Romy Straßenburg

Lebt als freie Journalistin in Paris. Ihr Buch "Adieu Liberté - Wie mein Frankreich verschwand" ist im Ullstein-Verlag erschienen.
Romy Straßenburg
RE: Eine Frau für den Herrn | 27.06.2020 | 13:19

Bin gespannt, ob sich die Freitag-Leser für diese (auch für mich ungewöhnliche) Thematik interessieren ... aber @Columbus macht es klug as usual vor !

RE: „Worte reichen uns nicht, wir wollen Taten“ | 21.06.2020 | 17:13

Danke Columbus

für die immer wieder sehr klugen, ergänzenden Gedanken und Informationen. Schön, wenn es im Artikel noch Aspekte gab, die neu für Sie waren. Leider habe ich bislang wenige moderate Stimmen aus der französischen Polizei gehört, dort haben viele konservative Gewerschaften das Ruder in der Hand und vergessen wir nicht, dass das Innenministerium in Frankreich traditionell eine ganz andere Rolle hat als in DL, eine Tradition, die noch aus der Kolonialzeit stammt, mit Polizeipräfekten jenseits von gut uns böse ... ein Korpsgeist, wie es so schön heißt, der wohl noch ausgeprägter ist, umso mehr man sich als Opfer von Gewalt, nicht als selbst gewalttätig sieht (Gelbwesten, Banlieues usw.).

Eigene Fehler einzugestehen, kommt anscheinend überhaupt nicht in Frage, um nicht als Nestbeschmutzer zu gelten. Und auf die Aufarbeitung von den mehr oder minder bekannten Todesfällen (Rémi Fraise, Steve in Nantes usw. usw.) warten wir bis heute. An ihre Vision, dass eine RN Regierung eines Tages die Polizei nach ihrem Geschmack umbauen könnte, mag ich gar nicht denken.

Herzlichst. Romy

RE: Keine Panik. Solidarität. Lesen. | 13.03.2020 | 14:53

Cher Monsieur Zietz, ich schließe mich Ihren Gedanken komplett an. Ich sehe nur die Verlegung bestimmter sozialer Kontakte ins Virtuelle. Als Expat hab ich da bei der eigenen Familie Erfahrung und wir haben so etwas ausgemacht wie eine Viertelstunde "Französischunterricht" mit den Nichten via Skype etc. aber ob hier in Frankreich die Leute tatsächlich nicht mehr ins Bistros gehen werden, kann ich mir eigentlich schwer vorstellen, oder ?

RE: Jetzt erst recht | 13.12.2019 | 13:33

Die finanziellen Einbußen für Streikende sind tatsächlich bedeutend. Das ist besonders heikel untereinander, denn es kann auch den Eindruck erwecken, dass nur jene weiter durchhalten, die sich das "finanziell leisten können". Ich bin aber vielen Menschen begegnet, die sich entschieden haben, jetzt auf Teile des Gehalts zu verzichten, weil sie dennoch daran glauben, ihr Widerstand kann künftige Generationen vor Abstrichen bei der Rente schützen. Indes bitten (wie oben beschrieben) immer wieder Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe andere Menschen, ihre Depots zu blockieren und damit den Verdienstausfall zu umgehen. Es bleibt festzuhalten: Gerade in diesen Tagen, wo es nicht einfach ist, sich in der Stadt (Paris) fortzubewegen, scheuen viele keine Mühen und machen trotz wenig Schlaf, Regen, Sturm und langen Anfahrtswegen weiter. Das Klischee Streikende/r = faul und freut sich über ein paar freie Tage ist angesichts dieser Strapazen absolut lächerlich.

RE: Die Wahrheit Unserer Lieben Frau | 18.04.2019 | 12:00

Liebe Elsa Koester,

seien Sie so gut und ändern in ihrem Text die Passage "Romy Straßenburg weist in einem Online-Kommentar darauf hin" mit der Verlinkung auf den Artikel von Rudolf Walther, indem Sie stattdessen schreiben, "in einem Leserkommentar zu dem Artikel von Hr. Walther weist R.S. darauf hin". Grund: Ich habe eine Zuschrift von einem treuen Freitagleser erhalten, der dies verwirrend fand, weil Ihre Verlinkung nahe legt, der gesamte Beitrag sei von mir.

Ich habe aber lediglich auf ihn reagiert, weil ich mich als Freie Korrespondentin, die auch für Nachrichtensender berichtet, durch den Text angesprochen fühlte, und darauf reagieren wollte - aber wie gesagt, bei "Kommentar" und "Kommentar zum Kommentar" kommt schnell Verwirrung auf - Danke für die Richtigstellung und Änderung der Verlinkung.

R.S.

RE: Betroffenheit in Echtzeit | 16.04.2019 | 23:45

Ich denke natürlich an die Frage, wieso es die Millionenspenden nicht gibt, um beispielsweise die Obdachlosigkeit zu bekämpfen, um in den Vorstädten bessere soziale Angebote zu ermöglichen usw. usw. -

Ich finde dieses Argument also ganz und gar nicht „gelbwestig“, sondern habe auf diese Absurdität ausdrücklich hingewiesen in der Berichterstattung.

Es bleibt immer ein fahler Nachgeschmack für Journalisten, wenn man sich bewusst ist, einer solchen Situation nicht gerecht werden zu können. Aber es bleibt immer wenig Zeit, um grundsätzlich die Medienmaschinerie in Frage zu stellen, bevor die nächste „Katastrophe“ einen einholt. Und ja, dann geht man wieder hin, nimmt das Mikro in die Hand und macht diesen bizarren Job ... und nicht immer zur eigenen Zufriedenheit.

RE: Betroffenheit in Echtzeit | 16.04.2019 | 19:15

Als direkt vor Ort Berichtende kann ich so viel sagen: freie Reporter wie mich oder feste Korrespondenten heranzuziehen hat den Vorteil, dass wir eben schnell vor Ort sein können. Das macht uns natürlich weder zu Brandexperten noch zu Fachleuten für Kirchengeschichte oder Kunstschätze. Da trotzdem in der heutigen Informationslandschaft der Wunsch besteht, in Echtzeit informiert zu werden (sonst gibt’s ja wie für die ARD und das ZDF Schelte von allen Seiten), können wir oft nicht mehr, als das Geschehen zu begleiten und so gut wie können an den Stellen, an denen wir es können, Hintergründe zu erläutern. Leider haben wir oft keinen Einfluss auf die Fragen, die uns gestellt werden und könnten dann in Politikermanier diese einfach ignorieren. Oder versuchen eben mit möglichst großer Besonnenheit etwas aus der Lage zu machen. In Zeiten von Periscope und Instagram stehen wir dabei unter enormem Zeitdruck. Letztlich bleibt es dann aber dem Zuschauer überlassen, aus dem ja breiten Angebot medialer Kanälen auszuwählen. Aber ich bin dankbar für Vorschläge und Tipps, wie wir es besser gestalten können.

RE: Sie werden gehasst | 24.03.2019 | 02:42

Ich habe viel über das extreme Zentrum geschrieben, dass Macron verkörpert, die Tatsache eben, dass er Reformen als unerlässlich, einzig richtig und vernünftig deklariert, und natürlich soll bei Reform ja immer „es geht nach vorn“ = Reform zum Besseren suggeriert werden. Aber wieso den Gesetzen des Neoliberalismus folgend, nehmen dann die Reformen seit Jahren (nicht erst seit Macron) immer in die gleiche Richtung. Wenn wir Deutsche oberlehrerhaft erklären, die Franzosen seien unfähig zu Reformen, meinen wir dann „zu dumm, dass sie sich nicht die Arbeitnehmerrechte beschneiden lassen wollen“, „nicht nachvollziehbar, warum sie soziale Errungenschaften verteidigen wollen und mehr Gerechtigkeit“ ... sicher, aus deutscher Sicht haben die Reformen aus dem Hause Schröder DL über die Krise hinweggetragen, aber zu welchem Preis? Was die Veränderung der Arbeitswelt und die zunehmende Prekarisierung mit uns machen, ist noch lange nicht absehbar. Und wenn in FR etwas passiert, was wir in DL verpasst haben ? Sich empören und Aufstehen und sagen bis hier können wir einschneiden, einsparen und flexibilisieren aber nicht weiter ?? Bewusst als Frage formuliert ... aber auch ich denke, nicht alles was den Namen Reform trägt, nutzt dem einzelnen Menschen und damit am Ende auch nicht dem sozialen Zusammenhalt ...

RE: Sie werden gehasst | 21.03.2019 | 11:17

Lieber @idog : Es stimmt, dass im Beitrag die repressiven Maßnahmen fehlen, allerdings war das eher der vorgegebenen Zeichenzahl geschuldet, nicht etwa, weil ich dieser Entwicklung keine Bedeutung zumesse. Im Gegenteil, ich schließe mich Ihrem Urteil an. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was das "harte Durchgreifen", wie es euphemistisch heißt, für das Leben in FR bedeutet ... schon wieder Ausnahmezustand. Aber so fühlt es sich ja eh schon seit 2015 dauerhaft an ...

RE: Sie werden gehasst | 20.03.2019 | 20:53

Ich hätte Ihnen lange Zeit zugestimmt, Monsieur Zietz. Allerdings ist die körperlich spürbare Anspannung derart groß und der Hass auf Macron derart vehement, dass ich mir schwer vorstellen kann, wie die Menschen ihre gelbe Weste in den Schrank hängen wie ein getragenes Karnevalsköstum. Spätestens bei der nächsten - und sei es auch nur gefühlten - ungerechten politischen Maßnahme, werden sie wieder auf die Straße gehen. Viele von ihnen empfinden seit langem, wenn nicht das erste Mal im Leben, das Gefühl, gebraucht zu werden, gehört zu werden. Wie es dem französischen Staat gelingen kann, ihnen dieses Gefühl auf andere Weise zu geben, sehe ich noch nicht ... und das bedeutet, the "heat" goes on.