Politik

Goma | 04.02.2009 16:10 | Lutz Herden

Bürgerkrieg im Ostkongo

Die immer wieder auflackernden Kämpfe in der kongolesischen Kivu-Provinz sind entscheidend auf den Völkermord von 1994 in Ruanda zurückzuführen

Andrea Jeska beschäftigt sich als Autorin und Reporterin seit geraumer Zeit mit dem traumatischen Erbe des Völkermords in Ruanda zwischen April und Juni 1994.

Sie schrieb im Freitag unter anderem über das "Kigali Memorial Centre" als einen der Orte des Erinnerns und Gedenkens in der ruandischen Hauptstadt. 

Als im Herbst 2008 in der Kivu-Provinz, im Osten der Republik Kongo, zwischen den vorrückenden Rebellen des Tutsi-Generals Laurent Nkunda und der kongolesischen Nationalarmee heftige Gefechte aufflammten, berichtete Andrea Jeska zunächst aus der ruandischen Grenzregion, später aus dem Raum Goma und beleuchtete insbesondere das Schicksal der Zehntausende von Flüchtlingen. Sie schilderte deren Versorgung durch die UN und internationale Hilfsorganisationen, aber auch den verzweifelten Versuch der Betroffenen, den durch Flucht und Vertreibung verlorenen Faden des Lebens wiederaufzunehmen.

Jeska hatte während dieser Recherchen auch Gelegenheit, mit James Kaberebe, dem Generalstabschef der Armee Ruandas, über die Unausweichlichkeit des Kriegs im Osten des Kongo zu sprechen und über die spezifischen Interessen Ruandas, die sich immer noch aus den schockierenden Ereignissen des Jahres 1994 ergeben, aber auch mit dem Umstand zu tun haben, dass die Täter von damals bis heute im Ostkongo ein Refugium gefunden haben: Hutu-Extremisten der Interahamwe-Milizen die sich im Kongo neu formiert haben und von der heutigen Regierung des Präsidenten Joseph Kabila nicht ernsthaft daran gehindert wurden.

 
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Kommentare
maritainberlin schrieb am 16.02.2009 um 14:58
Die Berichterstattung scheint hauptsächlich von Leuten geschrieben worden zu sein, die sich mit Ruanda erst seit dem Genozid von 1994 befassen. Ruanda hat eine lange Geschichte, die doch bedenkenswert ist. Ich würde gern noch einmal darauf hinweisen, dass es in Ruanda keine verschiedenen Ethnien gibt, die beiden Volksgruppennamen bezeichneten lediglich die Klassen der Gesellschaft, d.h. die herrschende Klasse der Tutsi und die ihnen untergebene Masse der Hutu.
In der Interhamwe gab es nicht nur Hutu sondern auch Tutsi. Der Begriff inyenzi (Kakerlaken) wurde, wie ich von verschiedenen Seiten gehört habe, von Tutsirebellen, die bereits 1962 im Norden Ruandas eindrangen, verwendet und zwar als Kampfname. Frankreich war nie Kolonialmacht in Ruanda, wie es in einem anderen Zeitungsartikel geschrieben wurden. Frankreich war die wichtigste Unterstützungsmacht der Habyarimana Regierung, nachdem durch einen gescheiterten Putschversuch (1979 oder 1980) Belgien in Verruf geraten worden war.
Ich fände es auch interessant, wenn über die Änderung der europäischen Verkehrssprache geschrieben würde. Wem nützt es, wenn jetzt nicht mehr Französisch gelehrt und verwendet werden soll? Was wird aus allen den qualifizierten Leuten, zumal Präsident Kagame einen Mangel an Fachleuten beklagt?
Ich bin aber sehr interessiert, weitere Artikel über diese Region zu lesen.


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