Kein Dienstag ohne die Alyschen Provokatiönchen. Jetzt wärmt er die These von der Integration durch Beschweigen auf. Nazis seien Neodemokraten geworden. Neodemokraten wie der Lüneberger Staatsantwalt Ottersbach, der in den auf das KPD-Verbot folgenden Prozessen durch besonders hohe Strafanträge gegen Kommunisten auffiel und sein Amt 1965 wegen seiner früheren Tätigkeit als Ankläger am Sondergericht Kattowitz aufgeben musste. Der Generalbundesanwalt Immerwahr (welcher Name in diesem Kontext!) war schon wenige Monate nach seiner Ernennung 1962 suspendiert worden, weil er an der Beantragung von circa 50 Todesurteilen gegen "Politische" beteiligt gewesen sein soll. Etc. Etc. (vergl. A. von Brüneck, Politische Justiz). Wenn diese nach Aly eigentlich "linken" Postnazis demokratisch integriert wurden (und dies unter anderem durch Kommunistenverfolgung beweisen durften, was sie schließlich gelernt hatten), sollte dies nach der seiner Identitätstheorie doch auch für die ehemaligen Kommunisten gelten. Zumal diese auch noch als "normale Deutsche "geadelt werden. Ich fürchte nur, dass dies für die "normalen Deutschen", die uns sagen, was wir denken sollen, doch etwas zu weit geht.
Mir scheinen in dem Beitrag von Aly vor allem zwei Thesen hervorzustechen: 1."Nicht wenige Deutsche identifizieren Rechts mit Böse und Links mit Gut. Ihrem geschichtlichen Durchblick hilft das nicht....
Aly wollte anscheinend in seinem FR-Kommentar belegen, dass die NSDAP eben doch "links" war. Normalerweise geschieht dies durch Verweis aufs NSDAP-Programm, auf die soziale Zusammensetzung der SA, die Strasser-Gruppe, den Berliner Verkehrsbetriebe-Streik. oder durch Hinweis auf frühere sozialistische Karrieren (Mussolini). Aly möchte - vermute ich - den "linken" Gegenargumenten zuvorkommen, indem er unter anderen ziemlich disparaten Belegen ein Blochzitat von 1924 (nicht 1919) heranzieht, aus dem nun wahrlich nicht hervorgeht, dass die Partei (die es 1919 nur prototypisch gab) "links" war, sondern nur, dass klassenbewusste Proletarier (im Verständnis Blochs) manipulierbar waren - was keiner bestreiten kann (manipulierbar auch in die andere Richtung, nur damit ich hier nicht als ewiggestriger Revolutionsromantiker erscheine). Das von mir angeführte Blochzitat aus demselben Text zeigt nun überdeutlich, wie der Bloch von 1924, den Aly als Referenzautor ins Spiel bringt, die NSDAP und die Völkischen insgesamt sieht: als Partei der Gegenrevolution - und damit das Gegenteil von Links, wie es Bloch (damals) sah. Kein guter Gewährsmann für seine These. Für genaue Zahlen wäre ich auch dankbar.
Eine realitätsprinzipielle Einschätzung der Hollandeschen Positionen, die ja die unterschiedlichen Strömungen des PS widerspiegeln. Und ich fürchte, ja, ich glaube, Hollande wird im zweiten Wahlgang nicht gewählt. Zunächst unterscheidet er sich inhaltlich nicht wirklich, besser: wirksam vom Präsidenten, den so viele nicht mehr ertragen, den sie aber diesem Langweiler Hollande vorziehen werden. Die Personalisierung, die Sie ansprechen, wird das ihre tun. In der heutigen FR war ein Photo zu sehen, das Hollande neben Gabriel zeigte. Die beiden sind noch nicht einmal gemeinsam so stark wie Merkelsosie. Die Personalisierung hat sich der PS übrigens selber zuzuschreiben (teilweise): Primaires zu institutionalisieren und einen Hollande zu kreißen (auch wenn der behauptete: je suis neuf), ist kein Zeichen von Klugheit. Der Zug zur Mitte, den Hollande wahrscheinlich einschlagen wird (ausgeglichener Haushalt, der "Mittelstand", wahrscheinlich wird er auch die Lohnkosten reduzieren wollen - wegen der Konkurrenzfähigkeit Frankreichs, versteht sich), auch nicht gerade. Sie merken, dass ich Hollande nicht besonders viel zutraue. Das wäre egal, wenn es vielen Franzosen nicht auch so ginge.
Mir scheinen in dem Beitrag von Aly vor allem zwei Thesen hervorzustechen: 1."Nicht wenige Deutsche identifizieren Rechts mit Böse und Links mit Gut. Ihrem geschichtlichen Durchblick hilft das nicht....
Mir scheinen in dem Beitrag von Aly vor allem zwei Thesen hervorzustechen: 1."Nicht wenige Deutsche identifizieren Rechts mit Böse und Links mit Gut. Ihrem geschichtlichen Durchblick hilft das nicht....
Ich habe mir das Blochtext noch einmal angeschaut. Aly schreibt: "Im Mai 1919, nach der Räterepublik, beobachtete Ernst Bloch, was dann geschah: "Dieselben Menschen, welche bei Eisners Begräbnis in zahllosen Trauerzügen die Straßen geschwärzt hatten, brülltemn den Sozialisten nach dem Hosiannh das Kreuzige, hetzten die Führer von gestern in den Tod.- Von heute auf morgen wechselten die Fahnenschäfte den Sowjetstern mit dem Hakenkreuz." Bloch sah "auch organisiertes Proletariat" am Werk, nicht allein verelendete Kleinbürger, sondern die "rachsüchtige, kreuzigende Kreatur aller Zeiten". Er zitiert nicht folgenden Passus: "Es ist vor allem der Typus Hitler und derer, die nach ihm sich bilden, charakterologisch und formal stark revolutionär. Desto erkennbarer sind die Ziele dieser Schar, trotz aller Verworrenheit, nur der völlig gegenrevolutionäre Willensausdruck versinkender Schichten und ihrer Jugend. Schon die zwanzigtausend Dollars der Nürnberger Industrie zeigen an, wie die Bourgeoisie sich gar nicht bedroht fühlt, wie sie der neuen, scheinbar kapitalfeindlichen Staatsmystik ohne Schreck gegenübersteht. Engels nannte den Antisemitismus den Sozialismus der dummen Kerls, wobei das nicht-jüdische Kapital und vor allem das Grundkapital vortrefflich gedeiht. Der Sozialismus des Kavaliers, der patriarchalisch-reaktionäre Antikapitalismus, ist ein noch viel größeres Mißverständnis oder vielmehr ein offener Betrug ..." Übrigens erschien der Blochtext 1924 zum Hitlerprozess, und nicht 1919, wie Aly suggeriert.
alys artikel ( www.fr-online.de/meinung/kolumne-zur-steinbach-debatte-wie-links-war-die-nsdap-,1472602,11584232.html ) ist im ressort MEINUNG abgelegt. als solche, nämlich als meinung, lass ich sie du...
bonjour, cuchulainne. Natürlich unterscheide ich zwischen Zeitungskommentar und Wissenschaft, nur bedeutet Kommentieren ja wohl nicht, die Zusammenhänge zu vergessen und frei zu assoziieren nach der Methode "Ach, da fällt mir noch ein. Meinecke, einer unserer besten Historiker, hat mal geschrieben...". Und um nicht beim sterilen Spiel Behauptung-Gegenbehauptung zu bleiben, habe ich in meinem kurzen Beitrag - ausgehend von Toozes bestens dokumentierter "Ökonomie der Zerstörung" nur EIN Beispiel der evidenten Kollaboration von Industrie ("alter" und "moderner" übrigens) und NSDAP-Führung erwähnt und dem Toozeschen Begriff der "willing partners" zugestimmt. Dass die NSDAP keine "Ausgliederung" des Arbeitgeberverbandes, des "Reichsverbandes der Deutschen Industrie" war, sollte Konsens sein. Nur - und da bin ich anderer "Meinung": die berichtete Episode und die "Adolf-Hitler-Spende" haben für das historische Urteil eine ganz andere Relevanz als z.B. des noch unbekannten Hitlers Auftauchen im Trauerzug für Eisler oder auch bestimmte Sozialgesetze im "Dritten Reich", die Aly nicht im Kontext analysiert, sondern - wie gesagt - assoziierend erwähnt, um seine und Steinbachs These zu belegen. Dass allseitiger Lektürebedarf besteht, aber ja!
Heute, in diesen Zeiten mit 'postdemokratischen' Tendenzen, haben die herrschenden und privilegierten Kreise der Gesellschaft mehr denn je ein Interesse daran, Faschismus (wohlweislich genannt 'Nation...
Den beiden Kernthesen der marxistischen Faschismusanalyse möchte ich - wie Uwe Theel - zustimmen. Eine kritische Revision der Faschismustheorien überhaupt - angesichts der neuen Forschungsergebnisse- und thesen - ist dringend geboten - auch angesichts der krisenbedingten Zukunft (aber, aber: damit wird man heute noch nicht einmal Juniorprofessor). Dem Glückwunsch an Theweleit schließe ich mich gerne an, die Lektüre der "Männerphantasien" gehört nach wie vor zu den besten Antidots gegen den Faschismus.
Danke für den Hinweis. Diese Sezessions-Texte sind oft merkwürdig konstruiert. Sie wollen der Aufgabe genügen: Wie schreibt man Nazitexte, ohne als Nazi direkt, sondern nur indirekt erkennbar zu sein? Erkennbar aber möchte man schon sein. Ein augenzwinkerndes, aber nicht justiziables Einverständnis. Für manche eine echte Herausforderung. Ein Thrill. Götz Aly ist natürlich meilenweit davon entfernt. Vielleicht sieht er deshalb nicht, wessen Spiel er spielt.
Nachtrag: Die Monde diplomatique schreibt online einen ziemlich kritischen Artikel über das Camusbild Onfrays, der wie folgt endet: "Es ist absolut nicht sicher, ob Camus alle Komplimente geschätzt hätte, mit denen man ihn seit einiger Zeit bedenkt, angefangen von Nicolas Sarkozy ... bis zu den 'libertären Hedonisten'" (12.1.12). Es ist wohl immer viel Gegenwart in den "Vorbildern".
Neulich im Supermarkt. Ach nee ... Nein? Dann das! Eine "süße Auseinandersetzung", eine "süße Maus", "das Mädel", dessen Gesicht "aufleuchtet", dabei ist die Kleine "ganz brav". Und am Ende glaubt die Autorin dieser Infantilitäten, "10 Kinder, oder 20, oder 30 ... dumme süße Mäuse um (sich) haben" zu können. Und Herr Katzer möchte gar "werden wie die Kinder", und zwar "unbedingt", was selbst DandelionWine ins Grübeln bringt. Ach nee!
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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