Columbus

Profil nicht mehr nötig. Alles Gute, der dFC und dem dF.
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RE: „Wir sollten gemeinsam kämpfen“ | 25.05.2019 | 19:46

Ach Magda, die große Chance einer Frau, kommt bei dieser EU- Wahl nach dem Wahlabend.

Kennen Sie eigentlich noch ein besseres Wort für "Wahlkampf", damit die Waffenbrüder und -Schwestern zukünftig vom Eurovisionen- Wahlwettbewerb reden können?

Ihr sprachlicher Zeigefinger kommt jedenfalls deutlich breitbeiniger daher, als die öffnend, abwägende, eher richtungslose Geste De Masis und mindestens ebenso entschieden, wie Varoufakis linker Zeigefinger.

Die dF-Bildredaktion wollte den berühmten Digitus medius wohl nicht hineinkollagieren.

Gutes Restwochenende

Christoph Leusch

RE: „Wir sollten gemeinsam kämpfen“ | 25.05.2019 | 19:10

"Wahlen ändern nichts", ist leider einer jener rein kolportierten Zitat-Sprüche, die sich Dank der WWW- Verblödung in so manches Hirn einnisten konnten, Bella1956.

Selbstverständlich kann man Varoufakis und de Masi wählen. Man muss sich nur entscheiden und dann darauf hoffen, dass die Wahl eines Kandidaten, einer Kandidatin, aus dem reichlichen Angebot links der Mitte, nachher nicht in einer wenig splendiden Isolierung endet.

Ich glaube schon, dass diesesmal sowohl eine Richtungsentscheidung ansteht, wie auch personell die Entscheidung zwischen deutlich mehr und deutlich weniger Kompetenz. Leider haben sich Deutschlands etablierte und chancenreiche Parteien nicht getraut, ein besonders herausstechendes Angebot zu präsentieren.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: „Wir sollten gemeinsam kämpfen“ | 25.05.2019 | 18:49

Also ja, Yanis Varoufakis und Fabio De Masi. Getrennt wahlkämpfen, ohne allzu viel auf die vermeintliche Fehlerhaftigkeit der je anderen Linken zu schimpfen. Nicht zu viele Betrachtungen zu grandiosen historischen Niederlagen anstellen.

Die Wahlmodalitäten für das EU- Parlament, bieten für eine pragmatische Haltung der getrennt argumentierenden Linken, nach der Wahl, so manche gute Chance.

Zum Ende, gibt es zudem genügend ernsthaftere politische GegnerInnen.

Die europäischen Rechten, die recht monothematisch wissen was sie in Europa zerstören wollen, lassen kaum Skrupel erkennen, was Zusammenhalt und nach außen vermittelte Einheit angeht, selbst wenn sie als "ultranationale" Parteien auftreten.

Nach der Wahl, könnte es zudem erforderlich sein, mit eher abgelehnten, zentristischen politischen Richtungen in eine Art Koalition zu kommen.

Da werden, um der Sache Willen, jene die derzeit noch Kommentkämpfe austragen, vielleicht sogar dem altersweisen Cohn- Bendit folgen und ein bisschen Macrons Ansichten folgen, um die konservative Langeweile aus Bayern, die im Grunde gerne eine Art große Koalition wie bisher anführen möchte, zu verhindern.

Schließlich konnten sich zwei sehr kompetente PolitikerInnen, die auch Chancen haben Mehrheiten auf sich zu vereinigen, in diesem Wahlkampf herauskristallisieren: Margrethe Vestager und Frans Timmermans.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Wir Habsburger | 25.05.2019 | 11:11

Auf so knappem Raum nur passende und spannende Worte über Odradek-Kafka zu schreiben, ist bewundernswert, Herr Gladić. Danke dafür.

Dass sich Kafka so sehr mit dem "Jiddischen" beschäftigte, das ursprünglich aus dem spätmittelalterlichen Rheinland stammte, aber erst viel später so genannt wurde, war mir neu.

Auch aufgrund der Verfolgungsgeschichte, seit dieser Zeit, kam es nach Mittel- und Osteuropa. - Ich strunze mit Wissen aus dem Vorwort des Übersetzers Lutz-W. Wolff, der Leo Rostens "Joys of Yiddish", eine Enzyklopädie des amerikanischen Alltagsjiddisch, ins Deutsche brachte, sowie aus dessen eigener Einleitung.

Ja, die "kleine" Schwestersprache des Deutschen war zugleich eine Sprache mit der zumindest Juden durch ganz Europa reisen konnten und oftmals in der Geschichte , in Not und Bedrängung, wandern mussten. Jiddisch, das "Judendeutsch", "Iwre-Deutsch", verstanden viele, die selbst eine andere Muttersprache hatten. Aufgeschrieben wurde es ursprünglich, auch das ist erst einmal erstaunlich, mit hebräischen Schriftzeichen.

Gilles Deleuze und Félix Guattari meinten vielleicht eher "eingetrocknet", im Sinne von, in einem Zustand konserviert, als sie das eigentümliche Pragerdeutsch charaktersierten. Dieses Phänomen trifft ja, u.a., auch auf das Deutsch der rumänischen Aussiedler und der deutschstämmmigen Rumänen in, um und hinter Sibiu/Hermannstadt zu.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Der Weltgeist im Jetlag | 24.05.2019 | 18:53

Vielleicht kommen ja über das Wochenende noch ein paar Beiträge zum Kosmopolitismus und zum ewigen Leiden der Intellektuellen, an sich, an der Welt.

Dazu gibt es ja auch noch die biologische Variante, die aus der Welt ein Global village macht. Schon seit den 60ern des letzten Jahrhunderts, wurde das unter den avanciertesten Medialisten auf unserem Planeten heiß diskutiert.

Weil sich Kosmopoliten, wenn sie den bürgerlichen Anteil ernstnehmen, nicht wie Ubiquisten benehmen können. Weil auch die Rückkehr zur endemischen , provinziellen Lebensweise, gegen die Gattung verstieße, die sich spektakulär schnell überall hin verbreitet hat, schon lange vor McLuhan, und ganz konsequent sowohl den allererdnahesten Kosmos, als auch die neuen virtuellen Räume ausfüllt.

Kosmopolitismus schreit nach Verantwortung, von der Gartenlaube bis zur ISS.

Schrecklich wird es, weil sich die zahlenmäßig größten und bestgebildeten Menschen-Generationen, die jemals auf diesem Globus lebten, eher wie Gäste in einer Ferienkolonie benehmen, hinter denen schon irgendwer unbekannterweise aufräumt, damit die Kunden wiederkommen.

Warum aber, werden schon die Ansprüche so extrem irreal formuliert? Man könne Chinesen nur verstehen, wenn man Jahre und Jahrzehnte unter ihnen gelebt habe (Aqua). Man könne von Menschen wenig, aber vom Wald (Menschenwald) und vom Schmetterling viel erwarten (Gelse).

Das weltbürgerliche Internet sei anders, habe neue Qualitäten, dabei ist es doch auch nach dem Prinzip der Provinzen, gar der Dörfer, aufgebaut und erlaubt Millionen und Milliarden, zu daddeln, Stammtische zu eröffnen, Communities zu gründen und sich gegenseitig endlos zu belabern oder aber eremitisch eine hochverschlüsselte Tagebuchseite anzulegen.

Vor allem aber, deutet der Globalismus auf eine Funktion der Gattung, den Wandertrieb hin. Er ist unglaublich profitabel, spannend und zunehmend ebenfalls ressourcenfressend. Real und virtuell.

Im Moment treten unter Medialisten einige prominent in Erscheinung, die sich vor allem Sorge machen, sie könnten ihre Privatmoralen nicht leben, wenn es weiterhin so etwas wie eine Weltgemeinde, weltweite Abmachungen und Werte gebe.

Die Ablehnung der Verantwortung schließt ein, ungehemmt exklusiv sein zu können und das auch zu wollen. Kommt ausreichend Vermögen hinzu, werden sich bald diese ersten neuen Menschen mit Dorfmentalität extranationale und extraterritoriale Welten schaffen, auf denen und in denen ihre Gesetze gelten, die man nicht mehr Moral nennen kann und darf, weil sie so exklusiv sind, wie ihre Verfasser.

Der Ire Oliver Goldsmith, ließ 1762 seinen fiktiven Protagonisten, den Chinesen Lien Chi Altangi (The citizen of the world: or, letters from a Chinese philosopher, residing in London, to his friends in the east), die Sitten und Gebräuche der damaligen Welthauptstadt London schildern, die er nur zu gut verstand.

Das größte Manko seiner Gäste, die keine Iren waren, aber Chinesen wie solche behandelten, erkannte er darin, dass sie sich tödlich langweilten, weil sie schon alles zu kennen glaubten und in diesem Ennui daran gingen, auch ihre Nahbeziehungen zu terrorisieren. So werden Ehen und feste Partnerschaften zu Geschäften oder sind ganz überflüssig, weil es eine schier unübersehbare Zahl an Angeboten gibt. Die Weltbürger stehen vor der Welt, wie der Weltkonsument vor den unendlich ähnlichen Angeboten der Online shops und dem der Supermärkte seines Vertrauens.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Der Weltgeist im Jetlag | 24.05.2019 | 12:46

Der Weltgeist fliegt nicht, sondern er reitet. Werden die Wesen, die ihn ertragen müssen, ebenso wertgeschätzt?

Marengo steht ausgestopft im britischen Heeresmuseum und Vizir im französischen Pendant. Was aus Nickel und den zahlreichen anderen wurde, die er auch ritt und trieb, durch Kassel und das Brandenburger Tor, bis nach Moskau, ist bisher nicht gut bekannt.

Dem Weltgeist aus dem Kondensstreifen fehlen die Arbeitspferde, für Krieg und Frieden, während rund um den Globus zunehmend robuster gewirkte Geister bestimmen, denen von den "Somewheres" willig Mandate zur unzivilisierten Verachtung eingeräumt werden.

Carlo Strenger arbeitet sich erneut an einer mittlerweile historischen Tatsache ab, die für Linke und Linksliberale, besonders in Israel, eine herbe Enttäuschung bereit hält. Ihre völlige politische und soziale Wirkungslosigkeit, korrespondiert mit ihrer Freiheit im Vogelflug und eher lebenslanger Selbstanalyse. Vögel die landen, sind meist sehr verwundbar und verlieren den Überblick.

Um in die Niederungen des Bärendörfchens zurückzukehren: Ulf Poschardt hat ja mehrfach bekundet, dass Forderungen einer neuen, vielleicht mehr erdverbundenen Generation, seinen Stil, sein Leben, keinesfalls verändern dürfen. Der will kein Bäumchen pflanzen oder Marzahn sozialisieren. Der leidet, zumindest öffentlich, an nichts, nicht einmal an sich selbst.

Ist es vielleicht der größte Fehler jener, die sich des Besitzes vieler intellektueller und materieller Freiheitsgrade sicher sein können, ständig die Rolle des öffentlichen Therapeuten, einschließlich der eigenen Supervision, einzunehmen? Wäre nicht ein Streben nach dauerhafter politische Verantwortung eher geboten, mit allen diesen Fähigkeiten?

Grüße und gutes Wochenende

Christoph Leusch

RE: In der Falle | 23.05.2019 | 19:08

Ja, Achtermann, das stimmt ohne Zweifel. Die Rechtspopulisten in Deutschland oder Österreich haben im Arbeitermilieu durchaus von der SPD/SPÖ, von der CDU/ÖVP und von der Linken in Deutschland Stimmen gewonnen, ohne die sie nicht bis zu einem Drittel der abgegebenen Stimmen erreichen könnten. Viele Stimmen kamen aus dem Kreis der Nichtwähler.

Die größte Gruppe der "Abgehängten", jene die wirklich in Not und unter Druck sind, verbleibt jedoch unter den Nichtwählern.

Sehr auffällig ist übrigens, dass auch die Wahlprogramme der Rechtspopulisten diese Gruppen gar nicht im Blick haben, sondern alle jene, die glauben etwas verlieren zu können. Sogar die allgemein recht verbreitete Verachtung für Hilfeempfänger spiegelt sich in der AfD.

Die wirtschafts- und sozialpolitischen Vorstellungen, gerade zur Europawahl, sind besonders antisozial und entsolidarisierend und konkurrenzverschärfend.

Das gilt sowohl für das Verhältnis wirtschaftlich erfolgreicher Staaten zu den "Schlusslichtern": Strukturfonds sollen nicht umgestaltet und zielgerechter verwendet werden, sondern man will sie radikal zusammenstreichen, den EU- Haushalt überhaupt radikal kürzen! Dafür soll es finanzpolitisch wieder mehr Einzelwährungen geben, und die Nationalstaaten sollen sich damit am Kapitalmarkt um Kredite bewerben, statt über den Euro für die meisten Staaten bessere Kreditkonditionen zu erreichen.

Besonders verhasst ist den Rechten Macron. Der einzige europäsche Führungspolitiker, der sich praktisch ständig gegen die Verkleinerung und Renationalisierung der EU ausspricht, sowie finanzpolitische und strukturpolitische Solidarität von den wirtschaftlich starken Ländern einfordert.

Ebenso trifft das für die zahlreichen, tatsächlich Bedürftigen mitten im Wohlstand und Minderheiten aller Art zu, die Rechten und Rechtskonservativen zu allen Zeiten ein Dorn im Auge waren und sind. Aber auch für Mieter haben Rechte europaweit nicht viel übrig. Das einzige radikale Angebot lautet: Wir schaffen die (EU-)Migranten weg, dann wird schon Platz.

In den östlichen deutschen Bundesländern und in Österreich, aber auch in Italien, liegt ihr ausschöpfbares Potenzial bei allen Wählern zusammengenommen um 25-35% und unter Arbeitern ebenfalls bei 25-30%. In Ungarn vertreten die Rechten, Fidesz und Jobbik, mittlerweile das Volk, mit ca. 68% der Stimmen.

Aber immer wieder werden AfD- Anhänger befragt, ob sie persönlich Schwierigkeiten haben, persönlich Not leiden, persönlich mit vermeintlichen Konkurrenzgruppen und mit den abgelehnten Minderheiten Schwierigkeiten haben. Das wird regelmäßig verneint.

Ich finde, man muss sich auch mit der Lust und Befriedigung beschäftigen, die mittlerweile mit dem "Das wird man doch ´mal sagen dürfen" und mit der umgesetzten Härte und Radikalität der Führungsfiguren, bei den Anhängern ausgelöst wird.

Ich glaube, dass die meisten wissen, es kommen keine wirtschaftlich goldenen Zeiten, mit einem politischen Rechtsruck. Die Befriedigung kommt aus der Bestätigung, endlich einmal harte und direkt sichtbare Politiken wirken zu sehen, statt noch allzuviel herumzudiskutieren.

Grüße

Christoph Leusch

RE: In der Falle | 23.05.2019 | 13:06

Ganz sicher, Denkzone 8: Moralfreier "Vitalismus" und Risikobereitschaft, vorgelebt vom mächtigsten Mann und der mächtigsten Regierung der Welt.

Auch in Europa oder Lateinamerika, vorwiegend von Männern gepredigt, die ständig Fingerzeichen in die laufenden Kameras, zum Publikum hin machen und diskriminiernde Spracheigentümlichkeiten pflegen.

Und ja, Lust an der Zerstörung, ganz sicher kein Sozialprogramm, kein Aufbauprogramm, keine Solidarität, nicht einmal mehr Subsidiarität, sondern Freiheit für die Stärkeren.

Öffentlich heißt das dann aufräumen, endlösen, permanent drohen, keine Verträge kennen, Konkurrenz und Kampf, wirtschaftlich und politisch, mit jedem verfügbaren Mittel.

Trump, Bolsonaro, Salvini, Strache, Orban, Farage....Aus dem gleichen Holz geschnitten, mit den gleichen Mitteln arbeitend. Alles medial bekannt, aber schon nicht mehr entscheidend entlarvend, weil auch viele Bürger schätzen und lieben, was die "harten Hunde" vorkläffen.

Auf diese Liebe, Lust und Leidenschaft, sowie die damit verbundene Tatkraft, kommt es an. Das erscheint derzeit allemal attraktiver, als die unumgängliche Diskursivität der Demokratie, der offenen Gesellschaft, der langen Dauer und der Haltbarkeit, über Generationen hinweg.

Grüße

Christoph Leusch

RE: In der Falle | 23.05.2019 | 12:13

Lieber Herr Augstein,

Vieles stimmt an Ihrer Nachdenklichkeit, nur eine These nicht:

>>Im Gegenteil. Die stärkste Triebkraft der Rechten ist ja nicht der Hass, es ist die Verbitterung.<<

Das trifft weder auf die Führungsriegen der europäischen Rechten, noch auf die aktiven Mitglieder, noch für ihr Publikum und die Wähler in ihrer Mehrheit zu.

Im Gegenteil. Es muss Spaß machen und tief befriedigen, zu diskriminieren und zu hetzen, sich nach autoritärem Gebaren und autoritären Taten zu sehnen. Diese Befriedigung, offen gezeigt und medial überall angenommen, verkörpern die Straches und Salvinis Europas.

Prekäre, "Deplorables" Verbitterte und Abgehängte sind es jedenfalls in großer Mehrheit nicht, die sich den Rechten zuwenden oder deren Kader auffüllen.

Schauen Sie sich einmal die Kurzviten der AfD- Bundestagsabgeordneten oder jene der FPÖ an. Es sind Gewerbetreibende, mittelständische Unternehmer, viele Rechtsanwälte, viele Akademiker aus dem Mittelbau von Behörden und Universitäten, Journalisten und Vertreter aus dem großen Feld der Medien- und Marketing- Dienstleistungen.

Analysieren sie die neuerlichen, so erfolgreich medialisierten Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin daraufhin: Sie erkennen schnell, dass dort keine Obdachlosen, Arbeitslose, psychisch Kranke, Frauen, Jugendliche aus Problemvierteln, MieterInnen mit Sorgen um ihre Wohnung, Armutsrentner usw., andächtig lauschen. Eher sitzen dort Vermieter, Gewerbetreibende, situierte Pensionäre und Rentner.

Florian Klenk vom Falter, hat eine tiefe Wahrheit über die tatsächlich in die Millionen gehende situierte, ganz bürgerliche Anhängerschaft der FPÖ formuliert. Sie hatten sich zunehmend gelangweilt, in einem wirtschaftlich, landschaftlich und bezüglich der sozialen Sicherheit, weitestentwickelten Länder Europas.

Sie wollen nun wieder entschiedene Taten von entschiedenen Personen sehen und dabei zusehen dürfen, nicht nur "Schifoan". - Das machte übrigens einen Gutteil des Stracheschen Geredes in der "Falle" aus. Er versprach große Taten: Die Änderung der Presse- und Medienlandschaft und Geschäfte für Unterstützer seiner Partei und seiner Person.

Klenks Erkenntnis ist übertragbar: Die Anhänger der Lega und Salvinis, die Anhänger des RN in Frankreich oder der neuen Rechten in Dänemark, sind privat nicht arm. Sie fühlen sich auch nicht persönlich in der Existenz bedroht.

Befriedigung und Spaß, gar Freude, freudige Erwartung und freudiges "Erwachen" sind die Antriebe. Mit negativen Gefühlen und Stimmungen, gar mit "Verbitterung", lässt sich keine nachhaltige Anziehungskraft herstellen.

Genau das, nachhaltige Anziehung, gelingt aber den Rechten.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Die zweideutigen Reaktionäre | 17.05.2019 | 14:03

Ich meine es, zusätzlich zu ihrem Fazit, noch ein wenig anders.

Denken Sie an die Diskussion um den Klimawandel. Vorbildlich sind die vielen verschiedenen Arbeitsgruppen, die die IPCC- Berichte vorbereiten und erstellen, weil sie konservative Annahmen für ihre Prognosen bevorzugen. Bisher lagen die prognostischen Aussagen immer unter den tatsächlich gemessenen.

Ledoux: Ja, da kann man tatsächlich klassische/klassizistische Grundformen sehen.

Der Bau hätte Ledoux beinahe den Kopf gekostet, weil die Revolutionäre, in diesem Falle, die Bürger von Paris, diesen Rundtempel, eingeschrieben in ein einfaches lateinisches Kreuz und seine heute verlorenen barriereartigen Seitenbauten, sowie seinen Verwendungszweck, nämlich Steuern- und Zölle für den König und die Stadt Paris zu sichern, als vollkommensten Ausdruck des Ancien Régime empfanden.

Der "Zoll- und Steuerpalast" der privaten Steuerpächter und - Eintreiber war, wie andere Bauten dieses Zweckes, einer Kette von Zollbarrieren um Paris, mit 60 oder 70 Mautstellen, verhasst.

Es war Ledouxs ausdrückliche Absicht, diese Bauten, er hatte auch die Aufsicht für den verschwundenen Rest, einzigartig und beeindruckend zu gestalten. Sie sollten die "Propyläen von Paris", die Eintrittspforten/Bezahlschranken (kleiner Scherz) für die Stadt, sein. Mittelalter im aufgeklärten 18. Jahrhundert.- Ich weiß jetzt nicht, ob man beim Durchtritt der antiken Propyläen Athens ebenfalls einen Betrag entrichten musste.

Weniger im Blick, weil eben oftmals nicht mehr erhalten, sind alle jene Bauten, die Ledouxs Prinzip der "Architecture parlante" folgen und tatsächlich revolutionären Charakter hatten. Auch der Sitz eines Salinendirektors in der Provinz, zeigt eher die Erhabenheit und Macht des Herrn über das Salz.

Beste Grüße und gutes WE

Christoph Leusch