Wolfgang Michal

Journalist; Themen: Umbrüche & Entwicklungen
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Wolfgang Michal
RE: Nicht mehr moderierbar | 11.12.2017 | 18:48

Sorry, es hat ein bisschen gedauert, aber ich brauchte 4 Tage, um Ihren klugen Kommentar zu lesen ;-)

Als "Linkskonservativen" würde ich Sie nun am liebsten in die Sloterdijk-Schublade stecken, aber Sie mögen Schubladen natürlich - wie wir alle - überhaupt nicht. Also lassen wir erst mal das einordnen (Sie wissen wenigstens, wen Sie vor sich haben) und harren der Dinge.

Bis Mai/Juni soll es ja eine neue Regierung geben (sagt jedenfalls der neue SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil). Dann werden wir sehen, wohin die Gespräche, die ja zu Vorsondierungen führen sollen, die wiederum Sondierungen einleiten könnten, die eventuell zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen führen, Union und SPD bringen werden. Da kann noch viel passieren...

RE: Links ist Geschichte | 05.12.2017 | 17:48

Die Nebenwirkungen der Energiewende, die sich nun mal nicht in den Städten, sondern auf dem Land zeigen, führten dort zu den entsprechenden Wähler-Reaktionen. Das ist die Beschreibung der Lage, keine "Vorführung".

RE: Nicht mehr moderierbar | 05.12.2017 | 17:36

Ein sehr interessanter Rundblick, den Sie hier anbieten, "Banana King"! Ich habe mir daraufhin Ihre anderen Kommentare unter anderen Beiträgen angesehen. So ganz schlau werde ich aber nicht aus Ihnen. Wie würden Sie Ihre eigene Position denn beschreiben? Wollen Sie zurück zur Malocherpartei SPD und zur angeblich einheitlichen christlichen Unionskultur? Back to the Fifties? Ist das nicht unmöglich?

Sie bewundern, so viel habe ich verstanden, die beiden Niedersachsen Schröder und Gabriel.

https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/links-ist-geschichte

Das sind in Ihren Augen political animals, Vollblutpolitiker. Dagegen, ich will nicht sagen hassen, lehnen Sie Angela Merkel mit einer Spur Bewunderung im Unterton heftig ab.

Am gegenwärtigen Zustand der Parteien lassen Sie kein gutes Haar, nur die AfD, das war jedenfalls mein Eindruck, beschreiben Sie ungewöhnlich milde (es kann aber auch sein, dass Sie diese Partei so verachten, dass sie sie gar nicht für satisfaktionsfähig halten). Sie erwähnen/bedauern z.B. den Verlust des "sozialpatriotischen Flügels" bei der SPD (am Beispiel des Essener Konflikts um Guido Reil).

https://www.waz.de/staedte/essen/essener-guido-reil-in-den-afd-bundesvorstand-gewaehlt-id212722089.html

Was die gegenwärtigen Regierungsbildungsprobleme angeht, so tippen Sie auf eine Art "Konkordanzlösung" für die nächste Regierung. Dieser Wetteinsatz ist ziemlich hoch (würde Ihnen aber viel Anerkennung einbringen, wenn Sie damit richtig liegen). Das würde bedeuten: ein CDU/CSU-Kabinett Merkel IV mit einigen bunten Einsprengseln aus Fachleuten sowie einzelnen Ministern aus SPD und Grünen, vielleicht sogar der FDP (Kubicki bietet sich bereits an, nein, doch wohl eher nicht).

Ich glaube, das ganze Szenario ist ein bisschen zu schlau ausgedacht. Auch die SPD als Partei wäre nicht so schlau, sich auf eine Merkelsche Macron-Lösung einzulassen. Vielleicht wäre der gewitzte Gabriel dazu bereit, da haben Sie Recht, aber gegen den Willen seiner Partei? Wohl kaum. Nein, die heutige CDU taugt - trotz Tauber, Altmaier und Kinnert - nicht als Sammlungsbewegung a la République en Marche.

Vermutlich braucht es diese komplizierten Sandkastenspielchen auch gar nicht. Wenn das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Union und SPD einigermaßen vertretbar ist (auch für die opponierenden Jusos und für das Duo Schwesig/Dreyer; die CSU unter dem Nur-noch-Parteivorsitzenden Seehofer wird ohnehin mitmachen), dann wird es doch eher auf die bewährte, nun etwas kleinere GroKo hinauslaufen. Gabriel hat ihr heute schon die Grundsatzrede gehalten: ein deutsch geführtes Europa in der Welt.

http://www.tagesschau.de/inland/gabriel-rede-103.html

RE: Nicht mehr moderierbar | 02.12.2017 | 17:24

Die Kritik an der zu starken Personalisierung ist teilweise berechtigt. Allerdings ist der politische Richtungsstreit in der CDU - und das gab es unter früheren CDU-Vorsitzenden nicht - untrennbar mit der Person Merkel verbunden. Sie ist das Symbol des inhaltlichen Konflikts, die Reizfigur. AfD, FDP und ihre Sympathisanten reden nicht zufällig bewusst (und meistens abfällig) von der "Merkel-CDU".

Die der Personaldebatte zugrunde liegenden inhaltlichen und strukturellen Konflikte, also die Konflikte zwischen den so genannten Reformern in der CDU und ihren innerparteilichen Gegnern habe ich erst vor kurzem hier beschrieben: https://www.freitag.de/autoren/wolfgangmichal/merkels-union-steuert-in-eine-zerreissprobe

Für eine neuerliche große Koalition bedeutet das, dass sich deren Erfolgsaussichten grundlegend verändert haben: Zwei innerparteilich durch erhebliche Wahlverluste unter Druck stehende Parteien in eine Koalition zu zwingen, um damit die innerparteilichen Konflikte weitere vier Jahre ruhig zu stellen (anstatt sie endlich auszutragen), das kann nicht gut gehen. Es ist deshalb heute wesentlich riskanter für CDU und SPD, sich erneut für eine große Koalition zu entscheiden, als dies 2005 oder 2013 der Fall war.

RE: Lindners Plan ist nicht geheim | 29.11.2017 | 18:02

Ja klar, ich versuche den 'Plan' Lindners zu beschreiben, nicht meinen. Und der gute Marxist ist Ironie. So wie Ihr letzter Satz.

RE: Lindners Plan ist nicht geheim | 28.11.2017 | 16:00

Man sollte die FDP nicht unterschätzen, zumal sie eine starke Lobby in der Wirtschaft und in den Medien hat. Der jetzige Frust der Eliten über die Jamaika-Absage wird vorübergehen.

Um aus der kleinen FDP eine große Sammlungsbewegung machen zu können, bedarf es natürlich einer größeren Krise (das haben AfD und FDP aus dem Jahr 2015 gelernt). Lindner betonte als Begründung für das Aus bei den Jamaika-Sondierungen immer wieder einen bestimmten Satz: Wenn man sich schon bei den vorhersehbaren Dingen nicht einigen könne, sagte er, wie fragil wäre dann erst eine Koalition, die vor unvorhersehbaren Ereignissen stünde. Lindner rechnet also - wie jeder gute Marxist - mit periodisch auftretenden Krisenerscheinungen im Kapitalismus. Darauf will er seine FDP vorbereiten. Er ist erst 38 und denkt darum langfristiger als Merkel, Schulz oder Seehofer.

P.S.: Im Übrigen bin ich überrascht, hier auf freitag.de mal eine richtig gute Diskussion unter einem Beitrag zu sehen. Danke dafür.

RE: Utopielosigkeit aus Selbstzensur | 29.08.2017 | 12:04

Lieber Sebastian Alscher,

also die Piraten konnten sich in der Vergangenheit nicht über mangelnde Medienaufmerksamkeit beklagen. Durch die tätige Mithilfe der Medien lagen die Umfragewerte im Jahr 2012 bei knapp 12 Prozent. Aber die Piraten haben nichts daraus gemacht oder sie konnten nichts daraus machen. Warum? Wo sie doch - Ihre Worte! - ein gutes alternatives Programm vertreten.

Sie schreiben weiter, Parteien, deren Mitglieder ein Durchschnittsalter von 60 Jahren haben, verfolgen höchstwahrscheinlich andere Interessen als Parteien, die jüngere Generationen vertreten. Richtig. Diese Parteien sind eher auf Besitzstandswahrung aus als auf Veränderung (insbesondere wenn sie das internationale Umfeld mit einbeziehen).

Dazu kommt, dass die beiden (noch) großen Parteien, die den derzeitigen Wahlkampf mehr simulieren als führen, in den letzten 20 Jahren an der Regierung waren, die SPD 15 Jahre, die CDU/CSU 13 Jahre. Diese Parteien wollen also nichts anders machen, sondern ihren Kurs fortsetzen - sonst müssten sie ihre eigene Vergangenheit kritisieren. Es sind ja noch immer die gleichen Personen, die in diesen Parteien das Sagen haben.

Es müsste also erst ein Generationswechsel stattfinden. Aber auch der ist - siehe oben - noch keine Garantie.

Beste Grüße

Wolfgang Michal

RE: Heiko Maas und der Algorithmen-TÜV | 17.07.2017 | 14:12

Dieses neue Interview passt auch ganz gut zu unserem Thema: https://netzpolitik.org/2017/interview-mit-frank-pasquale-wie-facebook-und-google-die-digitale-oeffentlichkeit-dominieren/

RE: Heiko Maas und der Algorithmen-TÜV | 16.07.2017 | 15:21

@Rafaela

Sie haben Recht. Warum, glauben Sie, nutzen wir diese Alternativen nicht? Dummheit? Bequemlichkeit? Unwissen? Misstrauen? Bei Suchmaschinen haben wir ja das gleiche Problem. Und in der Politik im Prinzip auch :-)

RE: Heiko Maas und der Algorithmen-TÜV | 14.07.2017 | 16:59

@Harsdorfer

Auch der "Maschinenraum der Expertenwirtschaft" bewahrt offensichtlich nicht vor dem Nebelkerzenwerfen. Niemand vergleicht hier Algorithmen mit Spülmaschinen. Es geht auch nicht darum, ob Algorithmen exakt das tun, was man ihnen einprogrammiert hat. Es geht vielmehr darum, welche Ergebnisse sie im Hinblick auf unterschiedliche Nutzer produzieren. Wenn Sie eine Spülmaschine bestellen, bekommen Sie unter Umständen einen anderen Preis angezeigt als ich etc.pp. Solche Dinge lassen sich ermitteln, und zwar völlig unabhängig davon, ob Herr Gödel ein guter Mathematiker war, zwei mal zwei 4 oder der Quellcode bekannt ist. Wir müssen, wenn schon, dann in den zur Debatte stehenden Kategorien diskutieren.

@Rafaela

Johnny Haeusler bzw. Nathan Schneider werden Twitter nicht alleine kaufen wollen oder können. Natürlich geht es nicht darum, nur den Privat-Besitzer wechseln zu wollen. Haeuslers Aufruf war eine legitime Zuspitzung, um das Thema anzufixen. Leider haben sich seine Kollegen aus der Netzszene aber lieber in Schweigen gehüllt.

Was die Dezentralisierung angeht, so bin ich d'accord, aber was Vergesellschaftung ist (vor allem, wie sie organisiert ist) müssten Sie schon mal ausbuchstabieren. Mit der "Logik des Kapitals" zu argumentieren ist das eine, ein Alternativ-Modell konkret zu beschreiben, das andere.