RE: Grüner Klassenkampf? | 23.10.2018 | 16:54

Das geht jetzt aber über meinen Artikel hinaus. Darin habe ich ja eben nicht geschrieben, dass es nichts mehr zu tun gebe, sondern im Gegenteil, dass es durchaus vieles zu tun gibt, und zwar wesentlich mehr, als in der Sozialdemokratie bislang politisch behandelt wurde. Dasselbe gilt für die Klassenfrage: es gibt andere Milieus in der Arbeiterinnenklasse als jene, deren Interessen die Sozialdemokatrie in erster Linie vertritt. Eben nicht nur die Verteilerin am Band. Sondern auch die Pflegerin, die soloselbständige Designerin mit 900 Euro netto, die Teilzeit-Mutter und Teilzeit-Texterin. Und es gibt mehr Verteilungsfragen als die nach der Produktion: es gibt auch die Frage, welche Arbeit an wen verteilt wird, wo Identität eine Rolle spielt. An wen wird unbezahlte Care-Arbeit verteilt? An wen bezahlte? Und an wen der Industriejob, der Textjob? Und wer dieser Leute findet am Ende in welcher Partei die Interessensvertretung für sich? Die Antwort habe ich mir nicht ausgedacht: immer mehr finden ihre Vertretung bei den Grünen, nicht in der SPD.

RE: Grüner Klassenkampf? | 23.10.2018 | 11:49

Das "Ende des Industriezeitalters" bedeutet nicht, dass es keine Industrie mehr gäbe - das behaupte weder ich, noch haben die Postoperaisten dies je behauptet. Die Transformation von Arbeit und Gesellschaft verändert jedoch sowohl die Industrie selbst - durch Digitalisierung, durch Auslagerung - als auch die Rolle, die Industrie in der Gesellschaft spielt. Es geht ja nicht darum, dass auf einmal alles affektive oder digitalisierte Arbeit ist und Pizza aus dem Computer kommt. Sondern darum, dass Arbeit, die zuvor politisch vernachlässigt wurde, in den Mittelpunkt rückt. Auch in Hochzeiten des Industriezeitalters wurde erzogen, wurde gesund gemacht, gelehrt, gepflegt, gekocht, geputzt, wurden Identitäten produziert, wurden Ressourcen geborgen, gab es Auseinandersetzungen um diese Ressourcen, wenn auch eher geostrategisch als klimapolitisch - jedoch außerhalb des politischen und wirtschaftlichen Fokus. Einfach nebenher, scheinbar ungeregelt, scheinbar unbezahlt (und doch natürlich über den Arbeiterlohn bezahlt, indirekt, und ganz klar gesellschaftlich geregelt). Diese zuvor unbewusst geregelte Arbeitsteilung wird nun gesellschaftlich organisiert und gerät daher in den Fokus, wird zentraler Bestandteil politischer Auseinandersetzung und also Teil der bewussten Produktion. Die Grünen haben sich seit jeher damit befasst, die Kipping-Linke tut dies ebenfalls, die AfD tut es auf ihre Art - und die SPD schafft diesen Sprung nicht.

RE: Steht erstmal selbst auf! | 17.10.2018 | 12:02

Ich werbe gerne, denn ich halte es für sehr wichtig, aufstehen jetzt gut (und daher: kritisch) zu begleiten. Zum Buch von Rainer Balcerowiak finden Sie in der letzten Ausgabe des Freitag eine Rezension (gleich auch online ;) ). Ich werde nicht zur Buchvorstellung gehen. Aber vielleicht zum Aufstehen-Treffen in Neukölln, das ebenfalls heute stattfindet. Vielleicht sieht man sich ja.

RE: Steht erstmal selbst auf! | 16.10.2018 | 15:50

Da es eben noch keine demokratischen Strukturen in der Initiative gibt, gehe ich mal davon aus, dass das Papier von einem der Köpfe geschrieben wurde, die derzeit zu so einem Arbeitstreffen gehen. Da gibt es nicht so viele. Also keine Sorge, das ist nicht irgendeine kritische Stimme, sondern eine gewichtige kritische Stimme. Dass es da Uneinigkeit gibt, hat man ja auch daran gesehen, dass Fabio de Masi oder Florian Ernst Kirner sich sehr beeilt haben, die Teilnahme von #aufstehen an der Demo öffentlich zu machen.

RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 13:57

Weil hier viele den Eindruck haben, hier werden nur wieder Ossis belehrt: darum geht es nicht. Es geht weder darum, Ossis die Schuld am Rechtsruck zu geben, noch Männern - oder Frauen, weil sie abwandern. Es geht darum, die Abwanderung von Frauen aus der Provinz (insbesondere im Osten, aber durchaus auch im Westen!) als strukturelles Problem zu erkennen, das in den Rechstruck definitiv reinspielt. Ist dieses Problem erkannt, können besser politische Lösungen gefunden werden: als Gründe für ihre Abwanderung nennen Frauen die mangelnde Infrastuktur im ländlichen Raum, aber auch, dass Vorgesetzte sie dort nicht ernst genug nehmen und nicht fördern, im Gegensatz zu Vorgesetzten in Städten. Eine feministische Politik an der Peripherie könnte also gegen die weibliche Abwanderung helfen: die Provinz könnte für Frauen so attraktiv gemacht werden, dass sie gerne bleiben. Zum Beispiel durch gute Kitas, durch den Ausbau des ÖPNV (nur ein Drittel aller Fahrzeughalter sind Frauen!), durch ein Kulturangebot für Frauen, durch gezielte Frauenförderung in den Betrieben, die in der Provinz angesiedelt sind.

RE: Eine soziale Bewegung, die den Namen verdient | 08.08.2018 | 13:22

Liebe Community, ich freue mich, dass einige meiner Texte immer wieder für interessante Kommentare und Diskussionen sorgen. Aber nun schreibe ich ja schon eine kleine Weile für den Freitag und würde euch bitten, meinen Namen richtig zu schreiben: Koester. Mit oe, nicht ö. Das wäre nett. Danke.

RE: Gehört Seehofer noch zu Deutschland? | 31.07.2018 | 10:13

Danke für den Tipp, aber ich habe auch einen: genauer lesen. "Am Wochenende" schreibe ich, und wenn Sie auf die Facebook-Seite der Seebrücke schauen, sehen Sie, dass viele der angekündigten Aktionen vor oder nach dem Wochenende stattfanden und sogar noch stattfinden werden. Am Wochenende waren es 25 Städte, wenn ich richtig zähle - den Freitag großzügig mitgezählt. Können wir uns darauf einigen, dass "über 20" dafür keine ganz unangemessene Formulierung ist? Desweiteren waren es keine 25.000 Demonstrant*innen in Berlin am 7. Juli. Es waren selbst nach Veranstalterangaben 12.000 - und ich war da. 25.000 waren es nicht. (Die Bewegungs-Quelle dazu: https://www.facebook.com/events/335710633627340/permalink/342893226242414/) Ich verstehe einfach nicht, wieso man sich als Verfasserin eines Pro-linke-Bewegungs-Kommentars hier auch noch von links Gegenwind und - von oben herab - Tipps einfangen muss. Das muss, bei dieser Stimmungslage im Land, echt nicht sein. Und keine Sorge: der Kontakt steht.

RE: Sie sammeln sich selbst | 20.06.2018 | 14:20

Wo genau auf dem Ländle denn? In Flüchtlingsunterkünften, die ja meist auf dem Ländle anegsiedelt sind, wird die Initiative wohl kaum scheitern.