Das Trillerpfeif-Konzert und die „Lügenpack“-Rufe, die am Dienstagabend durch das Rathaus der baden-württembergischen Landeshauptstadt hallten, haben unmittelbar gezeigt, was viele Gegner von Stuttgart 21 vom Ausgang der Schlichtung halten. Tatsächlich beschränken sich die von Heiner Geißler vorgestellten Ergebnisse auf einige Verbesserungen mit Empfehlungscharakter (siehe Kasten). Was jetzt von der Spitze des Bahnkonzerns und aus den Reihen der Union als beispielhafter Erfolg gefeiert wird, lässt Stuttgart 21 das Negativsymbol deutscher Bahnpolitik bleiben. Die Proteste gegen das Milliardenprojekt werden weiter gehen. Und dafür gibt es gute Gründe.
Denn „Merkels Baustelle“ ist zugleich Ausdruck eines generellen Trends. Auf dem Weg von der Bundes- zur Börsenbahn büßen auf diese Weise immer mehr Bahnhöfe ihren Charakter als öffentliche Räume und Kulturdenkmäler ein. Während einige Hauptbahnhöfe wie in Berlin, Dresden, Köln und Leipzig zu prestigeträchtigen „Geschäftswelten mit Gleisanschluss“ umfunktioniert wurden, herrscht in den ländlichen Regionen oft Tristesse.
In den so genannten peripheren Bedienungsgebieten müssen Fahrgäste nicht selten mit bröckelnden Fassaden, von Schlaglöchern durchsiebten Bahnsteigen, zugigen Unterständen, überquellenden Mülleimern und kaum ausgeleuchteten Durchgängen vorlieb nehmen. Die zu Bundesbahnzeiten eingerichteten Bahnhofsmissionen werden aufgegeben, der private Betreiber McClean hat einen Exklusivvertrag für die Bereitstellung von Toiletten mit der Deutsche Bahn AG geschlossen, und private Sicherheitsdienste vertreiben Obdachlose. Dass alle besseren Geschichten am Bahnhof beginnen, wie es Kurt Tucholskys einmal anmerkte, kann man heute nicht mehr behaupten.
Haltepunkte ohne Menschen
Hinzu kommt das „Bahnhofssterben“. Das Ziel der Kapitalmarktfähigkeit fest im Blick, treibt die DB AG mit dem (Aus-)Verkauf der Bahnhofsgebäude den Abbau des Anlagevermögens und damit die Steigerung der Eigenkapitalrendite voran. Wurden zwischen 1994 und 2006 bereits mehr als 1.200 Bahnhofsgebäude veräußert und mehrere hundert geschlossen, sollen nach im Februar 2007 bekannt gewordenen Plänen mittel- bis langfristig weitere 1.800 der noch verbliebenen 2.400 Stationen mit Empfangsgebäude geschlossen oder verkauft werden. Stets wird dabei eine historische Tatsache verdrängt: Der größte Teil des Bahngeländes wurde den Bahngesellschaften im 19. und frühen 20. Jahrhundert von der öffentlichen Hand mit der Auflage geschenkt, darauf Schienenverkehr zu betreiben.
Doch schon jetzt ist die „Bahnhofsdichte“ massiv gesunken: Lag diese Mitte der sechziger Jahre in Westdeutschland noch bei 4,1 Kilometern, findet sich nunmehr entlang des seit 1994 um ein Drittel geschrumpften Schienennetzes nur noch alle sieben Kilometer ein Bahnhofsgebäude. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen in Zukunft in Summe nur noch 39 Stationen mitsamt Empfangsgebäude im Eigentum des Konzerns stehen. An den übrigen Haltepunkten wird es dann nur noch Bahnsteige, Fahrkartenautomaten und Wartehäuschen geben. Künftig ist nur noch an 83 Bahnhöfen ein „personenbedienter Service“ vorgesehen, also ein Fahrkartenschalter. Andernorts sind Fahrgäste auf Automaten, die komplizierte Internetbuchung oder kostspielige Telefonhotlines verwiesen.
Dies ist nicht bloß ein Verbraucher-Problem. Diese Bahnhofspolitik steht im Widerspruch zur Verfassung. Darin wird der Bund verpflichtet, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes sowie bei den darauf angebotenen Schienenverkehrsleistungen dem „Wohl der Allgemeinheit“ Rechnung zu tragen. Stattdessen jedoch verfolgt der Staatskonzern eine flächendeckende Verkaufsstrategie, die von Kritikern als Beleg für die Kurzsichtigkeit des Managements angesehen wird. Denn dem kurzfristigen Verkaufserlös stehen oft langfristige Mietzahlungen gegenüber. Eine Garantie, dass die Einnahmen aus den Bahnhofs- und Liegenschaftsverkäufen in die Sanierung und Renovierung kleiner und mittelgroßer Bahnhöfe fließen, fehlt ebenfalls.
Innenstädte umgekrempelt
Zweifellos müssen Bahnhöfe, Bahnsteige und Bahntrassen (weiter) modernisiert werden. Dabei sollten jedoch weder wie im Fall „Stuttgart 21“ ganze Innenstädte umgekrempelt werden noch dürfen derartige Großprojekte zu Lasten der kleinen und mittelgroßen Bahnhöfe gehen. Auch in Mittweida, Monheim und Mönchengladbach haben Bahnreisende einen Anspruch auf einen attraktiven Zugang zum Nah- sowie eine verlässliche Anbindung an den Fernverkehr.
Diesem Idealbild aber steht die Investitionspolitik des einst größten Arbeitgebers der Bundesrepublik entgegen: „Die Welt des DB-Konzerns wird von Jahr zu Jahr größer – und sie dreht sich auch schneller“, heißt es in einer Imagebroschüre. Sowohl während der „Mehdorn-Ära“ wie auch unter der Ägide des in der Automobilindustrie sozialisierten Mehdorn-Nachfolgers Rüdiger Grube tätigte die DB AG zahlreiche Zukäufe, die außerhalb des eigentlichen Kerngeschäftsfeldes, nämlich dem heimischen Schienenverkehr, liegen. Für mehrere Milliarden Euro wurden die Straßenspediteure Schenker, Hangartner und Joyau, die britische Güterbahn EWS, der US-amerikanische Luft- und Seefrachtspezialiste Bax Global, die dänische Busfirma Pan Bus sowie der britische Verkehrskonzern Arriva erworben.
Diese Verlagerung der Geschäftsaktivitäten läuft dabei aber ebenso ins Leere wie die Hub-and-spokes-Strategie. Nach ihr wird nicht flächendeckend die Reise-, sondern auf einzelnen Magistralen die Spitzengeschwindigkeit erhöht. Doch was nützt eine auf Hochgeschwindigkeitsstrecken verkürzte Fahrtzeit, wenn die Einsparung wegen der unzureichenden Anbindungen an den Nahverkehr wieder aufgezehrt wird?
Bahn für eine Minderheit
Die polyzentrische Siedlungsstruktur der Bundesrepublik ist geradezu prädestiniert für ein engmaschiges Schienennetz, mit dem möglichst viele Fische auf dem Verkehrsmarkt gefangen werden können. In Verkennung der Tatsache, dass die DB AG binnen zwei Tagen so viele Kunden befördert wie die Deutsche Lufthansa AG innerhalb eines Jahres, konzentriert sich das „Unternehmen Zukunft“ (Eigenwerbung) auf eine spezifische Klientel: zeitsensible Geschäftsreisende, die als 1.-Klasse-Kunden WLAN-Zugang und Mobilfunkempfang im Zug sowie exklusiven Service in den DB-Lounges wünschen. Statt das schnelle Reisen für alle mit einer Flächenbahn zu demokratisieren, wird es mit der Hochgeschwindigkeitsstrategie für eine Minderheit monopolisiert.
Bahnpolitik kann aber nicht erfolgreich sein, wenn der gewünschten Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene mit einigen wenigen, vermeintlich prestigeträchtigen Großprojekten nachgeeifert wird. Stattdessen bedarf es einer intelligenten Vernetzung von Nah- und Fernverkehr, einer engen Taktung des Bahnangebots sowie dessen Ausbau in der Fläche. Dass es dazu auch eines engen Netzes von Bahnhöfen bedarf, haben kleinere Konkurrenten der DB AG in Oberschwaben, im Karlsruher Umland und auf Usedom längst erkannt. Vormals geschlossene Gebäude wurden inklusive Fahrkartenschalter neu eröffnet und saniert – mit Erfolg: Allein die Usedomer Bäderbahn konnte ihre Fahrgastzahlen innerhalb der vergangenen 15 Jahre verzehnfachen.
Ausweitung der Proteste
Ganz ohne Hoffnung ist aber auch die Entwicklung bei der DB AG nicht. Insgesamt 325 Millionen Euro fließen seit Juni dieses Jahres aus den Konjunkturprogrammen I und II in die Sanierung der Bahnhöfe. Und seit 2004 zeichnet das Bündnis „Allianz pro Schiene“ jährlich einen Groß- sowie einen Kleinstadtbahnhof als „Bahnhof des Jahres“ aus. Aber erst, wenn sich die Demonstrationen gegen „Stuttgart 21“ zu einem bundesweiten Protest gegen die rein kapitalmarktzentrierte Investitions- und Expansionspolitik des letzten großen deutschen Staatskonzerns auswachsen, wird ein neues Bewusstsein für den Wert der Bahnhöfe wachsen.
Der liegt jedoch jenseits des Ökonomischen. Bahnhöfe sind nicht bloß Haltestellen für Zugreisende. Sie sind die „Visitenkarten“ des Gesamtsystems Schiene und sollten weder im großen Stile stillgelegt noch zu Kathedralen des architektonischen Fortschritts stilisiert werden. Die „Kultur des Reisens“, die das Transportmittel Bahn gegenüber dem Straßen- und Luftverkehr auszeichnet, beginnt in den Empfangshallen.
Schlichters Spruch: Stuttgart 21 plus
„Stuttgart 21 fortzuführen, halte ich für richtig“, hat Heiner Geißler erklärt – allerdings könne er den Tiefbahnhof nur befürworten, wenn es Änderungen gebe. Die wichtigsten Empfehlungen:
Frei werdende Gleisgrundstücke sollen in eine Stiftung eingebracht werden, um sie Immobilienspekulationen zu entziehen und eine ökologische, soziale Bebauung zu gewährleisten. Die Gäubahn in Richtung Süden bleibt erhalten. Der Tiefbahnhof soll um zwei auf zehn Gleise erweitert werden. Die Bahn verpflichtet sich zu einem Stresstest für Stuttgart 21, in dem eine 30-prozentige Leistungssteigerung in Spitzenzeiten nachgewiesen werden muss. Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit im Tiefbahnhof sollen verbessert werden. Gesunde Bäume im Schlossgarten werden verpflanzt.
Die Bundesregierung hat erklärt, den Schlichterspruch „ernst zu nehmen“. Was das heißt, bleibt aber zunächst offen. Bahnchef Rüdiger Grube sagte, man müsse nun prüfen, „ob wir die Optionen, die von Herrn Geißler aufgeführt worden sind, überhaupt realisieren müssen“.
|
|
Sowohl Peter Conradi als auch Hannes Rockenbauch brachten es in in Ihren jeweiligen Schlussplädoyers am 30.11. ebenfalls und noch mal -wie dieser Beitrag hier von Tim Engartner- auf den Punkt: Die Bahn ist ein öffentliches Unternehmen, dem Bürger zu Diensten. Auch wenn sie (und das hat sich in der bisherigen Form eben mehr als ein Fehler herausgestellt) privatrechtlich verfasst ist.
(Hannes Rockenbauch ab timecode 5:30) |
|
|
Vor zehn Jahren hätte ich vielleicht auch so einen ähnlichen Artikel geschrieben. Aber seien wir doch mal ehrlich: In den meisten "ländlichen Regionen" würden die Leute auch dann nicht mit dem Zug fahren, wenn es eine Fünf-Minuten-Taktung und Cheerleader auf den Bahnsteigen gäbe.
Standardspruch: "Zehn Minuten zum Bahnhof laufen oder radeln? Da kann ich ja gleich mit dem Auto fahren." In sofern kann man der Bahn absolut keinen Vorwurf machen: Sie hat die Zeichen der Zeit erkannt und sich auf das eingestellt was der Bürger in Deutschland heutzutage verlangt, und was die bundesweite Wirtschafts- und Zersiedlungspolitik der letzten Jahrzehnte hervorgebracht haben: Konsum rund um die Uhr und Individualverkehr. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden. Dass Reisen "für eine Minderheit monopolisiert" wird, ist aber Quatsch. Dagegen sprechen schon alleine die seit Jahren steigenden Fahrgastzahlen im Fernverkehr der DB. Prognose für Stuttgart 21: Wenn das Projekt vollendet ist, wird keiner mehr aus Stuttgart protestiert haben wollen |
|
|
Ich stimme dem Kommentar von Querdenker zu. Die Bahn hat beispielsweise in ländlichen Regionen einfach einen Nachteil gegenüber dem Individualverkehr den sie praktisch nicht aufholen kann.
Insofern ist es bedauerlich, das dort viele Bahnhöfe verrotten, aber man muss auch mal eines sehen: In einem schwachfrequentierten Bahnhof kann man nicht persönliche Beratung und ein beheiztes Wartehäuschen vorsehen. Das ist einfach nicht drin. Die Bahn hat hier auch einen riesigen Rucksack zu schultern: Viele Bahnhöfe in kleinen Städten, stammen aus einer Zeit in der die Bahn das Hauptverkehrsmittel war. Es waren zudem umfangreiche Betriebsmittel und Flächen zur Erhaltung des Bahnbetriebes notwendig. Diese Bahnhöfe stehen heute überwiegend unter Denkmalschutz. Aus heutiger Sicht würde niemand für ein 1000-Einwohner Dorf einen Bahnhof mit Empfangsgebäude bauen. Aus vergangener Zeit stehen die aber noch da, und verrotten. Es wäre aber größtenteils weder effizient, noch würde es wesentlich mehr Fahrgäste anlocken (aufgrund des Systemnachteils der Bahn gegenüber dem Auto) wenn man all diese Gebäude aufwendig renovieren würde. Das sind die kleinen Bahnhöfe, dort kann ich die Kritik nachvollziehen, aber da kann man halt nichts machen. Nicht nachvollziehen kann ich sie bei Bahnhöfen mittlerer Größe. Hier fallen mir zahlreiche Beispiele gut erhaltener Bahnhöfe ein. Einige Beispiele gefällig? -Uelzen (ca 35000 Einwohner) ein toller Bahnhof. -Wilhelmshaven (ca 70000 Einwohner). Ein Bahnhof mit integrierten Einkaufzentrum, beweist eindruckvoll das so was nicht nur in Großstädten möglich ist. Da gibt es zahlreiche positive Beispiele wo an den Bahnhöfen viel gemacht wurde und zudem gibt es auch viele Bahnhöfe wo zumindest das Nötigste gemacht wurde. Auch das Fahrzeugmaterial wurde die letzten Jahre erneuert. Vor zehn Jahren war ich noch viel in den Silberlingen unterwegs, heute werden diese im Normalbetrieb nur noch sehr selten eingesetzt. Zu den kritisierten Hochgeschwindigkeitsstrecken: Die Bahn braucht diese Strecken in gewissen Umfang. Ohne diese Strecken hat die Bahn weder im Vergleich zum Auto noch zum Flugzeug eine Chance zu konkurrieren. Und es mitnichten so, das in den ICE nur Geschäftsreisende sitzen, die sonst das Flugzeug nutzen würden. Nehmen wir als Beispiel die Verbindung Hannover-Berlin. Dort gibt es die neu gebaute bzw. ausgebaute Schnellfahrstrecke über Wolfsburg und Stendal und die weiterhin existierende historische Strecke über Braunschweig und Magdeburg. Der Fahrzeitvergleich: -Mit dem ICE über die Schnellfahrstrecke: 1 Stunde 37 Minuten -Über die alte Strecke: 2 Stunden 51 Minuten Die Fahrt über die alte Strecke ist ähnlich schnell wie mit dem Auto. Wäre die Strecke von Hannover nach Berlin nicht zur Schnellfahrstrecke ausgebaut worden, wäre die Bahn einfach nicht attraktiv für Autofahrer- und für Flieger sowieso nicht. Die Schnellfahrstrecken rechtfertigen zu einem Teil erst die vielen kleinen regionalen Bahnhöfe, die als Zubringer für diese Strecken diesen. Natürlich werden sie zu einem großen Teil auch von Pendlern genutzt. Nur: Wollen wir eine Bahn die das gesamte Angebot bedient, oder wollen wir eine Bahn die sich hauptsächlich auf Pendler und auf den Nahverkehr konzentriert? (Und hier auch nur auf die rentablen Strecken denn im ländlichen Raum hat die Bahn einfach einen Systemnachteil). |
|
|
schrieb am
02.12.2010 um 17:40
Das beste Beispiel dafür, das man schnelle Verbindungen braucht, ist Cem Özdemir der vom Stuttgarter Flughafen nicht schnell genug in die Innenstadt kam und deshalb einen Hubschrauber nehmen musse. Wäre Stuttgart 21 bereits fertiggebaut, hätte er es zeitlich ohne Hubschrauber geschafft.
|
|
|
schrieb am
02.12.2010 um 17:40
Das beste Beispiel dafür, das man schnelle Verbindungen braucht, ist Cem Özdemir der vom Stuttgarter Flughafen nicht schnell genug in die Innenstadt kam und deshalb einen Hubschrauber nehmen musse. Wäre Stuttgart 21 bereits fertiggebaut, hätte er es zeitlich ohne Hubschrauber geschafft.
|
|
|
Wenn Mandelbrot und Querdenker im Doppelpack sich solche Mühe geben, dann ist das wohl auch ein Zeichen dafür, dass der obige Beitrag von Tim Engartner ein schwerer Brocken für neoliberale Zweck-Fatalisten darstellt.
Die alte „Masche“ -um ein Bild des Autors aufzugreifen- angesichts solch' fundierter Argumentation ist die gleiche, wie Bitzer und Kefer sie in der S21-Schlichtung anwandten: „Das Kind ist doch nun schon, leider-leider & blöderweise in den Brunnen gefallen (Auto/Konkurrenz/Flieger-Blablabla), also lasst uns wenigstens diesen Weg konsequent zu Ende gehen.“ Merkt einer was? |
|
|
schrieb am
02.12.2010 um 22:51
*gähn*
Neoliberale Zweck-Fatalisten? Oh man. Geht noch? Wie wärs wenn sie inhaltlich auf unsere Einwände eingehen würden? Ich argumentier ja auch gar nicht mit "das Kind ist in den Brunnen gefallen". Es spiegelt nur unsere Erfahrungen wieder. In ländlichen Gebieten fahren nur die Leute mit dem Zug oder öffentlichen Verkehrmitteln, die sich kein Auto leisten können- da kann das Angebot noch so gut sein, es wird immer dem Auto unterliegen. Das ist eine persönliche Erfahrung die ich schon zigmal erlebt hab. Wenn sie daran was ändern wollen, ginge das nur wenn sie den Autoverkehr stark verteuern. Dafür werden sie aber keine Mehrheit finden. In dem Artikel steht nee absolute Schwarz/Weiß Sicht. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein modernisierter Fuhrpark im Nahverkehr und zahllose schöne und instandgehaltene Bahnhöfe auch in kleineren Städten sprechen eine andere Sprache. |
|
|
Yo, Mandelschnitte *gähn* -und Gute Nacht.
|
|
|
Yo, Mandelschnitte *gähn* daselbst -und Gute Nacht erst Mal.
|
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 01:22
Ab ins Bett, träumen sie von K21 und wachen sie in 10 Jahren aus diesem Alptraum auf um den wunderbaren neuen Bahnhof in Stuttgart zu bewundern.
|
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 07:24
Auch ein Mantra:
>>In ländlichen Gebieten fahren nur die Leute mit dem Zug oder öffentlichen Verkehrmitteln, die sich kein Auto leisten können- da kann das Angebot noch so gut sein, es wird immer dem Auto unterliegen<< Dort, wo ein flächendeckendes und zeitlich dichtes öffentliches Verkehrsnetz angeboten wird, wird es auch benutzt. Nicht nur in der Schweiz, wo das Bahnnetz nie in dem Masse abgebaut wurde wie in der BRD. Sondern es zeigt sich, dass dort, wo die Bahnanschlüsse aus dem ländlichen Raum in die Stadt verbessert wurden, auch Menschen umsteigen. Da muss man sich nur mal den Grossraum Karlsruhe anschauen. Aber wer Automoblilaktien hat lenkt den Blick natürlich immer dort hin, wo die Anbindung des ländlichen Raumes schlecht ist. Würde ich wohl auch so machen, denn das Sein bestimmt das Bewusstsein. |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 12:58
Claudia
Ja das Beispiel Karlsruhe zeigt doch auch, das der obige Artikel nicht stimmt. Es gab viele erfolgreiche Projekte auch im Nahverkehr in den letzten zwanzig Jahren. Nur die Peripherie von größeren Städten ist auch nicht das worauf ich hinaus wollte, sondern eher wirklich ländliche Gebiete mit nur kleineren Städten wie z.B. in Flächenländern wie Niedersachen, und da trifft das leider zu. |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 20:41
>>sondern eher wirklich ländliche Gebiete mit nur kleineren Städten<<
Gibts in Süddeutschland auch. Zum Beispiel auf der westliche schwäbischen Alb: Der Bahnbetrieb wird dort von hohenzollerischen Landesbahn (HZL) gemacht, und die gehörte nie zur Bundesbahn und hat sich niemals selber stillgelegt. Oder am Bodensee: Auf der Strecke Engen/SingenRadoflszell/Konstanz hat die DB nie einen Nahverkehr mit handhabbaren Taktzeiten zuwege gebracht. Seit die Strecke von einer Schweizerischen Bahngesellschaft betrieben wird, flutscht das. Die SBB hat schon mal angeboten, die Strecke Lindau-München zu übernehmen, um einen zeitgemässen Verkehr zwischen Zürich und München einzurichten. Das hat die DB abgelehnt. Sie tut abrer nichts für Verbesserungen. Es wird mit Dieselloks gefahren, deren Traktion für die Steigungsstrecke von Lindau bis Oberstaufen völlig unzureichend ist. Oder man umgeht die Steigung über Memmingen, aber diese Strecke ist eingleisig und somit störungsanfällig. Daran soll sich nach deutschem Willen auch nichts ändern. Begründung: "kein Geld vorhanden". Ich bin dafür, dass die SBB den Verkehr in der BRD peu a peu übernimmt. (Der Grundgütige stünde sich bestimmt nicht schlechter, wenn er bei der SBB angestellt wäre :-) ) --- Karlsruhe mit den Direktverbindungen vom Stadtzentrum bis weit ins Hinterland hinein gilt als vorbildlich. Aber die Entwicklung ging von der AVG aus und nicht von der DB. Kleine Bahngesellschaften, die die Autolobby nicht Griff hat, kriegen das in der Regel gut hin. |
|
|
Die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die Junge Union trägt nicht unbedingt zur Wahrheitsfindung bei.Nicht war Mandelbrot?
Da ich seit über 40 jahren im Fahrdienst der Bahn arbeite, und so die Entwicklung im Fern als auch Nahverkehr beobachten konnte, die ersten zwanzig Jahre war ich im Nahverkehr, kann ich mir vielleicht ein Urteil erlauben. Zu Zeiten der Bundesbahn, die neben einer Beamtenherrlichkeit, dagegen ist heute jede Arbeit einfach nur Scheisse, auch die Bedienung des ländlichen Raumes versah. gab es nur den Wettbewerb Strasse -Schiene. Fliegen für 19,90 EURO gab`s nicht. Es ändern sich die Zeiten, wir müssen uns mit ändern, oft gegen unseren Willen, und auch gegen jede Vernunft. Als die Bundesbahn quasi privatisiert wurde, brach der Wettbewerb zwischen drei Verkehrsträgern voll aus. Die Bahn verlor den Frachtverkehr massiv an den Lkw, weil der auch subventioniert wird. Seine Lasten für die Allgemeinheit trägt überwiegender Weise der Steuerzahler. Fliegen wird auch massiv subventioniert, über Steuervergünstigungen. Das die Bahn auch Steuergelder bekommt, ist kein Geheimnis. Was die Frage aufkommen lässt, welches Verkehrssystem ist am günstigsten, hat die meisten Umweltvorteile, und nicht zuletzt, hat eine berechenbare Zukunft. Also, Querdenker baut die autogerechte Stadt. Mandelbrot bleibt mit dem Arsch zu Hause auf dem Sofa sitzen. Da kann nix anbrennen. Ich baue eine vernetzte Bahn. Auch auf dem Land. Man muss es wollen. Ebenso wie einige Zeitgenossen unbedingt den Stuttgarter Hbf unter die Erde haben wollen, was ich für reine Geldverschwendung halte, will ich eine Bahn, die systematisch ein Netz schafft. Park&Ride Flächen platzen schon heute aus allen Nähten. Und das hat einen Grund. Wer einmal morgens um 7.00h die Verkehrsnachrichten einschaltet, der kann nur noch zynisch von Verkehr reden, das ist Krieg ohne Schießen. Da fahre ich dann doch gerne mit der Regionalbahn in die Stadt, setze mich in den Anschlußbus, und bin da, wo ich sein will oder muss. Wenn dann die Bahn eine Angebot macht. Ich kenne viele Verkehrsströme in Deutschland,habe in vierzig Jahren fast alle Bahnhöfe gesehen, mich mit den Menschen unterhalten, die Bahn fahren. Wenn das Angebot stimmt, dazu zählt auch der Preis, ganz wichtig, bleibt das Auto stehen. Denn wohin in der Stadt damit? Viel Bahnhöfe der DB verlottern, kein Geld, kein Interesse, kein Plan. Dabei wäre nur ein öffentliches Angebot, preiswert und gut, in der Lage die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Jetzt komm mir bitte keiner mit dem E-Auto, auch das braucht Fläche, und in der Masse Atomenergie, womit sich jetzt auch die Laufzeitverlängerung erklärt, nicht war Mandelbrot? Regenerative Energie kann nämlich die damit verbundenen Strommengen nicht erzeugen. Wieder eine Sackgasse. Wenn man unideologisch an das Verkehrsproblem herangeht, kann man als Grundträger nur auf die Bahn kommen. Fliegen mit den heutigen Techniken hat sich bald erledigt. Da wäre doch der Transrapid von Lissabon nach Moskau eine Alternative gewesen. Was machen die dummen Menschen von der CDU, planen eine 70km Strecke. Mandelbrot, eigentlich hat sich ihresgleichen schon lange überholt, sie haben kein Konzept für die Zukunft, weil Stuttgart21 ist keins. |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 11:55
Grundguetiger, danke. Die mandelbrotsche Denkweise ist nun mal die des Technikglaeubigen, bar jeglicher gesellschaftlicher Verantwortung fur die kommenden Generationen. Gemacht wird, das machbar ist. In den 70ger Jahren gab es dafuer den Begriff des "Fachidioten": Einer, der vermeintlich streng fachlich argumentiert, und dabei menschliche und gesellschaftliche Zusammenhaenge ausser Acht laesst.
Ich wage einmal einen Vergleich, der methodisch gemeint ist, nicht von der Sache her. In Suedafrika, wo ich mich z.Z. aufhalte, wird mir sehr viel Bewunderndes fuer "die Deutschen" entgegen gebracht, "technisches Denken", "die besten Ingenieure und Organisatoren" usw. Deutsche gelten als die effizientesten Menschen ueberhaupt. Nun erstreckt sich diese Bewunderung nicht nur auf Mercedes, BMW und AUDI, sondern explizit auch auf die technischen und organisatorischen Leistungen der Nazis und deren Wehrmacht. Der bekannteste Deutsche hier (und ich fuerchte auch anderswo) ist Hitler. Doch das nur nebenbei. Meine Frage: Welchen Wert hat das beste fachliche Wissen, wenn man es, bar jeden humanen und sozialen Gewissens, einsetzt? Nur weil es technisch machbar und wirtschaftlich wuenschenswert erscheint? Ich denke, die S21-Gegner haben ein soziales Gewissen. Deshalb protestieren sie gegen ein Projekt, das wirtschaftlich lukrativ ist technisch faszinierend sein mag. Aber dient es wirklich den zukuenftigen Generationen? |
|
|
Jetzt komm mir bitte keiner mit dem E-Auto, auch das braucht Fläche, und in der Masse Atomenergie [...] Wenn man unideologisch an das Verkehrsproblem herangeht, kann man als Grundträger nur auf die Bahn kommen. Unideologisch sicherlich, weil die Bahn weder Fläche noch in Massen Atomenergie benötigt. Fliegen mit den heutigen Techniken hat sich bald erledigt. Da wäre doch der Transrapid von Lissabon nach Moskau eine Alternative gewesen. Ein europäisches Bahn-Prestige-Projekt? Grundgütiger, wollen Sie in der Freitags-Community gelyncht werden? |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 13:07
@ Grundgütiger
Auch wenn sie mir das jetzt nicht glauben, aber: Bis auf ihre billige "Junge Union"-Polemik stimme ich ihnen weitesgehend zu. Übrigens bin ich auch kein Freund der Kernenergie. Was haben sie denn aufgeführt? Das die Bahn im Wettbewerb mit Auto und Flugzeug keine wirklich Chance hat. Da mach ich nen dicken Haken dran. Wie ändern wir das nun? Indem wir Flug- und Autoverkehr massiv verteuern. Auch da wäre ich sofort bei ihnen. Das Problem ist hier nur: Dafür gibts keine politischen Mehrheiten. Es gibt eine riesiege Auto-Lobby in Deutschland. Selbst die Grünen sind nicht mehr auf ihren Feldzug gegen das Auto so wie früher (Liter Benzin sollte fünf Mark kosten). Also kann man die Situation zur Zeit nicht ändern und hier sehe ich es halt anders als sie. Die Bahn muss halt sehen wo sie bleibt und sich im Fern und Nahverkehr auf die Strecken konzentrieren wo es Sinn macht, alles andere bringt nichts. Alles andere macht keinen Sinn. Wenn sie was ändern wollen, ändern sie die Rahmenbedingungen in denen die drei Vehrkehrsträger miteinander konkurrieren. |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 13:09
@ Grundgütiger
Ach noch zu ihrer Idee eines Transrapids von Lissabon nach Moskau: Ich sehe schon die Bürgeriniativien die sich gegen dieses "Wahnsinnsprojekt" in Deutschland erbittert zu Wehr setzen, während in allen anderen Ländern die Trasse schon steht *lol* |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 13:23
>>Unideologisch sicherlich, weil die Bahn weder Fläche noch in Massen Atomenergie benötigt.<<
Ach Leute, schaut euch halt mal den Flächenvergleich Bahn/Strassenverkehr pro Tonnenkilometer/Personenkilometer an, bevor ihr schreit. Fragt mal einen Physiklehrer, warum das System Metallrad/Metallschiene pro tkm/Pkm so viel weniger Energie verbraucht als die Strassenfahrzeug. Wenn ihr schon im Physikunterricht geschlafen habt. Ich habe es schon mal erklärt, da könnt ihr auch nachschauen. www.freitag.de/wissen/1044-der-halbierte-b-rgersteig?searchterm=der+halbierte+B%C3%BCrgersteig www.freitag.de/politik/1017-woher-kommt-der-strom |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 13:40
Ich bin großer Freund des Schienenverkehrs, aber das stimmt so nicht ganz. Bitte sehen sie sich dieses Video an:
www.swr.de/im-gruenen-rp/-/id=100810/did=6075718/pv=video/nid=100810/xfufzj/index.html Dort wird beispielsweise aufgeführt, das der Pro Kopf Verbrauch an Energie bei einem schlechtausgelasteten Personenzug, größer sein kann als bei einem Kleinwagen. |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 20:07
Das hab ich erwartet, Mandelbrot, weil es immer an der Stelle kommt: Man sucht sich einen Zug in der schwachen Verkehrszeit und einen Kleinwagen beim Sonntagsausflug.
Pkm-Verbrauch PKW: Tagesgesamtverbrauch zwischen zwei Orten geteilt durch Personen pro Tag auf der Strecke Pkm-Verbrauch Schiene: Tagesgesamtverbrauch zwischen den gleichen Orten geteilt durch Personen pro Tag auf der Strecke Wenn man die beiden Energiebilanzen vergleicht, kommt die Strasse im Personenverkehr schlechter weg als der Güterverkehr. --- Immerhin war in dem Film aber gesagt worden, dass die Bahn im Gegensatz zu Strasse und Flugverkehr keinerlei Subventionen erhält. Sonst wäre sie nämlich zu billig. Und das hat sehr direkt mit dem Korruptionsgeld zu tun, das gewisse Konzerené den Parteien Jahr für Jahr zuschieben. |
|
|
schrieb am
03.12.2010 um 20:21
@ Claudia
Lesen sie auch meine anderen Beiträge? Ich wäre sofort dafür Massnahmen einzuleiten um den Bahnverkehr zu stärken... -Einführung der PKW Maut -Flugbenzin besteuern -Ökosteuer auf Kraffstoff erhöhen, die Bahn aber komplett ausnehmen... -etc. Dafür werden sie aber nun mal leider keine Mehrheiten finden. Das die Bahn eine gute Öko-Bilanz hat, ist unstrittig. Das hab ich auch nicht in Abrede gestellt. |
|
|
schrieb am
04.12.2010 um 04:28
Doch, Mandelbrot, lese ich, und nicht nur Ihre.
Deswegen versuche ich ja, ein bisserl naturwissenschaftliche Neugier anzuregen. Und deswegen erkläre ich auch, [b]warum[/b] keine Bundestagsmehrheit für energieeffiziente Verkehrspolitik zu finden ist. Einen politischen und ökonomischen Status quo als gottgegeben zu propagieren: Das ist eben eines der Leitsymptome der Fortschrittsfeindlichkeit. Und es ist nicht nur die Parlamentsmehrheit, sondern es werden auch qualifizierte ausserparlamentarische Diskussionen propagandistisch unterbunden, nicht nur im Verkehrsbereich. Man macht es den Leuten leicht, indem sie nicht denken müssen, sondern zitieren können. Die politische Hauptstossrichtung muss sich deswegen gegen die Korruption richten. Dann könnte das Parlament auch mit der Zeit ein höheres Niveau entwickeln... |
|
|
schrieb am
04.12.2010 um 14:09
@ Claudia
Warum man keine Bundestagsmehrheit für eine effizente Verkehrpolitik findet? Tja der Grund ist so einfach wie banal: Weil Deutschland eine starke Automobilindustrie hat an der viele Arbeitsplätze hängen. Über diese Rechnung das jeder siebte Arbeitsplatz am Auto hängt, wie immer behauptet wird, kann man sicher Zweifel hegen, fest steht: Es sind eine ganze Menge Arbeitsplätze, direkt und indirekt. Keine Regierung wird absichtlich Maßnahmen einleiten um diese Industrie zu schwächen- auch nicht Rot-Rot-Grün. Und alle Massnahmen die eine Stärkung des Bahnverkehrs bedeuten würden- Autobahnmaut, Tempolimit, Ökosteuer-Anhebung, etc.- würden nun mal die Schwächung mit sich bringen. |
|
|
schrieb am
04.12.2010 um 20:40
@Mandelbrot
"Warum man keine Bundestagsmehrheit für eine effizente Verkehrpolitik findet? Tja der Grund ist so einfach wie banal: Weil Deutschland eine starke Automobilindustrie hat an der viele Arbeitsplätze hängen." Faktencheck: Die Schweiz hat keine eigene Automobilindustrie, dafür ein sehr gutes Bahnsystem. Und siehe da, denoch gibt es da fast soviele PKW pro Einwohner wie in Deutschland. |
|
|
schrieb am
04.12.2010 um 22:26
Faktencheck: Pro Kopf kommen in der Schweiz 525,52 Autos auf 1000 Einwohner und in Deutschland 573,03 Autos (Quelle: www.welt-in-zahlen.de/laendervergleich.phtml?indicator=126)
Macht einen Unterschied von immerhin fast 10 %, also scheint sich der Unterschied Autoland (Deutschland) und Bahnland (Schweiz) auch in den Zahlen auszudrücken. Den Zusammenhang den sie nicht verstehen ist doch ganz einleuchtend: Gerade weil die Schweiz nicht auf die Autoindustrie Rücksicht nehmen musse, konnte sie den Bahnverkehr so expansiv ausbauen. Wenn sie als Verkehrsminister einen Maut auch für PKWs vorschlagen (die würde den Bahnverkehr wohl ohne Frage stärken) ist ihre politische Karriere so gut wie beendet. Die Rechnung man könnte den Bahnverkehr stärken ohne das es weniger PKWs gibt, erschließt sich mir nicht. Und deshalb haben sie nach wie vor eine riesige Auto-Lobby in Deutschland. Ich will dieses Auto-Lobby nicht kritisieren, schließlich hängen da Millionen von Arbeitsplätzen dran- und der Großteil sind gute Arbeitsplätze mit vernünftigen Löhnen- denken sie nur an VW und Porsche. Die setzt niemand leichtfertig aufs Spiel. |
|
|
schrieb am
05.12.2010 um 12:07
@Mandelbrot
Zwischen "Autoland Deutschland" und "Bahnland Schweiz" liegen also 10% mehr oder weniger PKW. Das ist zu vernachlässigen. Du kannst getrost beide Länder als "Autoland" bezeichnen. Zumal USA und Kanada - Länder, in denen ohne Auto meist gar nichts geht - zwischen Deutschland und Schweiz liegen. Für den Besitz von PKWs scheint der Ausbau des Schienennetzes also nur von geringer Bedeutung zu sein. Und in zehn Jahren wird es sicherlich auch in Deutschland eine PKW-Maut geben. Da machen wir uns mal nichts vor. Und Auto fahren wird man trotzdem. |
|
|
schrieb am
05.12.2010 um 14:48
@gweberbv:
>>Die Schweiz hat keine eigene Automobilindustrie, dafür ein sehr gutes Bahnsystem. Und siehe da, denoch gibt es da fast soviele PKW pro Einwohner wie in Deutschland.<< Wenn viele Leute, die ihre Alltagsbewegungen mit energieeffizienten Schienenverkehrsmitteln durchführen, sich trotzdem ein Automobil in die Garage stellen wollen, dann können sie das ja tun. Solange es in der Garage steht, verheizt es immerhin kein Erdöl :-) Es kommt aber darauf an, dass flächendeckend ein Angebot an gut handhabbaren öffentlichen Verkehrsmitteln angeboten wird. Deswegen habe ich den Grossraum Karlsruhe als Beispiel genommen: Wo die Leute von kleinen Orten weit ausserhalb ohne Umsteigen ins Karlsruher Strassenbahnnetz kommen, da nutzen sie das auch, weils bequem ist. Wo man erst auf die verspätete Stundentakt-Bummelbahn warten und dann noch zweimal umsteigen muss, fahren sie mit dem Auto. >>Und in zehn Jahren wird es sicherlich auch in Deutschland eine PKW-Maut geben.<< Das habe ich vor zehn Jahren auch schon mal gehört. --- @Mandelbrot: Immer die gleiche Leier. >>Weil Deutschland eine starke Automobilindustrie hat an der viele Arbeitsplätze hängen.<< Die Automobilindustrie hat in den 90er Jahren massenhaft Leute entlassen, denn Automobile werden heute weitgehend von programmgesteuerten Maschinen hergestellt. Antwort darauf: „Das ist alternativlos, uns geht die Arbeit aus und die müssen künftig halt irgendwo für fast keinen Lohn arbeiten.“ Frage dazu: „Wie wärs mit mehr Arbeitsplätzen im öffentlichen Verkehr?“ Antwort: „Um Himmels willen, nein, wir brauchen die Arbeitsplätze in der Autoindustrie!!“ Ist ein Mehr an Arbeitsplätzen im öffentlichen Verkehr schlecht? Herstellung von Fahrzeugen, Wartung von Strecken und Fahrzeugen und Fahren. Arbeitsplätze, die nicht so leicht wegverlegt werden können? >>Ich will dieses Auto-Lobby nicht kritisieren,<< Das ist schon klar: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Wissen Sie noch, was Sie in der BGE-Diskussion so alles zum Thema „Arbeit&Einkommen“ abgesondert haben? Sollen wir mal nachschauen? :-) |
|
|
schrieb am
05.12.2010 um 15:39
@gweberbv
Kein Politiker wird absichtlich die deutsche Autoindustrie durch irgenwelche Massnahmen schaden. Der ADAC ist eines der größten Lobbygruppen in Deutschland mit über 17 Millionen Mitgliedern! Kommen sie da mal gegen an. @ Claudia Sondern sie hier nicht so einen Unfug ab. Welche deutsche Autofirma hat in den 90ern massenhaft Leute entlassen? Bitte listen sie die Firmen mit Quellen auf! Das würde mich wirklich mal interesieren. Autos werden noch lange nicht vollautomatisch hergestellt! Da hängen massenhaft direkt und indirekt Arbeitsplätze dran! Und vieles davon sind gute Arbeitsplätze mit hohen Stundenlöhnen! Unsere Autos sind in der ganzen Welt gefragt. Das ist eine gut funktionierende Industrie und die wollen sie kaputtmachen, mit der vagen Aussicht das dann neue Arbeitsplätze im Nahverkehr entstehen? Ach ja ich vergaß, Export ist ja automatisch schlecht. Auf der Exportindustrie beruht zum großen Teil nun mal unser Wohlstand. Ehrlich, ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen sind an Naivität nicht mehr zu überbieten, da graust es mir falls Leute mit sowenig Sachverstand mal an die Macht kommen sollten. |
|
|
schrieb am
05.12.2010 um 20:12
>>Bitte listen sie die Firmen mit Quellen auf!<<
Natürlich wissen Sie, Mandelbrot, dass ich jetzt nicht Zeitungsarchive durchsuche und die Ergebnisse apportiere. Es wird aber Menschen geben, die vor 20 Jahren auch schon Zeitung lasen und sich an die Berichte über Entlassungswellen erinnern. Manche haben ja auch Gewerkschaftserfahrung, wie ich. Nicht nur, aber auch in der Automobilindustrie. Ausser bei VW, dort wurde eine andere Lösung gefunden, und wir haben auch schon mal besprochen, warum. In den verschiedenen „BGE“-Diskussionen wurde das Thema schon andiskutiert. Wir können ja dort weiter machen. Hier nur so viel: Wenn Sie für sichere Arbeitsplätze sind (und für eine Reduzierung des CO2-Ausstosses?), dann sollten Sie auf mehr Jobs im öffentlichen Verkehr setzen. In einem Verkehrssystem mit dichter Vernetzung von Fern-, Regional-und Lokalverkehr. >>Ach ja ich vergaß, Export ist ja automatisch schlecht.<< Klar, das muss man sagen. Sonst würden Sie ja noch darüber nachdenken, was man ausser Benzinkochern so alles exportieren kann. Und wie man zu einem ausgewogenen Verhältnis von Export und Import käme. Das wäre von Übel, gell? :-) |
|
|
schrieb am
05.12.2010 um 20:28
@ Claudia
Nein, zu einem ausgewogenen Verhältnis von Export und Import zu kommen ist absolut richtig! Nur kann der Ansatz doch nicht sein, den Export zu schwächen! Man muss die Binnennachfrage stärken, durch höhere Löhne und Beteiligungen an den Gewinnen. Nur Löhne muss man eben auch erwirtschaften, und ein großer Teil kommt aus dem starken Export! Wo soll er auch sonst her kommen? Mit ihren Umverteilungsfantasien kommen sie unterm Strich nicht weit. Auch bei Opel. Mercedes, BMW oder Porsche kann ich keine Entlassungswellen finden! Ich habe mehrmals gegoogelt! Ihre Beteuerung reicht mir da leider nicht aus. Was die Zuliefererindustrie betrifft, da kann das durchaus sein. Nur das ist ein anderes Thema. Auch im besten System, werden sie im einen oder anderen Fall keine Entlassungen verhindern können. |
|
|
schrieb am
06.12.2010 um 05:43
>>Mit ihren Umverteilungsfantasien...<<
Welche Phantasien über Andere Ihnen Ihre Phanatsie einflüstert, wird wohl auf ewig Ihr Geheimnis bleiben. :-) |
|
|
@Grundgütiger: Ich kann ihnen nur zustimmen, dass die Bahn im Zentrum der Verkehrspolitik stehen sollte!
Die optimale Lösung wäre eine durchgeplante Kombination aus Schienenverkehr für Reisen zwischen Städten (U-Bahnen in den Städten) und ein flexibles, kostengünstiges Leihsystem von Elektroautos und Elektrofahrrädern. Das sind Maßnahmen die sich schon in naher Zukunft realisieren lassen. Das hieße aber ein staatliches Verkehrssystem (ohne Beamten bitte!) oder was auch möglich wäre, dass nur das Netz (die Hardware) staatlich wäre. Langfristig ist ein innerstädtisches Transportsystem für Waren als Pendant zur U-Bahn anzudenken, dass vollautomatisch ähnlich dem Koffersystem am Flughafen funktioniert. Alle Verkehrsteilnehmer müssen außerdem übers Internet vernetzt werden, sodass Staus vermieden werden können und z.B. Ampelschaltungen sich in Echtzeit am Verkehrsaufkommen orientieren. Zu Stuttgart... ein Tiefbahnhof bringt sicherlich Möglichekeiten zur Stadtentwicklung, aber er ist nicht genug in ein Gesamtkonzept eingebunden in die Zukunft. Die Mehrdimensionalität eines Bahnhofes wurde im Artikel angesprochen, aber dieser wurde die Bahn in ihren Planungen nicht gerecht. Zuerst sollte man über Ziele und gewünschte Verbesserungen reden und dann über die Kosten. Viele haben es noch nicht verstanden... Wir müssen integrative Systeme bauen und was gleichzeitig bedeutet, dass auch integriert geplant werden muss. K21 und S21plus hätten also Bestandteil der Planung der Bahn sein können, wenn man Fahrgäste, Kritiker, etc. in den Planungsablauf integriert hätte. |
|
|
Also, nochmal, S21 hatte zu Beginn überhaupt keine Befürworter, ausser den üblichen Verdächtigen.
Da ich mein eigenes Wikileaks habe, hat mir eine späte Schwalbe erzählt, das der Herr Mappus getobt haben soll. Wenn die junge Union nicht innerhalb einer kurzen Frist Hosianna Rufer besorgen könnte, säßen ein paar Köpfe locker. Und wer läuft schon gerne ohne Kopf herum, wobei motivierend noch der Umstand hinzukommt, das man die Strasse nicht derselben überlassen kann. Bei der Bahn hat man vor lauter Eifer vergessen , den neuen Bahnhof verkehrsgerecht anzubinden. Was für die Herren Bahnhofsbauer, (Kefer und andere) natürlich auch zweitrangig ist. Die bauen auch einen Hafen in der Wüste, gibt nämlich Subventionen dafür. Dafür warfen sie den Gegnern Planlosigkeit vor. Für mich als Bahner sind die Herren eh von einem anderen Stern. Ihr Einkommen steht diametral zur Sachkenntnis. Ich bin ja schon dankbar, das sie mikrifonfest sind. Und keine englischen Ansagen machen müssen. Was die Arbeitsplätze in der Autoindustrie angeht, ich würde meinen Kindern nicht raten, sich auf diese Branche zu trainieren, hier gibt in absehbarer Zukunft viele Tränen. Allein schon wegen des Überangebots. Strukturwandel gibt es hier bei uns im Ruhrgebiet zuhauf. Auch wenn er sauschwer ist, er muss kommen. Das sich die Autoindustrie schwertut, wen wunderts, ist so einfach, immer nur Autos bauen, das kann man ja schon seit über hundert Jahren, jetzt noch umdenken? |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen