Alltag

Oral History | 04.09.2009 13:45 | Thomas Meinecke

Die Deutschland-Collage

Drei Autoren treffen sich, um über ihre Heimat zu plaudern. Herausgekommen ist ein ganz besonderer Deutschland-„Sound“ aus Begriffen, Personen und Ereignissen

Buch der Woche: Die Bundesrepublik Deutschland von Thomas Meinecke / Klaus Walter / Frank Witzel

Originalveröffentlichung
Broschur, 192 Seiten
€ 16 (D)
ISBN 978-3-89401-600-5
Erschienen August 2009
Edition Nautilus

Der Verlag zum Buch:

Dass Pop als Weltaneignungsmodell taugt, haben die Autoren und Musiker Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke schon in ihrem Rede-und-Antwort-Buch Plattenspieler unter Beweis gestellt. In Die Bundesrepublik Deutschland dreht sich ihr Gespräch nicht mehr nur um generationstypische und stilbildende Musik, sondern um die Menschen, Bilder und Sprechweisen, die auf sehr verschiedene Art für die BRD prägend waren.

Wann etwa sagte man überhaupt »Deutschland«, und was drückte es aus, wenn man die Abkürzung BRD verwendete? Bis wann waren Kioskbesitzer und Lehrer alte Nazis, und wann ist einem das aufgefallen? Worauf gründete sich der ideologische Konsens repressiver Toleranz, und woher rührte der Widerstand dagegen?

Mit solcher Art Fragen unterwandern »die Drei von der Punkstelle« (WoZ) die in diesem Jahr zu erwartenden Gedenkreden zu 60 Jahren BRD und 20 Jahren Mauerfall – oral history live!

Leseprobe:

 

Thomas Meinecke: Adenauer in seinem Rosengarten auf einem Bild, das vergilbt war, bevor ich überhaupt auf die Welt kam, eine Art Dia in Blau-, Weiß-, Rottönen wie bei Jacques Rivettes…

Klaus Walter: Und spielt Boccaccio.

Frank Witzel: Wer hat das gesagt?

KW: Irgendwer hat gesagt: Adenauers Lieblingsspiel war Boccaccio.

FW: Das ist eigentlich typisch, dass man damals eben noch nicht wusste, wie es wirklich heißt.

KW: Fernweh der Deutschen. Capri. Capri-Fischer. Zwei kleine Italiener.

FW: Es ist also alles Mitte der Fünfziger, der Höhepunkt der Bundesrepublik…

TM: Einer der Höhepunkte.

FW: Eurovision ist für mich auch so ein Kennzeichen für die Bundesrepublik, obwohl es Eurovision heißt.

TM: Weil Deutschland diese Vision von Europa hatte.

KW: EWG, Einer wird gewinnen.

FW: Hatte ja schon Hitler, die Vision von Europa, und der europäischen Währung übrigens.

TM: Vielleicht sogar von einer Weltwährung, oder?

FW: Ja.

TM: Aber ihr habt nicht dieses verblichene Adenauer-Bild vor euch? Also der Mann kommt aus einer anderen Zeit, schneidet in so einem komischen Ländchen die Blumen, und ist so off in Bonn, also Bonn…

FW: Bad Godesberg.

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TM: … ist für mich der magische Zirkelpunkt dieser ganzen Inszenierung.

KW: Ausgangspunkt war ja eigentlich BRD, und nicht Bundesrepublik Deutschland, ich finde diese Abkürzung…

TM: Ich finde dieses Ausgeschriebene…

 

© Edition Nautilus, Hamburg 2008

 

Aufgrund von Absprachen mit den Verlagen, die uns die Leseproben zur Verfügung stellen, können wir diese nur für eine begrenzte Zeit online stellen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

 
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Artikelaktionen
Kommentare
marsborn schrieb am 06.09.2009 um 12:45
Westdeutschland-Collage wohl eher, hm? Maxim Biller, der sich so nach der guten alten BRD sehnt, wird das hier sicher mit Freuden lesen... Ansonsten Goethe (Weimarer Periode): Getretner Quark wird breit, nicht stark.


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