen muss und einen Minister oder den Ministerpräsidenten wechseln wird... ob das die Lage allerdings grundlegend ändert oder zumindest stabilisiert, mag ich momentan bezweifeln.

RE: Französischer Frühling | 26.05.2013 | 16:23

Lieber Andreas,

das ist ja das Fatale an der momentanen Situation. Wir sehen da eine Vermischung verschiedener Gruppen, die sich unter dem Label "Manif pour tous" (Demo für alle) zusammengefunden haben. Da gibt es die Katholiken, also konservative traditionel eingestellte Gruppen wie Civitas. Die bringen zum Teil fanatische religiöse Gründe gegen Homosexuelle an. Aber auch "normale" Christen, junge Leute, Familien, Rentner usw. gehen da mit auf die Straße, manche haben sogar Hollande gewählt, sich aber vom Gedanken anstecken lassen, dass die Homo-Ehe die Familie gefährdet, weil ein Kind das Recht auf zwei Eltern unterschiedlichen Geschlechts haben muss..

Tja, und mittlerweile haben sich auch Nationalisten der Manif pour tous angeschlossen. Da demonstriert ja der Front National an der Seite der großen französischen Konservativen-Partei UMP.

Und dann gibt es eben leider noch junge gewaltbereite Randalierer, dessen politische Einstellungen man nicht immer eindeutig ausmachen kann, die wir am wenigsten zuordnen oder durchschauen können.

Alle eint allerdings ein immenser Hass auf die aktuelle französische Regierung, auf Hollandes (zugegeben bisher unentschlossene) Wirtschaftspolitik. Der Frust über die immens hohen Arbeitslosenzahlen, die Euro-Krise, die Schließungen zahlreicher Industriestandorte usw. usw.... all das bewegt die Demonstranten - übrigens 150 000 nach ersten Schätzungen der Polizei - das wird von den Organisatoren ja dann meistens mal 5 multipliziert.

RE: Die Ja-Sager | 26.05.2013 | 15:14

Vielen Dank Euch beiden für die interessanten und wichtigen Anmerkungen Links.

In der Tat kann man in der aktuellen Debatte in Frankreich auch etwas Gutes ausmachen: die latent vorhandene Homophobie ist wieder sichtbar geworden und damit gehen Menschen wie Stella Goldschmit für ihre Rechte auf die Straße.

Dass sie es vorher nicht für notwendig erachtet haben, spricht allerdings schon dafür, dass sich das Klima radikalisiert hat. Das ist schade, nicht nur für die Homosexuellen, sondern für ganz Frankreich. In den letzten Monaten habe ich eine Seite des Landes kennengelernt, die nichts mit unserem Bild einer freiheitsliebenden, egalitären Gesellschaft zu tun hat.

Und nicht selten habe ich von Freunden und eben auch von Stella Goldschmit den Satz gehört "C'est pas ma France à moi" - Das ist nicht mein Frankreich...

RE: Im Namen Allahs | 20.02.2013 | 12:47

Liebe Julie,

die Beschreibung der Protagonisten, auch mit Attributen zu ihrem Äußeren, finde ich für die Lebendigkeit einer Reportage immer wichtig, eben weil man sich dann die Personen auch visuell vorstellen kann. Vielleicht ist die Information doch in dieser Hinsicht wichtig, weil Qiyaam aus Südafrika stammt und es dort ja durchaus denkbar wäre, dass er weiß ist. Sicher ist es in der Geschichte, besonders auch für die Akzeptanz auf Seiten der Familie, doch ein Detail, was die Liebe der beiden erschwert und daher ist ihr Mut noch höher einzuschätzen, ihre Beziehung so offen und selbstbewusst zu leben.

Liebe Grüße

Romy

RE: Im Namen Allahs | 17.02.2013 | 14:14

Lieber Rheinhold,

aus Platzgründen konnte ich den Aspekt "Homophobie im Islam" nicht so ausführlich darstellen, wie Sie es sich gewünscht hätten. Dazu sind einige Absätze rausgefallen.

Im Prinzip untersucht Mohamed-Ludovic Zahed vor allem die Frage, warum der Koran Homosexualität angeblich als Sünde verurteilt. Dabei geht es im Kern um die Geschichte des "Volkes des Lot", an die biblische Geschichte der Stadt Sodom angelegt (Sodom > Sodomie, bizarrerweise hat nur in der deutschen Sprache ein Bedeutungswandel stattgefunden (= Zoophilie), wohingegen im Englischen/Französischen Sodomie noch immer "Analverkehr" bedeutet.

Das Volk von Sodom wird von Gott verurteilt und dem Untergang geweiht und Gott warnt die Menschen, nicht so wie die Bewohner von Sodom zu handeln - daraus wurde in Koranauslegungen : Analverkehrt = Homosexualität = Sünde

Zahed hat mir aber erklärt, dass die Sodomgeschichte nicht Homosexualität im Sinne gleichgeschlechtliche Liebe (im beiderseitigen Einverständnis) meint, sondern dass die Bewohner Sodoms das "Gastrechts" missachteten und den von Gott gesandten Engeln in Knabengestalt sexuelle Gewalt antaten...

Er gibt natürlich in seiner Doktorarbeit noch dutzende weitere Belege für seine These.

In Deutschland gibt es sehr interessante Texte von Islamwissenschafler Prof. Dr. Thomas Bauer,

die ich sehr empfehlen kann !

Beste Grüße aus Paris,

Romy

RE: Oh mon (départ) Dieu ! | 12.01.2013 | 14:52

Sehr geehrte Herren Grote und Heinrich,

schön, dass der Artikel Anlass für Ihre ausführliche und amüsante Auseinandersetzung über wie auch immer geartete Identitäten ist.

Natürlich freut mich auch, zu sehen, wie Sie ihre Sprachkenntnisse (chapeau bas) auffahren ! Der Franzose hätte bestimmt generös geurteilt : Pas mal, pas mal, pas mal !

(Wobei ich passenderweise anmerke, dass (von wegen Liberté Toujours), im Land des vom Rauch umwolkten Serge Gainsbourg die Zigarettenpreise mittlerweile in unerschwingliche Höhen geklettert sind und das Rauchverbot dazu geführt hat, dass auch das Pariser Café du coin nicht mehr das ist, was es mal war (sehen Sie, die "guten alten Zeiten" betrauert man selbst schon mit kurz vor 30).

Aber bevor ich abdrifte (ist das ansteckend, was Sie vormachen:)?) bringe ich Licht in das Community-Dunkel: Es gibt ja so'ne und solche - also so'ne Texte/Beiträge/Reportagen (eine kleine, bescheidene Zahl konnte man auch in gedruckter Form lesen), die ich als Freie Mitarbeiterin beisteuere.

Und dann gibt es solche Gedanken, die einem so drängend auf dem Herzen liegen, dass man sie right away loswerden muss, ohne das "Sind- Sie-interessiert-an-einem-Artikel-Prozedere"... und die schreibt man dann einfach von der Leber weg als Community-Eintrag auf seinem Blog (der mit der Autorenseite verknüpft ist) ohne den Geldbaum abzuernten. Dafür beschert es aber so sympathische Kommentare (merci beaucoup) wie die Ihren. Derlei Kontributionen machen aber vor allem Spaß, weil sie Anlass sind, mal wieder mit meiner Freundin (der Illustratorin s.o.), die in Berlin sitzt, via Skype etwas Ausgebufftes auszutüffteln, Sie können sich vorstellen, wie man als Freelancer vor Langeweile stirbt :)

Was die Identitätsfindung angeht, hab ich darüber kürzlich noch Folgendes von mir gegeben, das möglicherweise Ihr geschätztes Interesse berührt :

http://www.theeuropean.de/romy-strassenburg/5610-eine-deutsche-in-frankreich

(vergessen sie den Titel und den Antexter, der nicht aus meiner Feder stammt).

Aus Paris wünsche ich den Herren einen excellente journée !!

Romy