Columbus

Profil nicht mehr nötig. Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus
RE: Das falsche Richtige und das richtig Falsche | 22.11.2017 | 21:36

Ich hatte was gepostet. Es soll geprüft werden. Ich solle mich gedulden. Tja, so ändern sich die Zeiten.

Ich bleibe hier nun wirklich weg, auch mit Kommentaren, denn die beiden anderen Beiträge zu anderen Blogs wurden nie mehr wiedergefunden, blieben verschwunden. Erklärungen können, das sehe ich ein, gar nicht erst verlangt werden.

Christoph Leusch

RE: Nur ein Verbot löst nichts | 09.11.2017 | 22:12

Ich bin sehr froh, dass Sie an alles drankommen, Herr Jeschke. Das erleichtert es mir doch sehr, nun ein bisschen in mich hineinschmunzeln zu dürfen.

Fällt Ihnen eigentlich auf, dass praktisch nichts, was von anderen (Wissenschaftlern, auch bei der IRAC sitzen welche, NGOs, WHO, pp.) diskutiert und kritisiert wird (In den allermeisten Fällen, sind ja immer schon die Kritiker sowohl ökonomisch als auch politisch im Hintertreffen, dreht es sich nun aktuell um Glyphosat und Glufosinat, um Dicamba und andere Fragen, wie z.B . industrielle Landwirtschaft) auch nur ein Fitzelchen zählt?

Genau das, trifft ja auch auf die Anwälte, die nun die Sammelklagen verteten und sich Experten-Rat suchen müssen, ebenfalls zu.

Ich möchte ihnen auch keinen weiteren Vortrag dazu liefern, wie in etwa sich die Dollar und Euro in der Realiät verteilen, die für die jeweilige Meinung in allen hier diskutierten Fragen von den streitenden und prozessierenden Parteien, von den beiden Firmen und ihren Mitkonkurrenten, im Vergleich zu den NGOs, eingesetzt werden. - Das wissen Sie doch auch, oder?

Schon gar nicht mithalten können die Kritiker, mit der konzertierten Firmenwerbung für die Markengebinde an (GM-)Saaten und Herbiziden, plus Insektizide und Fungizide.

Alles Gute

Christoph Leusch

RE: Nur ein Verbot löst nichts | 09.11.2017 | 17:16

Herr Jeschke, Sie können davon ausgehen, dass ich um Gesundheit und Krankheiten Bescheid weiß. Ihnen möchte ich aber schon sagen, dass Sie mit ihren eigenen Bemerkungen sehr locker umgehen und eben viele Dinge auch einfach falsch darstellen.

So hat die IARC Glyphosat, übrigens mit drei weiteren Pflanzenschutzmitteln, als möglicherweise karzinogen eingeschätzt.

Die EFSA und damit das BfR, die sich für ihre Urteil, das ist ja mittlerweile aufgedeckt, hauptsächlich darauf stützen was von Monsanto selbst zur Verfügung gestellt wurde, kommen zu dem Schluss, die Substanz sei wahrscheinlich nicht karzinogen.

Das ist schon sprachlich, in beiden Fällen etwas anderes, als ihre Formulierung, es gäbe keine Evidenz, Glyphosat sei gesundheitsschädlich!

Die vielen Fallberichte aus unterschiedlichsten Teilen der Welt, nicht nur zum Missbildungs- und Karzinomriksiko (bisher ja auch nur für wenige Tumorformen überhaupt untersucht), sondern auch zu anderen Organ- und Systemerkrankungen (Niere, Polyneuropathie, Leberfunktion), sprechen eine andere Sprache. Genau aus diesem Grunde, hat sich ja auch so viel Widerstand aus Fachkreisen, von Umweltverbänden und Bauern, besser Landarbeitern, rund um den Globus geregt und wird nun, da es um weitere Zulassungsverländerung und einzuhaltende Termine geht, auch bei uns, in Europa und in den USA, dort wo immerhin die besten Schutzstandards gelten, virulent.

Neben der speziellen Einschätzung zur Karzinogenität, auf Basis der bisher veröffentlicheten Studien, existieren aber weitere zahlreiche Studien, die sich der möglichen anderen Schadwirkungen der Reinsubstanz in vitro, der Spühmittelansätze in vivo und unter realen Arbeitsbedingungen, sowie unspezifischer, der Wirkung der gesamten, mit Glyphosat zusammen verwendeten Pflanzenschutzmittel auf allen Ebenen lokal und regional, sowie vom Bodenaufbau und den Mikroorganismen, über die aquatische Belastung, bis eben zu den Wirkungen auf den Menschen widmen. - Überall, auf allen Ebenen, gibt es massive Bedenken.

Der direkte kausale Beweis, liebe Herr Jeschke, ist so ziemlich die schwierigste Übung. Dafür gibt es ja, z.B. was die Karzinogenität angeht, auch bei der IARC und den anderen Organisationen, eine andere Katergorie der sicher oder ultimat karzinogenen Substanzen. Fazit: Es ist weder gefordert, noch nötig, einen eindeutigen Beweis zu erbringen. Das geht auch meist gar nicht. Es genügt aber, um Vorsorge zu treiben, die Möglichkeit plausibel zu begründen. Vorsorge ist, die Korrelation ernst zu nehmen und nicht auf den Beweis der Kausalität zu warten.

In den Kommentaren und in ihren Antworten auf die Mitforisten, Metambigo und Idog, bzw. Pleifel, gehen Sie auch nicht gerade zimperlich vor.

Ich möchte daher noch zu zwei Stichworten etwas schreiben:

Blut- Hirn- Schranke: Funktional, stellt diese unvollständige Schranke hauptsächlich einen Schutz gegen Bakterien und begrenzt gegen Viren und allgemein größere organische Moleküle dar, sofern die nicht zufällig an einen Carrier binden, der eigentlich für den organeigenen Stoffwechsel gebraucht wird oder z.B. auf eine vorgeschädigte Schranke treffen.

Selbst körpereigene Immunglobuline dringen nicht vor, es sei denn, es herrschen abnorme Zustände. - Ob nun synthetische oder natürlich vorkommende Stoffe die Schranke bei Gesunden/Kranken durchdringen und welche Wirkung das hat, ist in jedem Einzelfall zu prüfen.

Bei allen künstlichen Stoffen, die so ubiquitär freigesetzt werden, wie nun das Glyphosat oder zum Beispiel Dicamba, bei dem es für die neuen, weniger volatilen Gebinde derzeit praktisch nur Monsanto- Forschung gibt, sollte man schon genauer hinschauen.

Toxikologie, LD 50: Wenn es um chronische Systemerkrankungen und Krebs geht, ist die akute Toxizität eines Stoffes meist nicht entscheidend.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Nur ein Verbot löst nichts | 08.11.2017 | 12:48

Sie machen es sich sehr einfach, wissen aber genau, dass es eine solche randomisierte und mit einer ausreichend großen Kohorte durchgeführte Studie unter kontrollierten Bedinungen nicht gibt.

Lesen Sie die IARC- Zusammenfassung zum "möglichen Krebsrisiko", lesen sie die Diskussion dazu.

Neben berechtigter Kritik, ist aber auch völlig klar, dass (Bayer-)Monsanto die o.g. Versuche unternahm, die abweichenden Wissenschaftler zu diskreditieren, weiterhin hauseigene Studien zurückhält und sich die deutschen Amtsguachter auf anonyme, wohl firmeneigene, Studienergebnisse beriefen, um Glyphosat für unbedenklich bezüglich des Krebsrisikos zu halten.

Für direkte Menschenwirkung, bezogen auf Krebs, existieren derzeit nur die Ergebnisse der Epidemiologie auf Gemeinde oder Regionebene und die Case- Studies, z.B. aus Argentinien, Indien, Brasilien, unter Populationen mit hoher, aber eben nicht spezifischer/ausschließlicher Belastung mit Totalherbiziden (in den meisten Fällen, Monsantos Glyphosat in seiner Verwendungsform), unter nicht studienmäßig festgelegten Anwendungsbedingungen. Aus letzterem Grund, wurden hingegen Studien vom Bundesinstitut für Risikoabschätzung voreilig und unangemessen verworfen. Sie flossen nicht in deren Bewertung ein!

Dazu existieren nur Abschätzungen über Tierversuche (vorw. Mäusestämme) und wenige Studien zu Veränderungen an menschlichen Blutzellen und Organzellkulturen. - Das kann man alles bei der IARC in deren Studien- Assessment nachlesen.

Gerade in den Hauptnutzgebieten des Glyphosats und anderer Pflanzenschutzmittel, z.B. bei den Zuckerrohrbauern, den Mais- und Sojabauern, im Reisanbau, müssten mehr und genauer kontrollierte Studien unternommen werden. Nichts anderes, fordert auch die IARC und warnt eben, weil der Beweis für die Unschädlichkeit nicht erbracht ist und die vielen assoziierten Fälle aus den Risikogebieten Warnung sind.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Nur ein Verbot löst nichts | 07.11.2017 | 23:13

Was im Zusammenhang mit der EU- regelkonformen und notwendigen Überprüfung von Glufosinat (Basta(R) besonders bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass der Berichtsauftrag der EU- Fachbehörde EFSA (European Food Safety Authority Renewal Assessment Report, kurz RAR) erneut, wie schon der für Glyphosat, an das deutsche Bundesamt für Risikoabschätzung (BfR) übertragen wurde.

Das Bundesamt hatte schon beim Glyphosat bewiesen, dass seine Expertise für die Unbedenklichkeit des Totalherbizids sich vor allem auch auf unveröffentlichte und zudem anonyme (völlig unüblich für Wissenschaft!) Studien aus dem Archiv des Herstellers stützte. Die Behörde arbeitete mit dieser Methode z.B. gegen die maßgebliche WHO- Tochterorganisation International Agency for Research on Cancer (IARC/CIRC), die zu einer anderen Einschätzung, entlang veröffentlichter und namhafter Studien, kam.

Zugleich wird dieser Tage bekannt, dass Monsanto durch gekaufte Leserbriefzuschriften an Fachmagazine, durch Studien die von Firmenwissenschaftlern erstellt wurden, aber mit dem Namen von namhaften Universitätswissenschaftlern versehen waren, die die Wissenschaftsgesellschaft beeinflussen sollten. Hinzu kam, dass hochrangige wissenschaftliche Monsanto- Mitarbeiter peer-review- Gutachten bei Fachzeitschriften verfassten, ging es um kritische Artikel zu Glyphosat, z.B. für Cell Biology and Toxicology (CBT)

Alle diese Tatsachen sind doch zumindest deutliche Indizien dafür, dass wesentliche, der Firma bekannte Fakten zurückgehalten oder manipuliert wurden, dass mit unwissenschaftlichen und lobbyistischen Methoden gearbeitet wurde.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Putin weiht Denkmal zu politischem Terror ein | 07.11.2017 | 16:13

Wo hätte ich eine Rechtfertigung geschrieben oder ihr zusgestimmt?

Ich will mich doch mit Ihnen nicht streiten, Pomorze, sondern habe doch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eben gegenseitige historische Aufrechnerei nichts bringt, obwohl sie in Polen, wie auch im Baltikum, genau so, aus nationalistischen und innenpolitisch- machtpolitischen Gründen, genutzt wird. - Vor allem, hat sie keine Zukunft, auch wenn das manche Balten und Polen denken mögen, indem sie diese Art der Geschichtsbetrachtung auch ihren Kindern anerziehen wollen.

War es nicht natürlich, dass Putin, an die Macht gelangt nach dem Zusammenbruch der SU und nach den Jelzin- Jahren, 2005 diese historische Phase für eine Katastrophe Russlands hielt?

Leider ziehen Sie, wie viele die das angebliche Zitat gerne nutzen, die völlig freie Interpretation John Boltons vor. Andere westliche Medien, nutzen seit Jahr und Tag die verkürzte und entstellende Übersetzung von AP.

In Wahrheit ist eben nicht von der "größten Katastrophe der Menschheit" die Rede und auch nichts davon, Putin wolle die SU wieder ins Werk setzen. Auf die mediale Verstümmelung und "Umgestaltung" seiner Rede, hat Putin mehrfach selbst reagiert und seine Position, die der russischen Regierung, nochmals klargestellt. - Da irren Sie also oder haben sich eben nicht gut informiert.

Die Einmärsche der SU und der Deutschen in Polen, waren Völkerrechtsbrüche und Verbrechen, wie auch die Ermordung der Polen durch die Russen und jene systematische Liquidierung der polnischen Führungs- und Bildungsschicht durch das Deutsche Reich unter Hitlers Führung. - Allerdings steht auch ohne Zweifel fest, dass Russland alle diese Fakten auch anerkannt hat!

Um noch weiteren Missverständnissen vorzubeugen, die leider immer wieder in Foren geschehen, in denen es affirmativ und oftmals falsch mit Zuschreibungen zugeht: Ich bin keinesfalls ein Anhänger oder Verteidiger der derzeitigen russischen Politik, der Art und Weise, wie in Russland, mit einer nur in Teilbereichen vollständigen Demokratie (Wahlen und große Wahlmehrheiten sind eben nur ein Baustein der Demokratie) Politik gemacht wird und der Art und Weise, wie in diesem Staat sich ein von der Regierung gedeckter, oligarchisch organisierter Kapitalismus breit gemacht hat.

Allerdings bin ich auch der Auffassung, dass mittel- und osteuropäische Staaten, gar EU- Staaten, mittlerweile einem Trend folgen, der analoge Macht- und Ökonomiemodelle einer gelenkten, eingeschränkten Demokratie, sowie eines autoritären Staatsgebarens, etabliert: Oligarchen- Milliardäre in der Politik und an der Regierung, demokratische Akklamation, streng nationale Töne im Inneren, wie auch gegen die nächsten Nachbarn, schleichende (Re-)Militarisierung der Gesellschaft, Einschränkung der Pressefreiheit, Einschüchterung der Opposition und des Straßenprotests, mannigfaltige Eingriffe in die Gewaltenteilung, volkstümliche Verachtung der Intellektuellen und wesentlicher, nicht national markierter Teile der Kultur. - Für mich, sind da heute Polen, Ungarn, Rumänien, Tschechien und die baltischen Staaten besonders anfällig und gefährdet.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Putin weiht Denkmal zu politischem Terror ein | 05.11.2017 | 22:55

Was den europäischen Nationen, insbesondere jenen in der EU, schadet, ist eine Art gegenseitige Geschichtsaufrechnung, Herr Jonas.

Die Geschichten der europäischen nationalen Sünden sind mittlerweile gut belegt und die allermeisten Historiker oder auch andere Gebildete mir historischem Wissen, in ganz Europa, wissen das. Die haben in großer Mehrheit keine Probleme damit, sich kritisch auszutauschen, ohne wieder in das Auszählmuster zu verfallen, das, wie bereits gesagt, in alle möglichen Richtungen unproduktiv ist.

Nur ein Teil der einzig an populistische Massenmedien und große soziale Netzwerke angeschlossenen Bürger und ihre ebenso populistischen Politiker, einschließlich deren Spin Doctors und Marketing- Strategen, haben mit der Wiederentdeckung des historischen und nationalen Schuld- und Vorwurfsmodus, gegen Nachbarstaaten und "Erbfeinde", ihren aktuellen Erfolg und Spaß. Da wollen viele nicht aus ihrer individuellen "Tradition" und in einigen EU- Ländern erkennt man da auch einen unseligen Trend gelangweilter und innerhalb kürzester Frist (15-25 Jahre) doch deutlich besser gestellter Kleinbürger, denen erste Urlaube und Eigentumserwerb, sowie die Möglichkeit fast jeden medialen Trash frei Haus konsumieren zu können, einfach nicht mehr ausreichen. Daher sehnen sie sich nach der starken Hand, nach idolisierten Staatschefs oder gar nach Leuten, die sagen sie lenkten bald ihr Land wie ihren Konzern, ihr Familienunternehmen. - Was offenbar auch nicht mehr abschreckt: Dass sich die neuen Politikergarden als trickreiche Steuervermeider und -Betrüger in privaten Finanzangelegenheiten erweisen. Das gilt bei einem wachsenden Anteil gerade der Kleinbürger und des Mittelstands als besonderer Ausweis höchster Kompetenz für höchste Staatsämter.

Was nun die Einweihung des Moskauer Denkmals, in Gegenwart des Patriarchen und die Rede Putins angeht, so erzeugte selbst diese relativ wenig progressive und vorsichtige Vorgehensweise in Russland, die aber ein Symbol für ein kritisches Geschichtsbewusstsein, eine Erinnerungskultur darstellt, Widerspruch von ultranationalen Bürgern und Politikern, die weder in ihren eigenen Ansichten, noch in der von ihnen vertretenen Tradition Fehler und "Sünden", Schuld und Verantwortung erkennen wollen. - Wir Deutsche kennen das doch.

Die Ukraine ist als selbstständiger Staat anerkannt, auch von Russland! Allerdings sind die Russen, geht es um Nationalismus, bezüglich der sogenannten "autonomen Regionen" und der annektierten Krim, keinen Deut besser, vernünftiger, gerechter, als ihre ukrainischen Gegner und gleichzeitigen Partner, soll es eine erträgliche Lösung, vielleicht mit OSCE- Unterstützung, dereinst einmal geben.

Gute Woche

Christoph Leusch

RE: Nur ein Verbot löst nichts | 05.11.2017 | 20:13

Schauen Sie sich doch einfach einmal die aktuelle Arte Doku an. Die bildet, nicht nur aus Spaß an der Freude oder weil da "Bio-Ideologien" am Werk wären, das Geschehen ab: https://www.arte.tv/de/videos/069081-000-A/roundup-der-prozess/

Es gibt eben den Verdacht auf Teratogenität, auf Karzinogenität. Es gibt die Organophosphat- Polyneuropathie, wie eben die starke Korrelation mit der chronischen Nephropathie und auch schwer zu beweisende, aber epidemiologisch- statistisch vermutete Zusammenhänge mit chronischen Leberfunktionsstörungen und gastroenterologischen Erkrankungen.

Die paradoxe Verknüpfung der Begriffe "natürlich" gleich unschädlich, "synthetisch" gleich schädlich, ist tatsächlich Teil der Meinung vieler Konsumenten und Bürger.

Aber die Journalisten, Wissenschaftler und NGOs, die sich mit der Agrarchemie und der grünen Gentechnik, der Pharmazie oder Kosmetikindustrie oder der Lebensmittelindustrie kritisch beschäftigen, bringen genau dieses Argument höchst selten. - Umgekehrt jedoch, funktioniert die Dialektik viel besser und häufiger: Als pauschaler Vorwurf in Richtung Grün- und Umweltbewusste, sie seien ahnungslos und völlig voreingenommen.

Das Argument, bei fachgerechter Anwendung seien die derzeitigen Herbizide, zumindest für Menschen, ungefährlich, bezieht sich auf die dauerhaft eingehaltene Praxis, aber nicht auf das häufig andere reale Verhalten in der ganzen Welt und zumindest bis vor wenigen Jahren, auch bei uns. - Schon in Rumänien, immerhin EU- Mitglied hätte ich große Zweifel, ob die fachliche Praxis, nicht nur bei der Totalherbizid- Nutzung, überhaupt überprüft wird oder überprüft werden könnte.

Frohes Schaffen

Christoph Leusch

RE: Putin weiht Denkmal zu politischem Terror ein | 05.11.2017 | 18:54

Wie wurden denn z.B. die 200.000 lettischen Juden den Deutschen und damit dem Tode ausgeliefert, wenn sie sich nicht entschlossen, mit der Roten Armee und als Partisanen zu kämpfen? Das geschah durch weitestgehende Kollaboration der Letten.

Polen: Wie wären denn die Machtansprüche Polens unter dem autoritären Piłsudski (20er-Anfang 30er Jahre des letzten Jahrhunderts) anders zu werten? Man stieß bis Kiew vor und annektierte Teile Lettlands, bevor es den Backlash gab und das Wunder an der Weichsel. Man stritt sich z.B. mit den Tschechen um Gebiete und hatte die Idee eines Großpolen.

Ich finde, diese Geschichte muss Geschichte sein und bleiben, und es gilt auf jeden Fall, heute eine vermittelnde und öffnende Haltung einzunehmen und dafür zu werben.

Es ist doch klar, dass der antirussische Affekt, gespeist aus der Geschichte, in der heutigen Realität nur schadet, während er sich gleichzeitig vorzüglich eignet, die derzeitige, antidemokratische Politik der Regierungspartei bezüglich Medien- und Meinungsfreiheit, bezüglich Unabhängigkeit der Justiz, mit einer übertrieben nationalistischen Rhetorik zu überdecken. Leider ist das populär.

Beste Grüße

Christoph Leusch

RE: Nur ein Verbot löst nichts | 05.11.2017 | 18:20

Ich habe so meine Erfahrungen mit der Risikoeinschätzung von Glyphosat und Glufosinat, die ja beide schon lange bekannt und im Einsatz sind, Herr Jeschke.

Auch Glyphosat verdankt seine Entdeckung jener Aufbruchstimmung in der chemisch-pharmazeutischen Industrie der 50er und 60er Jahre. Es fiel bei der Suche nach Pharmaka an, und durch Zufall entdeckte man die Totalherbizid- Wirkung. - Dann glaubte man lange an die firmeneigene oder von den Firmen bezahlte Forschung und deren Unbedenklichkeitsbescheinigungen. - Erst die Anwendungspraxis, bei uns, aber noch viel mehr in den Transformations- und Entwicklungsländern, brachte die Kritik, weil es eben zahlreiche, auch Laien, Kommunen, Staaten und Wissenschaftlern auffallende Probleme gab und gibt.

So ist, wie man seit den späten 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts weiß, Glyphosat keineswegs unschädlich für Tiere. Besonders betroffen sind Amphibien und eben Insekten.

Die Diskussion um die multiple Humanpathogenität, sowie den Eintrag ins Grundwasser und den Bodenverbleib, einschließlich der Metabolite, ist ebenfalls anfänglich von Euphorie geprägt gewesen. Da wurde noch bis in die 90er Jahre behauptet, Glyphosat baue sich unter jeglicher Bedingung schnellsten ab, maximal in 4 Wochen.

Damals war es üblich, z.B. auch öffentliche Anlagen, Spielplätze, Sportplätze, Schulhöfe und Kleingärten, neben Bahn- Gleiskörpern, mit Totalherbizid zu behandeln. - Die Einsatzbeschränkungen und Schutzvorkehrungen im privaten und öffentlichen Bereich verschärften sich sukzessive, nachdem eben festgestellt wurde, dass der Abbau der Substanz erheblich länger braucht, dass Konzentrationen hoch bleiben, besonders wenn es länger trocken ist, dass aquatische Fauna belastet wird, dass eben multiple Humankrankheiten damit in Zusammenhang gebracht werden können. - Nur in der Landwirtschaft blieb es lange Zeit bei der großen Freiheit. Das hat sicher auch etwas mit der Ökonomie zu tun und eben mit dem Faktum, dass Umstellungen auf mehr Mechanik, andere Fruchtwechsel- Abfolgen und differenzierte Sortenzucht einfach mehr Grips und mehr Aufwand kosten.

Meines Wissens, ist Glyphosat weiterhin in Sri Lanka verboten und es wurden, bis in den September dieses Jahres hinein, Importe beschlagnahmt. Die meisten damit befassten Wissenschaftler Sri Lankas sind gegen die geplanten Erleichterungen, es wieder einzusetzen und Sri Lanka steht mit seiner Haltung nicht allein. Ich kann jetzt nicht endlos zur Situation in Mittelamerika und Argentinien oder Kalifornien schreiben.

Wieso die natürliche Abkunft eines Herbzids aus dem Stoffwechsel eines Bakteriums "das Paradoxe der "Bio"-Diskussion verdeutlichen kann", verstehe ich nun nicht. Denn darum geht es ja gar nicht, wenn es um die Toxikologie von industriell hergestellten und konzentrierten Stoffen geht, stammen sie nun aus der vollständigen chemischen Synthese oder aus Bioreaktoren. - Streptomyces hygroscopius produziert sein "Toxin" (neben weiteren Antibiotika/Hemmstoffen) nicht im luftleeren Raum, sondern in Bio-Konkurrenz, sowohl gegen andere Bakterien als auch gegen Pflanzen, in seiner ökologischen Nische.

Untersuchungen zur akuten Toxizität des reinen Stoffes, zumal an Tieren mit erheblich vom Menschen abweichenden Lebens- und Reproduktionszyklen, sagen noch wenig über die langfristige Wirkung, bieten aber erste wichtige Anhaltspunkte. Na, zumindest taugt Glyphosat nicht zum Suizid. Da kann man ja schon froh sein! Wie z.B. bei der Blei- Vergiftung gilt, dass der chronische Aspekt besonders wichtig ist und wie bei dieser, immer noch bestehenden, chronischen Bleigefahr, trifft es vor allem Arme und sozial Schwache, in den Entwicklungs- und Transformationsländern, nicht die Investoren, nicht die Firmenangehörigen, niemanden aus den Oberschichten.

Gute Woche

Christoph Leusch