Kommentare von Gunnar Jeschke

Gunnar Jeschke 22.03.2017 | 21:38

und lösen die Unterscheidung von Lehrenden und Lernenden beiläufig auf

Ich schlage vor, wir lösen auch die Unterscheidung zwischen Babys und Eltern auf. Alle haben die gleichen Rechte und Pflichten.

Ach so, bei dem System würden die Babys nicht groß?

Eben, die Schüler und Studenten werden auch nicht groß, wenn sie nicht von denen lernen, die schon wissen.

Es ist völlig unsinnig, anzunehmen, man müsse nichts mehr wissen, weil ja alles digital verfügbar sein. Man kann nämlich gar nichts finden, wenn man nicht schon etwas weiß und man kann dann nicht mal einschätzen und einordnen, worüber man zufällig stolpert.

Der Zeitgeist in den westlichen Gesellschaften ist heutzutage in vieler Hinsicht krank. Was Didaktik und Pädagogik anbelangt, ist er todkrank.

Gunnar Jeschke 22.03.2017 | 21:16

Herr K. hielt es nicht für nötig, in einem bestimmten Lande zu leben. Er sagte: "Ich kann überall hungern." Eines Tages aber ging er durch eine Stadt, die vom Feind des Landes besetzt war, in dem er lebte. Da kam ihm entgegen ein Offizier dieses Feindes und zwang ihn, vom Bürgersteig herunterzugehen. Herr K. ging herunter und nahm an sich wahr, daß er gegen diesen Mann empört war, und zwar nicht nur gegen diesen Mann, sondern besonders gegen das Land, dem der Mann angehörte, also daß er wünschte, es möchte vom Erdboden vertilgt werden. "Wodurch", fragte Herr K., "bin ich für diese Minute ein Nationalist geworden? Dadurch, daß ich einem Nationalisten begegnete. Aber darum muß man die Dummheit ja ausrotten, weil sie dumm macht, die ihr begegnen."

Bertolt Brecht

Gunnar Jeschke 20.03.2017 | 22:45

Die Software ist Matlab®. Ich teste hier Programme, die ich eigentlich für meine wissenschaftliche Arbeit geschrieben habe.

Es stimmt schon, ab 5 Parteien bräuchte man mehr als 3 Dimensionen für eine exakte Positionierung. Das wird dann aber sehr abstrakt. Man könnte immer noch berechnen, wie gut die Parteien den möglichen Hyperraum ausfüllen, aber das würden nur noch extreme Nerds lesen wollen.

Wenn Sie noch ein paar abstrakte Kenngrößen haben wollen, die wirklich eine poliische Bedeutung haben:

Ich habe sehr viele (1 Million, mehr als das Saarland Einwohner hat) potentielle Wähler mit völlig zufälligen Meinungen zu den 38 Fragen modelliert und die Frage gestellt, wie gross für jeden von Ihnen der maximale Ueberlapp (zwischen -1 und 1) mit einer der sechs Parteien ist, die es in den Landtag schaffen können.

3.3% haben wirklich Pech: Der beste Ueberlapp ist immer noch negativ. Noch schlimmer ist: Der mittlere Ueberlapp ist nur 0.186 und nur für 0.5% ist der Ueberlapp besser als 0.5. Unter dieser Bedingung zufälliger Meinungen zu Einzelfragen wird sich so gut wie niemand gut vertreten fühlen.

Anders gesagt: Wenn keine Bindung an Parteien oder an kohärente Wertesysteme besteht, dann kann ein Parteiensystem die Wähler gar nicht mehr zufriedenstellen.

Ich denke, das ist tatsächlich ein Trend der Zeit, in den Niederlanden, in Frankreich und etwas weniger stark, aber zunehmend auch in Deutschland. Man kann 38 (oder mehr) strittige Fragen nur in einigermaßen guter Näherung auf 3 bis 6 Dimensionen projizieren, wenn es bei den Wählern starke Korrelationen zwischen den Antworten, also typische Antwortmuster gibt. Wenn es keine typischen Antwortmuster gibt, ist eine Parteiendemokratie hoffnungslos inadäquat.

Gunnar Jeschke 20.03.2017 | 20:51

Mir ist gerade aufgefallen dass es positionsmäßig irrelevante Fragen nicht geben kann, höchstens welche die näher zur CDU führen oder welche die konsenslastiger sind.

Im Prinzip könnte eine Frage schon positionsmäßig irrelevant sein, wenn alle einbezogenen Parteien darauf die gleiche Antwort gegeben haben. Wenn wir nur vier Parteien hätten, die Abbildung also exakt wäre, müsste das sogar so sein.

Damit kann man überprüfen, welchen Fehler die Dimensionsanalyse hat. Wenn ich nämlich (δrfi) = √[(δxfi)2 + (δyfi)2 + (δzfi)2] berechne, so habe ich ein Maß dafür, wie stark die Position im dreidimensionalen Raum von der Antwort auf die Frage fi abhängt. Diese Relevanz der Frage bewegt sich in der Dimensionsanalyse zwischen etwa 0.02 (Fehler bei den Fragen, wo sie Null sein sollte) und etwa 0.14.

Solche irrelevanten Frage sind: 27) "Projekte gegen Rechtsextremismus sollen vom Land weiterhin gefördert werden" (alle sechs Parteien, einschließlich AfD dafür), 20) "Deutsche sollen bei der Vergabe von Sozialwohnungen bevorzugt werden" (alle sechs Parteien, einschließlich AfD dagegen). Nahezu irrelevant ist 4) "Das Saarland soll Projekte zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern fördern" (AfD neutral, alle anderen dafür. Das sind zugleich die Fragen, mit denen sich die NPD von AfD und LKR absetzt.

Wenig relevant ist auch 34) "Auf dem heutigen Gebiet der "Landschaft der Industriekultur Nord" soll kein Gewerbe angesiedelt werden." Hier gehen die Antworten zwar auseinander, aber unkorreliert zu anderen politischen Ausrichtungen.

Das führt mich aber zu der Frage, wieso fehlt die Draufsicht auf die yz Ebene?

Hier ist sie. Ich stamme halt noch aus der Zeit, als man technisches Zeichnen am Reißbrett gelernt hat. Aus zwei orthogonalen Ansichten kann man die dritte im Kopf konstruieren, das ist nur mühsam und erfordert Training.

Diese Ansicht hat den Vorteil, dass die CDU verschwindet (wenn man aus Richtung SPD guckt). Mit der Klumpigkeit haben Sie Recht. In y-Richtung haben sich alle neuen Parteien zwischen der CDU-SPD-Achse und der FDP angesiedelt. Ich bin gespannt, ob das mit den Fragenkatalogen in NRW und zur Bundestagswahl auch so ausgeht.

Gunnar Jeschke 20.03.2017 | 06:31

Ich bezweifle aber, dass der real existierende Wähler so vorgeht.

Da gebe ich Ihnen völlig Recht. Wenn ich das annehmen würde, stünde ich selbst im Lager der "rational choice" in den Politikwissenschaften. Ich könnte dann noch anhand soziologischer Daten abschätzen, welche Entscheidungen im "objektiven Interesse" der Lute sind und versuchen, ein Wahlergebnis vorherzusagen. Das würde gründlich schief gehen.

All Ihre Argumente treffen zu. Dennoch finde ich es erstaunlich, dass das Parteiensystem im Saarland landespolitisch inhaltlich so ausdifferenziert ist, obwohl Sympathiefaktoren, Traditionen und sachfremde Erwägungen bei der Wahl eine grosse Rolle spielen.

Was die Wichtung der Probleme betrifft, so liesse sich diese leicht einrechnen. Ich habe nur, wie Sikkimoto bemerkt, keine Rohdaten dazu, weder für die Parteien, noch für mögliche Wähler. Ich kann aber eventuell mal einen Versuch machen, was das ändert.

Gunnar Jeschke 19.03.2017 | 18:37

nehmen seltener Führungspositionen ein und setzen häufiger für die Familie aus

Wer das aus dem "Pay gap" nicht herausrechnet, macht sich lächerlich. Die Behauptung, Frauen würden 20% weniger verdienen, ist halt Propaganda.

Wir müssen schon beim Prinzip "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" bleiben. Wenn der Equal Pay Day an den 5.5% echter Differenz festgemacht wird, habt Ihr auch rational denkende Menschen auf Eurer Seite. Das war der 20. Januar.

Meiner Meinung nach sind etwa drei unbezahlte Arbeitswochen im Jahr schlimm genug. Ihr müsst die Wahrheit nicht verzerren, das macht Euch nur unglaubwürdig.

Gunnar Jeschke 15.03.2017 | 21:14

Das mit der zusammenbrechenden Wirtschaft der Türkei wird gern erzählt, aber die Lage ist nicht ganz so dramatisch (2.1 - 4% Wachstum 2016 je nachdem, wen man fragt, das BSP/Kopf sinkt in US$ gerechnet, aber nicht in der Landeswährung).

Die OECD hält das abgeschwächte Wachstum für ein zyklisches Problem, kein strukturelles und erwartet für 2018 eine Erholung.

Die Weltbank erwartet bereits für 2017 (2.7%) ein höheres Wachstum als 2016 (2.1%).

Der türkischen Wirtschaft ging es schon mal besser, aber sie wächst noch, sie kontrahiert nicht und niemand sagt eine Kontraktion (wie etwa in Griechenland) voraus.

Auch in dieser Hinsicht ist das Bild verzerrt, das man aus den Mainstream-Medien ohne Gegenrecherche erhält.

Gunnar Jeschke 14.03.2017 | 06:18

Sie haben das schon richtig gelesen, die kulturelle Perspektive macht etwas aus. Allerdings haben Sie es auch etwas polemisch gelesen, denn zwischen "unterirdisch" und "gehoben" ist viel Platz.

Was ich meine: Der Faschismus-Vorwurf hat in den direkt betroffenen Ländern (Deutschland und die damals besetzten Niederlande) ein ganz anderes Gewicht als in der Türkei. Es ist dort auch üblich, heftiger zu argumentieren als hier.

Ich möchte auch daran erinnern, dass selbst hierzulande immer mal wieder gern mit der Faschismus-Keule operiert wurde und wird. Schon über 30 Jahre her ist jetzt Kohls Gorbatschow-Goebbels-Vergleich. Brandt hat mal Heiner Geißler in eine Reihe mit Goebbels gestellt. Derzeit ist es der Nazi-Vergleich der AfD gegenüber üblich und auch da ist er absurd.

Man sollte auch bedenken, dass Erdogan das absichtlich tut, weil er weiss, wie gut der Knopf funktioniert, den er dort drückt. Es ist dumm, den Kistenkasper zu spielen, der bei jedem Knopfdruck pflichtschuldigst hochschnellt.

Gunnar Jeschke 13.03.2017 | 20:55

Ei, ei, den Calvin müsste ich als Wahlschweizer wohl verteidigen. Der hat den Impuls für die Uhrenindustrie gegeben, weil er durch seine Intoleranz in Bezug auf Schmuck die Juweliere arbeitslos gemacht hat. Uhren waren hingegen akzeptiert.

Aber als Wahlzürcher kann mir das egal sein. Der Zwingli mochte wohl beide nicht so und Anhänger der Todesstrafe für Andersgläubige waren sie alle drei.

Und damit bin ich bei Luther (ich bin ja protestantisch getauft, nur ausgetreten):

„Die Veranlassung zu dieser Schrift war die Besorgniß vor einem Einfalle der Türken in Deutschland und der durch einige Prediger erzeugte Wahn, man solle und dürfe den Türken nicht widerstehen.“

Martin Luther, Vom Kriege wider die Türken

Und das ist keine launige Bemerkung. Die Kriege dieser Zeit wirken tatsächlich bis heute nach, in Wien noch mehr als hier.

Gunnar Jeschke 13.03.2017 | 20:39

So selten dämliche Sprichwörter wie "der Klügere gibt nach" gibt es in anderen Sprachen gar nicht.

Da gebe ich Ihnen völlig Recht. Natürlich gibt der Klügere (in wichtigen Dingen) nicht nach.

Es ist aber eine Kunst, zu erkennen, welche Dinge wichtig sind und allgemein zu erkennen, ob man einen Kampf gewinnen kann oder nicht.

Den Kämpfen, die man verlieren wird, stellt man sich nicht, wenn man nicht muss. Man überlegt lieber, wie man den Gegner woanders stellen kann, nämlich dort, wo man gewinnen wird.

Auf diesen Fall angewandt: Veranstaltungen in Konsulaten oder der Botschaft hätte man laufen lassen sollen. Wäre es davor zu einer unangemeldeten Demonstration gekommen, hätte man diese aufgelöst. Hätte ein Minister versucht, sich in diesen Vorgang einzumischen, dann hätte man ihn oder sie zur persona non grata erklärt und an die Tür begleitet. Man wäre die ganze Zeit im Recht und in der überlegenen Position geblieben.

Gunnar Jeschke 13.03.2017 | 20:26

Vielen Dank für das Link zum FAZ-Artikel, den ich noch nicht gelesen hatte. Er bestätigt etwas, was ich nach dem gestrigen heute journal bereits vermutet hatte. Der Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb hat Aussenpolitik gemacht, wozu er weder die Kompetenzen noch die Kompetenz besitzt.

Seine Darstellung stützt die Annahme, dass Kayas Kolonne gestellt und blockiert wurde, bevor sie zur persona non grata erklärt worden war. So geht das nicht. Es ist unprofessionell und ein Bruch internationalen Rechts. In solche Fälle muss der Apparat des Aussenministeriums involviert werden, der weiss, was man wie machen kann.

[FAZ] "Dann habe „die niederländische Seite“ jedoch eine Teilnehmerliste für den geplanten Auftritt im Botschaftsgebäude verlangt, was von der Türkei als inakzeptabel zurückgewiesen worden sei."

Wenn das stimmen sollte (es muss nicht), war es tatsächlich unakzeptabel. Wen die Türkei in ihrer Botschaft in Den Haag empfängt, geht die Niederlande nichts an.

Hier ein klares Zeichen zu setzen,"so nicht", kann nicht schaden und war für mich persönlich bezüglich späterer Kontakte mit denselben Personen oder Institutionen zielführend.

Ich kenne Leute auch aus unserem Kulturkreis, mit denen man sich einmal richtig fetzen muss und danach geht es prima. Ich denke aber nicht, dass das in Beziehungen zwischen zwei Ländern funktionieren kann.

Was dabei herauskommt, sind aller Wahrscheinlichkeit nach

- ein gestörtes Verhältnis zu den hier lebenden Türken

- ein für Erdoğan gewonnenes Referendum

- zusätzliche Stimmen für Geert Wilders

Es mag sich ja gut anfühlen, dem eigenen Aerger Luft zu machen, aber wenn es am Ende ein unkontrollierter Wutausbruch ist, hilft so etwas weder privat noch staatlich weiter.

Gunnar Jeschke 13.03.2017 | 06:24

Lässt man die wildgewordenen AKP-Repräsentanten einfach weiter gewähren, spielt das Erdoğan genauso in die Hände.

Ich würde auch kein Duckmäusertum empfehlen. Ob ein Verbot öffentlicher Auftritte türkischer Politiker in EU-Ländern sinnvoll ist, ist eine schwierige Abwägung. Darum geht es hier aber nicht.

Es geht darum, dass man sich nicht selbst ins Unrecht setzt und dass man nicht überreagiert.

Die tollwütige Rhetorik aus Ankara oder Istanbul beantwortet man besser mit kühler Zurechtweisung von einer Position moralischer Stärke aus.

Gunnar Jeschke 10.03.2017 | 06:47

In Zeiten einer ideologischen Krise gewinnt man mit Tatsachen allein keine Auseinandersetzungen, mit Narrativen hingegen schon.

Das klingt so, als glaube der Autor, Mainstream-Medien hätten zuvor eien objektiven Ueberblick über Tatsachen verbreitet. Das ist, mit Verlaub, kompletter Unsinn.

Vielmehr haben die neuen rechten Medien nur konsequent weiterentwickelt, was die Mainstream-Medien vorgemacht haben, "framing" auf der Basis einer selektiven (verzerrten) Darstellung der Faktenbasis.

Die Schlussfolgerung ist daher genau umgekehrt: Vertrauen ist verlorengeggangen, weil die Mainstream-Medien Narrative verbreiten, die offensichtlich auch nicht zur Realität passen. Wenn das so ist, wird die Auswahl zwischen zwei propagandistischen, nicht sauber begründeten Narrativen tatsächlich eine emotionale oder Geschmacksfrage.

Gunnar Jeschke 09.03.2017 | 19:59

Ja gut, das war völlig unverständlich. Ich hatte Herrn Marcus Bensmann von CORRECTIV ein Link zu meinem ursprünglichen Artikel über deren MH17-Berichterstattung zugeschickt, in dem ich CORRECTIV falsche Behauptungen und Ungenauigkeiten nachgewiesen hatte. In meinem E-Mail vom Januar 2015 hatte ich der Redaktion angeboten, zu meinem Beitrag Stellung zu nehmen. Es tat sich nichts und ich bekam auch keine Antwort auf das E-Mail.

Im August 2016 kam die Sache noch einmal auf, nachdem Billy Six und Graham W. Phillips die CORRECTIV-Redaktion besucht und dort ein etwas lautes Video gedreht hatten. Dieser Vorfall wurde beim Freitag unter dem Gesichtspunkt der Pressefreiheit und Einschüchterung von Journalisten diskutiert und dabei ging es um Markus Bensmann persönlich. Da dieser Freitag-Beitrag ein Interview mit ihm war, habe ich ihm am 7. August 2016 noch ein E-Mail geschrieben und dieses öffentlich gemacht. Ich habe ihm noch einmal angeboten, sachlich über den damaligen Artikel zu diskutieren, der auch für Six und Phillips der Stein des Anstosses gewesen war.

Auf dieses E-Mail hat Herr Bensmann dann geantwortet (siehe Link oben, Kommentar vom 08.08.2016, 20:04). Sinngemäss hiess die Antwort: "Wir haben Ihren Artikel damals gründlich gelesen und intern diskutiert." Was nicht in seiner Antwort stand, aber klar daraus folgte: "Und wir werden den Teufel tun, öffentlich auf Ihre Argumente einzugehen."

Gunnar Jeschke 08.03.2017 | 22:04

Es ist ja nun auch nicht so, dass sich gar nichts ändert. Als ich Doktorand war, waren in unserem Institut Frauen in der Wissenschaft exotisch, heute haben wir eine fest angestellte und eine Assistenzprofessorin. Als Doktorand war ich mal auf einer Konferenz auf meinem Fachgebiet, auf der es zwei Frauen gab (weniger als 1%), heute ist es in den jüngeren Jahrgängen fast 50:50. Zumindest im N-Teil von MINT ist das ein allgemeiner Trend, im M-Teil hat sich auch viel getan.

Bei I und T sieht es weiter mau aus, aber da gebe ich Grenzpunkt 0 Recht: Warum muss das unbedingt geändert werden? Es scheint daran zu liegen, dass sich weniger Frauen dafür interessieren- soll man sie zwingen?

Ja, der Girls Day ist gut, natürlich wäre es schön, auch mehr Informatikerinnen und Ingenieurinnen zu haben, schon weil gemischte Gruppen sozial viel besser funktionieren als "geschlechtsreine" (egal welchen Geschlechts).

Aber macht es doch bitte pragmatisch, nicht ideologisch und nicht in diesem Opferton. Junge Frauen von heute sind keine Opfer. Ihr tut ihnen keinen Gefallen, wenn ihr sie als solche darstellt.

Sie wissen sehr gut, was sie wollen. Sorgt einfach nur dafür, dass sie alles tun können, was sie wollen, ohne ihnen vorzuschreiben, was sie wollen sollen.

Gunnar Jeschke 08.03.2017 | 21:05

Ich denke wie Sie, dass die Wahrscheinlichkeit dafür an Sicherheit grenzt, dass Yücel sich auf konsularischem, exterritorialem Gelände vor der Fahndung versteckt hatte.

Schon dieser Umstand war allerdings diplomatisch delikat. Falls die Türkei davon irgendwie Kenntnis erlangt hatte, war es noch der geringste innenpolitische Schaden, ihn zum "freiwilligen Verlassen" des Geländes der Kulturakademie zu bewegen. Sonst wäre folgendes passiert: Die Türkei hätte die Auslieferung ihres Staatsbürgers verlangt und Deutschland hätte ihn ausliefern müssen. Die Türkei war halt formell im Recht.

So hart es klingt, der Fehler ist bei der Aufnahme Yücels in der Kulturakademie gemacht worden. Ab diesem Punkt war Deutschland erpressbar, weil es auf die Dauer der Türki nicht verborgen bleiben konnte, dass Yücel dort war. Man konnte aber auch nicht verhandeln, weil man kein Recht hatte, ihn dort der Fahndung zu entziehen.

Hier noch ein anderer Artikel von der Seite, die Sie verlinkt hatten. Denen ist aufgefallen, dass sich Yücel genau einen Tag nach einem Treffen von Merkel und Yildirim auf der Münchner Sicherheitskonferenz gestellt hat. Tatsächlich wäre Merkel auf höchster Ebene fast die Einzige gewesen, die den Fall hätte ansprechen können (Aussenministerebene wäre die andere Möglichkeit gewesen). Angenommen, das AA war informiert, Merkel hat es riskiert (das wäre richtig gewesen, obwohl sie die Presse nun deswegen zerreissen würde) und Yildirim hätte kühl geantwortet, "Er muss sich stellen." Dann wäre das herausgekommen, was tatsächlich passiert ist.

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