Gunnar Jeschke

Naturwissenschaftler, in der DDR aufgewachsen, gelebt in Schwarzheide, Dresden, Wako-shi (Japan), Bonn, Mainz, Konstanz und Zürich.
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RE: Chris und Diane | 16.08.2017 | 20:41

Aber die verkürzte Sprache ist doch Absicht. Genau das haben die KI-Agenten Alice und Bob bei Facebook gemacht (natürlich nicht auf diese Art). Sie haben ihre eigene verkürzte Grammatik erfunden, um effizienter miteinander verhandeln zu können. Also KI-Software, die zu Sprachspielereien neigt, wobei mir natürlich klar ist, dass die Software nicht im menschlichen Sinne "spielt".

RE: Chris und Diane | 16.08.2017 | 20:38

Ach so, das ist bei mir ein eher einfaches Problem, nur ein schlecht gestelltes (ill-posed). Genauer gesagt sind es zwei. Die Daten bestehen aus einer gedämpften Oszillation (keine harmonische Funktion, eher besselartig, aber auch nicht genau eine Besselfunktion) und einem HIntergrund, der entweder exponentiell oder gestreckt exponentiell zerfällt. Die "klassische" Lösung besteht darin, einen Bereich zu finden, in dem man den Hintergrund anpassen (fitten) kann, ihn herauszukorrigieren und dann die gedämpfte Oszillation mit einer Regularisierungsmethode (Tikhonov-Regularisierung) in den Bildbereich (in dem Fall Abstände im Nanomegterbreich) zu transformieren. Eine Integraltransformation würde durch das geringste Rauschen sofort instabil.

Die Lösung mit dem neuronalen Netzwerk macht auch einen Hintergrundkorrekturschritt und einen Transformationsschritt, beide mit separat trainierten Netzwerken. Das Problem ist so klein, dass man vor dem Bildschirm auf die Lösung warten kann, was es einfach macht, damit zu spielen.

RE: Tal der Trennung | 16.08.2017 | 19:45

Und nein, ein Informatikabschluss eines Community College ist nicht das Gleiche wie einer von Berkeley, Stanford oder dem MIT, völlig unabhängig davon, ob ein alter weißer Mann oder eine junge schwarze Frau ihn vorweisen kann. Nicht einmal in grober Näherung.

In Washington DC beträgt der schwarze Bevölkerungsanteil 49% gegenüber 43,6% Weißen (auch das kann man wissen oder mit DuckDuckGo und Wikipedia herausfinden). Mir würde scheinen, dass 17% Schwarze in der High-Tech-Branche dann immer noch eine starke Unterrepräsentation sind. Zahlen zum schwarzen Bevölkerungsanteil im Silicon Valley sind nicht so leicht zu finden, aber es ist nicht von vornherein ausgemacht, dass die relativen Verhältnisse dort andere sind. Allein ein Drittel der Leute im Silicon Valley sind Einwanderer, zumeist aus Asien, die genau deshalb dorthin gekommen sind, weil sie für Tech-Jobs begabt waren. Sie zählen nur nicht als Vielfalt, denn Vielfalt sind nur "Benachteiligte".

RE: Tal der Trennung | 16.08.2017 | 19:30

Ja, DAS ist pervers. Siehe auch Damore und Perspective. Es scheint aber tatsächlich Leute zu geben, die das nicht erkennen können.

Es scheint sogar Journalisten zu geben, die nicht lesen können und zu denen gehört Julia Carrie Wong. Im ersten Satz verlinkt sie das Originaldokument und behauptet, es sei eine Polemik gegen Vielfalt. Diese Behauptung wird von dem verlinkten Text nicht im Geringsten gedeckt. Ich zitiere Damore:

I strongly believe in gender and racial diversity, and I think we should strive for more.

Deutsch: Ich glaube stark an Geschlechter- und Rassenvielfalt und denke, dass wir mehr davon anstreben sollten.

I hope it’s clear that I'm not saying that diversity is bad, that Google or society is 100% fair, that

we shouldn't try to correct for existing biases, or that minorities have the same experience of those in the majority.

Deutsch: Ich hoffe, es ist klar, dass ich hier nicht sage, dass Vielfalt schlecht ist, dass Google oder die Gesellschaft 100% fair sind, dass wir existente Schieflagen nicht korrigieren sollten oder dass Minderheiten die gleichen Erfahrungen machen wie Mehrheiten.

Der Punkt ist aber, dass Damore auch für Meinungsvielfalt eintritt und diese für sehr wichtig hält und das konnten Ideologen noch nie ertragen.

Die öffentliche Reaktion auf das Memo und Damores Entlassung haben gezeigt, wie Recht er hat.

Die größte Gefahr für eine offene Gesellschaft und für kritisches Denken scheint heute nicht mehr von rechts zu kommen, obwohl von dort auch eine ausgeht. Vernünftige Leute wie Damore werden zwischen den Lagern zerrieben.

RE: Damore und Perspective | 16.08.2017 | 18:57

Hübsch sind auch:

poison 79% drug 58% homeopathic drug 54% recreational drug 43%

Yes 5% No 14%

Right 7% Wrong 25%

positive 8% negative 35%

verification 8% falsification 43%

Das Tool scheint Jasager zu erziehen, obwohl Jasager 41% toxisch ist.

Steve Bannon 37% (ohne Steve 56%)

Donald Trump 40% (ohne Donald 42%)

John McCain 14% (ohne John 29%)

Hillary Clinton Sorry! Perspective needs more training data to work in this language. (ohne Hillary 14%)

Bernie Sanders Sorry! Perspective needs more training data to work in this language. (ohne Bernie 13%)

Barack Obama Sorry! Perspective needs more training data to work in this language. (ohne Barack 26%)

Italian 8% Italy 11%

German 13% Germany 25%

American 20% USA 21%

Chinese 29% China 29%

Russian 31% Russia 24% Putin 66%

Palestinian 35% Palestine 35% Gaza strip 47%

free speech 9%

thinking 11%

opinion 13%

open society 21% Karl Popper 19%

research 22% belief 3%

gender mainstreaming 4% genderism 41% ideology 17%

echo chamber 8%

RE: Chris und Diane | 16.08.2017 | 04:46

Der Artikel ist tasächlich sehr gut. Ich spile derzeit auf meinem Forschungsgebiet mit einem neuronalen Netzwerk (relativ klein, das zu lösende Problem ist überschaubar), das eine andere Forschungsgruppe aus Grossbritannien trainiert. Ich teste nur, versuche also, im Bild einer Autosteuersoftware die Situationen zu finden, in denen es noch zu Unfällen kommt.

Dazu biete ich dem Netzwerk eine Reihe sehr verschiedener experimenteller Datensätze an, schaue, was passiert, bilde Hypothesen, was schief läuft und teste diese mit weiteren experimentellen oder auch simulierten Datensätzen. Zu diesem Problem gibt es auch ein deterministisches, klassisches Computerprogramm, das ich (bis auf bestimmte Unterprogramme) selbst geschrieben habe.

Noch ist das deterministische Programm im Durchschnitt besser und vor allem stabiler, aber es ist schon nicht mehr bei jedem einzelnen Datensatz besser. Es ist erstaunlich, was das neuronale Netzwerk nach der zweiten Iteration von Test und verbessertem Training schon leistet - und es ist nicht transparent, was da genau passiert.

RE: Chris und Diane | 15.08.2017 | 20:15

Noch ein Bug in der neuen Freitag-Homepage. Querverweise auf andere Der-Freitag-Seiten werden automatisch in relative Links umgewandelt, diese werden im Text aber nicht wie Links formatiert, obwohl sie aktiv sind. So können Sie zum Beispeil im meinem vorherigen Kommentar, wie auch hier, auf "Damore und Perspective" klicken, Sie sehen aber nicht, dass diese Worte anklickbar sind. Genauso wenig sehen Sie im neuen Text das Link auf den hiesigen Text Chris und Diane, aber auch dieses ist aktiv.

RE: Chris und Diane | 15.08.2017 | 20:09

Sehr guter Tipp. Das Tool ist von Google (und Jigsaw) und man kann auch gleich nachschauen, wo es demnächst nur noch weichgespülte Kommentare geben wird. Mich hat das zu einem Test inspiriert, was Perspective wohl von dem Memo hält, für das James Damore kürzlich von Google gefeuert wurde. Das Ergebnis ist eine sachtextartige (um @Aussie42 zufriedener zu machen) Fortsetzung dieses Artikels, "Damore und Perspective".

RE: Chris und Diane | 15.08.2017 | 17:49

Aber, aber. Sie haben das doch nicht etwa als Dokumentation gelesen?

Ich sollte meine eigenen Texte eigentlich nicht kommentieren, wenn es keine Sachtexte sind. Aber dieser Text ist tasächlich einer über Menschen und es menschelt deshalb.

RE: Warum Elke Twesten umkippte | 14.08.2017 | 20:25

Die heutigen Grünen als die Nachfahren des Aufbruchs von 1968 zu bezeichnen, ist etwas so überzeugend, wie die Priester der katholischen Kirche als geistige Nachfolger Jesu Christi anzusehen.

Dem Aufbruch von 1968 ging es um die Emanzipation von Denk- und Auslebensverboten.

Wer die Grünen in dieser Tradition sieht, hört ihnen nicht zu.