Richard Zietz

Linkspopulist, Popkultur-Fanatiker, Putinversteher. Grundhaltung: Das Soziale ist das große Thema unserer Zeit.
Richard Zietz
RE: Auch wenn‘s schwerfällt | 21.09.2018 | 08:15

»Nun lese ich (…)«

Quatsch. Anstatt küchenpsychologische Diagnosen in Richtung anderer Teilnehmer zu verteilen, schlage ich vor, Sie schalten den Rechner aus und gehen mal ne Runde spazieren.

RE: Auch wenn‘s schwerfällt | 20.09.2018 | 06:03

»Ja, vielleicht sehen wir nur einmal wieder Realpolitik nach dem Muster der Merkel-GroKo-Ära. Und solange man uns keine fortschrittliche APO oder ein fortschrittliches #Aufstehen anbietet, konstatieren wir eben einfach nur diese Realpolitik. Vom Bloggersessel aus.«

Tut mir Leid; ich kann mit dieser Bemerkung nichts anfangen bzw. verstehe nicht, auf welchen Punkt Sie hinausmöchten – außer, dass Sie mit meinem Kommentar unzufrieden bzw. nicht einverstanden sind.

Ist natürlich Ihr gutes Recht. Nur fällt es mir schwer, auf diesen Einwand etwas Sinnvolles zu antworten.

RE: Hase, du bleibst hier | 19.09.2018 | 21:52

»Eine feministische Politik an der Peripherie könnte also gegen die weibliche Abwanderung helfen: die Provinz könnte für Frauen so attraktiv gemacht werden, (…)«

Aus eigener Anschauung als nunmehr recht alter Sack <scherz> würde ich den Vorschlägen hinzufügen: Sorge tragen für das Entstehen selbstorganisierter Freiräume – was kulturelle Förderungen sein können, Jugendzentren, Frauenhäuser & Projekte sowie ähnliches in der Art.

Hat im Westen in den 70ern und 80ern prima funktioniert: In den Kleinstädten wurde eine linke Generation mit sozialisiert. Die dazugehörigen Frauen und Männer – meine Generation – ist, so wie ich, großteils zwar in die größeren Zentren abgewandert. Ein nicht unbeträchtlicher Teil ist später jedoch wieder zurückgekehrt – und hat, nunmehr meist als (etwas) arrivierter(er) Teil der Gesellschaft, mit dazu beigetragen, dass die betreffenden Kleinstädte und Dörfer eine Zivilgesellschaftskultur entwickelt haben und eben NICHT in die rechte Ecke abgedriftet sind.

RE: Auch wenn‘s schwerfällt | 19.09.2018 | 20:19

Okay – die Stunde der Medien ist nunmehr da und die der weisen Analysen vom Redaktionssessel aus.

Fakt ist: Die SPD hat – vermutlich im Einvernehmen mit Merkel – die causa Maaßen vom Tisch bekommen, Seehofer im Gegenzug eine gesichtswahrende Variante des Maaßen-Abgangs erhalten.

Mehr war nicht drin. Und auch ein Ausstieg der SPD aus der Regierung würde nichts weiter bringen als weitere Stimmverluste sowie eine Regierung, die deutlich rechts von der aktuellen steht.

Das kann einem passen oder nicht. Eine außerparlamentarische Bewegung oder ein #Aufstehen, welches die Parameter der Republik wieder stärker in die fortschrittliche Richtung rückt, ist jedoch weit und breit nicht in Sicht.

Manchmal muß man einfach Brötchen backen mit dem Mehl, das da ist. Auch wenn das zum Niederschreiben respektive Kommentieren vielleicht nicht so prickelnd ist.

RE: „Spiel ohne Ende“ | 19.09.2018 | 12:31

Klingt absolut schlüssig: Die ALG-II-Empfängerin, die vom Amt sanktioniert respektive gekürzt wird, kann einfach die Problemlampen umstellen. Wenn sie aus ihrer Wohnung fliegt – einfach Tai-Chi auf der grünen Wiese machen (oder Herr Ankowitschs Buch lesen; mit einem Rollkoffer Pfandflaschen ist das zauberdiemaus direkt im Warenkorb ;-).

Und schon sieht die Welt ganz anders aus. Von daher: Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Einstieg in den freitaglich bislang noch brachliegenden Bereich Esoterik.

RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 10:40

»Und wie trocknet man so einen Sumpf aus?«

Wie wäre es mit:

2000 Nazis exemplarisch verhaften und in Untersuchungshaft stecken,

Austausch belasteter Polizeiangehöriger durch antifaschistisch-demokratisch Umbedenkliche, Umstrukturierung des Mittel- und Überbaus nach denselben Kriterien,

Demokratieausschüsse mit Befragungen ähnlich wie bei der Entnazifizierung der Amis im Westen nach ’45,

Reetablierung demokratischer Strukturen nach demselben Rezept

?

RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 09:13

Dass der im Artikel dargestellte Männerüberschuss ein nicht zu unterschätzender Mitgrund ist für den flächendeckenden Vormarsch der Rechten im Osten, hatte ich bereits vermutet – von daher Danke für die profunde Faktenerhärtung.

Skepsis bleibt im Anblick der zuletzt gemachten Vorschläge, die rechte »Diaspora« mit Bildungsinstitutionen »aufzurüsten«. Ich denke, die Uhr für derlei ist abgelaufen – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der ganz konkreten, praktischen Frage: Wer soll die dort Studierenden vor dem rechten – bekanntlich extrem emanzipationsfeindlichen – Mob schützen? Ich denke, im Anblick der mittlerweile vollzogenen Zuspitzung hilft als reales Mittel nur noch ein Unter-Bundesverwaltung-Stellen. 10 Jahre; rechter Sumpf austrocknen, parallel massive Infrastrukturmaßnahmen; Wiedergewährung der politischen Rechte Zug um Zug.

Nur so besteht die Chance, dass mehr Frauen sowie Nicht-Rechte sich wieder in diesen Regionen niederlassen.

RE: Wie ein Mensch versank | 17.09.2018 | 17:52

»Mir ist Herr K. ebenfalls höchst präsent, einfach als etwas durchgeknalleter Typ mit solidem Geltungsbedürfnis aus der Samstagabedunterhaltung. Ich habe damals über ihn gegrinst und tue es noch heute.«

Ohne irgendwelche Reaktionen hier verurteilen zu wollen, sehe ich das (hier etwas rückgreifend auf weiter oben bereits getätigte Kommentare) etwas anders:

Küblböck war ein vom System gebeutelter Mensch. Man mag diese Rolle relativieren, indem man auf seine Partizipation in der Medienmaschine hinweist – die Kohle von RTL und so weiter. Man mag auch küchenpsychologische Argumente ins Feld führen, dass er vielleicht nicht sehr helle im Kopf oder auch labil war.

Nichtsdestotrotz stehen diese Etikettierungen auf wackeligen Füssen. Man kann sie sicherlich tätigen. In die Breite gedacht ist das allerdings ein für Voyeure, für Unbetroffene typisches Argumentationsmuster: Der Arbeiter, der mit dem Daumen in die Drillichmaschine geraten ist, war eben dumm und demzufolge an seinem Schicksal selber schuld. Die Mätressen und das sonstige Dienstpersonal der Kapitalisten kann ich verachten – warum begeben sie sich (freiwillig) in eine derart untergeordnete (um nicht zu sagen: unterwürfige) Position?

Ich kann diese Verurteilungs- oder Geringschätzungs-Kreise enger ziehen oder auch weiter / sehr weit. Im weiteren Fall zählt dann vielleicht sogar die Bevölkerungsmehrheit zu diesem Kreis der Unaufgeklärten, derjenigen, die ihr Leben nicht gebacken kriegen usw. Politisch scheidet sich für mich hier der Unterschied zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Gesinnungsethisch kann ich bis an mein Lebensende geringschätzen und moralisch abklassifizieren. Wenn dies eine linke, fortschrittlich-demokratische Bewegung tut, wird sie sich jedoch womöglich der Unterstützung von Leuten begeben, die sie im anderen Fall vielleicht unterstützen würden: Der Arbeiter hasst (obwohl er keine große formelle Bildung hat) die Ausbeuterklasse und den Staat. Die Maitressen hassen die, die sie wie Gegenstände behandeln und das Personal (Gärtner, Küchenhilfen usw.) hassen ihre Hausherren aus demselben Grund.

Warum sich also abwertend mit Daniel Küblböck beschäftigen? Mir sagten seine Schlager und Trash-TV-Auftritte ebenfalls nichts, und seine Art war mit Sicherheit (auch) nervig. Im Zweifelsfall sind mir jedoch die Küblböcks und Veronas als Bündnispartner lieber – dann, wenn der Wind sich dreht und auch diese Leute eventuell merken, dass ein Leben ohne bürgerliche Ketten was für sich hat.

Bis dahin mag es ein weiter Weg sein. Doch ohne Ziel im Blick und entsprechend Kriterien ist jede Kritik nichts weiter als Zeitvertreib.

RE: Wie ein Mensch versank | 17.09.2018 | 17:26

»(…) Aber Sie nehmen für sich in Anspruch, das Verschwinden der traurigen Figur Daniel Kaiser-Küblböck mit dem Kapitalismus in Korrelation bringen können. -Na Klasse!«

»Traurige Figur« – Super-Vokabular, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Betroffene von den Trash-Medien dreimal gefressen und wieder verdaut wurde (angeblich KEIN Anlass, das mit dem Kapitalismus in Verbindung zu bringen) und Ihre küchenpsychologische Etikettierung im Kommentarteil eines Nachrufs stattfindet.

Da weiß man gleich, dass es Zeit ist, die Koffer zu packen, wenn jemand wie Sie an die Macht kommt.

RE: Wie ein Mensch versank | 17.09.2018 | 11:25

Die Prägung wird eine derartige Herangehensweise zwar sicher nicht außer Kraft setzen können. Nichtsdestotrotz denke ich, dass es – eine klare antikapitalistische Haltung vorausgesetzt – KEIN Thema gibt, dass nicht gewinnbringend wäre im Hinblick auf aufschlussreiche Erkenntnisse für den Klassenkampf sowie den strategisch anzugehenden Aufbau einer breit aufgestellten linken und demokratischen Volksfront.

Verkürzt formuliert gibt es für Sozialisten KEIN falsches Thema – lediglich falsche oder, fast noch schlimmer, nicht gestellte Fragen.