Charlie Schulze

»Heut’ mach ich mir kein Abendbrot, heut’ mach ich mir Gedanken.« (Wolfgang Neuss)
Charlie Schulze
RE: Eine Frage der Macht | 05.01.2018 | 15:53

//Erst einmal vielen Dank, dass sie sich inhaltlich auseinandersetzen.//

Eigentlich habe ich genau das nicht getan - mein Vorkommentar befasst sich nur mit der Form: Der rhetorischen Volte "Warum reden wir gerade jetzt gerade über das?", bzw. "von welchen wirklich wichtigen Themen soll uns diese Nebensache ablenken?"... Beides sind Varianten von "Haben wir nichts Besseres zu tun?" - eine in kritisches Nachfragen verpackte Behauptung: Das Thema sei nur im Bezug auf ein anderes überhaupt relevant...

Diese Figur lässt sich auch auf andere Debatten und Themen anwenden. (Allerdings finde ich schon auffällig, wie vehement sie regelmäßig auf den Tisch kommt, wenn es um feministische oder auch einfach Frauen betreffende Anliegen geht...)

//Noch eine generelle Bemerkung: Auch Geschlechterfragen sind Klassenfragen. Und solange man die soziale Lage im „Kampf der Geschlechter“ ausblendet, landet man als Alice Schwarzer.//

Ohne jetzt Frau Schwarzer bemühen zu wollen (die darf meinetwegen gern mal in Rente), konstatiere ich im Gegenteil: Wenn man Geschlechterfragen als Klassenfrage ernst nimmt, landet man mitten im Feminismus - zum Beispiel bei den Störenfriedas:

"Die Feministische Denkweise, wie sie durch Bewusstseinsbildung, Schreiben und Aktivismus entwickelt wurde, bietet eine Analyse von biologischem (Sex) und sozialem Geschlecht (Gender), die Gender als ein System von Erwartungen, Zwängen und Hierachie betrachtet, das Männern und Frauen aufgenötigt wird. Sie behauptet, dass die patriarchale Gesellschaft ein hierarchisches System der Unterdrückung zwischen den biologischen Geschlechtern erschaffen hat, demzufolge Männer als Klasse Macht über Frauen als Klasse haben. Diese repressive Hierarchie überschneidet sich mit allen anderen Hierachien, sprich Rassismus, Disableismus, Klassismus, Homophobie, usw., um komplexe, verwobene Hierachien zu schaffen, die unterschiedliche Konsequenzen für verschiedene Gruppen haben. Individuen in einer Unterdrückergruppe können natürlich verletzt und verzweifelt sein, auch infolge ihrer Rolle in der Hierachie. Der Feminismus konzentriert sich auf die Bedeutung unseres biologischen Geschlechtes, denn wenn wir uns anschauen, wie Sexismus funktioniert, beobachten wir durch unsere Erfahrungen, dass Biologie die Entschuldigung für die Unterdrückung von Frauen sowie ein wesentlicher und entscheidender Schauplatz dieser Unterdrückung ist."

(Auszug aus dem verlinkten Artikel)

RE: Eine Frage der Macht | 04.01.2018 | 20:38

:-) Danke. Also: für den Daumen.

RE: Eine Frage der Macht | 04.01.2018 | 20:20

//warum wird diese Diskussion, deren Anlässe nun leider weder neu noch überraschend sind, gerade jetzt geführt?//

Weil diese Diskussion, deren Anlässe nun leider weder neu noch überraschend sind, nie geführt werden kann, weil die Anlässe ja weder neu noch überraschend sind, und jedesmal wer bemängelt, dass das alles ja weder neu noch überraschend ist, also warum darüber diskutieren, gerade jetzt? ...

Aus der Nummer kommen wir nur raus, wenn wir irgendwann diese Diskussion einfach führen und weiterführen. Oder wann, meinen Sie, wäre der richtige Zeitpunkt, gesellschaftliche Fragen zu diskutieren, die weder neu noch überraschend sind, aber eben immernoch anliegen?

RE: Ritt mit den Fledermäusen | 04.01.2018 | 20:08

Für den Fall, dass Sie mittels Kommentar-Spam den "Freitag" (oder gar dessen "Chefredakteur") ärgern wollen, möchte ich zu bedenken geben: Sie generieren auch mit sinnlosen und themenfremden Kommentaren "traffic", tun also dem Medium eher einen Gefallen.

RE: Ritt mit den Fledermäusen | 04.01.2018 | 19:50

Danke für die Erinnerung an diesen Roman!

(In jungen Jahren war ich davon mal schwer beeindruckt... Allerdings fiel meine Interpretation anders aus als die (offenbar) landläufige: Für mich war der Protagonist tatsächlich "nicht Stiller!", und die Geschichte die einer Verwechselung und Gehirnwäsche am Individuum, das sich am Ende der Mehrheitsmeinung beugen muss, selbst in der Frage der eigenen Identität...)

Schöne Anregung, den bei Gelegenheit noch mal zu lesen.

RE: Fluchten | 04.01.2018 | 19:33

Hello Metambigo,

Auch Ihnen ein gutes Neues!

Die Frage kann ich so nicht beantworten... Aber so:

Die ersten Leute, die 89/90 durch die Löcher im Zaun in meine Wirklichkeit kamen, waren mir durchweg sympathisch, auch und gerade in ihrem (tja...) naiven Optimismus...

Gut erinnerlich ist mir ein Kollege, der meine Besserwessi-Skepsis bezüglich der gesamtdeutschen Zukunft unter Marktbedingungen in großer Selbstsicherheit erwiderte:

"Wir haben schon unser System geschleift - Eures kriegen wir auch noch kaputt!"

(Ich, damals, wünschte dem von Herzen gutes Gelingen, aber dachte so bei mir: Eijeijei, Freunde, stellt euch das mal nicht so einfach vor - der Kapitalismus ist ein zähes Biest...)

Dass in anderen Ländern nicht nur Urlaub gemacht wird, dass da auch Leute leben und dass gar nicht alle Menschen Brüder sind, war damals überhaupt kein Thema.

RE: Weibliche Fantasien sind nicht das Thema | 25.12.2017 | 14:28

Ja... Einmal eingeloggt, hab ich´s dann drüben auch noch zu Protokoll gegeben.

RE: Die Rückseite des Begehrens | 25.12.2017 | 14:16

"Die Rückseite des Begehrens ist Verkennung. Die Verkennung des oder der anderen, die ich mit meinem Begehren konfrontiere und möglicherweise versehre."

Angenommen, es sei so: Dann handelt "#meetoo" von eben genau dieser Rückseite, ist ein Forum, in dem Verkannte und Versehrte vom Verkannt- und Versehrtwerden berichten...

Und was genau ist da jetzt unvollständig? Ah, die "Vorderseite" fehlt ja völlig: die Täterperspektive, natürlich!

Höchste Zeit also, dieses ungemütliche Opfergejammer mal wieder abzuwürgen und den Verkannten und Versehrten zur erklären, dass sie das Verkannt- und Versehrtwerden eigentlich auch geil finden.

"Rückseite den Begehrens", mein Arsch...

Neben Magdas Antwortartikel empfehle ich Frau Fendel noch den gesungenen Kommentar von Suchtpotenzial.

RE: Weibliche Fantasien sind nicht das Thema | 25.12.2017 | 12:27

Geschätzte Magda,

An diesen Artikel von Frau Fendel geraten, dachte ich gerade noch: Das kann aber nicht so stehenbleiben... wollte ihn - Unwillen gegenüber der neuen Freitag-Seite und Vorsatz, mich aus der Meetoo-Debatte rauszuhalten, beiseite - kommentieren...

Da seh ich: Magda war schon da, und hat das Nötige dazu formuliert. Vielen Dank dafür!

Herzliche Grüße und schöne Feiertage,

xxx Charlie

RE: Die neue Webseite ist da | 15.10.2017 | 18:26

… Gleichwohl gibt es (noch) den Raum und Rahmen, Fragen und Unmut zu artikulieren, mehr noch: es gibt hier die klare Aufforderung, „Feedback“ zu geben, bzw. „auf uns einprasseln“ zu lassen. Da ist es nicht ganz abwegig, sich so zu verhalten, als bestünde dieses „uns“ aus tatsächlich zuständigen und (im „Meinungsmedium“, immerhin) an Meinung interessierten Personen. Auch die Frage, wie dieses derFreitag-„wir“ sich die Rolle der Community künftig vorstellt, scheint mir hier richtig plaziert.

Persönlich tritt zwar lediglich ein „Mitarbeiter“/ „Hausmeister“ auf, der natürlich ganz andere Probleme hat, aber netterweise die Kollegen im Maschinenraum in Schutz nimmt, sowie ab und zu was Flurgeflüster weitergibt… Aber auch so wird ja was transportiert:

Der „Augenhöhe“-„Durchlässigkeit“-„wir wollen eine Stadt bauen“-ect-Traum soll nun mal final ausgeträumt sein und möglichst jede Erinnerung/Illusion in diese Richtung getilgt werden.

Die Praxis übernimmt das (gut kapitalistische) Konzept der arbeitsteiligen Verantwortungslosigkeit, wie es auch in Behörden und größeren Firmen gepflegt wird: Alle bemühen sich wirklich, keiner ist persönlich zuständig…

Und du, Hobby-Blogger*in, du bist ja noch nicht mal Kunde, und nervst hier rum mit Community-Idealismus und Ansprüchen auf gehaltvolle Debatte, dabei soll hier nur der Laden laufen, und zwar zügig und reibungslos. Also, ergeh dich nicht in komplexer Korrespondenz, liefer doch mal einen catchy Content, der nach einem Tag wieder untergerührt ist - oder besinn dich auf den klassischen Leserbrief, schreib einfach „Ein ausgezeichneter Artikel, danke!“ oder „Diese Kinderbilderbuch-mäßigen Illustrationen sind eine Pein“ in die Kommentarspalte, damit wir „traffic“ auf die Seite kriegen.