„Hyäne Fischer“: Vulvavulkan und biblische Brachialsprache
Marlene Engels „totales Musical“ an der Volksbühne Berlin will hin zum goldenen Matriarchat. Das ist nett anzusehen, doch es fehlt eine erkennbare Sinnhaftigkeit
Wirklich besser als Hartz IV? „Bürgergeld“ klingt nach neoliberalem Blödsprech
Es wird viele Sitzungen gebraucht haben, bis eine Agentur auf „Bürgergeld“ kam, um die Reform von Hartz IV zu umschreiben. Semantisch ist das auch nicht besser, findet unsere Autorin
„The Crown“ Staffel 5: Die Fassade bröckelt
Die fünfte Staffel von „The Crown“ befasst sich mit einem besonders desaströsen Jahrzehnt des britischen Königshauses. Das mag ein Grund sein, weshalb Netflix in der Debatte über die Fiktionalität der Serie erstmals nachgibt
Zum Amüsement der Libertins
Der Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ von 1782 ist ein Spiel aus Intrigen und menschlichen Abgründen. Die Serienadaption von Lionsgate+ liefert jetzt eine „origin story“ zu den legendären Libertins. Und verdreht das Thema des Originals
„Tote Winkel“ bei Sophie Sumburane: Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung
Psychologisches Dickicht: Die Figuren in Sophie Sumburanes Roman „Tote Winkel“ belügen und manipulieren nicht andere, sondern in erster Linie sich selbst
Guns N’ Roses: Für immer Mo’fucker?
„Use Your Illusion I + II“ wird mit sehr viel Schnickschnack neu aufgelegt. Guns N’ Roses wirkten schon vor 30 Jahren komplett aus der Zeit gefallen, und doch kam man an ihnen nicht vorbei. Und heute?
Kunstaffin, diskursfähig: der Serienkiller in Ute Cohens „Falscher Garten“
So manch ein Psychothriller braucht hunderte von Seiten, in Ute Cohens „Falscher Garten. Eine schwarze Kapriole“ kommt die Autorin schneller zur Sache
Australien-Western „The Drover’s Wife“: Gewalt und Wildnis
Die Regisseurin Leah Purcell rückt in ihrem Australien-Western „The Drover’s Wife“ die Themen Kolonialismus, Rassismus und Misogynie in den Mittelpunkt
Michelangelo Frammartinos Film „Il Buco“: Ein echtes Höhlengleichnis
Michelangelo Frammartinos Film „Il Buco“ geht einer Höhlenexpedition von 1961 nach. Entstanden ist sehr viel mehr als eine Quasi-Dokumentation
Tod im Wahlkampf: Attica Lockes neuer Krimi „Pleasantville“
Schwarzer Demokrat gegen weiße Republikanerin: Die Stimmung im Bürgermeisterwahlkampf in Houston ist schon angespannt, da wird ein Mädchen getötet. Meisterhaft und spannend erzählt Attica Locke von der komplizierten texanischen Gemengelage
Podcasts zur WM in Katar: Gibt es das auch ohne Sepp Blatter?
Wer sich als Fußballfan kritisch mit den Bedingungen der WM in Katar auseinandersetzen will, dem bieten diese Podcasts eine gute Grundlage
Satirezeitung The Onion: „Trump ist der Kaiser, der zugibt, dass er nackt ist“
Seit 35 Jahren produziert die gefeierte US-amerikanische Satirezeitung und Website The Onion witzige und kritische Nachrichtenkommentare. Leicht hat es die Satire in letzter Zeit nicht angesichts einer Welt, die sich selbst parodiert
Odessas Techno-Szene im Krieg: Der Rauch von letzter Nacht
Odessa zog früher Technofans aus ganz Europa an. Heute wird die ukrainische Stadt am Schwarzen Meer täglich von Raketen beschossen, viele Künstler:innen kämpfen an der Front. Doch die Subkultur lebt trotzdem weiter
Theater und Proteste im Iran: „Es ist schwer, die Angst abzuschütteln“
Als Schauspielerin kennt die Theaterwissenschaftlerin Maryam Palizban die Szene im Iran sehr gut. Ein Gespräch über Frauen auf der Bühne, Theater als Vitrine des Regimes – und wachsenden Widerstand
Daniel Barenboims Nachfolge an der Berliner Staatsoper: Lieber ein Genie!
Seit Christian Thielemanns fulminantem Wagner-Dirigat an der Staatsoper Unter den Linden, ist er Kronprinz per Akklamation des erkrankten Daniel Barenboim. Der konservative Berliner gilt als unbequem. Gut so!
Historiker Tom Segev: „Ich wollte immer der Erzähler sein, nicht die Story“
Der israelische Historiker Tom Segev hat sich immer wieder kritisch mit der Mythenbildung seine Landes befasst. In seinem neuen Buch setzt er sich mit den Mythen der eigenen Familie auseinander – und erklärt, warum er sie schwerer begreift
Bugs Bunny siegt: Wagner an der Staatsoper Berlin ohne Kaninchen
Keine Kaninchen mehr und auch keine Meerschweinchen: Die Staatsoper in Berlin will ab Frühjahr 2023 keine (lebendigen) Kleintiere mehr als Requisiten für ihre Inszenierungen nutzen. Für Tierschützer:innen ist das ein Happy End
Pablo Neruda, Paketchaos, Benjamin Blümchen: Alles über Postbot:innen
In Filmen wie „Il Postino“ werden sie gefeiert, kaum ein Beruf hat so viel mit Liebe zu tun wie dieser. Heute will kaum noch wer Briefe oder Pakete austragen. Warum? Fragen Sie an Ihrem Briefkasten mal die, die es noch tun! Unser Lexikon
Sie kleckert nicht, sie klotzt: 60 Jahre zurückgehaltene Aufnahmen von Barbra Streisand
60 Jahre lang hielt Barbra Streisand Aufnahmen aus einem New Yorker Club zurück, in dem sie, mit gerade mal 18 Jahren, für 125 Dollar die Woche sang. Jetzt erscheinen sie auf dem Album „Live at the Bon Soir“
„V13“ von Emmanuel Carrère: Der Jahrhundertprozess zum Bataclan-Terroranschlag
Die Gerichtsreportagen des Schriftstellers Emmanuel Carrère über den Bataclan-Prozess liegen jetzt in dem Band „V13“ vor. Das Buch wirft unangenehme Fragen über den Autor auf
Der Tod auf der Bühne: Wie, sterben?
Lange verdrängt, ist der Tod in den Westen zurückgekehrt. Zum Glück scheuen die Theater die Konfrontation nicht
„Ringe der Macht“ und „House of the Dragon“: Fantasy als Gegenwartsbeschreibung
In Serien wie „Die Ringe der Macht“ und „House of the Dragon“ zeigt sich, dass die Katastrophen unserer Gegenwart am besten im Fantasy-Genre beschrieben werden
Die Königin von Indiewood: „Causeway“ mit Jennifer Lawrence
In „Causeway“ kehrt Jennifer Lawrence zurück ins sozialrealistische US-Kino abseits der Blockbuster – und genauso auch zurück zur rohen Intensität ihrer frühen Rollen
„Negar“ an der Deutschen Oper Berlin: Erschütternd, weil es wahr sein könnte
Basierend auf Recherchen in Teheran haben Marie-Ève Signeyrole und Keyvan Chemirani ein Stück über Freiräume und Ohnmacht, Liebe und Verrat geschrieben. Das ist so aktuell, dass man als Kritiker kapitulieren muss