Gunnar Jeschke

Naturwissenschaftler, in der DDR aufgewachsen, gelebt in Schwarzheide, Dresden, Wako-shi (Japan), Bonn, Mainz, Konstanz und Zürich.
Gunnar Jeschke
RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 18.01.2021 | 20:35

"Trotzdem halte ich das für kein Argument gegen das "Schulfernsehen" oder andere - mehr oder weniger lineare - Kommunikation."

Natürlich ist das kein Totschlagargument gegen Schulfernsehen. Vorlesungen sind ja auch "Frontalunterricht" und nicht sonderlich interaktiv.

Die Begeisterung von Herrn Mau teile ich allerdings nicht. Mehrere Schulfernsehstunden hintereinander dürften für den Unterricht von Kindern ziemlich ineffektiv sein.

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 17.01.2021 | 21:51

Na ja, die eine Minute Zeitversatz ist, dass mich die Studenten später hören. Das reicht, um es praktisch unmöglich zu machen, über einen Parallelkanal Fragen zuzulassen.

Das eigentliche Problem ist, dass ich keinerlei Feedback habe. Ich sehe keine Körpersprache, ich sehe nicht, ob die Audienz gelangweilt ist oder nicht mehr folgen kann. Daher kann ich nicht korrigieren. Ich muss abspulen, was ich vorbereitet habe und hoffen, dass es ankommt. Das meine ich mit Blindflug.

"Der Anspruch, ein Ansatz könne alle Anforderungen erfüllen, ist illusorisch."

Sicher. Aber normalerweise sehe ich bei Vorlesungen, was los ist. Beim Stream sehe ich nicht einmal, wie viele zuschauen und ob das von Vorlesung zu Vorlesung vielleicht weniger wird. Auch bei Zoom, wo ich die Zahl der Teilnehmer sehe, ist das nicht ganz klar, weil manche vielleicht doch die Aufzeichnung sehen und nicht das Original. Das Feedback für mich kommt am Ende des Semesters in der Evaluation (die diesmal glücklicherweise für alle Vorlesungen gemacht wurde). Das ist ein wenig zu spät...

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 17.01.2021 | 10:26

"Aber ein Einwegkanal ist nicht so schlecht, wie Sie vielleicht denken."

Na ja, ich habe gerade zwei Drittel eines Semesters Vorlesungen im Stream-Modus gehalten (Einweg mit etwa einer Minute Zeitversatz bei den Studierenden). Das geht schon, wenn nichts anderes geht, aber es ist ein Blindflug. Man kann das ja m a l machen. Wenn allerdings das gesamte Angebot so aussieht, sinkt einfach die Qualität der Bildung.

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 17.01.2021 | 09:24

"Radio/TV eignen sich wie kaum ein anderes Medium für kollektive, systematische, einfache, partizipative Einbindung der Haushalte in Entscheidungsprozesse"

Erstens müssten die Adressaten das wollen und gern mitdenken. Zweitens müssten die Politiker, die ja das Führungspersonal der Rundfunkanstalten auswählen und itunter auch weitergehenden Einfluss ausüben, dann von sich aus darauf verzichten, Radio/TV als Propagandainstrument zu nutzen. Weder das eine noch das andere ist wahrscheinlich.

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 17.01.2021 | 09:14

"Ich wünsche mir "ungewertete" neutrale Informationen und ein Bildungssystem welches dazu anleitet den Verstand, im Kantschen Sinne zu benutzen."

Da sind wir uns völlig einig.

Journalismus kann natürlich auch Wertung geben, das würzt ihn, nur sollten Fakten und Meinung klar erkenntlich getrennt sein und es sollten auch die Fakten erwähnt werden, die gegen die eigene Wertung sprechen (es sei denn, man kann sicher davon ausgehen, dass der Leser/Hörer/Zuschauer sie bereits kennt). Insofern ist guter Journalismus wie gute Wissenschaft.

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 16.01.2021 | 13:33

Ja, ich kenne das Schulfernsehen der DDR. Zumindest an unserer Schule waren die Sendungen aber etwas, was hinterher im normalen Unterricht besprochen wurde. Sie waren ein Zusatzangebot und dieses Zusatzangebot wurde sparsam verwendet. In der DDR war das übrigens auch dadurch einfacher, dass es zentrale Lehrpläne gab.

Ausser an die Englisch-Sendungen habe ich an nichts davon eine Erinnerung behalten, an gute Lehrer hingegen sehr wohl.

Ja, Herr Mau schreibt, die Sendungen selbst sollten Lehrer machen. Was ich meine ist Folgendes: Die Konzeption von so etwas braucht Pädagogen und Fachleute, die ARD und ZDF nicht haben. Es ist auch völlig naiv anzunehmen, dass man so etwas einfach mal in ein paar Wochen aus dem Boden stampfen könnte.

Ich wende für die Vorbereitung eine Online-Vorlesung etwa doppelt so viel Zeit auf wie für die Vorbereitung einer Präsenzvorlesung. Die Evaluation durch die Studierenden fällt etwa gleich aus. Und das ist noch etwas ganz Anderes als Fernsehen. Bei uns wird das durch Tutorien ergänzt, in denen die Studierenden mit Assistierenden (on-line) reden können. Sie können auch mich (z.B. per E-Mail) kontaktieren. Das tun wenige, aber es kommt vor.

Wenn sie so etwas mit Fernsehformaten erreichen wollen, müssen die Lehrer an den Schulen die Fernsehformate in ihren eigenen (on-line)-Unterricht einbauen. Auch das können Sie nicht in ein paar Wochen auf die Beine stellen. Dazu müssen die Lehrer die Sendung auch vor dem Unterrichtstermin schon einmal sehen können, um für die Nachbespechung odentlich vorbereitet zu sein. Das war übrigens in der DDR abgedeckt.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn man das jetzt anfängt, ist man frühestens für das Schuljahr fertig, das nach den Sommerferien beginnt. Spätestens dann sollte der Spuk mit den Schulschliessungen aber ein Ende haben.

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 16.01.2021 | 13:18

Pädagoge bin ich nicht direkt, aber um meine Kreativität steht es möglicherweise besser als Sie denken. Kleine Kinder scheinen mich im direkten Kontakt eher nicht zu fürchten, auch die Altersgruppe, um die es geht, nicht. Bei jungen Erwachsenen gibt es sogar Evidenz, dass sie mich als Lehrer nicht schrecklich finden.

RE: ARD und ZDF müssen endlich Schule machen | 16.01.2021 | 07:54

Seit wann haben ARD und ZDF die Kompetenz, Schulstoff zu vermitteln?

Wie viele ausgebildete Lehrer arbeiten dort?

Wer hat Lehrpläne und Lehrformate entwickelt, die für eine Vermittlung durch Fernsehen geeignet sind?

Aus welchem Grund erscheint ein Einwegkanal, bei dem die Kinder (oder ihre Betreuungspersonen) nicht zurückfragen können, überhaupt für Lehre geeignet?

Warum sollte man in so etwas investieren, wenn der Zeitpunkt absehbar ist, zu dem jede und jeder, die geimpft werden wollen, auch geimpft sein werden?

RE: Lockdown für alle | 15.01.2021 | 20:12

Wer lieber liest als in die Mediathek schaut (der Artikel ist auch informativer): Dem FAZ-Feuilleton ist die Irrationalität der Corona-Krisen-Politik und der Panik-Talkshows nun auch aufgefallen.

RE: Lockdown für alle | 15.01.2021 | 18:14

Ich habe einen interessanten "malögin"-Weichkäse aus der Latteria Viscosoprano da. Leider lässt sich online nichts davon anbieten.