Kommentare von Jörg Friedrich

Jörg Friedrich 23.10.2013 | 10:00

Das Wort "Glosse" weist keineswegs sicher darauf hin, dass es sich bei dem Text um frei erfundene Satire handelt. "Glosse" bedeutet einfach nur, dass eine (zumeist tatsächliche) Begebenheit witzig, polemisch zugespitzt und subjektiv behandelt wird. Insofern ist das hier gar keine Glosse. Dazu kommt, dass dem text jegliche satirische Elemente fehlen, welche klar machen würden, dass die Fakten frei erfunden sind.

Dass man manchmal eine Satire für real denkbar hält (das ist ja gerade das schöne an richtigen Satiren), hat übrigens nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun, sondern oft nur mit den eigenen Vor-Urteilen, die man durch die Satire bestätigt sieht.

Jörg Friedrich 23.11.2012 | 11:34

Dieser Artikel könnte von einem CDU/CSU-Anhänger geschrieben worden sein. All das, worin sich die Piraten noch ein wenig von den etablierten Parteien unterscheiden, sollen sie sich abgewöhnen. Dass es darum geht, die eingefahrenen und zunehmend undemokratischen Verfahren des politischen Spiels praktisch zu hinterfragen, und dass das natürlich schmerzhaft und fürs träge Publikum irritierend ist, kommt den Autoren nicht in den Sinn: Sie sind offenbar selbst in der Vorstellung befangen, dass der politische Betrieb der Bundesrepublik der beste aller denkbaren ist.

Wozu wären denn die Piraten nötig wenn nicht für diese grundsätzliche Arbeit der Erschütterung? Und nur dafür werden sie auch Wählerstimmen bekommen, für alles andere gibt es schon Parteien.

Jörg Friedrich 08.11.2012 | 18:29

Woher wollen Sie denn wissen, wie ich meine Artikel gemeint haben will? Vielleicht verstehen sie ja meine Erläuterungen genauso "anders" wie die Artikel selbst?

Wissen Sie, sie sollte aufhören darüber nachzudenken, wie ich etwas "meine". Nehmen Sie die Texte ganz so, wie sie sie verstehen, denken sie meintetwegen darüber nach oder ärgern sie sich darüber, aber geben Sie es auf, mich, einen ganz fremden Menschen, dem Sie nie begegnet sind, verstehen zu wollen.

Jörg Friedrich 22.10.2012 | 18:10

Wenn ich den Artikel richtig verstehe, sieht er die Sache so: Es gibt Dinge, die tun manche Leute, obwohl andere Leute diese Dinge völlig sinnlos finden. Sie lassen sich dabei sogar zuschauen, von wiederum ganz wildfremden anderen Menschen. Solche Leute sollten nicht wählen dürfen.

Fußballer z.B., Performance-Künstler, Spaziergänger, Hundebesitzer.

Ich denke, dass sich manche Menschen bei Freunden und beim Essen nicht angemessen benehmen können, hat nichts mit dem Internet und GPS zu tun.

Jörg Friedrich 22.10.2012 | 12:22

Dass man im Radsport ohne Doping nicht gewinnen konnte, ist ja genau Armstrong zu "verdanken". Sicher gab es auch schon vor seinem Auftauchen bei der Tour Doping, aber da war es noch möglich, durch Talent und Training und Schinderei zu gewinnen. Dann kam Armsprong und zog lächelnd an allen vorbei - keiner glaubte, dass das mit rechten Dingen zuging. Da wäre Aussteigen die einzige Alternative gewesen, aber daran hing die eigene Existenz. Die jungen Männer entschieden sich wenig überraschend, auf Wunder mit Wundern zu antworten.

Jörg Friedrich 19.10.2012 | 13:54

Vielleicht schauen Sie einfach noch mal in den Text, und zwar an die Stelle, wo das Wort Grenzverletzung zuerst benutzt wird. Dort sollte eigentlich deutlich werden, dass Grenzverletzungen eben keine Aggressionen, keine Besetzungen sind. Auch in dem Sprachgebrauch, dem das Wort entnommen ist, ist eine Grenzverletzung keine Kriegserklärung. Nur wenn Sie das Wort in seiner Bedeutung dahin verschieben, machen Ihre anschuldigungen Sinn.

Mich würde interessieren, was genau sie mit dem "Verhandeln von Grenzen" meinen und wie das auf dem gebiet der Erotik vorzustellen ist. Und warum sollten die Grenzen des Intimen überhaupt verhandelbar sein und verhandelt werden?

Jörg Friedrich 19.10.2012 | 13:19

Ich habe nicht geschrieben dass eine Person zulassen soll, was sie nicht möchte. Das ist Ihre Deutung, und interessant wäre für mich, einmal zu erfahren, warum Sie meinen Text in dieser Weise deuten. Darüberhinaus würde ich gern wissen, warum Sie im letzten Satz vom "Nein" der Frau sprechen.Es gibt auch Männer, die "Nein" sagen, und es gibt auch Frauen, die sich davon nicht beirren lassen. Ich glaube kaum, dass es hilfreich ist, die Dskussion auf dem Niveau "Aggressiver Mann - Schutzlose Frau" zu führen. Das ist ein anderes Thema.

Jörg Friedrich 19.10.2012 | 11:43

In den Begriffen "sozialliberale Partei" und "emanzipatorisches Projekt" werden der Konflikt und die Optionen der weiteren Entwicklung der Piraten meiner Meinung nach eher verschleiert als verdeutlicht. Denn die vier Worte sind so schillernd und undeutlich, sozialliberal schließt emanzipatorisch in gewisser Lesart ebenso wenig aus wie sich Partei und Projekt ausschließen, wenn man die Begriffe nur geeignet liest.

Vielmehr ist die Frage schlicht, worum sich die Piraten kümmern wollen, und da gibt es wohl wirklich zwei Optionen, die schließlich vielleicht auf zwei getrennte Gemeinschaften (Parteien oder Projekte) hinauslaufen. Das eine ist eine Sammlung von konkreten Sachthemen, die man im Rahmen und mit den Mitteln dessen, was aktuell unter "Politik" versteht, angehen kann. Mir ist nicht klar, ob die Sachtehemen, die da so genannt werden (Urheberrecht, Transparenz, Netzneutralität, BGE) überhaupt so zusammenhängen, dass sich daraus eine Partei mit einem klaren Programm konstituieren kann. Muss jemand, der den transparenten Politiker wünscht, fürs BGE und für den Abbau des Urheberrechts sein? Wo ist da die gemeinsame Wurzel? Und was ist daran übergreifend "sozialliberal"?

Zum Anderen gibt es die, die die Formen der parlamentarischen Demokratie, wie wir sie gegenwärtig erleben, grundsätzlich hinterfragen und Visionen entwickeln, wie Politik und Demokratie zukünftig gestaltet werden könnte. Dann geht es nicht mehr um BGE und Urheberrecht, sondern um die Meta-Frage, wie man solche Themen demokratisch gestalten könnte.

Mich persönlich interessiert an den Piraten nur der zweite Aspekt. Ich glaube nicht, dass es eine "Lücke" im Parteienspektrum gibt, die eine neue Partei mit eigenständigem Programm zu den konkreten Sachthemen schließen könnte oder müsste.

Aber das Parteiensystem hat sowieso ausgedient, weil die Themen, poltischen Überzeugungen und Meinungen eben nicht mehr so klar zu bündeln sind, wie es eine Partei bräuchte. Das ist die spannende Herausforderung, der sich Piraten annehmen müssten. Ob sie dafür "gewählt" werden würden, weiß ich nicht, aber wozu soll andererseits eine Partei gewählt werden, die nichts anderes macht, als die Parteien, die schon da sind?

Jörg Friedrich 15.10.2012 | 11:28

Wenn Sie sich so ausführlich mit der Deutung des Zitates befassen, sollten Sie es im Original lesen, in diesem Fall die Schrift "Politische Theologie", auch "Legalität und Legitimität" ist hilfreich. Aber auch in der von Ihnen aufgeworfenen Frage genügt es schon, den Wikipedia-Artikel weiterzulesen, z.B.ab hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt#Repr.C3.A4sentation.2C_Demokratie_und_Homogenit.C3.A4t

Jörg Friedrich 01.10.2012 | 13:03

Das klingt auf jeden Fall lesenswert. Eins wundert mich allerdings: Wenn man von "Marx' Revolutionstheorie" spricht, muss man m.E. vor allem vom 18. Brumaire sprechen. Zwischen dem Manifest und dem 18. Brumaire liegt die gescheiterte Revolution. Damit verbunden ist eine Wende im Denken Marx'. Die ökonomische Theorie ist vo allem im Kapital eintwickelt, und da stellt sich auch heraus, dass die Verelendung des Proletariats nicht zwingend ist. Man denke auch auch Marx' Biref an den amerikanischen Präsidenten.

Wenn man die Entwicklung im Denken von Marx betrachtet, dann befindet er sich nicht in einem solchen Widerspruch zur Realität, als wenn man nur auf seine frühen Texte und vor allem aufs Manifest schaut.

Jörg Friedrich 26.09.2012 | 11:57

Vielen Dank für den Überblick, der zum Lesen des Buchs anregt. Ich störe mich ein wenig an der Formulierung "die wichtigsten Philosophen der Gegenwart". Dazu fehlen hier zu viele wichtige Leute, Chantal Mouffe wäre ganz wichtig dazuzuzählen, und die ist ja in den Diskussionen um die politische Phlosophie der Gegenwart auch immer wieder genannt. Auch Habermas müsste sicherlich auftauchen, wenn man "die wichtigsten der Gegenwart" aufführt.

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