Der folgende Blog sind Gedanken zum Titelthema der aktuellen Druckausgabe des Freitag.
Die Texte von Kraftklub lassen aufhören, sie sind ehrlich und spiegeln die erlebte Realität wieder. Und doch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Wären die Jung...>> mehr
2012 erleben wir den definitiven Weltuntergang, wenn wir denn daran glauben, was uns so manche Propheten glauben machen wollen. Manche berufen sich dabei auf die Maya, die diesen Weltuntergang schon lange vorher gesagt haben. Nun wissen wir, dass die Maya e...>> mehr
In der aktuellen Ausgabe des FREITAG rezensiert Florian Schmidt das Buch von Gerritt Hoekman "Pogo, Punk und Politik", erschienen im Unrast Verlag 2011.
Der erste Satz der Rezension lautet:" Ist Punk eigentlich politisch?". Er geht auf die Sex Pistols und d...>> mehr
Es gibt ausser Uli Hoeneß wenige Manager, deren Name so eng mit einem Fussballclub verbunden sind. Willi Lemke vom SV Werder Bremen, ja, er war so einer. Zusammen mit Otto Rehagel machte er die Norddeutschen zu einer der ersten Adressen im deutschen F...>> mehr
Es ist der südliche Stadtrand von Berlin. Hier finden sich keine Hochhäuser, die Straßen werden von drei - und viergeschossigen, jahrzehntealten Häusern gesäumt. Neben den Supermärkten von Rewe, Aldi und Netto existieren gleic...>> mehr
Liebe Katharina, wenn heute ein Gericht Journalisten freispricht,obwohl sie gegen Paragraphen verstoßen haben, so ist dies eine Erwähnung wert. Ist es doch heute immer mehr der Fall, dass Journalisten in der Freiheit der Mittelwahl,um an Informationen zu gelangen, eingeschränkt werden. Das Recht der Öffentlichkeit, umfassend informiert zu werden, rechtfertigt eben auch den Einsatz unkonventioneller Methoden, genau das zeichnet ja den investigativen Journalisten aus. Und wer kaltblütig Menschen ermordet, der darf sich nicht hinter dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung verstecken dürfen. Insofern bedeutet das Urteil aus Eschweiler auch eine Stärkung der Rolle von Journalisten als Vermittler von Wahrheiten. Schön, dass Sie darauf aufmerksam gemacht haben. Liebe Grüße Rolf Netzmann
Die Texte von Kraftklub lassen aufhören, sie sind ehrlich und spiegeln die erlebte Realität wieder. Und doch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Wären die Jungs aus dem Ruhrgebiet, würde die mediale Aufmerksamkeit, auch im FREITAG, viel geringer sein. Weil sie aber aus Chemnitz kommen, werden sie gehypt. Nur warum eigentlich? Macht es denn heute wirklich noch einen Unterschied, ob junge Männer aus den neuen oder aus den alten Bundesländern die Realität auf die Bühne bringen? Scheinbar schon. Die Mitglieder der Gruppe haben die DDR nicht mehr bewusst erlebt, sie sind hineingewachsen in die Bundesrepublik. Nur hat in ihrer Kindheit und Jugend der andere deutsche Staat immer noch existiert, und zwar in Form der Eltern, Verwandten und Bekannten der Erwachsenen. Sie haben vielleicht einen Geschichtslehrer gehabt, der schon den Vater oder die Mutter unterrichtet hat. Und sie haben in Gesprächen mit den Eltern erlebt, dass dieser Lehrer die Zeit von 1933 – 1945 heute anders darstellt als früher. Das fängt schon bei den Begriffen an, heute heißt es Nationalsozialismus, früher Faschismus. Sie haben vielleicht gehört, dass die Eltern über die Arbeit der Treuhandanstalt gesprochen haben und dass diese ihren Betrieb plattgemacht hat und sie heute in einer Auffanggesellschaft arbeiten dürfen. Die Eltern oder andere Erwachsene haben vielleicht geäussert, dass sie sich als Deutsche zweiter Klasse fühlen.Und dass hat hre Kinder eben auch geprägt, neben dem Erleben der Welt, in die sie hineingewachsen sind, gab es noch eine andere, real nicht mehr existierende, aber immer noch vorhandene Welt der Erinnerung in ihrem sozialen Umfeld. Es war damals in allen neu entstandenen Bundesländern eben eine Zeit nicht nur der Umorientierung und des Neuanfangs, sondern auch eine Zeit der Hoffnungen und Enttäuschungen. Von der DDR haben sich ihre Bürger abgewendet, ihre Hoffnungen und Wünsche setzten sie auf die Bundesrepublik. In Sachsen war es Kurt Biedenkopf, der diese Hoffnungen als erster Ministerpräsident erfüllen sollte. Dies um so mehr, weil Biedenkopf immer eine öffentliche Distanz zum Kanzler der deutschen Einheit hielt. Biedenkopf war der Prototyp des fürsorglichen Landesvaters, und er pflegte seinen Mythos, dass er einer der „Putschisten“ gegen Kohl war, neben Heiner Geißler und anderen. Nur konnte Biedenkopf die in ihn gesetzten Erwartungen nie erfüllen, weil er erstens auch viel zu sehr im politischen System der alten Bundesrepublik verhaftet war und zweitens, weil der Abbau der Industrie in den ehemaligen DDR-Bezirken Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt, aus denen das Bundesland Sachsen entstand, auch durch ihn nicht aufzuhalten war. Und so kam es zur zweiten Enttäuschung der dort lebenden Deutschen. Die rasche Deindustrialisierung des ehemals hochindustrialisierten Sachsen, die dadurch rasant steigende Arbeitslosigkeit schufen eben auch menschliche Tragödien. Die Neuansiedlung beispielsweise von Opel in Eisenach oder IBM in Dresden konnte diese Entwicklung auch nicht verändern, es waren eben nur die hoch gelobten „Leuchttürme“ inmitten einer plattgewalzten Brache. Und dies war der Nährboden für rechtes Gedankengut. Nun ist es falsch zu sagen, dass die Nazis erst ab 1990 auftauchten, es gab sie schon seit 1986/1987. Der erste Naziüberfall auf ein Konzert alternativer DDR-Bands fand schon 1987 in der Berliner Zionskirche statt und es es sollte nicht der letzte sein. Der Boden existierte bereits, auf dem die Aufbauhelfer aus den alten Bundesländern aufbauen konnten. Das trifft nicht nur auf Sachsen zu, auch auf andere neue Bundesländer. DVU- Fraktionen in zwei Legislaturperioden im Brandenburger Landtag, NPD-Fraktionen in der zweiten Legislaturperiode in den Landtagen Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns sprechen eine deutliche Sprache. Doch das ist nur das offen sichtbare. Rechte Kameradschaften, Wehrsportgruppen und im geheimen operierende Netzwerke sind das andere, viel gefährlichere. Wo die Menschen keine Zukunft mehr sehen, wo vieles, was ihr Leben früher ausmachte, zusammen gebrochen ist, da hat es rechte Ideologie leicht. Auch die NSDAP wurde in der Weimarer Republik erst nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 so stark, dass sie 1933 als stärkste Fraktion in den Reichstag einzog. Gleiches hat sich, natürlich modifiziert, nach 1990 in den neuen Bundesländern wiederholt. Hier fanden sowohl DVU und NPD ein Klima vor, in dem ihre einfachen Antworten auf die drängenden Fragen nicht hinterfragt wurden, als auch rechtsradikale Gruppen unter den Jugendlichen genügend Anhänger, weil sie denen eine vermeintliche Zukunft bieten konnten. Und weil der Staat dem nichts entgegensetzte, weil neben Arbeitsplätzen auch Jugendfreizeiteinrichtungen ersatzlos gestrichen wurden, hatten es beispielsweise die Jungen Nationaldemokraten leicht, in diese Lücke zu stoßen. Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe als „Zwickauer Terrorzelle“ sind das sicherlich traurigste und bekannteste Beispiel dafür. Sie glitten wie viele andere ab in den braunen Sumpf, nur sie gingen noch viel weiter, wurden immer radikaler und schließlich zu Mördern. Sie fanden in rechtsextremen Gruppen einen Halt, den sie in der Gesellschaft nicht mehr zu finden glaubten. Sie identifierten sich immer mehr mit dem Gedanken, dass die Ausländer an allem Schuld sind, eine Aussage, die sich in den Wahlplakaten der NPD in simplifizierter Form ebenfalls wiederfindet. Und sie handelten brutal, weil sie dies als für sich notwendig erachteten. Ihre menschenverachtende Ideologie aber erhielten sie im braunen sächsischen Untergrund, der nach 1990 entstanden ist. Diese geschichtliche Entwicklung gilt es mit zu beachten, um KRAFTKLUB richtig zu verstehen. Sie haben Erfolg eben auch deshalb, weil sie ihr bisher gelebtes Leben und die Realität, in der sie sie sich bewegen, offen und klar artikulieren. Dieser Erfolg sei ihnen gegönnt, keine Frage, nur baut er eben auf den letzten 20 Jahren auf. Bleiben sie sich selber treu und bringen sie diese Realität weiter auf die Bühne, dann ist dies ein Stück Normalität in Deutschland, nicht mehr und nicht weniger. Die Frage bleibt aber auch, wie gehen wir heute mit dieser historisch in den letzten zwanzig Jahren gewachsenen Situation um. Mit der Generation der heute ab 65- jährigen und älter sowie der heute ab 45-jährigen leben in Deutschland zwei Generationen, die sowohl die DDR als auch die Bundesrepublik bewusst erlebt haben und heute erleben. Sie können nicht nur vergleichen, sie können auch etwas einbringen in das vereinigte Deutschland, wennn man sie denn ließe. Sie bringen ihr Leben natürlich in das Berufsleben ein, viele Arbeitgeber der alten Bundesländer stellen gerne Arbeitnehmer aus den neuen Ländern ein, weil sie wissen, dass diese arbeiten können und verläßlich sind. Das ist auch nicht gemeint. Vielmehr geht es darum, Lebenserfahrung und gewachsene Ansichten in die heutige Gesellschaft einzubringen. Wenn im FREITAG Artikel über den 13. Februar in Dresden der heutige sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich als Opportunist bezeichnet wird, so mag das sachlich richtig sein. Es demonstriert aber auch, dass er dies in der DDR gelernt hat und , das klingt jetzt hart, der Ossi eben so ist. Es lohnt sich aber, einmal darüber nachzudenken, wie der Ossi wirklich ist, mal davon abgesehen, dass es Millionen sehr unterschiedlicher Ossis gibt. Eine Simplifizierung auf Opportunismus ist hier wenig hilfreich. Wenn wir wirklich ein einig Deutschland werden wollen, gehört dazu auch, das Leben von Millionen Menschen anzunehmen. Unterschiedliche Mindestlöhne für Ost und West gehören nicht dazu. Equal pay for equal work war früher eine Forderung, um die Diskriminierung berufstätiger Frauen zu beenden, was bis heute nicht erreicht wurde. Es sollte heute eine Forderung sein, um die immer noch real existierende Diskriminierung ostdeutscher Arbeitnehmer zu beenden. Auch das wäre ein Beitrag zu Vollendung der deutschen Einheit.
In der aktuellen Ausgabe des FREITAG rezensiert Florian Schmidt das Buch von Gerritt Hoekman "Pogo, Punk und Politik", erschienen im Unrast Verlag 2011. Der erste Satz der Rezension lautet:" Ist Punk eigentlich politisch?". Er geht auf die Sex Pistols und die deutsche Band Slime ein, deren Debütalbum mit dem Song "Bullenschweine" 1981 auf dem Index landete. Punk, so lautet das Fazit dieser lesenswerten Rezension, gab es nicht nur in Europa, sondern bis heute auch in der arabischen Welt, wie die Band Mazhott aus Damaskus, in Lateinamerika wie Los Saicos aus Peru, quasi weltweit in unterschiedlichen Variationen. Ja, Punk ist politisch, das zeigt schon seine Entstehung. In London Ende der 70-er, Anfang der 80-er entstanden die ersten Punkbands, zeitgleich in den USA, wie die Ramones, die sich schon 1974 gründeten. Nun werden die Sex Pistols immer als das Beispiel genannt, dabei sind sie nur ein Beispiel dafür, wie gut sich der Punk von den großen Plattenfirmen, immer auf der Suche nach neuen Trends, verkaufen ließ. Authentischer blieben da Bands wie 999 oder Shame 69, beide auch aus London, die nie bei einem Major Label unterschrieben haben und sich selber und ihren Ursprüngen immer treu blieben. Slime oder die Band Abwärts aus Hamburg sind Beispiele für authentischen deutschen Punk . Bei deutschem Punk muss zwischen dem Punk in der Bundesrepublik und dem Punk bis 1990 in der damaligen DDR unterschieden werden. Gerade letzterer ist ein deutliches Beispiel für politische Artikulation in einer Zeit beginnender Agonie. Der bundesdeutsche Punk ist untrennbar mit zwei Gruppen verbunden, die ihn öffentlichkeitswirksam präsentierten, den Düsseldorfer Punkrockern der Toten Hosen und der Berliner Band "Die Ärzte". Gerade die Düsseldorfer um ihren Frontmann Campino zelebrierten in ihren Anfangsjahren Punk mit allem, was für sie damals dazugehörte, Krawall, Schlägereien, Polizeieinsätze, Drogen und Alkohol. Sie waren aber auch immer politisch aktiv, spielten in Wackersdorf und setzten ihre beginnende Popularität für den Kampf gegen rechte Gewalt ein. Ihr Song "Sascha, ein aufrechter Deutscher" ist ein eindringliches Plädoyer gegen Nazis.Ihr Engagement gegen Ungerechtigkeit und für eine bessere Welt ist bis heute geblieben. "Schrei nach Liebe" von den Ärzten ist ebenfalls ein Titel, der mit den Mitteln der Punkmusik auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam macht. Bis heute sind nicht nur diese beiden Gruppen, sondern auch die vielen nur lokal/regional bekannten Punkbands ein Beispiel für das politische Bewusstsein vieler Punkmusiker. Besonders deutlich wird das ab 1986 in der DDR. Hier entstanden abseits des staatlich geförderten Musikbetriebes, für den stellvertretend die Bands Karat, Silly oder City stehen, Bands, die die Realität des bereits in Agonie fallenden sogenannten real existierenden Sozialismus schonungslos beim Namen nannten. Sie spielten Anfangs unter dem Schutz der Kirchen in Gotteshäusern und waren verboten. Sie traten auf Privatkonzerten auf, wurden nicht im Radio gespielt und mussten immer mit Schikanen der Staatsmacht rechnen, bis hin zur Verhaftung. Und doch hatten sie ihr Publikum, weil sie authentisch waren, weil sie die Lebenswirklichkeit in harte Musik und Texte packten, weil sie von dem sangen, was sie selber jeden Tag erlebten. Politischer geht es nicht. Feeling B ist so ein Beispiel, eine Band, in der mit Flake Lorenz und Paul Landers zwei Musiker auf der Bühne standen, die heute bei den Megastars RAMMSTEIN spielen. Feeling B waren Stars der aufkommenden Punkszene der DDR, auch dank ihres Mitgliedes Aljoscha Rompe, der einen Schweizer Pass besass, der ihm einen gewissen Schutz vor der Staatsmacht bot. Die Skeptiker um Eugen Balanskat waren eine weitere Band, die Punkrock aus dem DDR-Nischendasein führte. Sie waren auch Begleitband des Liedermachers Gerhard Gundermann, der zu Beginn seiner Karriere rotzig-freche Texte sang, in denen er ungeschönt das Leben, sein Leben, in der End-DDR beschrieb. Als dritte Band, es gab natürlich noch viel mehr, sei SANDOW erwähnt, eine Cottbusser Gruppe, die mit "BORN IN THE GDR" eine der bekanntesten Punkrockhymnen schrieb. All diese Bands artikulierten das Lebensgefühl einer Jugend, die ausbrechen wollte und nicht konnte. Sie beschrieben eine Lebenssituation, die sie selber täglich erlebten, ein Eingesperrtsein in einem System, das ihnen keine Freiheit gab, sich selber zu verwirklichen. Und damit stehen sie in einer Tradition zu den Punkbands der 70-er und 80-er Jahre, die eben dieses Lebensgefühl ja auch in einer erfrischend anderen Musik, laut, schrill, mit harten Riffs, provokanten Texten und Auftritten artikulierte. Punk ist im Ursprung deshalb politisch, weil er das Lebensgefühl einer jungen Generation artikuliert, die in den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen keinen Platz findet, weil diese Gesellschaft ihr keinen adäquaten Platz geben möchte. Punk ist Ausdruck einer Revolte mit musikalischen Mitteln von jungen Menschen, die so ihre Wünsche, Sehnsüchte und Vorstellungen von einer Welt, wie sie sie sich wünschen, auch herausbrüllen, die sich auflehnen gegen erstarrte Vorstellungen einer Generation, von der sie sich nicht verstanden fühlen. Und, Punk hat natürlich auch die Pop- und Rockmusik beeinflusst, ihr neue Impulse gegeben und sie weiterentwickelt. Punk wird es immer geben, und mit ihm auch immer politische Botschaften.Die Geschichte des Punk nicht nur als Musikrichtung, sondern auch als eine Lebenseinstellung mit entsprechendem Outfit hat gezeigt, dass es Punkern immer auch um Veränderung bestehender Verhältnisse ging, dass sie sich ihren Platz nach ihren Vorstellungen im Leben erkämpfen wollten. Die Musiker brachten diese Lebenseinstellung auf die Bühne, die Punker lebten es. Um Missverständnissen vorzubeugen, damit meine ich nicht die Punker auf der Strasse, die betteln, das ist wieder ein anderes Thema, sondern diejenigen, die nicht alles hinnehmen, die hinterfragen, die ihr eigenes Leben in die Hand nehmen und gleichzeitig für andere da sind, die helfen ohne auf den eigenen Vorteil zu schielen. Dabei ist das Alter der Menschen völlig egal, es gibt auch über 50-jährige, die diese Musik immer noch hören, sich nie haben verbiegen lassen und einfach so leben, wie sie es wollen. Und dieser Punk wird immer existieren, als Menschen, die ihn leben und als Musik, die diese Einstellung auf die Bühne bringt, laut, mit harten Riffs, provokanten Texten, aber manchmal auch sehr einfühlsam wie die Toten Hosen mit "Auflösen", einem wunderbar melancholischen und nachdenklichen Song.
Herr Angele, es war in der DDR-Wendezeit, als ich mit den Skeptikern erstmals ein Punk-Konzert erlebte. Ich hatte fast alle Rock-Größen der DDR live erlebt, und dies war anders. Es war eine andere Stimmung, es waren andere Texte, geradlinig, offen und ehrlich. Die Skeptiker sangen das, was Alltag war, ungeschönt und schnörkellos. Das meine ich mit authentisch, die Zuhörer konnten sich identifizieren mit dem, was sie hörten. Im übrigen geht es mir mit den Toten Hosen oder den Ärzten heute noch so. Und diese Ehrlichkeit der Texte macht für mich Authentizität aus. Und das war eben bei 999 oder Sham 69 auch so, sie sangen Alltag. Lesen sie mal bei der Biografie der Toten Hosen nach, wie Campino und Co diese Konzerte erlebten, die sie musikalisch ja auch prägten. Dass einer der Musiker von 999 nach seiner Musikkarriere als Friedhofsgärtner arbeitete, ist für mich ebenfalls ein Zeichen von Authentizität, sich selber immer treu bleiben und sich nicht verkaufen. Und darauf gründet sich eben auch Erfolg, der über Jahre anhält. Wenn britische Punkbands von Nazis sangen, so war das Alltag, den sie eben nicht ignorierten. Im übrigen hat es schon am 17.Oktober 1987 auf ein angebliches Punkkonzert in der Berliner Zionskirche einen Überfall von etwa zwei Dutzend Skinheads gegeben. Die Band auf der Bühne war an diesem Tag -- Element of Crime, nun wahrlich nicht punkig. Und diese Überfalle häuften sich im Laufe der End-DDR-Phase, weil die Feindschaft von "linken"Punkern und "rechten" Skinheads sich zunehmend zementierte. Auch der langjährige Security Chef der Toten Hosen, Manfred Meyer, berichtete immer wieder von Bedrohungen der Musiker durch Rechtsextreme, die er und sein Team abwehren mussten.
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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