Sabine Kebir

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RE: Letzte Ausfahrt Idlib | 19.03.2020 | 12:50

Bei der Beendigung des Südafrika-Konflikts wurden die in den Frontstaaten ausgebildeten Kämpfer des ANC in die Armee und die Ordnungskräfte eingegliedert, gegen die sie ursprünglich kämpfen wollten. (Sie kamen allerdings nie zum Einsatz) Ähnliches geschah mit sich ergebenden Islamisten im algerischen Bürgerkrieg und ähnliches praktiziert Haftar in Libyen. Machbar ist das natürlch nur, wenn eine "Umschulung" erfolgt und die betreffenden Kräfte auch später unter Kontrolle ihrer Offiziere bleiben. Das wäre auch eine Alternative zum Sterben in Syrien und könnte auch die Bombardierung der als lebenden Schutzschilde missbrauchten Zivilisten schnell beenden.

RE: Letzte Ausfahrt Idlib | 09.03.2020 | 12:02

Die Aufnahmezahlen in den USA als Beweis anzubringen, dass dieses Land seine Pflicht erfülle, finde ich verdreht, ebenso, was die Golfstaaten betrifft. Man stellt sich dort in keiner Weise der Verantwortung, die man für den Konflikt trägt.

Außerdem wüßte ich nicht, dass ich jemals Kurden, bzw. ihren Kampf nicht achtungsvoll behandelt hätte. Es muss aber erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass sich die Hoffnung, durch amerikanische Unterstützung einen unabhängigen Staat zu erreichen, als trügerisch erwiesen hat. Immerhin scheint eine größere Autonomie innerhalb des syrischen Staates möglich zu sein. Leider ist der Hauptgegner einer solchen größeren Autonomie nicht Assad, sondern Erdogan. Es ist auch nicht zu vergessen, dass die Öcalan-Amhänger seit Jahrzehnten Zuflucht in Syrien gefunden haben und dass die begrenzten Rechte, die ihnen zugestanden wurden, zum Teil auch der Konfliktvermeidung mit der Türkei geschuldet waren. Diese setzt Syrien ja nicht nur wegen der Kurden unter Druck, sondern sehr stark auch durch Staudammprojekte.

RE: Letzte Ausfahrt Idlib | 09.03.2020 | 12:02

Die Aufnahmezahlen in den USA als Beweis anzubringen, dass dieses Land seine Pflicht erfülle, finde ich verdreht, ebenso, was die Golfstaaten betrifft. Man stellt sich dort in keiner Weise der Verantwortung, die man für den Konflikt trägt.

Außerdem wüßte ich nicht, dass ich jemals Kurden, bzw. ihren Kampf nicht achtungsvoll behandelt hätte. Es muss aber erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass sich die Hoffnung, durch amerikanische Unterstützung einen unabhängigen Staat zu erreichen, als trügerisch erwiesen hat. Immerhin scheint eine größere Autonomie innerhalb des syrischen Staates möglich zu sein. Leider ist der Hauptgegner einer solchen größeren Autonomie nicht Assad, sondern Erdogan. Es ist auch nicht zu vergessen, dass die Öcalan-Amhänger seit Jahrzehnten Zuflucht in Syrien gefunden haben und dass die begrenzten Rechte, die ihnen zugestanden wurden, zum Teil auch der Konfliktvermeidung mit der Türkei geschuldet waren. Diese setzt Syrien ja nicht nur wegen der Kurden unter Druck, sondern sehr stark auch durch Staudammprojekte.

RE: Letzte Ausfahrt Idlib | 08.03.2020 | 17:26

Wenn wir das Verursacher-Prinzip zugrundelegen, müssten die Schiffe mit den Flüchtlingen auch einmal Kurs auf die Golfstaaten und die USA nehmen. Russland trat erst 2015 in den Konflikt ein.

RE: Gebt ihnen Asyl | 23.06.2019 | 11:09

Wenn ich für die moralische Aufnahmepflicht von Anti-Assad-Aktivisten plädiere, heißt das nicht, dass sie ohne juristische Untersuchung ihrer Schuldhaftigkeit davon kommen sollten. Das, so kann man wieder argumentieren, überlaste bei weitem unsere Gerichtsbarkeit und auch die Kapazität der Strafanstalten. Da kann ich nur wieder sagen, dass es auch eine Unverfrorenheit sondergleichen ist, diese Prozeduren Syrien zu überlassen. Was faktisch aber geschieht - nämlch mit militärischen Offensiven auf Idlib. Die Tränen, die darüber öffentlilch vergossen werden, sind also Krokodilstränen.

Was die Kurden betrifft, ist ihr Streben nach einem autonomen Status sicher gerechtfertigt und zu unterstützen. Inwieweit er sie künftig gegenüber der Türkei stärkt oder gar gegenüber den Amerikanern, die dort jetzt praktisch das Sagen haben, müssen sie selbst entscheiden. Soweit ich im Bilde bin, würde die Türkei ein Absicherung der alten Grenzen durch die syrische Armee ehesten respektieren, eher jedenfalls als eine türkisch-kurdische Grenze. In der syrischen Armee sind übrigens alle Volksgruppen vertreten, also auch Menschen mit ´kurdischem Hintergrund`- um es mal so neutral wie möglich auszudrücken.

Sabine Kebir

RE: Gebt ihnen Asyl | 21.06.2019 | 23:36

Wer A sagt, muss auch B sagen. Und wer immernoch davon spricht, dass "Assad weg muss", muss sich damit abfinden, dass er die Folgen zu tragen hat, falls dieser Wunsch nicht erfüllbar ist. Allein daraus ergibt sich die Pflicht, die Leute, die für den Westen gekämpft haben, nicht im Stich zu lassen. Jetzt plötzlich dämmert es manchem, dass diese Leute, unsere "Instrumente", unser gesamtes "Zivilisationsgefüge" sprengen könnten. Einem Volk wie den Syrern war aber zuzumuten, sich von diesen Kräften regieren zu lassen, die ihr Land angeblich demokratischer gemacht hätten. Wenn dem so wäre, könnten ja auch wir die Rebellen gut und vor allem auch gerne integrieren...Ich hoffe, dass manch einer mit dieser Frage im Kopf mal ein paar Nächte nicht schläft....

Sabine Kebir

RE: Die Machtfrage stellen | 14.03.2019 | 21:46

Ja, diese Gefahr sehe ich auch, zumal der reale Handlungsspielraum in der globalen Wirtschaft sehr klein ist.

RE: Vom Förster | 03.10.2018 | 17:56

Liebe Magda, ich freue mich, dass Sie das Weigel-Buch lesen. Dann brauche ich die Diskussion nicht groß fortzuführen. Mittenzwei war übrigens mein Lehrer und er hat meine Forschungen und Standpunkte als die einer neuen, emanzipierteren Generlration geschätzt. Auch Bunge verdanke ich einiges. Er stellte mir sein noch nicht gedrucktes Manuskript über Ruth Berlau zur Verfügung für die Erstausgabe des ´Akzeptablen Mann?". Für mein eigenes Berlau-Buch habe ich dann allerdings nicht die von ihm bearbeiteten Gesprächsprotokolle verwendet, sondern die Originaltyposkripte der Gespräche. Da ergeben sich erhebliche Unterschiede wie auch zu anderen Quellen. So ist Ruth Berlau überhaupt nicht mit dem Fahrrad nach Moskau gekommen, sondern nur bis Helsinki - das zeigen ihre eigenen Originalreportagen aus der Zeit, die ich auch einbezogen habe. Die Fahrradreise hat ihr natürlich der sowjetische Botschafter in Helsinki nicht genehmigt. Sie war in Moskau, aber ab Helsinki per Flugzeug und Zug.

Aber Quellenbezug ist eine Sache und ihre Bewertung eine andere. in dem Berlau-Buch kann ich anhand ihres (zuvor noch nie ausgewerteten) Jugendtagebuchs zeigen, dass dieselben Schwierigkeiten (u.a. krankhafte Eifersucht) nicht erst in der Beziehung zu Brecht aufgetreten ist, sondern auch schon in ihrer vorherigen Ehe, in der sie nicht einmal akzeptieren wollte, dass Kinder aus 1. Ehe den Vater besuchten, davon wurde sie krank und musste sich ins Bett legen. Eine ähnliche neurotische Anlage hatte ihre Schwester, die ein viel schlimmeres Schicksal erlitt, das ich auch recherchieren konnte: als "liebeskranke Frau" kam sie in die Psychiatriet, während Brecht immer versuchte, Berlau in Lebens- und Arbeitsprozesse zu integrieren, wozu er am Ende seines Lebens auch sein Theater zwang, trotz aller Skandale, die sie vom Zaun riss und die einen ganzen Probentag zunichte machen konnten. Das war integration einer psychisch fragilen Person wie es noch heute nicht überall üblich ist. Beste Grüße - Sabine Kebir

RE: Vom Förster | 03.10.2018 | 17:56

Liebe Magda, ich freue mich, dass Sie das Weigel-Buch lesen. Dann brauche ich die Diskussion nicht groß fortzuführen. Mittenzwei war übrigens mein Lehrer und er hat meine Forschungen und Standpunkte als die einer neuen, emanzipierteren Generlration geschätzt. Auch Bunge verdanke ich einiges. Er stellte mir sein noch nicht gedrucktes Manuskript über Ruth Berlau zur Verfügung für die Erstausgabe des ´Akzeptablen Mann?". Für mein eigenes Berlau-Buch habe ich dann allerdings nicht die von ihm bearbeiteten Gesprächsprotokolle verwendet, sondern die Originaltyposkripte der Gespräche. Da ergeben sich erhebliche Unterschiede wie auch zu anderen Quellen. So ist Ruth Berlau überhaupt nicht mit dem Fahrrad nach Moskau gekommen, sondern nur bis Helsinki - das zeigen ihre eigenen Originalreportagen aus der Zeit, die ich auch einbezogen habe. Die Fahrradreise hat ihr natürlich der sowjetische Botschafter in Helsinki nicht genehmigt. Sie war in Moskau, aber ab Helsinki per Flugzeug und Zug.

Aber Quellenbezug ist eine Sache und ihre Bewertung eine andere. in dem Berlau-Buch kann ich anhand ihres (zuvor noch nie ausgewerteten) Jugendtagebuchs zeigen, dass dieselben Schwierigkeiten (u.a. krankhafte Eifersucht) nicht erst in der Beziehung zu Brecht aufgetreten ist, sondern auch schon in ihrer vorherigen Ehe, in der sie nicht einmal akzeptieren wollte, dass Kinder aus 1. Ehe den Vater besuchten, davon wurde sie krank und musste sich ins Bett legen. Eine ähnliche neurotische Anlage hatte ihre Schwester, die ein viel schlimmeres Schicksal erlitt, das ich auch recherchieren konnte: als "liebeskranke Frau" kam sie in die Psychiatriet, während Brecht immer versuchte, Berlau in Lebens- und Arbeitsprozesse zu integrieren, wozu er am Ende seines Lebens auch sein Theater zwang, trotz aller Skandale, die sie vom Zaun riss und die einen ganzen Probentag zunichte machen konnten. Das war integration einer psychisch fragilen Person wie es noch heute nicht überall üblich ist. Beste Grüße - Sabine Kebir