Anlässlich des Studententags fanden in der vergangenen Woche Demonstrationen der Opposition in Teheran statt. Dabei wurde der Student Majid Tavakoli verhaftet, nachdem er eine mitreißende Rede gehalten hatte, in der er sich für mehr Demokratie aussprach. Am darauf folgenden Tag veröffentlichten regierungsnahe Zeitungen Bilder, auf denen Tavakoli im Hijhab mit Tschador und Kopftuch zu sehen ist. Der Hijab wird von Frauen getragen, die sich streng an die Kleiderordnung halten, die im Iran vorgeschrieben ist. Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob das Bild mit Hilfe von Photoshop erstellt wurde oder ob man Tavakoli gezwungen hat, den Schleier anzulegen.
Unabhängig davon steht fest, dass die Bilder ihn und mittelbar die gesamte Oppositionsbewegung der Lächerlichkeit preisgeben sollten. Die Veröffentlichung solcher Bilder hat in der iranischen Politik eine ganz besondere Bedeutung:1981 wurde dem zu diesem Zeitpunkt in Ungnade gefallenen iranischen Präsidenten Abu l-Hasan Banisadr nachgesagt, er habe sich beim Verlassen des Landes als Frau verkleidet. Gewiss ist dabei lediglich, dass er bei seiner Ankunft in Paris ohne den bis dahin für ihn charakteristischen Schnurrbart fotografiert wurde.
Rote Karte für die Opposition
Das Bild eines Mannes in Frauenkleidern steht im Iran für die Beleidigung und Infragestellung seiner Sexualität und Männlichkeit. Politisch bedeutet die Anspielung auf Banisadr eine Art rote Karte: Die konservative und regierungsnahe Presse hat der Oppositionsbewegung schon mehrfach gedroht, dass ihr das gleiche Schicksal bevorstehe wie dem abgesetzten Präsidenten.
Banisadr war einst die rechte Hand Chomeneis und wurde bei den ersten Wahlen nach der Revolution mit einem starken Mandat zum Präsidenten gewählt. Dann aber überschätzte er gewaltig seine Unterstützer-Basis und ließ sich auf einen Machtkampf mit dem Ayatollah ein. So gelangte er auf kürzestem Wege vom Zentrum der Macht in den Status eines Pariah. Die Botschaft an die standhaften und bislang vereint agierenden Führer der Oppositionsbewegung, Mussawi, Chatami und Charubi, ist eindeutig: „Verwechselt eure Popularität nicht mit Macht. Es war das System, das euch mit Macht ausgestattet hat und wenn ihr euch mit ihm anlegt, manövriert ihr euch sehr schnell ins gesellschaftliche Abseits!“
Frauen sind kein Accessoire mehr
Den Herren, die den Propagandakrieg gegen die Opposition führen, mangelt es also nicht an Geschichtsbewusstsein. Von Soziologie haben sie allerdings offenbar keine Ahnung: Innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung des Bildes posteten hunderte junge Iraner Bilder, auf denen sie in Kopftüchern, Bettdecken und anderen Arten improvisierter Hijabs zu sehen waren:
Die iranischen Oppositionellen von heute lassen sich von der zu ihrer Bekämpfung verwendeten Symbolsprache nicht von ihrem Anliegen abbringen. Sie eignen sie sich vielmehr selbst an und wenden sie gegen das sie unterdrückende System. An der Oppositionsbewegung von heute zeigt sich auch, wie stark sich die politische Bedeutung der Frauen im Iran in den vergangenen dreißig Jahren seit der islamischen Revolution gewandelt hat: Heute stehen sie bei Protesten in der vordersten Reihe. Sie sind die Ehrenplakette, nicht nur ein Accessoire.
Zu den Schlüsselfiguren gehören Zahra Rahnavard und Shirin Ebadi, Neda ist ihre bekannteste Märtyrerin. Die Oppositionsbewegung hilft dabei mit, die Vorstellung davon, was es bedeutet, eine Frau zu sein, in der Sprache des zeitgenössischen Iran neu zu definieren. Auf einer der populärsten iranischen Internetseiten heißt es: „Sei ein Mann. Schick uns dein Bild als Frau.“
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Witz und Ironie sind Gift für Diktatoren und religiöse Fundamentalisten. Wie sagte der blinde Jorge von Burgos in "Der Name der Rose": „Lachen tötet die Furcht. Und ohne Furcht kann es keinen Glauben geben.“ Wer den Teufel nicht mehr fürchte, brauche keinen Gott mehr: „Dann können wir auch über Gott lachen.“ (nachgeschaut bei Wikipedia).
Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Perser mit Witz und Ironie die Mullahs aus dem Land jagen und ich unbeschwert durch diesen wundervollen und geschichtsträchtigen Landstrich reisen kann. |
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Wer hätte das gedacht, dass die Mullahs die Emanzipation befördern? Weiter so!
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09.02.2012
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