Vor zehn Jahren, am 16. Dezember 2001, starb der 1913 in Chemnitz geborene Schriftsteller Stefan Heym – von Anfang an war er mir als eine Art Methusalem der deutschsprachigen Literatur erschienen, als einer, der aus dem Unbekannten kam. Im elterlichen...>> mehr
Unter den baldachinen der platanen eingangs der karl-liebknecht-straße in l., die ihr laub bis in den vorwinter hinein halten – als kind habe ich öfters ein schorfblättchen von ihrer rinde geschält, dessen botschaft mir rätse...>> mehr
Ein persönlicher Nachruf
Väterchen Franz - so sollten wir Franz Josef Degenhardt bald auch im Freundeskreis nennen, dessen mit rauher Stimme vorgetragene Lieder und Balladen uns immer von neuem berührten. Songs, die anarchisch wie wir, keiner O...>> mehr
Die Erinnerung an Vormittage im Waschhaus, wenn die Weißwäsche im Kessel kochte, es ans Spülen ging - die Holzwanne, in der wir sommers gelegentlich auch im Freien badeten, wurde per Schlauch mit Wasser befüllt, doch was ich dabei ...>> mehr
Zu Volker Brauns Erzählung "Die hellen Haufen"
„Der Aufstand, von dem hier berichtet wird, hat nicht stattgefunden“ – dieser Eingangssatz von Volker Brauns eben bei Suhrkamp erschienener Erzählung „Die hellen Haufen&l...>> mehr
wir hatten hier Anfang 2010 eine umfängliche Debatte zu Tellkamps "Turm", der vom Schreibansatz her vielen problematisch erschien - ich schrieb damals: Tellkamp läßt keines der Klischees aus, die über die DDR-Wirklichkeit in Umlauf sind und eher Vorurteilen Vorschub leisten als einer differenzierten Sicht. Das massierte Auftreten all dessen, was es im Einzelnen auch wirklich gegeben hat, erzeugt ein Bild von dieser Wirklichkeit, das man tendenziös oder stark überzeichnet nennen mag. Zudem erweckt der "Turm", dessen Handlung in den 80er Jahren angesiedelt ist, stetig den Eindruck, man befände sich in der DDR der wahrlich weit düsteren 50er Jahre - zwischen der noch stalinistisch geprägten Realität der 50er und der weit liberaleren Atmosphäre der endsiebziger resp. 80er Jahre sind zeitgeschichtlich indes erhebliche Unterschiede auszumachen, auch wenn in dieser oder jener Amtsstube der stalinistische Geist noch präsent gewesen ist. Ergänzend möchte ich noch einen anderen Aspekt ins Blickfeld rücken: vor dem Hintergrund einer sich immer stärker abzeichnenden Tendenz (vorangetrieben von jenen politischen Kreisen, die sich in dieser Frage die Diskurshegemonie angeeignet haben), nach der schon das Einfordern einer differenzierteren Sicht auf die DDR-Wirklichkeit im geschichtlichen Aufarbeitungsprozeß als "Verklärung" oder "Schönfärberei" eben dieser Vergangenheit denunziert wird, sehe ich durchaus auch Autoren, die sich literarisch mit dieser Wirklichkeit auseinandersetzen, in einer gesellschaftlichen Mit-Verantwortung (je nachdem, ob sie diese Tendenz bedienen und mit befördern, oder eben nicht...). Tatsächlich lassen sich da zwischen Ruges und Tellkamps Schreibansatz resp. Intention beträchtliche Unterschiede ausmachen, und Ruge liegt es fern, die vorherrschende Erinnerungskultur quasi zu illustrieren ...
zwei Empfehlungen nur zur Debatte: ein Essay von Gert Heidenreich zur Kultur auf den NachDenkseiten, und zum andern die Erzählung "Pavlovs Papierbuch" von Franz Fühmann, in den 80er Jahren erschienen, das fiktionale Szenario einer Gesellschaft, in der der Besitz res. das Lesen von Büchern verpönt ...
"wie hat der krieg in seine sprache gefunden" - ist diese frage nur rhetorisch gemeint? Dieser bp ist wie ich z.b. auch ein kind des nach-, des kalten kriegs, in diesem kontext erwachsen; angesichts der noch kahlen weinfelder in und um edenkoben schrieb ich einmal folgenden text: …. im mittelgrund die stäbe und drähte, komprimiert, ein grauer, lichtgrauer schleier, dicht überm boden, ihn verdeckend, ein schleier, bizarr, metallen, den keine witterung, kein wetterumschlag aufzulösen vermag, kein wind auseinander zu treiben … (stahlgewitter – damit sind wir großgeworden, oder eher mit deren nachhall, diesem klang, obgleich einer anderen generation zugehörig, einer anderen zeit – aber in uns dieselbe diktion, tickend, displaced persons, vom sanften umbruch, den wir erlebt, unsanft aufgestört – es hat sich gelegt, sagen manche und meinen nicht das wetter … – damit sind wir großgeworden, mit dem nachhall, er wirkt fort, auch wenn ihn viele nicht mehr hören mögen, hören können …, von anderen detonationen überlagert, dem rost, der schon von anbeginn die konsolidierten überzeugungen in uns zu zerfressen begonnen, dem nicht beizukommen ist, obwohl wir zu wissen glauben, wie er tickt, als aura den planeten umgebend, aura aus schrott, hinaufgeschossen …). Ein metallischer schleier, der über dem gewellten gelände liegt, den wellen des eiszeitmeeres, in der bewegung erstarrt, eine legende, beiläufig zum fluß der zeit, seinem diktat von ein-, ab- und ausgrenzung …
Ich sehe das ähnlich und habe nicht viel hinzuzufügen, entscheidend ist für mich die Aussage, daß man zeitig im Diskurs fast auschließlich auf die Opferrolle fokussiert hat und der Charakter von Selbstermächtigung, der doch die Ereignisse im Herbst 1989 bestimmte, außen vor blieb. Im Jahr deutsch-deutscher Jubiläen (2009) formulierte ich es wie folgt in einem Text: "Mir wurde schwindlig nach 1990, und wird es auch heute, wenn ich die Eliten der sogenannten „bürgerlichen Mitte“ in Bezug auf DDR-Geschichte von „Opferschutz“ sprechen höre, von einem Schutz, der den Opfern dieses Unrechtsregimes gebühre. So notwendig er auch sein mag, so wohnt ihm doch ein gefährliches Moment inne: das Moment der Entmündigung, der Enteignung der eigenen Geschichte – Andere bestimmen jetzt über die eigene Geschichte und erlangen Deutungshoheit im Diskurs, während man selbst nicht mehr das Subjekt dieser Geschichte ist, nurmehr das Objekt, das Opfer."
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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