Alltag

52 Filme | 12.02.2010 12:00 | Mikael Krogerus

Ich wäre gerne C-3Po (See-Threepio)

So schnell geht ein Jahr vorbei. Nachdem er 52 Bücher gelesen hat, schaut sich unser Kolumnist nun jede Woche einen Film an. Zum Auftakt Teil IV von "Krieg der Sterne"

52 Bücher sind genug – in den nächsten 52 Wochen sieht Autor Mikael Krogerus 52 Filme an und kommentiert sie immer freitags auf freitag.de. Zum Auftakt seiner neuen Kolumne schreibt er über Star Wars IV – Krieg der Sterne (1977), Laufzeit 120 min.

Warum habe ich es gesehen?

Mein Sohn (8) und seine Klassenkameraden reden seit zwei Monaten von nichts anderem als Star Wars. Sie reden dabei ganz offensichtlich von Dingen, von denen sie keine Ahnung haben, denn – das haben Recherchen ergeben – keines der Kinder hat die Filme je gesehen. Brisant: ich auch nicht. Also schaunmermal.

Worum geht es?

Der moralische Überbau und die komplizierten Seitenverästelungen erinnern ein bisschen an die Bibel. Grob geht es um Folgendes: Das Gute (angeführt von der etwas spröden Prinzessin Leia) bekämpft das Böse (angeführt von einem Psychopathen – Grand Moff Tarkin – und seinem schwarzgekleideten Sidekick Darth Vader, der aus unerklärlichen Gründen durch eine Gasmaske atmet). Als Gasmaske das Raumschiff der Prinzessin erobert, schickt diese in allerletzter Sekunde zwei Roboter (R2D2 und C-3PO) mit einem Hilferuf in den Orbit.

In der Folgezeit bildet sich um die anrührenden Roboter eine Gruppe von mehr oder weniger rebellischen Figuren, die der Prinzessin zu Hilfe eilen wollen. Da ist der ewig-optimistische Luke Skywalker, der freiberufliche Weltall-Cowboy Han Solo und sein treuer Gefährte Chewbacca, ein haariger Choleriker. Sowie der alte Ben Kenobi– ein Mystiker im Besitz einer merkwürdigen Fähigkeit, „die Macht“ genannt; die Macht ist eine, wie soll ich sagen, Mischung aus NLP, Telepathie und Extrem-Christentum, mit der er fremde Gedanken lenken kann.

Was bleibt hängen?

Die Droiden R2D2 und C-3PO. Wenn R2D2 sich in der Wüste eine Sanddüne hochquält, dann ahnt man für einen wunderbaren Moment, wie es wohl ist, als Roboter über Sand zu laufen. Die beiden zutiefst menschlichen Figuren rauben dem harten Han Solo und dem langweiligen Luke Skywalker klar die Show. Aber was heißt eigentlich zutiefst menschlich?

Was ist eigentlich die Konzeption von „menschlich“ in diesem ganzen Zirkus? Die Grenzen zwischen Mensch/Roboter/Außerirdischen verschwimmen, klar, aber die Nicht-Menschen nehmen interessanterweise die niederen menschlichen Eigenschaften wie Neid, Habgier, Angst oder Unsicherheit an. Was bedeutet es, dass George Lucas die ganz großen Schritte dann doch den echten Menschen überlässt? Darf das „Menschliche“ nur in Form von Blechmaschinen als schwach und angreifbar daherkommen? (noch mal drüber nachdenken).

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Diese Figur wäre ich gern:

C-3PO („See-Threepio“), ein konfliktscheuer, etwas ängstlicher Roboter, dessen Zusammenspiel mit R2D2 an ein altes Ehepaar erinnert und einen mit Vorfreude an das Altwerden denken lässt.

In dieser Szene bin ich eingeschlafen:

Die Rebellen kehren zurück vom Raumschiff der Bösen, Leia ist gerettet, Wan Kenobi geopfert, alles gut. Als ich zufrieden die DVD aus dem Laufwerk nehmen wollte, stellte ich erschrocken fest, dass dies erst der Auftakt zu einer finalen Luftschlacht war …

Ist das was für meinen Sohn?

Ja, aber: Ja, weil die liebevollen Details, mit denen hier suggeriert wird, dass nicht nur Menschen Verstand und Herz haben, meinen Sohn von etwas überzeugen wird, das er schon lange geahnt hat. Aber, weil verschiedene Figuren (von Darth Vader bis zu den Sand-People) ihm schlaflose Nächste bereiten werden.

Was sehe ich als nächstes? Precious

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Beste Einrichtung schrieb am 12.02.2010 um 22:00
Ja, mir gehts genauso. Aber ich finde grandiose Luftschlachten im luftleeren Raum, eine heisse Suppe auf dem Tisch, Liebe und ein sauberes Klo ist das was kleine Menschen erfreut. Vieleicht noch in Verbindung mit guter Musik.. . Hmmmmmm.
Mikael Krogerus schrieb am 17.02.2010 um 14:48
die luftschlacht ist der joint des kleine mannes, oder wie? stimmt vermutlich, aber wie sie unten richtig ausführen, würde man sich ja für die nächste Generation irgendwie eine Abkehr von dieser die welt nur unzureichend beschreibenden gut/böse-codierung wünschen… was gibt es da für filme?
Beste Einrichtung schrieb am 12.02.2010 um 22:21
"Jedem Kind sein Trauma"
klingt zwar zweifelhaft. Doch wählen wir die Methoden der Anpassung (das Vorleben) ja selbst. Lachen über USA/Iran 2010 und fiebern in der Luftschlacht mit R2D2 und C-3PO auch 2010 ("mit den Kindern zum Sieg des Guten") zeigen später Früchte und schliessen sich nicht aus. Verlass Dich drauf, ein Krieg mit China 2040 machen unsere Kinder nicht mit. Wo bleibt da R2D2? Westerwelle und Kissinger können für immer k....n gehen.
ich schrieb am 18.02.2010 um 18:24
@Mikael Krogerus
Nachdem ich den Artikel im Print-Freitag gelesen hatte, musste ich doch innerlich den Kopf schütteln. Falls Sie Ihre Liste fürs Jahr noch nicht voll haben, würde ich Ihnen zur Strafe gerne etwas empfehlen.
Mit freundlichsten Grüssen.
ich
Mikael Krogerus schrieb am 18.02.2010 um 19:29
Film-Empfehlung? Gerne, immer her damit.
ich schrieb am 18.02.2010 um 22:20
Tip 1:
BARRY LYNDON
Ein Kostümfilm von Stanley Kubrick. Er drehte diesen Film weil er sein Napoleon-Projekt nicht verwirklichen konnte, jedoch seine Recherchearbeit nicht ungenutzt lassen wollte. Der Film ist wie ein Barockgemälde, vor allem da nur mit natürlicher Beleuchtung gearbeitet wurde. Hier bestünde die Strafe darin dass der Film volle 3 Stunden lang ist. Das ist aber immer noch schneller als das Buch von William Makepeace Thackeray (Autor von Vanity Fair) zu lesen.

Tip 2:
AUF BRENNENDEM EIS (ON DEADLY GROUND)
ist ein Action-Film mit Steven Segal, bei dem er selbst Regie führte. Hier bestünde die Strafe darin, dass es wohl der schlechteste Film ist, den ich je gesehen habe. Der Film trieft von pathetischer Eitelkeit und im Kontext der Narration lächerlich naiv dargebotener Gewalt. Achten Sie besonders auf die Stelle an der der Held erklärt, warum er jetzt alle totmachen muss. Hier ein kleiner Vorgeschmack: »Denkst du wirklich, dieser Hokuspokus-Geisterkram wird uns jetzt helfen? […] Ich liebte die Geisterwelt und deinen Vater. Aber das ist jetzt unwichtig. Was zählt, ist die kalte, harte Realität dieser Welt. Damit müssen wir es jetzt aufnehmen. Ich will nicht zu Gewalt greifen. Ich habe keine Wahl und gehe diesmal kein Risiko ein, weil ich das nicht kann.«
Mikael Krogerus schrieb am 18.02.2010 um 22:32
Barry Lyndon klingt doch gut, Auf brennendem Eis habe ich, wenn ich mich recht entsinne gesehen (war 1994 oder 1995 eine zeitlang Eisverkäufer in einem Kino - damals gab es noch diese Eiswerbe-Unterbrechung – und durfte alle Filme umsonst sehen, die dieses Kino zeigte; es war ein Kino mit einem sehr schlechten Programm. Spielt nicht die weibliche Hauptrolle ein ehemaliges Baywatch-Girl? Das später auch den Detroit-Pistons-Rebounder Denis Rodman ehelichte?!)
ich schrieb am 19.02.2010 um 09:35
Na dann bin ich mal auf die Rezension von »Barry Lyndon« gespannt. Die Aufmerksamkeit wäre auch nicht ungebührlich, da er bei IMDB immerhin unter den besten 250 Filmen verweilt.

Im Seagal-Film hat die Frau Electra (sie meinten ja wohl die Ex-Ehefrau von Dennis Rodman, Carmen Elektra) nicht mitgespielt. Das war dann eher eine hübsche Chinesin, die eine Indianerin gegeben hat. Ich habe den Seagal-Film auch nur einmal im Fernsehen gesehen. Danach war mir schlecht, aber nicht eben nicht von der Gewalt.

PS: Im Kino arbeiten, ist das Teil der Genese eines Journalisten (wie z. B. bei Jörn Kabisch)? Das wäre ja mal eine interessante Feststellung, mit der man die Welt um ein Klischee bereichern könnte.
ich schrieb am 19.02.2010 um 13:04
Noch ein kleiner Nachtrag: vielleicht haben Sie ja auch »Alarmstufe Rot« (»Under Siege«) in Ihrer Kinozeit gesehen. Da springt nämlich mit Erika Eleniak ein Baywatch-Girl der ersten Staffel aus einer Torte. Das ganze spielt auf einem Schiff, das von Tommy Lee Jones gekapert wurde. Der war immerhin nicht so unterirdisch, so dass man auf die Idee kam noch eine Fortsetzung zu drehen.

PPS: Da sie sich nun dem Film zugewandt haben, dürfen Sie sich schon jetzt auf ein Jahr nerdiger Kommentare freuen.
Mikael Krogerus schrieb am 19.02.2010 um 13:16
Das ist es! Genau. Danke! Ich war schon ziellos und zunehmend frustriert auf IMDB herumgesurft, auf der Suche nach der Tante, die in einem Seagal-film aus der Torte sprang. Eleniak war natürlich nie mit Rodman – schon klar. Aber ich widerspreche Ihnen: "Alarmstufe rot" war grottenschlecht. (Jetzt passts auch zeitlich, denn ich war nicht 1994, sondern 1993 als Eisverkäufer im Kino – und Alarmstufe rot lief 1993 an.)
Freue mich ausgesprochen über Ihre Nerd-Kommentare! Das könnte ein gutes Jahr werden.
ich schrieb am 19.02.2010 um 21:59
Na wenn Sie »Alarmstufe Rot« schon schlecht fanden, dann können Sie mit »Auf brennendem Eis« auf jeden Fall ihre Schmerzgrenze austesten.
Jan-Wilhelm Kornfeld schrieb am 20.03.2010 um 16:26
Barry Lyndon hört sich toll an, es wäre interessant diesen Film mal auf die Frage zu untersuchen warum er einen so fasziniert: Die Schauspieler bleiben Staffage - mal abgesehen von Leon Vitali als junger Lord Bullington - die einem kaum im Gedächtnis bleiben. Die Geschichte von Auftieg und Fall eines Emporkömmling in Kriegszeiten ist sicher zeitlos aber...reicht das? Vielleicht ist es eher die Tatsache dass der "Jedermann" Lyndon mit seinem Streben nach Anerkennung allzu menschlich ist und man für dieses Scheusal Mitleid empfinden kann wenn er einen mit traurigen Augen und verstümmelten Beinen vom Krankenbett anschaut. Mal abgesehen von der Musik die einem nicht aus dem Kopf geht.


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