Romy Straßenburg

Lebt als freie Journalistin in Paris. Ihr Buch "Adieu Liberté - Wie mein Frankreich verschwand" ist im Ullstein-Verlag erschienen.
Romy Straßenburg
RE: „Ich lege Zeugnis ab“ | 17.02.2021 | 00:32

Immer wieder beeindruckt ob Ihrer umfangreiche Kenntnisse nicht nur Frankreichs, Danke für diese Ergänzungen! Ro.

RE: „Ich lege Zeugnis ab“ | 17.02.2021 | 00:30

Um Sie bezüglich der Frage der Sprache zu beruhigen: Frau Haitiwaji versteht ausgezeichnet französisch und hat mitunter auch noch mal die Übersetzung der Tochter korrigiert oder ergänzt. Gerade aber weil es um präzise Beschreibungen geht und sie nicht so schnell und grammatikalisch einwandfrei spricht wie die Tochter gab es diese Teilung. Im Übrigen ist so auch in den letzten zwei Jahren das Buch entstanden, was auch auf Deutsch erscheinen wird - darin dann werden sie die fehlenden Elemente der langen Geschichte, für die der Platz nicht ausgereicht hat, finden.

R. Straßenburg

RE: „Ich lege Zeugnis ab“ | 16.02.2021 | 13:51

"Aber meine Erfahrungen mit solchen "Schicksalen", sagen mir, dass es oft nur um Russland- oder Chinafeindliche Motive geht" - Könnten Sie präzisieren, wer genau hier chinafeindliche Motive haben soll. Die Interviewte ? Die Autorin des Artikels ? Die Zeitung, die solche Geschehnisse öffentlich macht? Bitte überprüfen Sie auch noch mal ihre angeführten Vorwurf: Nein, es handelt sich nicht um einen Abdruck eines Spiegel-Interviews - zumal der Spiegel gar kein Interview mit Frau Haitiwaji abgedruckt, sondern eine politischen Hintergrundbericht und darin aus einem Gespräch mit ihr zitiert. Es handelt sich beim oben genannten Text um ein gänzlich anderes Gespräch, dass bewusst als fließendes Interview abgedruckt ist. Dass Sie eine weitergehende Einordnung vermissen, ist legitim und ja, natürlich könnte man ausführlicher über die Provinz und das Thema berichten und ganze Seiten damit füllen. Sie finden aber ganz sicher im "Freitag" dazu auch weiterführende Berichterstattung. Übrigens ist das Buch von Frau Haitiwaji alles andere als einseitig und gibt einen breiten Einblick in die uigurische Kultur und Gesellschaft - auch habe ich bei ihr keinerlei Ressentiments gegen ChinesInnen feststellen können im Gegenteil. Allerdings ist das chinesische Regime und "China" oder "die ChinesInnen" eben nicht gleichzusetzen. Es wäre schön, wenn wir also Kritik an bestimmter Politik nicht immer als chinafeindlich geißeln würden, denn es steht hier kein Volk und keine Kultur unter Generalverdacht. Merci et bonne journée. R.S.

RE: „Ich lege Zeugnis ab“ | 16.02.2021 | 12:32

Gerade weil das Thema politisch aufgeheizt ist, finden Sie im Freitag das Interview mit Frau Haitiwaji als solches abgedruckt (sie zitieren den Spiegel, dort aber handelt es sich nicht um ein abgedrucktes ITW, sondern um einen langen politischen Hintergrundbericht mit entsprechend anderem Fokus - bitte prüfen Sie dies gern nochmal nach). Das heißt, es bleibt bei uns letztlich dem Leser überlassen, sich daraufhin eine Meinung zur chinesischen Minderheitenpolitik zu machen. Der Titel weist bereits darauf hin, dass es sich um einen Erlebnisbericht handelt. Während des Interviews habe ich mich der journalistischen Sorgfaltspflicht entsprechend durch unterschiedliche Fragen den Aussagen der Protagonistin genähert. Ich habe keinen Anlass gefunden, an deren Authentizität zu zweifeln. Sie dürfen natürlich auf das legitime Recht Chinas hinweisen, sich gegen Terror zu schützen. Doch den Augenzeugenbericht von Frau Haitiwaji als "antichinesische Sau, die durchs Dorf gejagt wird", abzutun und latent zu unterstellen, auch sie habe "Dreck am Stecken", zeugt für mich von einem eklatanten Mangel an Respekt gegenüber dem indiviuellen Erleben von Machtpolitik. Mögen Sie dies bei der zukünftigen Beurteilung solcher Zeitzeugnisse mitbedenken. Viele Grüße. R. Straßenburg

RE: Vom Terror fasziniert | 12.09.2020 | 14:52

Merci für diese kluge Reaktion - freue mich immer über die zusätzlichen Gedanken der Frankreichkenner hier in der Freitag - Community !

RE: Vom Terror fasziniert | 12.09.2020 | 14:51

Wie schön, wieder von Ihnen zu hören - und noch besser, wenn die Lektüre gewinnbringend ist. Merci für die Anmerkung zu Adieu liberté ... und ja, ich denke an etwas ein Buch, dass stärker die sozialen Differenzen in FR in den Blick nimmt ... Gelbwesten und all das. Wenn da nicht Corona und die Schwierigkeiten für die Verlage wären. à très vite!

RE: Eine Frau für den Herrn | 27.06.2020 | 13:19

Bin gespannt, ob sich die Freitag-Leser für diese (auch für mich ungewöhnliche) Thematik interessieren ... aber @Columbus macht es klug as usual vor !

RE: „Worte reichen uns nicht, wir wollen Taten“ | 21.06.2020 | 17:13

Danke Columbus

für die immer wieder sehr klugen, ergänzenden Gedanken und Informationen. Schön, wenn es im Artikel noch Aspekte gab, die neu für Sie waren. Leider habe ich bislang wenige moderate Stimmen aus der französischen Polizei gehört, dort haben viele konservative Gewerschaften das Ruder in der Hand und vergessen wir nicht, dass das Innenministerium in Frankreich traditionell eine ganz andere Rolle hat als in DL, eine Tradition, die noch aus der Kolonialzeit stammt, mit Polizeipräfekten jenseits von gut uns böse ... ein Korpsgeist, wie es so schön heißt, der wohl noch ausgeprägter ist, umso mehr man sich als Opfer von Gewalt, nicht als selbst gewalttätig sieht (Gelbwesten, Banlieues usw.).

Eigene Fehler einzugestehen, kommt anscheinend überhaupt nicht in Frage, um nicht als Nestbeschmutzer zu gelten. Und auf die Aufarbeitung von den mehr oder minder bekannten Todesfällen (Rémi Fraise, Steve in Nantes usw. usw.) warten wir bis heute. An ihre Vision, dass eine RN Regierung eines Tages die Polizei nach ihrem Geschmack umbauen könnte, mag ich gar nicht denken.

Herzlichst. Romy

RE: Keine Panik. Solidarität. Lesen. | 13.03.2020 | 14:53

Cher Monsieur Zietz, ich schließe mich Ihren Gedanken komplett an. Ich sehe nur die Verlegung bestimmter sozialer Kontakte ins Virtuelle. Als Expat hab ich da bei der eigenen Familie Erfahrung und wir haben so etwas ausgemacht wie eine Viertelstunde "Französischunterricht" mit den Nichten via Skype etc. aber ob hier in Frankreich die Leute tatsächlich nicht mehr ins Bistros gehen werden, kann ich mir eigentlich schwer vorstellen, oder ?

RE: Jetzt erst recht | 13.12.2019 | 13:33

Die finanziellen Einbußen für Streikende sind tatsächlich bedeutend. Das ist besonders heikel untereinander, denn es kann auch den Eindruck erwecken, dass nur jene weiter durchhalten, die sich das "finanziell leisten können". Ich bin aber vielen Menschen begegnet, die sich entschieden haben, jetzt auf Teile des Gehalts zu verzichten, weil sie dennoch daran glauben, ihr Widerstand kann künftige Generationen vor Abstrichen bei der Rente schützen. Indes bitten (wie oben beschrieben) immer wieder Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe andere Menschen, ihre Depots zu blockieren und damit den Verdienstausfall zu umgehen. Es bleibt festzuhalten: Gerade in diesen Tagen, wo es nicht einfach ist, sich in der Stadt (Paris) fortzubewegen, scheuen viele keine Mühen und machen trotz wenig Schlaf, Regen, Sturm und langen Anfahrtswegen weiter. Das Klischee Streikende/r = faul und freut sich über ein paar freie Tage ist angesichts dieser Strapazen absolut lächerlich.