Selten eine so erhellende und der Sache dienliche Debatte gelesen wie diese. Wenn sonst nichts, so würde allein sie Frau Dahn widerlegen und für die Verbannung aller sprechen, die Kritik am "Freitag", wie er ist, äußern. Anders freilich als Angeles satirischer Vorschlag eines Berater-Teams, ist die Entlassung der Herausgeber Realität. Wie es schon die Entlassung von Ingo Arend war. Vergessen? Gibt es dazu nichts zu sagen? Sind diese Leute überflüssig? Wenn das die Meinung der habituellen Kommentatoren ist - warum haben sie es nicht geschrieben, als es das Herausgeberquartett noch gab? Ist überhaupt noch jemand an einer ernsthaften Diskussion interessiert, oder geht es nur noch um dämliche Witze und Selbstdarstellung? Das Jahr fängt ja gut an. Wenn das so weiter geht... Übrigens: Stefan Reinecke, dessen Name Michael Angele so schwer in die Tasten kommt, war dessen ferner Vorgänger. Wer sich kundig machen will über die Geschichte des "Freitag", lese Reineckes Beiträge nach. Wohl wahr - mit der hier veröffentlichten Debatte lassen sich sich nicht vergleichen.
In wessen Interesse ist es, zu tun, was dem Amt des Bundespräsidenten und der Partei - der CDU - gut tut? Ist es nicht besser, wenn das alltäglich Übliche deutlich sichtbar wird? Ein bisschen weniger Respekt vor dem Staat tut nicht der Partei, wohl aber der Demokratie gut.
Barbara Thalheims Empörung über die fehlenden Politiker bei Christa Wolfs Beerdigung habe nichts mit Degenhardt zu tun? Das verstehe ich nicht. Die zur Schau gestellte Missachtung der linken Intellige...
Hier, lieber Tom Strohschneider, muss ich nun Maxi Leinkauf zur Seite springen. Grundsätzlich haben Sie recht, aber die "Kumpanen" sind wohl ein Zitat. Degenhardt benutzt dieses Wort, in der Bedeutung traditioneller Trinklieder, die er damit wohl seinerseits zitiert. Was freilich nicht heißt, dass ihm das Wort "Genossen" nicht über die Lippen gekommen wäre. Es gibt halt Begriffe, für die keine verbindliche Defintion existiert. Da kann man leicht aneinander vorbeireden. Selbst ein SP-Genosse (zu der Zeit, als man sich so noch nannte) war nicht unbedingt ein Genosse eines KP-Genossen...
Barbara Thalheims Empörung über die fehlenden Politiker bei Christa Wolfs Beerdigung habe nichts mit Degenhardt zu tun? Das verstehe ich nicht. Die zur Schau gestellte Missachtung der linken Intellige...
Zunächst muss ich mich bei Matthias Dell entschuldigen, weil ich - nicht zum ersten Mal - seinen Vornamen verschludert habe. Woran das liegt, wer mir da unbewusst in die Quere kommt, weiß wohl nur ein Psychoanalytiker. Nun aber zu Ihnen, Maxi Leinkauf. Da Sie von mir eine Legitimation einfordern, bitte: Nein, ich war nicht im BE. Ich habe mich ausschließlich nach Ihrem Bericht orientiert. Wer Degenhardt für mich war - und das sage ich hier nur so unbescheiden, weil Sie danach fragen -, steht bereits in meinem Liedermacherbuch von 1980, in zahlreichen Artikeln, zuletzt in einem Aufsatz in der November-Nummer von "Folker" und in einem Nachruf in der "Stuttgarter Zeitung". Dort können Sie auch, wenn es Sie wirklich interessiert, erfahren, was "meine" Lieder sind. In einem allerdings sind wir grundsätzlich verschiedener Meinung. Mir gefällt es, wenn jemand (also z.B. Barbara Thalheim), auch und gerade anlässlich einer zur Totenfeier geratenen Geburtstagsveranstaltung, den Betrauerten/Gefeierten in einen größeren Kontext stellt. Hingegen birgt eine Parade der "persönlichen Erinnerungen" stets die Gefahr, dass der Erinnernde etwas vom Glanz dessen abbekommen möchte, an den er sich erinnert. Nein, ich sage nicht, dass das im BE so war (ich war ja nicht dort). Aber ich möchte einmal mehr Barbara Thalheim zur Seite springen: Anders als Sie, liebe Maxi Leinkauf (ich gehe wegen des Bildes davon aus, dass Sie eine Frau sind), schätze ich es, dass sie, auch im Zusammenhang mit Degenhardt, lieber von Christa Wolf als von sich selbst spricht.
Barbara Thalheims Empörung über die fehlenden Politiker bei Christa Wolfs Beerdigung habe nichts mit Degenhardt zu tun? Das verstehe ich nicht. Die zur Schau gestellte Missachtung der linken Intellige...
Lieber Tom Strohschneider, lieber Martin Dell, schön und gut, über all das kann man reden. Vielleicht haben Sie recht. Aber belegt das, dass Barbara Thalheims Worte nicht in einen Veranstaltung für Franz Josef Degenhardt passen? Um diese Bemerkung ging es mir und um die Maßstäbe, die sie impliziert. Übrigens vermute ich auch, dass Bahr und Thierse ihre Texte im "Freitag" selbst schreiben. Sind sie typisch? Haben all jene gelogen, die in ihren Angaben zur Person "Redenschreiber für xxx" anführen? Na ja, es gibt Wichtigeres. Ich bin auch bereit, auf das Wort "ghostwriter" zu verzichten, wenn es Sie, verehrter Herr Strohschneider, kränkt. Was schlagen Sie stattdessen vor?
Barbara Thalheims Empörung über die fehlenden Politiker bei Christa Wolfs Beerdigung habe nichts mit Degenhardt zu tun? Das verstehe ich nicht. Die zur Schau gestellte Missachtung der linken Intelligenz darf kein Thema sein, wo es "um Lieder gehen soll"? Wer, frei nach Hanns Eisler (und der passt zu Degenhardt wie zu Christa Wolf und Barbara Thalheim), nur von Liedern etwas versteht, versteht auch davon nichts. Bei dieser Gelegenheit, schüchtern nachgefragt: Wann wurde Franz Josef Degenhardt zuletzt eingeladen, in dieser Zeitung etwas zu schreiben? Der schlampige Umgang mit Künstlern und Autoren, die sich dem herrschenden Konsens entziehen, reicht leider weit über den Kreis der Politiker hinaus, für die Christa Wolf oder Franz Josef Degenhardt allenfalls ein paar Nachruf-Floskeln ihrer Ghostwriter wert sind.
Das klingt alles sehr plausibel und ist wohl richtig. Und doch. In Österreich gibt es zurzeit eine lebhafte Debatte, weil eine Reihe ehemaliger Politiker aller Parteien die Politik der gegenwärtigen Regierung heftig kritisiert hat. Die jetzigen, äußerst mittelmäßigen Protagonisten von ÖVP und SPÖ wehren sich hysterisch und fragen rhetorisch, warum denn die "Altpolitiker" ihre heutigen Vorschläge nicht realisiert hätten, als sie selbst an der Macht waren. Offenbar sind die Zwänge und Rücksichtnahmen im politischen Geschäft stärker, als allgemein angenommen. Da bleibt es wohl die Regel, dass auch integre Politiker beim Handeln hinter ihren Erkenntnissen zurückbleiben und Parteidisziplin Vorrang hat vor den Interessen der Bevölkerung. Soll man aber deshalb auf Einsichten verzichten, die erst ausgesprochen werden, wenn solche Politiker keine Funktion mehr haben, wenn sie als Privatmenschen reden? Sie müssen immer noch nicht im Recht sein, man kann und soll ihre Äußerungen kritisieren, aber anhören sollte man sie schon. Sie könnten ja sogar aus ihren Fehlern gelernt haben. Die Institution des "elder statesman" ist kein Heiligtum, aber für die Demokratie ist sie nicht unbedingt schädlicher als das halbgebildete Politikgequatsche mancher Kommentatoren in den Medien. Was zählt, ist letzten Endes die Überzeugungskraft aktueller Argumente, nicht eine noch so fragwürdige Praxis in der Vergangenheit. Immerhin bewirbt sich Helmut Schmidt, anders als sein Kumpel Peer Steinbrück, der auch gelegentlich kluge Dinge sagt, nicht mehr um das Kanzleramt.
Ich finde den Nachrufe von Thomas Rothschild etwas zwiespältig, genauer gesagt, illustriert er mir das zwiespältige Verhältnis, dass Teile der Linken mit Humor haben: alles, was nicht direkt politisch...
Verehrte Frau, verehrter Herr Hesse, ich kann ja verstehen, dass Sie gereizt reagieren, wenn man jemandem, den Sie offenbar lieben, nicht mit der geforderten Devotion begegnet. Aber wo lesen Sie in meinem Nachruf, dass alles, was nicht direkt politisch sei, nichts gelte oder nur "hakb etwas wert" sei? Können Sie wirklich eine Beschreibung nicht von einer Wertung unterscheiden? Übrigens schrieb ich: "im engeren Sinne politisch". Der inflationär zitierte Spruch, wonach alles Private politisch sei, macht die Kategorie des "Politischen" überflüssig, weil sie dann ja für alles gilt. Ist es gestattet, bei aller Wertschätzung für Loriot, F.K. Waechter oder Tomi Ungerer für bessere Zeichner, Manfred Deix für einen aktuelleren Satiriker, Woody Allen für einen komischeren Filmemacher zu halten als Loriot, ohne dem Verdikt der Humor-, Satire- und Ironielosigkeit zu verfallen? Soviel Humor und Ironie wie ihre Nachkommen hatten die 68er von Fritz Teufel über Franz Josef Degenhardt bis zu Hannelore Kaub oder dem Karl Napps Chaos Theater noch allemal. Aber ich fürchte, für diese Ansicht gibt es weniger Konsens als für Loriot - oder?
- „Ja wo laufen sie denn?“ in Loriots unverwechselbarem Tonfall. Meines Wissens hat Loriot 1970 nur die Figuren gezeichnet. Der Sketch ist schon wesentlich älter und stammt - wie die Originalstimme -...
Trifft es zu oder trifft es nicht zu, dass die Geschlechterproblematik die Klassenfrage mit Nachdruck aus dem öffentlichen Diskurs und dem kollektiven Bewusstsein verdrängt hat? Ist es richtig oder is...
Ich halte auch beides für wichtig, aber nur das eine findet statt. Der Anteil von Frauen nimmt zu (und das ist gut), der Anteil von Arbeiterkindern an Hochschulen ist rückläufig. Davon habe ich geredet. Und davon, dass Letzteres - anders als in den Jahren nach 1968 - kein Thema der öffentlichen Auseinandersetzung mehr ist. Es geht darum, wer und welche Interessen bestimmen, welche Debatten geführt werden. Übrigens wäre auch die Förderung von Behinderten ebenso wichtig. Wann haben Sie zuletzt etwas über den Prozentsatz von Behinderten in den Chefetagen gelesen?
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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