Meines Erachtens herrscht hier eine gewisse Begriffsverwirrung. Geist und "Tiefe des Denkens" machen für sich alleine den Intellektuellen im klassischen Verständnis nicht aus.
Der Begriff entstand wohl in Frankreich im Zusammenhang mit der "Dreyfus-Affäre" Er kennzeichnete da die hohen Beamten, Künstler und Wissenschaftler, die sich in einem aufsehenerregenden öffentlichen Protest gegen die antisemitisch motivierte Anklage gegen den Hauptmann Dreyfus wandten.
Intellektuelle sind seitdem Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft, die sich mit dem Gewicht ihrer bekannten Namen in öffentliche Angelegenheiten mischen. Die Namen unter den Alten sind Legion. Heutzutage bei uns z.B. Ralph Giordano, Alice Schwarzer sowieso, und Margot Käßmann natürlich.
Letzteres Beispiel zeigt: Intellektuelle sind den Herrschenden nur als ideologische Wegbereiter willkommen. Wehe, wenn nicht! Dann werden sie von intelligenten Propaganderministern als (jüdische) Volksverhetzer beschimpft, von Kanzlerkandidaten (Erhard) als Pinscher usw. Auch im Ostblock gab es meines Wissens entsprechende Tendenzen der pejorativen Konnotation des Begriffs, z.T. ebenfalls mit antisemitischen Tendenzen.
Solange das Internet also tatsächlich dazu herausfordert, "nicht nur Wissen und Meinung zu haben, sondern die eigene Stimme zu erheben" (kay.kloetzer), wird es die Intellektuellen nicht zugleich hinwegraffen.
Ausgabe 10/10
11.03.2010
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