Charlie Schulze

»Heut’ mach ich mir kein Abendbrot, heut’ mach ich mir Gedanken.« (Wolfgang Neuss)
Charlie Schulze
RE: Ich bin eins dieser Schweine | 21.10.2017 | 14:52

Die ersten Absätze dachte ich: Achjeh, Janto... Aber die Geschichte am Ende ist wirklich stark, meint: Anschaulich, und zwar allgemeinmenschlich. So funktioniert sowas, und wirkt bei Jungs wie Mädchen.

Und nun stellen wir uns vor, eins kriegt solche Szenen und Sprüche nicht mal präsentiert, sondern andauernd, lebenslang, und nicht erst ab der Geschlechtsreife, sondern schon lange davor, als Teil der Normalität, in der es aufwächst... Da kann der zwangsläufig entwickelte persönliche Umgang damit schon mal Formen annehmen, die sich der Nachvollziehbarkeit für Dritte entziehen... Abstumpfung, Überempfindlichkeit, Offensivgebaren, Verdrängung - da gibt es viele Möglichkeiten.

Selbstanklage, nicht zu vergessen.

RE: Die neue Webseite ist da | 15.10.2017 | 18:26

… Gleichwohl gibt es (noch) den Raum und Rahmen, Fragen und Unmut zu artikulieren, mehr noch: es gibt hier die klare Aufforderung, „Feedback“ zu geben, bzw. „auf uns einprasseln“ zu lassen. Da ist es nicht ganz abwegig, sich so zu verhalten, als bestünde dieses „uns“ aus tatsächlich zuständigen und (im „Meinungsmedium“, immerhin) an Meinung interessierten Personen. Auch die Frage, wie dieses derFreitag-„wir“ sich die Rolle der Community künftig vorstellt, scheint mir hier richtig plaziert.

Persönlich tritt zwar lediglich ein „Mitarbeiter“/ „Hausmeister“ auf, der natürlich ganz andere Probleme hat, aber netterweise die Kollegen im Maschinenraum in Schutz nimmt, sowie ab und zu was Flurgeflüster weitergibt… Aber auch so wird ja was transportiert:

Der „Augenhöhe“-„Durchlässigkeit“-„wir wollen eine Stadt bauen“-ect-Traum soll nun mal final ausgeträumt sein und möglichst jede Erinnerung/Illusion in diese Richtung getilgt werden.

Die Praxis übernimmt das (gut kapitalistische) Konzept der arbeitsteiligen Verantwortungslosigkeit, wie es auch in Behörden und größeren Firmen gepflegt wird: Alle bemühen sich wirklich, keiner ist persönlich zuständig…

Und du, Hobby-Blogger*in, du bist ja noch nicht mal Kunde, und nervst hier rum mit Community-Idealismus und Ansprüchen auf gehaltvolle Debatte, dabei soll hier nur der Laden laufen, und zwar zügig und reibungslos. Also, ergeh dich nicht in komplexer Korrespondenz, liefer doch mal einen catchy Content, der nach einem Tag wieder untergerührt ist - oder besinn dich auf den klassischen Leserbrief, schreib einfach „Ein ausgezeichneter Artikel, danke!“ oder „Diese Kinderbilderbuch-mäßigen Illustrationen sind eine Pein“ in die Kommentarspalte, damit wir „traffic“ auf die Seite kriegen.

RE: Er ich wieder da | 15.10.2017 | 16:40

Danke für den Hinweis! Interessant.

xxx

RE: Volkers Stimme | 15.10.2017 | 15:29

:-) hab ich auch gedacht und befürchtet, wurde aber positiv überrascht: Im Buch selbst fand sich kein Nachschlagebedarf, lediglich ein "eminent", das nicht nötig gewesen wäre... und auf Seite 91 ist die Rede vom "nominalistischen Arschlochbegriff" - aber es wird auch gleich schön erklärt, was damit gemeint ist.

RE: Volkers Stimme | 15.10.2017 | 15:14

Danke für die Empfehlung. Ein erfreuliches Buch: Aufschlussreich, souverän gedacht, gut geschrieben - lohnt sich.

RE: Thüringer Tradition | 07.10.2017 | 16:42

//das soll kein Plädoyer für diesen Sprachgebrauch sein. // Nee, schon klar. Ich bin ebenfalls (meistens) eher für gute Manieren und sorgfältige Wortwahl... Und mag mich mit der Tendenz zur Verschlagwortung nicht abfinden, also: Dass mit einer Vokabel, die sich allenfalls zur Illustration eignet, auch gleich alles erklärt erscheint... So wird, wie Sie richtig feststellen, "das manchmal an Dingen festgemacht, die sich dafür nicht so eignen." - Da finde ich auch Relativierung bzw Differenzierung geboten.

RE: Thüringer Tradition | 06.10.2017 | 21:54

// ...wird die Wortwahl "Fidschi" nicht dadurch besser oder harmloser, weil sich auch der Kölner der Bezeichnung "Ölauge" befleißigte //... Sicher nicht... Vor allem wird, was in den 1990ern noch als gebräuchlicher Ausdruck der -evtl. auch wohlgesonnenen - Ignoranz durchging, heute mehr in gehässiger Absicht verwendet. Man könnte auch sagen: Der kolonialrassistische Kern der Begriffe kommt wieder klarer raus, je mehr sie ausschließlich in diesem Kontext verwendet werden, und da tut dann nur noch mit, wer es auch so meint... Das ist aber nur meine Wahrnehmung - ich kann anderen letztendlich nicht absprechen, es anders zu meinen.

RE: Thüringer Tradition | 05.10.2017 | 17:24

/"Ich geh' mal schnell zum Fidschi!", um zu sagen, dass man den"asiatischen" Kleinwarenhandel um die Ecke besuchen möchte, Ich frage mich - ebenfalls als Ossi-Frau - ob es sowas nicht auch in Duisburg gibt. / Allerdings: Jedenfalls in Köln gingen wir vor 20 Jahren auch umstandslos zum "Ölaugen" - der als Sammelbegriff für türkische, arabische, iranische, afghanische, nordafrikanische Leute galt und nicht unbedingt abwertend oder gehässig konnotiert war. So war unser "Ölauge" - ein Iraner - mit seinem gut sortierten Büdchen ein sehr geachteter Mann i n der Straße, stand er doch 10 Stunden täglich zur Verfügung, um so freundlich wie geschäftstüchtig zur Rundumversorgtheit der Nachbarschaft beizutragen... Vor diesem Hintergrund mag ich auch nicht glauben, dass jedes "Fidschi" im Osten gleich einen rassistischen Vernichtungswunsch meint. Da hat sich vielleicht eher der Sprachgebrauch verändert - in Richtung einer Sensibilisierung, die von einer gesellschaftlichen Spaltung erzählt, die nicht mit Ost-West- Grenzverläufen zu beschreiben ist.

RE: In der Freiheit abgelegt | 22.08.2017 | 16:25

Sehr schöne Besprechung - klingt nach einer guten Empfehlung!

RE: Der neue Consumer-Freitag | 26.07.2017 | 17:31

Simulation of creative force follows mental emptiness.^^

* * * * * !