Alltag

Enthüllt | 02.02.2012 12:20 | Klaus Raab

"Du wilde Spaghettinudel"

Der Verfassungsschutz beobachtet und überwacht Politiker der Linken. Wir haben die Akten exklusiv eingesehen und drucken hier die heikelsten Passagen

Der Verfassungsschutz beobachtet mehrere Dutzend Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke und überwacht sie zum Teil mit geheimdienstlichen Methoden. Warum? Oder sollte man besser fragen: warum nicht? In den Akten der Politiker findet sich zwar manche Belanglosigkeit, aber auch die eine oder andere extrem heikle Passage, die wir hiermit leaken.

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Akte Lötzsch, Gesine: Politisch unberechenbar

Beobachtungsobjekt Lötzsch wird als politisch unberechenbar eingestuft. Es schrieb mit seinem westdeutsch-harmlosen Ko-Parteivorsitzenden Klaus E. am 9. August 2011 an „den lieben Genossen Fidel Castro“ zu dessen 85. Geburtstag. Das Objekt bescheinigt Castro, er kön­ne „voller Stolz auf ein kampferfülltes Leben und ein erfolgreiches Wirken an der Spitze der kubanischen Revolution zurückblicken“.

Am 10. August 2011 blätterte das Objekt in einer Stadtbibliothek jedoch, nach verstohlenem Umschauen, im Reiseführer USA und entlieh ihn schließlich ungeniert. Der Bibliotheksdame sagte sie, das Buch wirke „ganz interessant“. Bei der Rückgabe enthielt es neongelbe Markierungen; unterstrichen waren u.a. die Begriffe „Disneyland“ und „Wasserrutsche“.

 

Akte Pau, Petra: Radikale Schnitte

Beobachtungsobjekt Pau schreckt vor besonders radikalen Schnitten nicht zurück. (Frisurfotos s. Anhang.) Bei einem Friseurbesuch am 4. Mai 2010 liest es Focus Money, 2x verschwörerisches Kopfschütteln.

 

Akte Bartsch, Dietmar: Systemfrage

Beobachtungsobjekt Bartsch telefonierte am 12. Dezember 2011 via Skype mit einer Kontaktperson. Unter anderem war von einem Systemsturz die Rede.

Bartsch: Guten Morgen, xxx, na, was gibt’s Neues aus’m Saarland?

xxx: Kaffee is alle, ich muss einkaufen.

Bartsch: Wo gehste hin? Seid Ihr eigentlich noch Aldi Süd oder schon Nord?

xxx: Ach, ich geh einfach schnell zum Bäcker rüber.

Bartsch: Das ist doch viel teurer.

xxx: Ja, aber ist echt am einfachsten, wegen der paar Kröten, wir haben’s doch. (Gelächter auf beiden Seiten.) Was gibt’s denn?

Bartsch: Du, ich wollt bloß mal hören, wie die Stimmung so ist. Was macht denn unser Freund O.?

xxx: Den hab ich gestern noch beim Jauch gesehen. Der oberste Hemdknopf war offen, sah leider nicht schlecht aus, da hat ihm die Wagenknecht vielleicht mal ein paar Anziehtipps ...

Gespräch wird unterbrochen, wenige Minuten später wieder aufgenommen.

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Bartsch: xx? Ah, da biste ja wieder. Was war denn das jetzt wieder? Die Scheißcomputer, ich glaub’, das System ist gestürzt.

xxx: (lacht) Das heißt abgestürzt, du alter Sack, du klingst wie die Wagenknecht!

(Schallendes Gelächter.)

 

Akte Wagenknecht, Sahra: Nähe zu extremistischer Gewalt

Beobachtungsobjekt Wagenknecht verkehrt privat mit Oskar L., der 1989 maßgeblich an der Verfassung des bis 2007 gültigen „Berliner Programms“ der Partei SPD beteiligt war. Darin heißt es (Quelle: Wikipedia): „Die Sozialdemokratie ...will ... beides: Demokratie und Sozialismus“. L. gilt als Kritiker der im Prinzip regierungsfähigen Partei SPD. Während er aber selbst von harmloser Herkunft ist, wurde das Beobachtungsobjekt Wagenknecht, Sahra in Jena geboren.

(Recherchenotiz für Kleinressort „Rechtsextremismus“, ggf. zur Prüfung: Lt. Wikipedia ereigneten sich in Jena 95-97 mehrere Straftaten mit extremistischem Hintergrund. Dies würde eine Nähe von Objekt Wagenknecht zu Gewaltbereiten belegen.)

 

Akte Wawzyniak, Halina: Körpereinsatz gegen bürgerliche Gesellschaft

Beobachtungsobjekt Wawzyniak schreckt im Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft nicht davor zurück, ihren Körper einzusetzen. Am 27. Mai 2009, kurz vor dem Bundestagswahlkampf, besprach sie (in Anwesenheit unseres als Tätowierer getarnten V-Manns) ihre Wahlkampfstrategie mit dem „Körperdesigner“ Kevin P.

Wawzyniak: Kevin, ich hab gehört, die Lengsfeld von der CDU will ihr Dekolleté auf ihre Wahlplakate drucken. Voll peinliche Nummer, sieht aus wie die Merkel damals in der Oper.

Kevin: Woah, das Foto mit diesem Schallplattenständerausschnitt, oder was? Krass.

Wawzyniak: Ja, urst krass, aber zieht natürlich total die Augen im Kiez, da mach ich mit der gewohnten Sachkompetenz im Wahlkampf keinen Stich, Kev, ich brauch was Besseres. Haste ne Idee?

Kevin: Puh, also was ich ... Na ja, also Strichcode auf die Stirn, das wär ein Statement, so anti gegen kapitalistische Ausbeutung des Menschen.

Wawzyniak: Ja, endsgeil ... Aber haste vielleicht mehr was so mit Arsch?

Kevin: Na ja, Arschgeweih läuft gut.

V-Mann (schaltet sich subtil ins Gespräch ein, um politische Motivation zu er­gründen): Melde gehorsamst Zwischen­frage an: Ist das nicht zu bürgerlich für Sie?

Wawzyniak: Nee, find ich nicht, ich meine, da muss natürlich was urst Swagges draufstehen, „Socialist“ oder so was halt.

Kevin: Hali, du wilde Spaghettinudel!

Wawzyniak: Aber Kev, hey, muss schon wieder abgehen hinterher, is klar.

Kevin: Ein Rubbeltattoo? For real?

 

Akte Bockhahn, Steffen: Unterwanderungsversuche

Beobachtungsobjekt Bockhahn ist Mitglied im Vertrauensgremium des Bundestags, das unseren Etat kontrolliert. Aufgefallen ist er im Gremium durch betont belanglose Einwürfe, die den Verdacht nahelegen, er überspiele einen Unterwanderungsversuch; so bat er um „mehr Kaffeegebäck“.

Zudem wurde er 2x bei der Lektüre der Zeitung Die Welt beobachtet, was auf die Beobachtung und u.U. Überwachung der Gegner im Kalten Krieg schließen lässt.

 
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