Nach Grammy-Rekord bangen die Republikaner: Entscheidet Taylor Swift die US-Wahlen?

Pop Taylor Swift ist ein Hyperstar. Über 100 Weltrekorde hält sie, nun auch den der meisten Grammys für das Album des Jahres. Weil sie 2020 Joe Biden unterstützte, fürchten Rechte in den USA ihren Einfluss – und verbreiten Verschwörungsmythen
Ausgabe 06/2024
Wenn sie sich freut, schlackern Republikanern die Knie: US-Hyperstar Taylor Swift
Wenn sie sich freut, schlackern Republikanern die Knie: US-Hyperstar Taylor Swift

Foto: picture alliance / Reuters / Mario Anzuoni

Als John Lennon 1966 in einem Interview erklärte, dass die Beatles „populärer als Jesus“ seien, kam es Monate später in den USA zu massiven Protesten. Alben wurden auf offener Straße verbrannt. Der Ku-Klux-Klan nagelte demonstrativ Platten der Liverpooler Band an Holzkreuze. Indes wurde klar: Die Lichtgestalten der Gesellschaft sind schon lange nicht mehr religiöser Natur.

Wenn heute jemand populärer als Jesus ist, dann ist es die aus Pennsylvania stammende Musikerin Taylor Swift. Bei der Grammy-Verleihung gewann sie gerade zum vierten Mal den Preis für das beste Album des Jahres und thront nun allein auf der ewigen Spitzenliste vor Frank Sinatra, Stevie Wonder und Paul Simon. Taylor Swift hatte 2023 das erfolgreichste Jahr ihrer Karriere. Vom Magazin Time wurde sie zur „Person of the Year“ gekürt. Ihre The-Eras-Tournee brach sämtliche Rekorde. Über 100 Guinness-Weltrekorde hält sie mittlerweile, aber wen kümmert das schon? Weltrekorde kann heute jeder. Diesen Juli spielt sie in den größten Stadien Deutschlands, und die UEFA sollte dankbar sein, dass sie netterweise abwartet, bis die Fußball-EM vorbei ist. Taylor Swift schafft sich ihre eigene Kategorie. Sie ist kein Superstar mehr, sie ist ein Hyperstar.

Taylor Swift ist die perfekte Verkörperung von Anschlussfähigkeit

Dabei ist ihr größtes Kapital ihre privilegierte weiße Normalität. Ihr Vater ist Vermögensberater bei der Investmentbank Merrill Lynch. Ihre Karriere begann sie im alles andere als hippen Country. Keine nennenswerten Skandale wie bei Kim Kardashian, Amy Winehouse oder Britney Spears haften an ihr. Taylor Swift ist alltagstauglich und anschmiegsam wie ein iPhone. Sie ist die überperfekte Verkörperung von dem, was man heute Anschlussfähigkeit nennt. Während sich der andere Superstar der Gegenwart, Beyoncé, in der Regel betont kämpferisch inszeniert (sie hat als Schwarze Künstlerin auch allen Grund dazu) und mit dem Image einer Raubkatze kokettiert, ist Swift in etwa so angriffslustig wie eine Plüschrobbe von Steiff. Dank ihr wollen unzählige Mädchen Gitarre spielen lernen. Die Gitarrenindustrie verzeichnet ihre besten Geschäftsjahre seit langem.

Aus den Spider-Man-Comics stammt der berühmte Satz: „Mit großer Macht kommt große Verantwortung.“ Und Pop kann politische Macht haben. Denn geht es nach US-Medien, könnte Taylor Swift in diesem Jahr sogar die Präsidentschaftswahl entscheiden. Es gab eine Zeit, da wurde der Popstar in der Alt-Right-Szene verehrt. Der Neonazi-Blogger Andrew Anglin feierte sie 2016 gar als „reine arische Göttin“. Bereits 2020 unterstützte Swift dann offiziell den Wahlkampf von Joe Biden.

Und so werden dieser Tage abstruse Verschwörungserzählungen kolportiert. Eine lautet: Swift sei Geheimagentin für das Pentagon. Andere glauben, Swift sei eine Hexe (Ähnliches galt für Jesus), und wieder andere rufen zum „heiligen Krieg“ gegen den Star auf. Trotz aller Absurdität verhaften sich diese Vorwürfe bei Fox News und Konsorten. Der Versuch, an Swifts Image zu kratzen, wirkt so durchschaubar wie hilflos: Seitdem im vergangenen Herbst ihre Liaison mit dem NFL-Profi Travis Kelce offiziell wurde, verkörpert das Traumpaar alles, wofür der All-American Dream steht. Nun spielt Kelce mit seinen Kansas City Chiefs kommenden Sonntag auch noch beim Super Bowl LVIII. Sollten die Chiefs den Titel gewinnen, befürchten Trump-Fans, könnte das ganze Football-Land zu Swifties konvertieren. Wer krampfhaft Feinde braucht, findet welche. Mit echten Göttinnen legt man sich aber besser nicht an.

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