RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 13:57

Weil hier viele den Eindruck haben, hier werden nur wieder Ossis belehrt: darum geht es nicht. Es geht weder darum, Ossis die Schuld am Rechtsruck zu geben, noch Männern - oder Frauen, weil sie abwandern. Es geht darum, die Abwanderung von Frauen aus der Provinz (insbesondere im Osten, aber durchaus auch im Westen!) als strukturelles Problem zu erkennen, das in den Rechstruck definitiv reinspielt. Ist dieses Problem erkannt, können besser politische Lösungen gefunden werden: als Gründe für ihre Abwanderung nennen Frauen die mangelnde Infrastuktur im ländlichen Raum, aber auch, dass Vorgesetzte sie dort nicht ernst genug nehmen und nicht fördern, im Gegensatz zu Vorgesetzten in Städten. Eine feministische Politik an der Peripherie könnte also gegen die weibliche Abwanderung helfen: die Provinz könnte für Frauen so attraktiv gemacht werden, dass sie gerne bleiben. Zum Beispiel durch gute Kitas, durch den Ausbau des ÖPNV (nur ein Drittel aller Fahrzeughalter sind Frauen!), durch ein Kulturangebot für Frauen, durch gezielte Frauenförderung in den Betrieben, die in der Provinz angesiedelt sind.

RE: Eine soziale Bewegung, die den Namen verdient | 08.08.2018 | 13:22

Liebe Community, ich freue mich, dass einige meiner Texte immer wieder für interessante Kommentare und Diskussionen sorgen. Aber nun schreibe ich ja schon eine kleine Weile für den Freitag und würde euch bitten, meinen Namen richtig zu schreiben: Koester. Mit oe, nicht ö. Das wäre nett. Danke.

RE: Gehört Seehofer noch zu Deutschland? | 31.07.2018 | 10:13

Danke für den Tipp, aber ich habe auch einen: genauer lesen. "Am Wochenende" schreibe ich, und wenn Sie auf die Facebook-Seite der Seebrücke schauen, sehen Sie, dass viele der angekündigten Aktionen vor oder nach dem Wochenende stattfanden und sogar noch stattfinden werden. Am Wochenende waren es 25 Städte, wenn ich richtig zähle - den Freitag großzügig mitgezählt. Können wir uns darauf einigen, dass "über 20" dafür keine ganz unangemessene Formulierung ist? Desweiteren waren es keine 25.000 Demonstrant*innen in Berlin am 7. Juli. Es waren selbst nach Veranstalterangaben 12.000 - und ich war da. 25.000 waren es nicht. (Die Bewegungs-Quelle dazu: https://www.facebook.com/events/335710633627340/permalink/342893226242414/) Ich verstehe einfach nicht, wieso man sich als Verfasserin eines Pro-linke-Bewegungs-Kommentars hier auch noch von links Gegenwind und - von oben herab - Tipps einfangen muss. Das muss, bei dieser Stimmungslage im Land, echt nicht sein. Und keine Sorge: der Kontakt steht.

RE: Sie sammeln sich selbst | 20.06.2018 | 14:20

Wo genau auf dem Ländle denn? In Flüchtlingsunterkünften, die ja meist auf dem Ländle anegsiedelt sind, wird die Initiative wohl kaum scheitern.

RE: Lieber Mann ... | 08.06.2018 | 10:11

Korrektur/Ergänzung: Gender Pension Gap 42 Prozent in Westdeutschland, 23 Prozent in Ostdeutschland.

RE: Lieber Mann ... | 08.06.2018 | 10:06

Frauen "kontrollieren den Großteil des Einkommens"? In welcher Welt leben Sie? Frauen verdienen 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, nur ein Drittel der Vollzeitstellen ist von Frauen besetzt, hingegen 80 Prozent der Teilzeitstellen, 2/3 der Minijobs. Die Folge: Altersarmut. Die Gender Pension Gap, die Lücke zwischen den Geschlechtern in der Rente, beträgt sogar 42 Prozent. Nach Scheidungen sitzen Frauen, die ihr Leben lang Teilzeit lohngearbeitet und Teilzeit erziehungsgearbeitet haben, in Armut da. Viele Frauen erdulden deshalb Gewalt durch ihre Partner und verlassen sie nicht. Was für eine Kontrolle. Was Sie meinen, ist das "Recht", für den gemeinsamen Haushalt einkaufen zu gehen - unbezahlt.

RE: Wer repräsentiert hier welches Volk? | 29.05.2018 | 11:00

Ich gebe Ihnen darin Recht, dass das urban-linke Milieu alleine die Probleme nicht lösen wird, die sich in der Gesellschaft entwickelt haben. Denn es stimmt: es gibt ein bestimmtes Milieu im Prekariat, das sich dort nicht zu Hause fühlt und das von linken Parteien zunehmend vernachlässigt wurde. Insofern wäre es wichtig, dass diese Parteien die Interessen des schlecht verdienenden und durch Leiharbeit, Befristungen und Arbeitsverdichtung prekarisierten Milieus wieder vertreten - zum Beispiel, indem die Hartz-Sätze erhöht, die Sanktionen abgeschafft, Vermögenssteuern eingeführt werden. Es ist schade, dass Frau Wagenknecht, diese zentralen linken Forderungen immer häufiger mit migrationsfeindlichen Inhalten verbindet.Aber: die Hoffnung lege ich im Kommentar keineswegs auf eine rot-rot-grüne Allianz, jedenfalls nicht als Koalition der bestehenden Parteien gedacht. Sondern auf die hinter diesen Parteien stehende, nicht mehr von ihnen repräsentierte - oder nur noch zum Teil von ihnen repräsentierte - linke Zivilgesellschaft. Meine Hoffnung wäre, dass diese Zivilgesellschaft es schafft, Druck auf die SPD, die Grünen, die LINKE aufzubauen, um eine soziale, aber auch liberale - im Sinne von migrationsfreundlich, weltoffen, feministisch, antirassistisch, (basis)demokratisch - Politik zu machen. Für die SPD etwa hieße das: die Zivilgesellschaft hätte die GroKo verhindern müssen. Jetzt müsste der kritische Teil der SPD-Basis sich von seiner Spitze abkehren, die offensichtlich unwillig ist, eine linke Richtung einzuschlagen.

RE: „Bist du Jude?“ | 17.05.2018 | 12:45

Dann muss ich doch nochmal klarstellen: wenn man als Interviewerin in gewissem Maße eine Rolle spielt, dann bedeutet das keineswegs, dass man Fragen stellt und Kommentare macht, hinter denen man nicht steht! Das wäre heuchlerisch und verlogen, das wäre manipulativ. Nein, es geht darum, dass man zuspitzt und provoziert. Dass man eine Perspektive mal stärker macht als man das vielleicht bei einem anderen Gesprächspartner machen würde.