Gunnar Jeschke

Naturwissenschaftler, in der DDR aufgewachsen, gelebt in Schwarzheide, Dresden, Wako-shi (Japan), Bonn, Mainz, Konstanz und Zürich.
Gunnar Jeschke
RE: Eine fragwürdige Inszenierung | 07.06.2018 | 20:10

"Das sie „spucken“ aus dem Originaltext erst als „scheißen“ und dann als „pfeifen“ übersetzt haben, hielt ich für einen unbedeutenden Flüchtigkeitsfehler. "

"Auf etwas pfeifen", "auf etwas spucken" und "auf etwas scheißen" sind im Deutschen alles Wendungen mit ähnlicher Bedeutung, die in dieser Reihenfolge drastischer werden.

"Könnten sie mir die Stelle zeigen, an der ich von Hasstiraden schrieb?"

Das bezog sich auf:

"Ach sie hätten bloß mal die Reaktion der russischen Mainstreamjournalisten auf den angeblichen Mord lesen sollen. Nach dem man sich eine Krokodilsträne aus dem Knopfloch gedrückt hatte, war man sich einig, dass den Verräter die gerechte Strafe ereilt hat und die Ukraine ja überhaupt total runtergekommen ist." aus einem früheren Post.

" In dem gesamten Artikel gibt es kein einziges Wort des Bedauerns über den Tod eines Journalistenkollegen."

Das könnte mit den Ereignissen vom 17. Juni 2014 zu tun haben (erster Nadja-Sawtschenko-Fall in Russland), bei denen Igor Korneljuk und Anton Voloschin ums Leben kamen und damit, dass der Autor des von Ihnen verlinkten Kapitels den Verdacht hatte, Babtschenko könnte versucht haben, seine Position in Slawjansk herauszubekommen (immerhin hatte er direkt danach gefragt) und dem noch weiter gehenden Verdacht, er hätte dann vielleicht das Feuer auf den ehemaligen Kollegen gelenkt.

Was ich meine, ist: Das ist ja alles klar dargelegt. Der Leser kann sich eine eigene Meinung dazu bilden.

(Sie kennen sicher den zweiten Nadja-Sawtschenko-Fall 2018 in der Ukraine. Ob die Anschuldigungen stimmen oder nicht, er wirft so oder so kein gutes Licht auf diejenigen, die derzeit in der Ukraine an der Macht sind. Aber das ist vielleicht off topic).

RE: Eine fragwürdige Inszenierung | 07.06.2018 | 06:34

"Aber die genaue Übersetzung ist eher eine Fingerübung."

Ihnen ist aber schon klar, warum ich wollte, dass Sie das in den Satz einfügen? Und dass es mit meiner Uebersetzung des letzten Satzes zusammenhängt?

"Mich hat eher interessiert warum sie auf einmal genau diese Stelle aus Babtschenkos Blog bringen?"

Diese Stelle wurde in dem Link zitiert, den *Sie* mir hier als Antwort über meine Frage gegeben haben, wo sich in den russischen Massenmedien Hasstiraden finden, die den Tod Babtschenkos richtig fanden.

Wenn ich also Zeit und Lust gehabt hätte, einen langen Text zu übersetzen, hätte ich den ganzen Artikel übersetzt. Dort steht nämlich nirgends, dass Babtschenko den Tod verdient hatte/hätte.

Der Artikel eröffnet zwar mit der schockierenden These, es sei nicht verwunderlich, dass es mit Babtschenko so weit gekommen sei (damals wurde noch von seinem Tod ausgegangen). Dann aber erklärt der Autor, der sich früher als Freund Babtschenkos betrachtet hatte, wie es zum Bruch kam, weil sich - aus seiner Sicht - Babtschenko radikalisierte. Der Tenor ist: Wer Hass sät, erntet oft auch welchen. Es ist kein Hetzartikel, sondern ein recht klug geschriebener, ohne dass man jede Meinung des Journalisten teilen muss.

Der dort zitierte und von mir übersetzte Absatz Babtschenkos ist der Kern der Argumentation. Er erklärt, wieso der Autor es gewagt hat, einen Nachruf auf den (vermeintlich) ermordeten Babtschenko mit einen negativen Satz zu beginnen.

Das alles ist Ihnen wirklich nicht aufgefallen?

RE: Endlich streiten wir uns übers Geld | 06.06.2018 | 06:30

Die kurze Antwort ist wohl: Die Schweizer sind im Allgemeinen recht zufrieden mit ihrer Währung, was auch nicht weiter verwundert. Die Vollgeld-Initiative hätte sehr gute Argumente haben müssen, warum sie den Schweizer Franken und dessen Funktion für die Wirtschaft noch einmal verbessern kann.

Diese Argumente hat sie nach Auffasung der meisten - und auch meines Erachtens - nicht geliefert. Das reine "Die Banken können Geld drucken und das ist ungerecht" hat nicht verfangen.

RE: Eine fragwürdige Inszenierung | 05.06.2018 | 22:40

OK. Zweiter Versuch: "Ich fühle dabei nur Eines - ich pfeife darauf."

Man kann es aber schon je nach Kontext (und wenn es gesprochen wird, je nach Tonfall) so oder so übersetzen, nicht wahr? Der Tonfall der Sätze davor hat mich zu dieser Wahl geführt.

Können Sie bitte hinzufügen, was ich weggelassen habe und dann reden wir noch einmal über meine Wahl des Verbs am Ende des letzten Satzes?

RE: Eine Sprachzensur findet nicht statt | 05.06.2018 | 21:08

(sorry, falsche Taste)

Natürlich, Sie werden jetzt sagen: "Das sind doch nur Empfehlungen." Andere sagen: "Wehret den Anfängen!"

Wenn ich mir die Situation an geisteswissenschaftlichen Fakultäten angloamerikanischer Universitäten ansehe, neige ich eher zu "Wehret den Anfängen!" Dort ist vielerorts die Wissenschafts- und Sprachfreiehit tatsächlich schon verschwunden.

Respekt, übrigens, kann man nicht verordnen und nicht durch Sprachrregelungen erzwingen. Damit erreicht man eher das Gegenteil.

RE: Eine Sprachzensur findet nicht statt | 05.06.2018 | 21:01

"Kreativität, Experimente und Offenheit in Bezug auf die Ansprache aller sollte aber möglich sein"

Aber gern doch. Wenn allerdings gefordert wird, man müsse das in offiziellen und halboffiziellen Texten an einer Universität tun, dann ist es Sprachdiktatur.

Glauben Sie nicht? Schauen Sie mal die Empfehlungen zur gendergerechten Sprache der Medizinischen Fakultät der Universität Halle an und am Besten noch die Texte, die darunter zitiert werden.

Natürlich, Sie werden jetzt sagen: "Das sind doch nur Empfehlungen." Andere sagen: "

RE: Böse Banker | 05.06.2018 | 20:50

"die Darstellung der Widersprüche erfährt keine Auflösung, keine Pointe, sondern verliert sich in Variante und Wiederholung"

Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Aber das könnte auch Absicht sein - dann wäre es ganz einfach Realismus.

"Er ist mal dies, mal jenes. Es gibt keine Entwicklung."

Kurz: Er ist ein typisches Kind unserer Zeit.

Auf jeden Fall haben Sie mich neugierig gemacht. Vielleicht teile ich nach dem Lesen Ihre Meinung, aber zunächst hat der Verriss zur Folge, dass ich das Buch lesen werde.

RE: Eine fragwürdige Inszenierung | 05.06.2018 | 20:37

Dann zitiere ich doch mal aus Ihrem Link, und zwar einen Absatz, der von Babtschenko selbst stammt und sich auf den Absturz der TU-154 mit 64 Angehörigen des russischen Alexandrow-Militärensembles bezieht:

«У меня нет ни сочувствия, ни жалости. Я не выражаю соболезнования родным и близким. Как не выражал никто из них. Продолжая петь и плясать в поддержку власти или все так же поливать дерьмом с экранов телевизоров и после смерти. Чувство у меня только одно – плевать».

"In mir regt sich keine Anteilnahme, kein Mitgefühl. Ich spreche den Angehörigen und Nahestehenden kein Beileid aus. Wie auch sie es nicht ausgesprochen haben. Wie sie weitersangen und tanzten, diese Macht unterstützend, und es nach ihrem Tode noch immer auf den Bildschirmen tun. Ich fühle dabei nur Eines - ich scheiße drauf."

(Sie dürfen meine Übersetzung ins Deutsche gern korrigieren. Ansonsten habe ich dazu keinen Kommentar, höchstens, dass es keine Fake-News ist, sondern dass sich diese Textpassage zu diesem Anlass tatsächlich in Babtschenkos Blog finden lässt.)

RE: Lieber Mann ... | 05.06.2018 | 06:13

Unsere Standpunkte unterscheiden sich kaum, eher nur die Formulierung.

RE: Das neue Rom | 05.06.2018 | 06:08

"Na SIE (heinz/Ehem Nutzer) sind doch so irre"

Ob nun Heinz oder Drosophila oder Hans-Werner Sinn, über den Sie zuvor Gegenteiliges behauptet hatten: Es kann nicht gleich jeder irre sein, der anderer Meinung ist als Sie.

Die Dinge sind nicht immer wie sie scheinen.