Columbus

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Columbus
RE: Ein wenig Zögern kann nicht schaden | 17.10.2019 | 01:39

Es scheint so zu sein, dass deutschsprachige Literaturnobelpreisgekörte niemals ohne Widersprüche geehrt werden können und auch nimmer den Maßstäben genügen, die diverse Öffentlichkeiten und die Kritik anlegen.

Elfriede Jelinek war zu aufgeklärt, zu wenig zufrieden, mit dem Zustand ihrer Alpenrepublik und zu obszön. Grass hatte zu viel aus seiner persönlichen Jugendgeschichte gelernt, um nicht mit seiner anhaltenden und nervenden Intervention ins Politische, den Kritiker bis zum Verriss seiner Bücher auf schwarzer Frontseite zu treiben.

Thomas Mann, der immer ein wenig zu spät eminent Politische, der Sprachmagier und Schöpfer prosaischer Epopöen, galt manchen dann als undeutsch, weil er nicht mit der inneren Emigration ausgeharrt habe, bis sich seine LieblingsleserInnen ausreichend ausgetobt hatten, im dunklen, nationalen, rassistischen und brutalen Dritten Reich. Herta Müller, die im kleinsten möglichen Satz und aus dem kleinsten siebenbürgerischen Dorfalltag ein Sprachuniversum zaubert, war vielen zu spröde, zu apodiktisch in ihren festen Vorstellungen und letztlich fremd. Böll hingegen, galt einige Zeit lang als halber Terrorist oder zumindest als deren Sympathisant. Es schrieb der Kritik zu schlicht. Hesse, der veständnisvolle Freund unserer glattgesichtigen Jugendzeiten und ästhetische Esoteriker, schrieb den Kritikern nach, gegen die Zeit. Andere Laureaten, die weniger urteils- und fehlurteilsstark auftraten, wie den einzigen originären Schweizer, Carl Spitteler oder Paul Heyse, kennen nur noch Nerds und hochschulgenötigte Berufsleser.

Handke polarisierte schon 2006, als er den Heine- Preis der Stadt Düsseldorf erhalten sollte und ihn, angesichts der sich anbahnenden Skandalisierung, ablehnte. Handketypisch auch da, nur halb, mit ewigem Fragezeichen. Damals hatte Klaus Harpprecht in der ZEIT, auch gleich die Jury mitgerichtet.

Mir war dazu folgendes Gedichtchen eingefallen:

Haberecht von Montventoux

Ihr guten Leutchen im Dorf an der Düssel,

sucht händeringend nun nach neuen Juroren,

für jene angelauf´ne Dichter - Ehrenschüssel.

Wie wäre Haberecht als Caput der Kuratoren?

Der streitet im schnellsten Geistestrab

der alten Kurie jede Weisheit ab.

Und lässt auch kein Fitzelchen Ehren

an Dichtern, die ihm sind wie Meyerbeeren.

Ach, ich fühl´ es, und es schmerzt,

wenig hört der happige Richter,

aus Kathariens Boden jene Dichter,

die nicht takten, so wie er.

Bräuchte nur sein altes Schreiberohr

leicht auf den Lavendelsoden niederlegen,

wie zu Schlafes Tor.

Doch er kennt nur groben Segen,

der Herr Großinquisitor.

Bezüglich der serbischen Politiker, hat sich Handke schwer geirrt. Er vermutete bei ihrem brutalen Tun mehr Not und Notwendigkeit, auch mehr Klugheit und Wissen, als ihnen gegeben war, im zerfallenden, multiethnischen Jugoslawien. Der Rückschlag, auch auf das Massaker von Srebrenica, folgte ja, mit der Vertreibung von ca. 600.000 -800.000 Serben aus den anderen Teilrepubliken.

Darauf reduziert sich aber das Werk Handkes nicht, von dem mir persönlich gerade zwei Werkchen besonders ans Herz gewachsen sind, "Wunschloses Unglück" und "Die Lehre der Sainte-Victoire". Sein Irrtum ist, wie Sie nachvollziehbar beschreiben, Herr Gladić, nicht mit einer Zustimmung zu den Kriegsverbrechen verbunden.

Ob Saša Stanišić mich auch anrührt, was in mir zum schwingen und klingen bringt, mein Bewusstsein schärft, muss ich wohl erst einmal erlesen. Sie stimmen ja hoffnungsvoll.

Selbstverständlich, bleibt die Liste der nicht mit Nobel-, Heine-, Kleist- oder Büchner- Preisen ausgezeichneten Schreibenden, die es längst verdient hätten, noch leben oder schon unter der Erde liegen, viel größer. Meist sind es AutorInnen, die ich mindestens so schätze, wie nun Handke.

Es gibt einfach immer noch zu wenige Preise, für alle sprach- und stoffmächtigen AutorInnen dieser Welt und alle meinungsstarken, mehr oder weniger werkvertrauten KritikerInnen, vom verblichenen Hungertuchpreis, über den Kleist- und Büchner- Preis, bis zum Nobelpreis.

Nur weiter

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 15.10.2019 | 19:56

Ich denke, mit dem "guten Ressentiment" und der "guten Propaganda", Europa den Europäern, käme man schon weiter.

Militärisch muss man sich dann erst einmal unabhängig machen. Klappt es ideal, wäre es auch budgetentlastend. Ich finde, das könnte verfangen, weil ja mittlerweile selbst unpolitischen Europäern klar geworden sein dürfte, dass im Ernstfall der mächtigste Verbündete nur was macht, wenn er seine Interessen pflegt oder bedroht sieht und zudem die ganze Richtung von der erratischen Psyche des POTUS abhängt.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 15.10.2019 | 19:35

Ich finde, der Dieselskandal zeigt perfekt, wie sehr Politiker und nachgeordnete Behörden oder Beamte, nicht nur auf die systemrelevante Industrie und deren Arbeitnehmer vorauseilend Rücksicht nehmen, sondern auch auf die Wünsche, Bedürfnisse und Belange der Fahrenden, in der Antizipation reagierten. - Es ging um die Beliebtheit und Marktfähigkeit des Diesels. Einer Fahrzeugart, die vor allem bei Berufstätigen und Vielfahrern ankommt. Die sahen die Politiker(-Innen, auch die Kanzlerin!) und die nachgeordneten Behörden oder Minsterialabteilungen, mit Ausnahme des Umweltministeriums, bedroht. Da wollten sie Gefahren von den Fahrenden und von der Autoindustrie abwenden.

Dumm nur, dass es herauskam und damit anderen vor allem EU- rechtlichen Grundsätzen, nämlich Regeln und Vorschriften zu beachten und Versprechen gegenüber Konsumenten einzuhalten, widersprach.

Aber die vielen Konsumenten, die nun vor allem wegen des Wertverlustes ihrer Karren und drohender Fahrverbote klagen, hatten sich die meist schweren und schnellen, besonders autobahntauglichen Gefährte der Mittelklasse und Oberklasse, nicht aus Umweltschutzgründen angeschafft, sondern weil sie an der Zapfsäule steuerlich begünstigt wurden und die Dieselfahrzeuge geringere Betriebskosten verursachten.

Ihr Beispiel NSU trifft schon eher: Da sind tatsächlich Strukturen aufgebaut worden, die systematisch eine rechtsterroristische Gefahr laufen ließen und ignorierten, obwohl deren Akteure bekannt und erkannt, sowie mit zig V- Leuten umstellt waren.

Aber dahinter stand nicht die Absicht der Beamten oder der verantwortlichen Politiker (praktisch nur Männer), einen anderen Staat oder einen Staat im Staate zu bilden. - Selbst Herr Maaßen oder diese ehemalige graue Eminenz im thüringischen Verfassungschutz, Herr Roewer, hatten keine solchen Pläne. Das sind eher rechtskonservative Biedermänner, die sich selbst überschätzen und lange überschätzt wurden, weil sie als Experten und berufliche "Durchgreifer" galten.

Die derzeit erfolgreichste deutsche Partei, neben den Grünen, macht hauptsächlich damit Punkte, dass sie den Wahlbürgern beständig, immer wiederholt, sagt: Wenn ihr uns wählt, bekommt ihr was wir euch gesagt haben und nicht, dann machen wir erst einmal eine Bestandsaufnahme, dann müssen wir Rücksichten auf Koalitionäre nehmen, dann müssen wir sehen, was geht, dann müssen wir bestehende Regeln beachten, usw.

Die wenigen Inhalte sind eindeutig und brutal. Sie definieren eine andere Republik. Deren Wähler wissen das und wollen das.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 15.10.2019 | 18:52

Nun, das ist auch ein wenig holzschnittartig, Herr Endemann. Schließlich verging kaum einen Tag unter dem Genossen Chruschtschow (der erste bei der UN, mit dem Schuh in der Hand) , an dem die UDSSR nicht verkündete, sie lehne jede Einmischung und jeden Ratschlag von fremden Kräften und Mächten, die nicht mit ihr verbündet waren (was meist eine Art kolonialer Abhängigkeit bedeutete, auf die ihn damals der philippinischen Vertreter Lorenzo Sumulong hinwies), ab.

Eine besondere Eigenheit des Kapitalismus ist seine Unabhängigkeit vom ideologisch geprägten politischen System. So können, mittlerweile ist es ja fast schon bewiesen, kommunistische Regime, autoritäre und gelenkte Demokratien, illiberale Demokratien, repräsentative Demokratien, gemischte direkte und repräsentative Demokratien und sogar Inselkönigreiche, mit ihm existieren, prosperieren und leiden.

Ebenso kompatibel ist er mit Staaten, die sich an Rechtsordnungen, Menschen- und Bürgerrechte und das Völkerrecht halten, wie mit jenen, die das, als stille Wahrheit oder gar völlig offen, als Maxime ihrer Eigenständigkeit, ausdrücklich nicht wollen.

Weiter, weiter

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 15.10.2019 | 13:51

<<....bei all den eingebauten Formalismen, die uns von der entscheidenden Mitwirkung fern halten.>>

Ist das tatsächlich so? Meine These dazu: Weil die Vertretungsleistung so effizient, erfolgreich, wenn auch häufig wankelmütig und geradezu irre ist, wie manches Mal auch ganze Wahlvölker in der Mehrheit kurzfristigen Frustrationen und Stimmungen erliegen, immer natürlich bearbeitet durch Propaganda; und weil diese Form der Vertretung so bequem ist, entscheiden sich von Wahl zu Wahl Bürger für deren Fortetzung. Dafür bleiben sie, auf allen Ebenen der Politik, vielleicht mit Abstrichen, der kommunalen Politik, in großen Mehrheiten passiv.

"Wir" Linke glauben zu häufig daran, die Wähler/Bürger würden recht dauerhaft getäuscht. Die Wahrheit würde meist vor "uns" verborgen. Das "System" verschleiere die aktuelle Situation und auch den Ausblick in eine vorstellbare, andere Zukunft.

Für diese unterschwelligen Grundannahmen, werden die politischen Linken, von Wahl zu Wahl abgestraft, denn sie können sich, sonst wären sie ja nicht mehr Linke, nicht auf eine ganz andere Richtung, einen ganz anderen Stil, der gegenwärtig viele Wahlen gewinnt und sich mit Willen der Bürger ausbreitet, einlassen.

Die Rechten und Rechtskonservativen haben den Vorteil, Wahlbürgern zu versprechen sie würden in ihrem Namen, auch mit harten Gesetzen, gar mit Gewalt, "aufräumen", die Welt so monotonisieren, harmonisieren und formieren, wie es der geheimste Wunsch vieler situierter Bürger, ihrer Wähler, ist, die sich keine weitreichenden Gedanken über die Folgen machen, weil sie glauben, sie seien nur positiv betroffen von dieser Homogenisierung (So erklärt sich der erneute Wahlsieg der Pis, so erklären sich die mehrheitlichen und anhaltenden Gelüste nach einer starken Führung, in Russland oder in der Türkei). Das gilt umso mehr, als Rechte dazu neigen, schnell zu tun, was sie rhetorisch ankündigten.

"Unsere" Bürger, auch die im Osten, wissen was sie wählen und sie wissen auch warum. Es ist ihnen auch bekannt, was dafür in Kauf zu nehmen ist.

Ein linkes Projekt, das Aussicht auf Erfolg im Hier und Jetzt haben will, muss sich also nach der Decke strecken und z.B., um zum Thema des Artikels irgendwie zurückzukommen, für ein Ende mit der NATO, erst einmal eine glaubwürdige Alternative anbieten. Ich denke, dies ginge, europäisch.

Nur weiter

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 14.10.2019 | 21:54

Das ändert doch nichts an dem Faktum, dass auch im Falle der verdeckten Beteiligung an Kriegsoperationen und Geheimdienstmissionen, diese immer von gewählten PolitikerInnen, in diesem Falle zumindest von den Kanzlern und der Kanzlerin, sowie vom jeweiligen Sicherheitschef im Kanzleramt und erweitert von den Geheimgremien und den Ausschüssen abgesegnet wird.

Militärs haben nirgendwo mehr eine Entscheidungsgewalt, es sein denn, sie bewegen sich auf illegalem Gebiet.

Das erneute Scheitern der NATO- Partner, ihrem Mitglied Türkei eine völkerrechtskonforme und den eigenen Werteregeln entsprechenden Politik abzuverlangen, deutet doch auf das Faktum.

Übrigens marschiert die türkische Armee nicht nach Syrien, weil das Generäle entscheiden, sondern weil es der Präsident so will, er von niemandem aus seiner Partei oder aus seinem Kabinett gebremst wird und sich sogar sicher sein kann, dass eine Mehrheit der türkischen Bevölkerung diese Handlungen billigt. - Natürlich kann sich in der heutigen Türkei kaum noch eine Opposition gegen diesen Krieg zeigen, die nicht massiv bedroht würde oder deren sichere Verhaftung dann drohte. - Ein weiteres Merkmal, dass die Türkei, geduldet von ihren Waffenbrüdern, demokratische Spielregeln und völkerrechtliche Regeln nicht einhält und so eigentlich kein NATO- Mitglied sein kann.

Militärs sind nur sehr selten Kriegstreiber und sie bestimmen auch nur selten die Art und Weise der Kriegsführung. Aber sie sind eben auch besonders folgsam, fühlen sich dem Eid verpflichtet, wenn man ihnen politische Weisungen erteilt oder andeutet, wie vorzugehen sei. Dann gehen sie sehr weit und überschreiten jede Grenze.

Die Frage, wem wir die politische Macht, auch für die verdeckten Dinge, übertragen; die Frage, ob wir jemanden ins Amt wählen, der sich unter Umständen ungesetzlich und völkerrechtswidrig verhält, gewinnt vielleicht wieder mehr Bedeutung. Ich weiß das allerdings gar nicht, obwohl ich es mir wünschen würde.

Trotzdem lasse ich nicht von dem Gedanken, dass der Primat der Politik bei uns einer der Wähler und Bürger ist. Wenn also heute die NATO so auftritt und damals das Kabinett Schröder/Fischer doppelbödig agierte, unter Merkel vielleicht sogar eine Beteiligung mit den anderen Willigen stattgefunden hätte, liegt das zuerst an der Wahlentscheidung der Bürger der NATO- Länder und nicht an dunklen Kanälen, der Fantasie vom tiefen Staat oder fehlendem Einfluss der Bürger auf die Politik. - Letzteres ist oftmals nur eine Abwehr von Verantwortung.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 14.10.2019 | 14:19

Lafontaine hätte zugleich sagen müssen, was in Europa an die Stelle der NATO treten kann und wie das zu organisieren wäre.

Jean-Luc Mélenchon war im Winter 2018 in Berlin und trug da seine Vision von einem entmilitarisierten Europa vor, die allerdings reichlich naiv und realitätsblind ausfiel. Schließlich besteht Europa fast nur aus Nationen, die sich, mit Zustimmung breiter Mehrheiten, verteidigen wollen. Das gilt es zu berücksichtigen.

Nebenaspekt Russland, bezüglich der realen Stärke und Möglichkeiten, wird nun einmal in vielen anderen Staaten der EU und auch bei neutralen Staaten, nicht als Nebensache betrachtet!

Die Russen müsste man einbinden, wobei aber die Frage auftaucht, ob sie das wollen, zu Konditionen, die ihre Rüstung und ihre dazu passende Industrie, reduzierten. Schließlich müssten sie sich ja selbst die Frage stellen, warum man ihnen, in ganz unterschiedlichen Staaten, so sehr misstraut, bzw., ihnen, trotz mangelnder Fähigkeiten, alles Mögliche zutraut.

Die militärische Führung hat bei der NATO keine Entscheidungsmacht über Krieg und Frieden oder den "Bündnisfall". Das liegt alles und zu Recht, in den Händen der jeweils mehrheitlich gewählten Politiker. Politikerinnen sind eher selten.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 14.10.2019 | 13:58

So ist es, so steht es um die "Peanuts". Hinzu kommen noch die massiven ablehnenden Ansagen einiger wichtiger Regierungen, allen voran ebenfalls die US- Regierung, gegenüber UN- Unterorganisationen und der UNO- Vollversammlung, sowie die Ablehnung internationaler Völkerrechts-Gerichtshöfe, mit Ausnahme der privat organisierten Arbitrationsgerichte und der Urteile der WTO.

Grüße

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 14.10.2019 | 12:24

Genau. Volltreffer. Und ein paar Jährchen später musste Goya auch das Ergebnis der Wirkung des "Weltgeistes" Napoleon, der sich im Traum mit der Vernunft und der Vorsehung verbündet fühlte, in Öl malen und radieren: "Die Erschießung der Aufständischen".

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Die NATO als Wert(e)gemeinschaft | 14.10.2019 | 01:42

Tja, so geht das. Aber Sie könnten z,B. https://www.freitag.de/autoren/columbus/ein-igel-namens-nato-in-der-ukraine, lesen.

Aber trotzdem bin ich nicht der Meinung, die NATO sei immer und ausschließlich eine Veranstaltung der Militaristen und der kalten Krieger.

Das Bündnis stammt aus einer anderen Weltzeit, in der sich Millionenheere mit riesigen Panzerarmeen gegenüberstanden, um nochmals einen Weltkrieg zu schlagen, falls es durch Zujfall oder Absicht, ernst geworden wäre.

Da hatte das Bündnis einen klaren, wenn auch letztlich eher schwächeren Gegner und die Reziprozität verhinderte den Großkrieg, ermöglichte dann, im Patt und seiner beidseitigen Anerkenntnis durch "weise Staatsführungen" auch die Entspannungspolitik und die OSZE/OSCE. Kriege fanden fernab als Stellvertreterkriege statt.

Die NATO schützte den freien Westen, als er das noch war. Nun leidet sie an ihrer Rückständigkeit und zunehmend auch an dieser erschreckenden Doppelmoral, den vielen doppelten Standards, die ihren Wertekatalogen und moralischen Ansprüchen nicht entsprechen.

Da gibt es durchaus eine Analogie zur Klimadebatte, bei der die obersten regierenden Klimaschützer, in den entwickelsten Staaten, im Auftrag ihrer Wahlvölker, die tollsten Klimaverträge abschließen, sich aber in der Strukturierung der Realpolitik nicht wirklich daran halten, weil es dafür eines grundsätzlich anderen wirtschaftlichen Ansatzes bedürfte und zu viele, buchstäblich alte Europäer, die immer noch zu Wahlen zugelassen sind, sich schrecken, wenn ihnen scheinbar nur Verzicht und Regeln angeboten werden, für die sie einen Haufen alter Spielregeln aufgeben müssten. - Selbst hier im dFC Forum schlagen ja beständig Kommentaristen auf, die die "Ehrlichkeit" Trumps loben, der aufs Klima ebenso pfeift, wie auf Interessen, die er nicht für seine und die Amerikas hält.

Aber ganz ohne Frage, arbeiten die immer so 1itulierten, politischen "Verbrecher" und "Nichtsnutze", auf der Basis der je aktuellen Wahlergebnisse, für uns, die Wahlbürger und apolitischen Alltagssünder, auch wenn das regelmäßig Mehrheiten abstreiten, mit solchen Sätzen, wie: "Wenn Wahlen was bewirkten, wären sie längst abgeschafft!" oder "Man könne gegen die da oben nichts machen.", außer sie immer wieder, aus Mangel an Fantasie, aber viel mehr noch aus individuellem Eigenwillen, aus Einverständnis und mit Bewusstheit, zu wählen.

Gerade eben, hat eine Partei, die die NATO liebt, Trump ganz toll findet und viel mehr Militär, überall an der Ostgrenze des Bündnisses haben möchte, einen weiteren spektakulären Wahlsieg errungen und neben einer strammen, katholischen und nationalen Generation junger Männer, sind es vor allem ältere Bürger des Landes, die sich auch mehr Militarisierung und autoritäre Regierung wünschen, selbst wenn das Freiheiten kostet, deren Abwesenheit man erst spürt, wenn zahlreiche Verluste eingetreten sind und politisch ausgenutzt werden.

Unter den Visegrád- Staaten, gibt es auch ein wesentlich entspannteres, verständnisvolles Verhältnis zur Türkei und deren autoritärer Staatsführung. Und ganz tief im Osten, ist der Kreml- chef zwar tiefbesorgt, aber trotzdem ist das Land der Syrieninvasion, geht es um Absatzmärkte, Urlaubsziele und Waffenhandel, eine Gelegenheit zu größtem Opportunismus.

Gute Woche

Christoph Leusch