RE: Verknappung des Denkens | 28.05.2018 | 22:21

Kann mich hier nicht einklincken, weil ich gerade aushaeusig bin. Nur so viel: Ja, das Grundeinkommen kommt in der "Anderen Gesellschaft" vor, ist sogar das erste Stueck der Vorstellungen, wie es sein koennte. Weil ich da immer das Subjektive vor dem Objektiven behandelt habe. Und: Ich bin immer der Meinung gewesen, dass ein Grundeinkommen, das seinen Namen verdient und emanzipatorisch ist, sich im Kapitalismus ueberhaft nicht verwirklichen laesst, sondern eben erst in der Anderen Gesellschaft, dass es aber, wiederum eben deshalb, hier und heute gut ist, es zu fordern und seinen Sinn sinnfaellig zu machen. Ja, wenn ich im obigen Artikel schreibe, es gebe mit dem GE keine Arbeiterklasse, wird man mir doch hoffentlich nicht unterstellen, ich glaubte an einen Kapitalismus ohne Arbeiterklasse. In diesem Artikel hier wollte ich vor allem auf die Konferenz hinweisen. Sie ist wohl inzwischen gelaufen, ich hoffe auf gutes Material von dort. Zu Pleifel noch: Aus dem Zs. von GE und Infrastruktur ergibt sich natuerlich nicht die Forderung "schlechte Infrastruktur - hohes GE" (das ist nur die Zustandsbeschreibung), sondern umgekehrt: "gute Infrastruktur, dann braucht nicht alles ins GE gesteckt zu werden". Genau so ist es in dem Papier der AG linksnetz erlauertert und ausfuehrlich dargelegt, auf das ich verwiesen habe.

RE: Besiegen und schonen | 11.05.2018 | 10:20

„Ihr Thema hat sich zu einer aufwühlenden Diskussion entwickelt und liefert Stichworte für Diskussionsfolgen.“ Ich freue mich darüber, denn das heißt, daß ich etwas Nützliches beisteuern konnte. Und mich selbst wühlt die Diskussion natürlich auch auf.

Gerade auch daß die Arbeitsleistung als „Säule“ in der Diskussion so wichtig war, auch in Form der Frage nach der Arbeiterklasse und ihrer Rolle, ist gut. Denn darauf wollte mein Artikel ja hinlenken, wenn auch in der etwas komplizierten Form der Aussage, daß diese Klasse zwar keine per se revolutionäre ist und auch keine „führende“ sein kann, aber doch die wichtigste bleibt.

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 19:42

Es ging zwischen uns nicht darum, ob Marx die Kapitalisten kritisiert hat, natürlich hat er das getan, sondern ob sie mit Marx‘ voller Zustimmung angefangen haben zu handeln. Aber ich gebe es jetzt auf, mit Ihnen zu diskutieren. Es hat ja doch keinen Zweck, und daß es besonders schwierig wenn nicht fast unmöglich ist, einen eingefleischten Realsozialisten zu überzeugen, ist mir auch klar. Ich habe auch Verständnis dafür. Der Realsozialismus ist zwar gescheitert, und eben nicht nur von außen, sondern auch von innen, aber trotzdem. Also lassen wir es gut sein.

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 19:33

Du hältst die Vorstellung der revolutionären Klasse aufrecht, dem schließe ich mich nicht an. Die Klasse ist nicht als Klasse revolutionär, sondern alle können revolutionär sein, auch wenn sie nicht ausgebeutet werden, dafür aber fremdbestimmt sind, und das sind wie gesagt alle, und alle können auch nicht revolutionär sein, wenn sie etwa zwar ausgebeutet werden, aber unter den „Bestechungs“bedingungen der Metropolen. Ausbeutung und Fremdbestimmung sind nicht unabhängig voneinander, aber verschieden. Und wenn jemand nur fremdbestimmt aber nicht ausgebeutet ist, was es eben auch gibt, sagen wir ein Lehrer oder eine Parteifunktionärin, dann gehört er oder sie nicht der Arbeiterklasse an, ich sehe aber trotzdem nicht, weshalb sie mit geringerem Recht zur Revolution gerufen werden sollten als ArbeiterInnen, oder weshalb diese dem Ruf mit größerer Wahrscheinlichkeit folgen sollten. Nur soviel bleibt wahr, meiner Auffassung nach, die ich im Artikel dargelegt habe, daß die ArbeiterInnen für die Revolution besonders wichtig sind, weil sie sich, wenn auch ohne sie zu besitzen, am Ort der Machthebel aufhalten.

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 14:16

„Die Kapitalisten haben gehandelt und sich verrannt!“ Tja, das hat Marx so gesehen. Für ihn haben sie eine in der Menschheitsgeschichte progressive Epoche eröffnet. Sie haben die Voraussetzungen des Kommunismus geschaffen, niemand sonst hätte das tun können. Das ist Marx‘ Standpunkt. Irgendwann haben sie aber alles getan, wozu sie nötig waren, und dann mußte man sie stürzen. Da dieser Zeitpunkt schon Vergangenheit ist und wir sie immer noch nicht gestürzt haben, sind „wir Ausgebeuteten“ und Fremdbestimmten „am Elend“ in der Tat „mit schuld“.

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 14:06

Das Problem ist sogar – um meinen vorigen Kommentar zu ergänzen -, daß die Ausbeutung gerade in den Metropolen, und die müßten zuerst revolutioniert werden, gar nicht so zur Verzweiflung treibt, wie man es sich als notwendig für die revolutionäre Sache vorstellt. Die Ausgebeuteten in den Metropolen sind zugleich auch „bestochen“ (Friedrich Engels), d.h. ein kleiner Teil der Ausbeutung des „Südens“ wird ihnen überlassen usw. Einer der Gründe, weshalb das bolschewistische Revolutionsmodell an Gesellschaften wie Deutschland oder den USA einfach abperlt.

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 13:57

Ich habe diesen Kommentar von Ihnen vorhin übersehen. Alles was Sie anführen, gehört dazu. Das Zentrale, woraus alles andere folgt, ist in meinem Augen dieses Unendlichkeitsstreben, mit dem sich das Kapital unbewußt selbstvergottet. Dem Marxschen Satz gemäß, den ich im Artikel zitiert habe: „Das Kapital als solches setzt nur einen bestimmten Mehrwert, weil es den unendlichen nicht at once setzen kann; aber es ist die beständige Bewegung, mehr davon zu schaffen.“

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 13:51

Ich würde allerdings einwenden, daß Fremdbestimmung und Ausbeutung nicht dasselbe sind. Wer ausgebeutet wird, ist fremdbestimmt, aber das Umgekehrte muß nicht gelten. Fremdbestimmt sind alle. Nihilistisch leben alle. Und zwar infolge objektiver Umstände, infolge des Kapitalismus. Wenn also jemand revolutionär wird, dann immer aus objektiven Gründen, aber nicht unbedingt weil er oder sie ausgebeutet wird.

RE: Besiegen und schonen | 10.05.2018 | 13:35

Ich habe keine Einwände.

"Aufklärung" ist meines Wissens die deutsche Übersetzung romanischer Ausdrücke, die so viel wie Erleuchtung bedeutet haben; das französische Wort dafür ist eben nicht éclaircissements, éducation, informée oder dergleichen, sondern les lumières; englisch enlightenment usw. Das hat man sich also damals im Rahmen einer Erkenntnistheorie vorgestellt, die nicht mehr die unsrige ist.