Sebastian Seidler

Schreibt über Kino, Kultur und Politik. Liebt düstere Musik, Filme, die einem etwas abfordern und liest zu wenig Romane - was aber auch egal ist.
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RE: Vom Wuchern der Mythen | 27.09.2019 | 20:09

Wenn Sie den Film sehen, dann würden Sie auch verstehen, warum über den Inhalt alles gesagt ist: die Mythen Amerikas sind das Thema. Außerdem wird über die Inhalte von Filmen ohnehin zu viel und über die Form zu wenig geschrieben. Vielleicht sollte man also, bevor man eine Kritik kritisiert, sich ein wenig mit dem Film auseinandersetzen.

RE: Der Mob schlägt Links | 09.07.2017 | 19:13

Ich rede von Bewegungen. Plural. Das ist ein Unterschied.

RE: Der Mob schlägt Links | 09.07.2017 | 19:09

Erstens heißt es: "Nun heißt es wieder", d.h. es wird behauptet, linke Politik bringe nur Gewalt. Zweitens dürfte nach der Lektüre des restlichen Textes klar sein, auf welcher Seite ich stehe. Ganz sicher nicht auf irgendeiner rechten Seite. Denn ich bin ganz ihrer Meinung: Verdrehung der Tatsachen.

RE: Der Kunde, der ist König | 04.03.2016 | 11:57

Dürfte ich Sie bitten meinen Text und meine Anmerkungen zu lesen. Ich stelle mich hier nicht über jemanden, sondern argumentiere und stelle mich hier eine Debatte. Ganz so wie ich es schreibe.

Ein differentielles System hat erstmal nichts damit zu tun ob ich differenziere oder nicht. Abstrakt betrachtet mache ich es die ganze Zeit weil ich Spreche und die Sprache differential aufgebaut ist. Ich differentiere durchaus : Wahrheit ist nicht gleich Wirklichkeit und Medien bestehen nicht nur aus Berichten über Was-Wann-Wer-Wo. Das ist doch eine differentierte Betrachtung.

RE: Der Kunde, der ist König | 04.03.2016 | 11:52

Die Kritische Theorie der frühen Stunde, also Adorno und Horkheimer und Benjamin, kenne keine universelle Wahrheit - diese wäre metaphysisch und daher nicht materialistisch. Es gibt nur einen Zeitkern der Wahrheit. Wahrheit muss immer überprüft werden. Lesen Sie doch mal bitte etwas aufmerksamer: Ich sage ja, dass es Wahrheit insofern gibt, als dass man da draußen auf die Welt deuten kann. Aber die bringt uns nichts. Es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern Wahrheit und einige sind in Abhängigkeit von Referenzsystemen immer diskursiv. Die Welt besteht - spekulativer Realismus! - nicht nur aus dem Material, sondern auch aus Sätzen und Deutungen und Bedeutungen.

Außerdem Frage ich mich, ob die Philosophiegeschichte für Sie bei der Kritischen Theorie aufhört und der Poststrukturalismus an Ihnen vorbeigezogen ist: Derrida, Foucault usw. Die haben durchaus Argumente, warum die Wahrheit problematisch ist.

RE: Der Kunde, der ist König | 04.03.2016 | 10:35

Ich antworte mal ganz allgemein, weil ich ein paar der Kommentare durchaus bemerkenswert finde.

Verquastes Zeug also? Weil Sie der Meinung sind, das Grüne nicht links sind? Nun ja ... grün-links heißt ja nicht notwendiger Weise, dass Grüne links sein müssen. Es geht darum, dass grüne Politik eben auch etwas ist, was die Pegida-Leute als Gleichmacherrei beschimpfen. Diese Zusammensetzung aus grün-links soll grün und links heißen.

Ich weiß sehr wohl, dass viele Nachrichten zur Ware verkommen. Ein Magazin wie Monitor stellt sich so oft quer, dass ich aber durchaus die idealistische Position halten kann, dass es, entgegen dem Diktum von Adorno, durchaus das Gute im Schlechten geben kann. Sie machen es sich schon sehr leicht, wenn sie Wahrheit als philosophisch unproblematisch darstellen. Selbst in der analytischen Philosophie, deren Anhänger ich nicht bin, ist die Wahrheitsdefinition sehr fragil. Die einfachste und naivste Definition wäre doch: Wahr ist was mit der Wirklichkeit korrespondiert. Aber was ist Wirklichkeit. Das Glas steht auf dem Tisch. Aber was bedeutet es? In der Politik geht es um Bedeutung, um Bedeutung, um Bedeutung. Die stellt sich diskuriv her - wenn Leute diesen Diskurs nicht ertragen, weil es anstrengend wird und Sie lieber mit fertigen, handfesten Fakten bedient werden wollen, dann nenne ich das Kundenmentalität. Anders und sehr philsophisch: Warum bedeutet Tisch denn eigentlich einen Gegenstand mit - in der Regel - vier Beinen und einer Platte? Warum nennen wir den Tisch nicht Stuhl? Bedeutung ist ein differentielles System: Der Tisch heißt Tisch, weil er nicht Stuhl heißt und nicht Glas usw. Wenn es dann um politische Prozesse geht, wird es sehr kompliziert. Für Jacques Rancière (franz. Philosoph) beginnt Politik gar erst dann, wenn wir alle Gerechtigkeit sagen, aber etwas völlig anderes damit meinen und es zu einem Streit kommt - er nennt das Unvernehmen. Sind sie wirklich der Meinung die Welt sei so einfach gebaut und völlig unabhängig von Kultur und sozialer Prägung der Subjekte? Sind sie zudem der Meinung, es würde nur darum gehen, die Fakten zu bennenen? Das beginnt doch schon die Auswahl: Welche Fakten sind erwähenenswert, welche nicht? Und nehmen wir mal an, es sei möglich, völlig objektiv zu schreiben: Staat X hat Y getan und damit Z verärgert. Dann wird das gelesen und sich eine Meinung gebildet - auf welcher Grundlage? Ist es nicht gut, dass ein Diskurs in der Presse darüber geführt wird, was das zu bedeuten hat? Warum fühlen sich so viele hier beinflusst und manipuliert? Die ganze Welt ist eine Manipulation und jeder Weltbezug eine Ideologie. Wer, was, wann, wo - wenn es doch so einfach wäre.

RE: Kritik der Authentizität | 01.03.2016 | 22:22

Zum ersten Zusammenhang: Das ist für ein großteil der Medien völlig richtig - man muss mit einer Zeitung Geld verdienen. Das muss man reflektieren. Für die öffentlich-rechtlichen Sender gilt das jedoch nicht. Das ist der große Vorteil den diese Sender eignetlich hätten - trotzdem schreien viele gegen die Rundfunkgebühr. Hier und da gibt es Quotendruck, aber eher in der Unterhaltung oder der Fiktion.

Zum Vorwurf der Lüge: Man muss durchaus zwischen Information und Ereignis unterscheiden. Eine Information muss durch einen Kommunikationsprozess, muss übermittelt werden bzw. gar erst aufgenommen werden. Interpretation spielt da immer eine Rolle. Auch Sie müssen meine Zeichen hier interpretieren - meine Nachricht an Sie. Ein Ereignis ist eine nackte Tatsache. Menschen haben die Einfahrt zur Flüchtlingsunterkunft blockiert. Was das aber bedeutet - dass muss man interpretieren. Das ist dann ein Prozess. Ihr Hinweis auf den Bratenwender hilft das Glaube ich nicht so sehr.

RE: Kritik der Authentizität | 29.02.2016 | 12:24

Hallo,

ich möchte ganz kurz ein paar Dinge klären, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Ich wollte in meinem Text nicht die Medien kritisieren, zumindest nicht in einem einfachen Sinne, sondern vielmehr den Umgang mit den Medien und die Erwartungshaltung. Authentizität geht heute zusammen mit direkter-affektgeladener Kommunikation. Diese Authentizität ist aber ebenso konstruiert. Die etablierten Medien lassen sich davon aus der Ruhe bringen und versuchen ebenso - durch eine zunahme der O-Tone - Authentizität zu erzeugen. Zudem gibt es schon lange die Tendenz sich an Klickzahlen und Einschaltquoten zu orientieren und Komplexität zu reduzieren. Wenn das zu verkopft ist, frage ich mich durchaus, was der Sinn von Journalismus überhaupt noch sein soll: Die Frage, was die Bedingungen der derzeitigen Entwicklung sind, ist doch wichtig. Einfach die Medien zu kritisieren, weil sie etwas berichten, was einem persönlich nicht passt - damit macht man es sich zu einfach. Und ich halte daran fest: Die Medien in Deutschland lügen nicht. Lügen muss mutwillig geschehen. Wahrheitsfindung ist ein Prozess. Soviel dazu ...

Herzlichst.

RE: Meister der kurzen Form | 09.02.2016 | 12:39

Vielen Dank. Freut mich sehr. Zur Schlussbemerkung: Ich denke im Moment sehr viel darüber nach, ob ich Tarantino darin unrecht tue, aber seine Filme treffen einen nicht so tief, wie bei anderen Regisseuren seiner Klasse. Ich wollte dennoch am Ende meinen Zweifel vorsichtig zum Ausdruck bringen.

MfG - Sebastian Seidler