Ulrike Baureithel

Autorin und Vielfachbewegte in Berlin
Ulrike Baureithel
RE: Der Schnitt in die Menschheit | 11.01.2019 | 13:29

@ an alle Beiträger*innen

danke für die lebhafte und konstruktive Diskussion

Aber um es noch einmal in Erinnerung zu rufen: Nur ein sehr kleiner Teil von Gefährdungen sind pränatal überhaupt zu entdecken, die meisten Behinderungen entstehen ohne genetische Ursachen vo und während der Geburt und postnatal:.

pränatal, ohne genetische Ursachen:

unregelmäßige medizinische soziale Schwangerschaftsfürsorge

sehr junge und sehr alte Mütter

Infektionskrankheiten (z. B. Röteln)

Chemotherapeutika und andere differente Medikamente,

radioaktive Bestrahlung, Nikotinabusus

Blutgruppenunverträglichkeit

Hydramnion (zu viel Fruchtwasser)

Uterusblutungenintrauterine Mangelernährung und Placenta-Insuffizienz

perinatal:

Früh- oder Mangelgeburt (Gewicht des Säuglings unter 200 Gramm)

Zwillings- oder Mehrlingsgeburten

Lageanomalien des Kindes

mangelhafte Geburtsleitung (z.B. Hypoventilation oder Hyperventilation der Mutter)

Placenta-Nabelschnur-Anomalien

Wehenschwäche

Verlängerung der Geburt

Sturzgeburt

Verengung des Geburtskanals

postnatal:

Gehirn- oder Hirnhautentzündungen

schwere Unfälle, insbesondere Kopfunfälle

cerebrale Impfschäden

schwerwiegende langdauernde Ernärhungsstörungen

komatöse Zustände im Säuglingsalter

RE: Der Schnitt in die Menschheit | 11.01.2019 | 13:10

"Ich für meinen Teil, könnte mir vorstellen, dass Frauenärzte eine Liste mit Netzwerken zur Verfügung haben, die dann nach der Diagnose den Paaren/ Frauen mitgegeben werden könnte. Beratungsstellen, die wie auch vor jedem Abbruch auch, aufgesucht werden - jedoch mit spezieller Ausrichtung auf „Leben mit einem behinderten Kind“. Vielleicht etwas zu utopisch, aber mit dem Angebot z.B Paare kontaktieren zu können, die selbst solche Kinder großziehen oder großgezogen haben, um wirklich aus erster Hand zu erfahren was auf einen zu kommen würde."

Nein, das ist nicht "utopisch", sondern im Rahmen des Gendiagnostikgesetzes sogar so vorgesehen. Das würde im Falle von Präna wohl auch der Fall sein. Aber das Problem erledigt sich dadurch nicht, grundsätzlich stehen immer noch gehandicapte Menschen zur Disposition und müssten unter Beweis stellen, dass das Leben mit ihnen auch lebenswert ist.

RE: Der Schnitt in die Menschheit | 11.01.2019 | 13:06

Kindesmisshandlung ist aber kein gutes Argument, um Selektionsmethoden zu befürworten. Denken Sie das mal zuende: Das hieße, dass alle Kinder, die mal misshandelt oder missbraucht wurden, präventiv hätten abgetrieben werden müssen, das kann es ja wohl nicht sein.

RE: Der Schnitt in die Menschheit | 09.01.2019 | 12:41

danke für den Hinweis auf Maio, lesenswertes Buch. Im Zusammenhang mit nicht-invasiven Bluttests möchte ich auch noch auf folgende Studie hinweisen:

https://www.imew.de/de/projekte-des-imew/forschungsprojekt-partnipd/

RE: Der Schnitt in die Menschheit | 09.01.2019 | 12:28

Ich meinte damit, dass, wenn der Test normal wird und als Krankenkassenlestung normativ abgesegnet ist, es immer schwieriger wird, sich für ein behindertes Kind zu entscheiden, bzw. Betroffene in Erklärungsnot kommen, denn sie könnten das ja frühzeitig "verhindern".

Das mit dem Leid verstehe nun ich nicht: Denn ich kenne nur Familien, in denen behinderte Kinder gut leben und geliebt werden, bei allen Problemen, die das für Eltern ect. mit sich bringt.

RE: Der Schnitt in die Menschheit | 08.01.2019 | 20:44

Ich bin jedoch der Meinung, dass so ein Bluttest wirklich viel Leid ersparen kann aber auch zur Entscheidungsfindung beiträgt.

Das Problem ist nicht, dass Entscheidung verhindert werden soll, sondern wie sie durch gendiagnostische Methoden kanalisiert wird. Das könnte nämlich dazu führen, dass am Ende gar keine selbstbestimmte Entscheidung mehr möglich ist. Was das Leid betrifft: Von wessen Leid sprechen wir? Unserem oder dem der Betroffenen, wie es zu wägen auf einer Skala der generellen Leidvermeidung?

RE: Auf schmalem Grat | 07.09.2018 | 10:15

Was mich selbst anbetrifft, so bin ich "fein raus," denn meine Organe sind zu alt, um noch begehrt zu werden

Da muss ich Sie enttäuschen: In den letzten Jahren werden immer mehr "alte" Organe entnommen und verpflanzt, auch hier gibt der Tätigkeitsbericht der DSO Auskunft

RE: Auf schmalem Grat | 07.09.2018 | 10:13

Das Euthanasie-Argument würde ich auch in Frage stellen. Vor allem geht es darum, dass hirntote Patietnen sterbende und keine toten Patienten sind - sie werden ja mittels Apparate am Leben erhalten, bis die Explantation vollzogen ist und unter Umständen sogar mit Relaxantien ect. ruhiggestellt. Ein würdiger Tod sieht anders aus.

Was ich aber auch in Frage stellen würde, die die Zumutung, von anderen Menschen zu erwarten, das sie mich bzw. Teile ihres Körpers am Leben erhalten.

RE: Auf schmalem Grat | 07.09.2018 | 10:09

Nein, ich denke nicht, dass man von Pontius zu Pilatus laufen muss, in Österreich kann man sich z.B. in ein zentrales Widerspruchsregister eintragen lassen. Aber es wird wohl darauf spekuliert, dass die meisten Leute - eben wie derzeit - vor allem bequem sind und sich gar nicht darum kümmern.

RE: Auf schmalem Grat | 07.09.2018 | 10:06

Wieviele hirntote Spender gab es und gibt es heute? Spenden wir weniger oder sind wir nur weniger Hirntod?

Wenn Sie sich über Zahlen informieren wollen, können Sie einen Blick in den Tätigkeitsbericht der Deutschen Stiftung Organtransplantion werfen:

https://www.dso.de/

Aber Sie haben Recht, wenn Sie danach fragen, ob es weniger hirntote Patienten gibt oder einfach weniger gespendet wird. Hirntote Patienten werden ja "produziert" in dem Sinne, dass der Hirntod in der Klinik in einem vorgeschriebenen Prozedere festgestellt werden muss, erst dann kann ein Patient zum potentiellen Organspender erklärt werden. Und genau daran haben die Krankenhäuser, siehe oben, nicht unbedingt Interesse. Ja, Spahn geht es um mehr potentielle Spender, die übrigens nicht unbedingt durch die Widerspruchslösung in reale verwandelt werden, es gibt europäische Länder, in denen die Widerspruchslösung gilt und dennoch stagnieren die Zahlen oder gehen sogar zurück.