RE: Macrons magical history tour | 09.11.2018 | 17:36

Cher Colomb, Sie kennen meine Frankophilie. Genau darum schaue ich auch genauer hin, wenn die Geschichte wieder einmal instrumentalisiert zu werden scheint. Und das ist in diesem Fall ziemlich eindeutig. Aber der Präsident wäre nicht Macron, wenn er bei diesem Unterfangen nicht gewaltig auf die Nase fallen würde. So geschieht es halt,, "wo das Geschichtsverständnis für die zahlreichen Interdependenzen, einer gänzlich einseitigen Betrachtung weichen muss" (Columbus, Communarde).

Allein diese merkwürdige Aussage zu dem "bon soldat" Pétain, der später die "funeste Wahl" getroffen habe, lässt französische Historiker (von den Hofhistoriographen abgesehen) verzweifeln. "Welche Fliege hat ihn gepiekt?" fragt Alain Garrigou in seinem Blog der Monde diplo und spricht von "Ignoranz über den ersten WK, über Vichy und die Kämpfe um die Erinnerung". Andere zitieren Anatole France: "Man glaubt für das Vaterland zu sterben, aber man stirbt für die Industriellen". Die Herrschenden und Regierenden brauchen die "Helden", die Figur, "seit einem Jahrhundert von der Oligarchie auferlegt beim dem Gedenken, im Film, in Schulbüchern, in gelehrten Forschungen, im Comic. (Daniel Mermet).Der Journalist (dessen Vater der Schlächterei noch entkommen war) fährt fort:

"In den ersten 9 Monaten sind 500.000 kleine Franzosen getötet worden. Im Einverständnis? "Damit Frankreich Frankreich bleibt" (Macron). Ja, und zwar das Frankreich der Nivelle, Foch, Mangin, Pétain, der Banken, der großen Industrien und der politischen Welt, die ihnen dient (die Welt von Macron)." (Là-bas si j'y suis, 7-11).

Der "Held" Pétain war übrigens tatsächlich für die Ehrung den Invalidendom vorgesehen (anders als die Macronie behauptet), jener Pétain, der nicht nur das "Statut des juifs" vom Oktober 1940 eigenhändig veränderte (zum Nachteil der Juden), sondern den Arbeitsdienst in Deutschland förderte (STO), die "Terroristen" der Résistance bekämpfen ließ, Léon Blum und Daladier den Schauprozess machen ließ, noch 1944 zum Kampf gegen die in der Normandie Gelandeten aufrief, jener Pétain, der - was in der Diskusssion bisher noch nicht erwähnt wurde - im Rif-Krieg 1925 und 1926, 10 Jahre nach Verdun, den äußerst massiven Einsatz von Senfgas gegen die Aufständischen befürwortete. Sie kennen dessen Wirkung besser als ich.

Nur kurz zu Danièle Obono, zu der ich schon vor Jahren einen Beitrag schrieb (der jungen Deputierten war von denselben Journalisten, die damals wie heute Macron medial absichern, vorgeworfen worden, sie liebe Frankreich nicht, obwohl sie alsAfrikanerin doch dankbar sein müsse). Obono ist, anders als Sie behaupten, nicht die einzige Abgeordnete, "die es in die NV schaffte". Es gibt noch einige andere, die es schaffen, beredt und klug die Macronie zumindest zu ärgern (Clémentine Autain, Mathilde Panot u.a.). Obono selbst kommt aus der imperialismus- und kolonialismuskritischen Tradition. Ihr selbst wird von der LEM und den rechten Parteien, auch den Sozialdemokraten, immer wieder eine gewisse Nähe zu den "Indigènes de la République" vorgeworfen.

Aber zum Schluss noch eine gute Definition eines konservativen, aber sehr klugen Mannes zum Krieg im 20. Jahrundert:

"ein gegenseitiges Massakrieren von Menschen, die sich nicht kennen zum NButzen von Menschen, die sich kennen, sich aber nicht massakrieren" (Paul Valéry)

RE: Macrons magical history tour | 09.11.2018 | 14:04

Selten habe ich so viele Ergänzungen zu einem Beitrag geschrieben, aber die Ereignisse dieser Tour, die immer mehr ihren magischen Charakter verliert, machen einen regelrecht schwatzhaft.

Da ist zum Beispiel die Rede des malischen Präsidenten Boubaccar Keita vor dem Denkmal "für die Helden der schwarzen Armee". Sie hinterlässt einen fassungslos. Kurze Auszüge:

- "Ausdrücken möchte ich die Dankbarkeit des malischen Volkes, des ganzen malischen Volkes, für die Ehre, die Sie uns gewähren, indem Sie mein Land mit diesem Gedenken assoziiieren..."

- "Dank an Frankreich und sein Volk für seinen scharfen Sinn für die Geschichte. Und ein aufrichtiger, tiefer und herzlicher Dank an Sie, Herr Präsident, für die Eleganz und die ruhige Gelassenheit, mit der sie diese Geschichte verkörpern und annehmen..."

- "Ich bringe Ihnen auch den herzlichen Gruß anderer Brudervölker Afrikas... und ihrer Kinder (!), die in der Savane oder den Wäldern Afrikas geboren (!), hieher kamen, um, in der Kälte ihr Blut auf dem ganz weißen Schnee ihres Landes, zu vergießen, für die großen Ideale der universellen Zivilisation( !)..."

- "... mehr als 200.000 afrikanische Kämpfer sind im Ersten Weltkrieg zur Hilfe herbeigeilt (!). Sie haben für das Empire (!) gekämpft...."

Gegen Ende schlägt der Präsident den Bogen zur Gegenwart, indem er in langen Sätzen die militärische Hilfe Frankreichs seit 2012 preist, die Hollande entschied, "ohne Zeit zu verlieren."

Und so hat nicht nur das Abschlachten der Poilus "Sinn" bekommen, klug geleitet vom "großen Soldaten" Pétain, sondern auch das willentliche Opfern großer Teile der armée noire am Chemin des Dames, den "Helden", wie man wieder gerne sagt.

In den Medien ging übrigens kaum jemand auf diesen kolonialistischen Diskurs ein. Die französischen Truppen und ihre Helfer kämpfen schließlich gegen die Terroristen in Malis Norden ... und für die weitere Ausbeutung der Uranminen im benachbarten Niger.

RE: Macrons magical history tour | 07.11.2018 | 16:41

Und schon tritt Macron in den Fettnapf. Es geht - wie zu erwarten - um den Heldenstatus des Chefs der Collaborateure ab 1940, dem Maréchal Pétain, zu dem Stellung zu nehmen man in Verdun nicht vermeiden kann.

„Man kann ein großer Soldat während des Ersten Weltkrieges gewesen sein und während des Zweiten (Weltkrieges) zu unheilvollen Entscheidungen gekommen sein“, so der Präsident in Verdun.

Unglückliche Formulierung, die passieren kann? Unkenntnis? Verharmlosung? Opfer seiner Mission?

Sein (v)erbitterter Gegner Mélenchon twittert:

"#Pétain ist ein Verräter und Antisemit.

#Macron, diesmal reicht es! Die Geschichte Frankreichs ist kein Spielzeug."

Da hat er recht.

RE: Macrons magical history tour | 07.11.2018 | 15:08

Angemessenes Gedenken kritisiere ich doch gar nicht, auch wenn klar ist, dass sie "Morts pour la Patrie" sind, weil es den Herren dieser Welt gefiel, dass sie für ihr Vaterland fielen. Und dass erst verspätet oder gar nicht, der Kolonialtruppen (die angeblich aus freiem Willen "halfen"), der Füsillierten und der Deserteure gedacht wurde, ist ebenfalls ein Faktum. Ich bin mir nicht sicher , dass alle Militärs und Veteranen beim Gedenken die letzteren im Sinn haben.

Nicht nur für mich ist es nicht angemessen, mit Syntagmen wie "auf dem Feld der Ehre" oder "dem Kampf der Soldaten einen Sinn geben" der Soldaten, von denen viele gezwungernermaßen Opfer, aber auch Täter waren (der Krieg ist das Verbrechen, weniger die Verbrechen im Krieg, sagt Alain) zu gedenken. Welchen Sinn, bitte schön, hat das millionenfache Verrecken und das millionenfache Töten und Verletzen von Menschen in anderer Uniform? Gleichzeitig sorgt der 1 Woche lang gedenkende Präsident für den Export der Rafales und anderer Hightech-Waffen, die momentan wohl "erfolgreich" auf der arabischen Halbinsel eingesetzt werden. Kurz nach der Wahl 2017 wurde Macron in Fliegeruniform vor einer Rafale (oder Mirage?)präsentiert. Frieden schaffen mit immer mehr Waffen? Den Eindruck des "Wir haben verstanden" erwecken, indem man den Tod so vieler junger Menschen betrauert, während zeitgleich 50.000 Nato-Soldaten in Norwegen Krieg spielen? Wie soll man das nennen? Hypokrisie? Chuzpe? Schauspielerei? Kalkül?

Natürlich ist Kakül dabei. Der Europa-Wahlkampt mit allen Werbemitteln ist eröffnet. Das große Thema der Macronie, Sie wissen es, ist der Kampf des Guten (der "Progressiven") gegen die Mächte der Finsternis (die Populisten, die Nationalisten). Die Verbindung Erster Weltkrieg, Dreißiger Jahre, Gegenwart soll Macron als Retter Europas präsentieren, so oberflächlich sie auch sein mag. Dem dient bisher - neben der Herabsetzung der Gegner mit allen Mitteln - ein schauriger Werbefilm (auf Steuerzahlerkosten) und die History Tour, die am 11. November unter dem Triumphbogen endet. Zum "unbekannten Soldaten" hat Tucholsky ein angemessenes Gedicht geschrieben (s.o.).

Was das deutsche Gedenken angeht, gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht. Bei diesem Thema landet man ja automatisch bei Tucholsky. Im Pyrenäenbuch schreibt der überrascht, wie menschlich die französischen Denkmäler zum 1. Wk. im Vergleich zu den martialischen deutschen Pendants sind. Und noch heute ehren Bürgermeister und Reservistenverbände "unsere" Toten, auch sie natürlich "auf dem Feld der Ehre gefallen", vor Denkmälern mit nationalistischen Inschriften und Zeichen.

Kurz: das zweitbeste Gedenken ist ein kurzes stilles Gedenken ohne militärisches Trara und ohne persönliche Show. Das beste Gedenken ist die konsequente Abschaffung der Rüstungsindustrie in Europa. Wäre dies Macrons Programm, er hätte nicht nur meine Stimme.

RE: Macrons magical history tour | 07.11.2018 | 08:58

Zwei Ergänzungen.

Nach der "Ehrung der Poilus" der Schlacht von Morhange im morgendlichen Nebel des "traurigen Novembers" (Heine), trotz der Niederlage (für die Werbestrategen ist hier das "trotz" wichtig), kümmert sich der Präsident am Nachmittag des 5.11. um die aktuellen wirtschaftlichen Probleme. A sa manière. Er spricht nicht mit Arbeitern und Gewerkschaftlern, die ihn vergeblich erwarten, sondern vor Unternehmern. Er begrüßt "den Geist der Neuerfindung und der Rekonstruktion" der Provinz "Großer Osten". Den Geist.

Aber trotz minutiöser Planung der Gedenk-Werbecampagne kommt es auch diesmal in Frankreich anders als erwartet. Großes Thema der Medien ist nicht die Präsidentenreise, sondern die bevorstehenden Blockagen des 17. November. Wie so oft in der frz. Geschichte erzeugt eine simple Steuererhöhung (allerdings der Dieselsteuer) den Zorn der Massen und erwischt die Macronie kalt. Macron verspricht im Radio Hilfen für die Bedürftigen (einen mtl. Benzinscheck von 20 Euro für Pendelstrecken über 30km), kann sich aber auch diesmal abfälliger Kommentare über die Wütenden nicht enthalten. Die Umfragen allerdings , in der Regel virtuos gehandhabte Instrumente der Regierenden, zeigen: 78% der Franzosen zeigen Verständnis für die Blockagen.

Mehrarbeit für die Marketingabteilung. Für politisch und historisch Interessierte wird es spannend: Wie wird der große Kommunikator versuchen, das Spiel zu wenden? Seine historischen Vorgänger befahlen in der Regel brutale Repression, um dem Volk - eine Jahre später - einige Brosamen zukommen zu lassen. Das reicht heute nicht mehr.

RE: Tour de France | 05.11.2018 | 17:05

Schön wäre es, wenn der französische Präsident einen "feinen Sinn für Symbolik" hätte. Mitterand hatte ihn. Macron packt jede Gelegenheit beim Schopfe, auch die billige der Gedenkpolitik. Symbolischer Overkill. Das ermüdet die Konsumenten seiner Politik, die sich von Symbolen nichts kaufen können. Vom Genuss unerträglichen Kitsches wird man nicht satt.

Sein Vergleich der heutigen Situation mit den dreißiger Jahren im Interview mit Ouest France, mit dem er sich auch noch zum Antifaschisten macht (der den Drachen Marine Le Pen und ihre Brüder schon wieder besiegt, dabei ist der Drachen genau dafür da, besiegt zu werden) , hinkt natürlich. In Frankreich war das wirksame Antidot gegen die Faschistenbewegung von 1934 die Solidarität der Gewerkschaften und der Front populaire von 1936, genau die Kräfte also, die der Präsident auf Dauer in die Kniee zwingen will, schon mit einigem Erfolg. Dafür stärkt willentlich er den Drachen.

RE: Macrons magical history tour | 05.11.2018 | 16:07

Tucholsky über den "unbekannten Soldaten" und umso bekanntere Politiker (Auszug)

...

An manchen Tagen wirst du schön bepredigt

von großen Tieren, Herrn vom Parlament –

(und alle Welt ist froh, wenn das erledigt).

Die Flamme brennt ...

Du bist der ihre, armer Junge!

Dich mit dem einen Bein, mit etwas Lunge,

dich, Opfer, namenlose Nummer:

dich brauchen sie – und desto stummer

du bist, je besser ists.

Für ihr Geschäft, Soldat:

Dich brauchen sie als ein Plakat –!

Du bist ihr Mann – der Mann der Generale!

Du bist ihr Mann – der Mann der Finanziers!

Du bist ihr Mann – der Mann der Prinzipale,

der Hausbesitzer und der Ehrenkomitees!

Sie stehn umher auf deinen Knochen.

Weit öffnet sich der Rednermund.

Tagsüber kommt das angekrochen

und schreit sich seine Kehle wund.

Minister, Offiziere, Grafen ...

Du hast die Nächte nur zum Schlafen.

Und kommt die Nacht, gehn sie mit schnellen Beinen

in ihre Kneipe, nehmen einen ...

Nachtschatten steigt. Du liegst allein.

So still ist es hier nie gewesen.

Schon kann man nicht mehr alle Namen lesen:

Eylau und Wagram – da im Stein ...

Auch da ist so viel Blut geflossen.

Für wen verströmt? Für wen vergossen?

Dunkel um dich. Und endlich hast du Ruh.

Alles ist fort. Die Schwärze deckt dich zu.

Es ging in blauer Dämmerung Schwaden

der letzte Kunde aus dem Laden ...

Für heute ist dein Leidenstag geendet.

Im Sternenlicht

unhörbar spricht

ein toter Mann:

»Ich hab vollendet.«

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 17.02.1925, Nr. 7, S. 245.

RE: Macrons magical history tour | 05.11.2018 | 15:02

Ach Columbus! Sie haben ja recht. Ich mag Macron nicht. Darum frage ich mich auch stets, ob ich nicht langsam genug über ihn geschrieben habe. Andererseits teile ich mein Macron-Bild mit sehr vielen Franzosen. Ich wage gar nicht, die Zitate wiederzugeben, mit denen der Philosoph Onfray, der Ideenhistoriker Taguieff oder der Historiker und Demograph Todd den Staatschef belegen. Da sind Macrons klassenverachtende "petites phrases" echt harmlos.

Ich "mißbrauche" also das berühmte Walter-Benjamin-Zitat. Wie bitte?

Ich "mißbrauche" also das Heine-Zitat. Wie bitte? "Ein Anwurf gegen das spezielle französische Gedenken" soll das einfache Zitat des "traurigen Monats November" sein? Vielleicht sollte ich solche Zitate .demnächst mit einer Interpretationshilfe versehen. In diesem Fall geht es um die Situation in Frankreich, die Verarmung großer Bevölkerungsgruppen, gerade im Norden, der nun vom Präsidenten besucht wird, der eben nicht noch heute sichtbar vom Krieg verwüstet wurde, sondern auch durch das neoliberale Laissez-faire les entrepreneurs! Macrons und seiner Vorgänger. Und wieder müssen Menschen um ihre - schlecht bezahlten - Arbeitsplätze bangen.

Man soll Macron nicht Caesar nennen dürfen? Selbst mit einem Verweis auf den historischen Mythos nicht, gemäß dem Vercingetorix dem Gaius Iulius die Waffen vor die Füße geknallt haben soll. Macron selbst hat sich neulich über die widerspenstigen Gallier lustig gemacht (er meint - historisch völlig daneben, aber in konservativer Tradition die Franzosen). Ich bitte Sie, Columbus.

Ich hätte es begrüßt, wenn Sie auf die offizielle Begründung des Elysée eingegangen wären ("dem Kampf der Poilus einen Sinn geben"). Welchen Sinn geben Sie denn der Schlächterei von Millionen Menschen? Glauben Sie wirklich an einen Sinn für das berühmte Sterben fürs Vaterland? Sinn machte es für die imperialistischen Kriegstreiber (die nicht so schlafwandlerisch waren, wie man heute wieder suggeriert) , wenn man denn die Erhöhung von Profitraten als Sinnbezeichnen mag. Der einzige Sinn kann nur sein: Nie wieder Krieg. Sind Sie sicher, dass der Dassault-Mann Macron dies garantiert? Die Waffenexporte sprechen dagegen, ziemlich eindeutig. Nun gut. Nach den Geschäften geht man ins Münster zum Friedenskonzert.

Ich bin überrascht, dass Sie nicht sehen wollen, dass die Macronie im Moment wieder einmal den alten Front national als Vogelscheuche aufbaut. Macron braucht Le Pen. Die "Progressisten" gegen die "Nationalisten". Da kommt die seit einem Jahr (!) geplante Memory-Tour gerade recht. Die "Progressisten", so die Botschaft, versöhnen die europäischen Staaten, die "Nationalen" spalten die Gemeinschaft. So wie Macon mit seiner Hommage an die Poilus heute die Republik versöhnt, indem er anschließend den Militaristen der Veteranenverbände die Hände drückt. Er bringt den Front damit wieder in Form. Ein gefährliches Spiel.

Erstaunt bin ich, dass Sie nicht auf meine historischen Gegenbeispiele eingehen, die unendlich erweiterbar wären. Ihr Satz "Die Truppen aus den Kolonien halfen zweimal" ist zwar in Teilen der konservativen Militärhistorie immer noch anzutreffen, im Geschichtsbewusstsein vieler Franzosen allemal, aber dass das "Helfen" oft ein "Gezwungensein" versteckte, wird immer klarer. Zum Beispiel der "Tiraileurs sénélagais", die nicht nur von deutschen Soldaten massakriert wurden, sondern nach der Befreiung auch von französischen Kolonialsoldaten, habe ich hier ein Blog geschrieben. Viele von ihnen hätten auf Ehrentafeln gerne verzichten können. Auch auf die Rede eines Präsidenten, dem das Gedenken zum Instrument geworden ist. Wenn er ihrer gedenken würde, vielleicht gönnt er ihnen ja eine Minute, mit Tremolo, versteht sich, sie könnten sich nicht einmal wehren.

RE: Macrons magical history tour | 05.11.2018 | 08:36

Macron und Steinmeier verzichteten in Straßburg auf große Reden. Das Präsidentenbüro hatte vorweg getröstet:

"Wir rechnen mit der Tatsache, dass es symbolisch klar genug ist" (ich habe extra so wörtlich wie möglich übersetzt).

Das Elysée muss aufpassen, dass der Präsident nicht einem symbolischen Overkill erliegt. Selbst der eher nüchterne Parisien titelte heute:

"In Straßburg singt Macron eine Ode an Europa und an den Frieden"

RE: Es ist ja gleich vorbei | 02.11.2018 | 10:51

"die die Ehe für alle als unnatürlich empfindet." - Ich weiß, was Du meinst, wwalkie, aber der Satz st so herrlich missverständlich. :-))

Ich war einfach zu faul für die Anführungszeichen. Überlegt hatte ich kurz, ob "empfindet" das richtige Verb ist, aber bei AKKs Religiösität ist das wohl angemessen. Doch wer weiß, vielleicht wird sie ja Deutschlands erste anarchistische Bundeskanzlerin (um dann natürlich sofort wieder abzudanken). Mir fällt gerade ein sehr schönes feministisches Plakat aus Frankreich ein:

"Ni Dieu ni Mec" - Weder Gott noch Macker. Was wohl die Mecs in der Christdemokratie, nicht nur der bayrischen davon halten?