Romy Straßenburg

Lebt als freie Journalistin in Paris. Ihr Buch "Adieu Liberté - Wie mein Frankreich verschwand" ist im Ullstein-Verlag erschienen.
Romy Straßenburg
RE: Die Wahrheit Unserer Lieben Frau | 18.04.2019 | 12:00

Liebe Elsa Koester,

seien Sie so gut und ändern in ihrem Text die Passage "Romy Straßenburg weist in einem Online-Kommentar darauf hin" mit der Verlinkung auf den Artikel von Rudolf Walther, indem Sie stattdessen schreiben, "in einem Leserkommentar zu dem Artikel von Hr. Walther weist R.S. darauf hin". Grund: Ich habe eine Zuschrift von einem treuen Freitagleser erhalten, der dies verwirrend fand, weil Ihre Verlinkung nahe legt, der gesamte Beitrag sei von mir.

Ich habe aber lediglich auf ihn reagiert, weil ich mich als Freie Korrespondentin, die auch für Nachrichtensender berichtet, durch den Text angesprochen fühlte, und darauf reagieren wollte - aber wie gesagt, bei "Kommentar" und "Kommentar zum Kommentar" kommt schnell Verwirrung auf - Danke für die Richtigstellung und Änderung der Verlinkung.

R.S.

RE: Betroffenheit in Echtzeit | 16.04.2019 | 23:45

Ich denke natürlich an die Frage, wieso es die Millionenspenden nicht gibt, um beispielsweise die Obdachlosigkeit zu bekämpfen, um in den Vorstädten bessere soziale Angebote zu ermöglichen usw. usw. -

Ich finde dieses Argument also ganz und gar nicht „gelbwestig“, sondern habe auf diese Absurdität ausdrücklich hingewiesen in der Berichterstattung.

Es bleibt immer ein fahler Nachgeschmack für Journalisten, wenn man sich bewusst ist, einer solchen Situation nicht gerecht werden zu können. Aber es bleibt immer wenig Zeit, um grundsätzlich die Medienmaschinerie in Frage zu stellen, bevor die nächste „Katastrophe“ einen einholt. Und ja, dann geht man wieder hin, nimmt das Mikro in die Hand und macht diesen bizarren Job ... und nicht immer zur eigenen Zufriedenheit.

RE: Betroffenheit in Echtzeit | 16.04.2019 | 19:15

Als direkt vor Ort Berichtende kann ich so viel sagen: freie Reporter wie mich oder feste Korrespondenten heranzuziehen hat den Vorteil, dass wir eben schnell vor Ort sein können. Das macht uns natürlich weder zu Brandexperten noch zu Fachleuten für Kirchengeschichte oder Kunstschätze. Da trotzdem in der heutigen Informationslandschaft der Wunsch besteht, in Echtzeit informiert zu werden (sonst gibt’s ja wie für die ARD und das ZDF Schelte von allen Seiten), können wir oft nicht mehr, als das Geschehen zu begleiten und so gut wie können an den Stellen, an denen wir es können, Hintergründe zu erläutern. Leider haben wir oft keinen Einfluss auf die Fragen, die uns gestellt werden und könnten dann in Politikermanier diese einfach ignorieren. Oder versuchen eben mit möglichst großer Besonnenheit etwas aus der Lage zu machen. In Zeiten von Periscope und Instagram stehen wir dabei unter enormem Zeitdruck. Letztlich bleibt es dann aber dem Zuschauer überlassen, aus dem ja breiten Angebot medialer Kanälen auszuwählen. Aber ich bin dankbar für Vorschläge und Tipps, wie wir es besser gestalten können.

RE: Sie werden gehasst | 24.03.2019 | 02:42

Ich habe viel über das extreme Zentrum geschrieben, dass Macron verkörpert, die Tatsache eben, dass er Reformen als unerlässlich, einzig richtig und vernünftig deklariert, und natürlich soll bei Reform ja immer „es geht nach vorn“ = Reform zum Besseren suggeriert werden. Aber wieso den Gesetzen des Neoliberalismus folgend, nehmen dann die Reformen seit Jahren (nicht erst seit Macron) immer in die gleiche Richtung. Wenn wir Deutsche oberlehrerhaft erklären, die Franzosen seien unfähig zu Reformen, meinen wir dann „zu dumm, dass sie sich nicht die Arbeitnehmerrechte beschneiden lassen wollen“, „nicht nachvollziehbar, warum sie soziale Errungenschaften verteidigen wollen und mehr Gerechtigkeit“ ... sicher, aus deutscher Sicht haben die Reformen aus dem Hause Schröder DL über die Krise hinweggetragen, aber zu welchem Preis? Was die Veränderung der Arbeitswelt und die zunehmende Prekarisierung mit uns machen, ist noch lange nicht absehbar. Und wenn in FR etwas passiert, was wir in DL verpasst haben ? Sich empören und Aufstehen und sagen bis hier können wir einschneiden, einsparen und flexibilisieren aber nicht weiter ?? Bewusst als Frage formuliert ... aber auch ich denke, nicht alles was den Namen Reform trägt, nutzt dem einzelnen Menschen und damit am Ende auch nicht dem sozialen Zusammenhalt ...

RE: Sie werden gehasst | 21.03.2019 | 11:17

Lieber @idog : Es stimmt, dass im Beitrag die repressiven Maßnahmen fehlen, allerdings war das eher der vorgegebenen Zeichenzahl geschuldet, nicht etwa, weil ich dieser Entwicklung keine Bedeutung zumesse. Im Gegenteil, ich schließe mich Ihrem Urteil an. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was das "harte Durchgreifen", wie es euphemistisch heißt, für das Leben in FR bedeutet ... schon wieder Ausnahmezustand. Aber so fühlt es sich ja eh schon seit 2015 dauerhaft an ...

RE: Sie werden gehasst | 20.03.2019 | 20:53

Ich hätte Ihnen lange Zeit zugestimmt, Monsieur Zietz. Allerdings ist die körperlich spürbare Anspannung derart groß und der Hass auf Macron derart vehement, dass ich mir schwer vorstellen kann, wie die Menschen ihre gelbe Weste in den Schrank hängen wie ein getragenes Karnevalsköstum. Spätestens bei der nächsten - und sei es auch nur gefühlten - ungerechten politischen Maßnahme, werden sie wieder auf die Straße gehen. Viele von ihnen empfinden seit langem, wenn nicht das erste Mal im Leben, das Gefühl, gebraucht zu werden, gehört zu werden. Wie es dem französischen Staat gelingen kann, ihnen dieses Gefühl auf andere Weise zu geben, sehe ich noch nicht ... und das bedeutet, the "heat" goes on.

RE: Mit gelber Flagge nach Europa | 07.01.2019 | 14:02

Vielen Dank für Ihren wirklich interessanten Kommentar, der mich beschäftigt. Gerne mehr von solchen Ideen. Mit besten Grüßen aus Paris. R.S.

RE: Mit gelber Flagge nach Europa | 04.01.2019 | 11:00

Genau bei diesem letzten Satz vom Ende der neoliberalen Politik blieb auch mir der Mund offen stehen. Ich teile Ihre Einschätzung. Das vorzeitige Ende einer Legislaturperiode eines Präsidenten ohne dessen Ableben, wäre durchaus ungewöhnlich. Andererseits, was ist heute, nach Brexit Trump & Co, noch ungewöhnlich ...

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 12:02

Der neoliberale Macron ist dennoch insofern geschwächt, als dass nun bei jeder Reform zu befürchten ist, dass die Westen wieder aus dem Schrank geholt werden. Wie er diesen Spagat schaffen will, den sozialen Frieden im Land zu bewahren und seine "Firma Frankreich" nach seinen Vorstellung zu rationalisieren, bleibt ungewiss ...

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 09:53

In diesen Zeiten ist es nicht einfach, noch mal neue Denkansätze, neue Protagonisten mit unerwarteteten Perspektiven zu finden ... daher mein Ansatz, auch mal Menschen zu zeigen, die hadern, statt sofort nach der gelben Weste zu greifen ...